Nachtrag zum geschl. Thema: Warum klingt...

  • Man möge mir verzeihen das ich mich jetzt nochmal mit diesem Thema beschäftige,

    aber es sollte schon die Möglichkeit geben das Thema aus technischer Sicht auszudiskutieren!


    Kupferleiter werden bei zunehmender Erwärmung hochohmig, das kann bis zum Ausfall

    von Apparaturen führen.

    Beim früheren Wohnmobil meines Vaters war es so, daß der Motor den Anlasser sammt Kabel

    bei längerer Fahrt stark erhitzte.

    Dies führte dazu, daß der Wagen dann oft gar nicht anspringen wollte, erst wieder nach dem

    Abkühlen.


    Durch den Wechsel und Einbau einer dickeren Leitung wurde das Problem beseitigt.


    In Stereo-Anlagen usw. werden Bauteile bis an die Grenze der Belastung erhitzt, das ist nicht gut!


    Wenn der Unterschied hörbar sein soll ist er erst recht meßbar!

    Man könnte dies durch Anlegen und Aufzeichnen von verschiedenen Rechtecksignalen

    dann ja nachweisen!

    Wo bleiben alsi die physikalischen Beweise?

    Gruß!

    Scotty beam me up, there is no more AM radio and 4/3-ratio-television in Germany! ;( 

  • Hallo Fernseheumel,

    da es hier um eine rein technische Frage geht, und ich in dem erwähnten Thread dazu einige Punkte aufgeführt habe, fühle ich mich in gewisser Weise angesprochen. Ausserdem geht es hierbei ja um Sicht- und Nachweisbare Effekte, insofern sehe ich keinen Grund hier nicht weiter zu machen.


    Zu deinen Fragen:

    "Kupferleiter werden bei zunehmender Erwärmung hochohmig, das kann bis zum Ausfall von Apparaturen führen."

    Diese "Erscheinungen" dürftest du wohl nur in der Autoindustrie finden. In den HiFi-Verstärkern wohl kaum. Obwohl es auch hier Tuningmassnahmen gibt, wo man mit dickeren Zuleitungen spez. für die Stromversorgung von Endstufen noch einen Klangzuwachs erreichen kann, sind die Geräte weitestgehend ausreichend dimensioniert um einem Ausfall zu entgehen.


    Doch welchen Nachweis erwartest du hier? Es ist allgemein bekannt, das kleinere Querschnitte einen größeren Widerstand aufweisen. Größerer Widerstand = größerer Spannungsabfall bei gleicherem Strom = größere Spannungsschwankungen (+ höhere Verlustleistung = mehr Wärme). Da so gut wie alle Hersteller in dieser Branche allergrößten Wert auf eine stabile Spannung legen ist ja allgemein bekannt, und es wird in deren Prospekten ja auch immer expliziet erwähnt. Dabei ist es egal ob ich von einem Phono-Preamp ausgehe oder von einer Endstufe - in beiden Fällen verhindern Spannungsschwankungen die Reproduktion der im Original vorhandenen Dynamik.


    "In Stereo-Anlagen usw. werden Bauteile bis an die Grenze der Belastung erhitzt, das ist nicht gut!"

    Ich gebe dir Recht, das ist nicht gut. Es findet in der Regel ja auch nicht statt, aber es gab (und gibt es immer noch) Experten, welche gewisse Bauteile in der Tat bis an ihren Grenzen ausfahren um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Die Ursache für diese Vorgehensweise ist in der Vergangenheit zu suchen, als es noch nicht so breitbandige Transistoren gab. Da war Class-A ab einer bestimmten Qualitätsstufe quasi Pflicht. Als Beispiel dazu mal zwei relativ preiswerte Kandidaten aus der Zeit - die Hiraga Class-A und der Musical Fidelity A1 - beide sind mit sehr simplen Transistoren aufgebaut, welche aber bis an ihre Grenze ausgefahren werden. In beiden Fällen wurde jedoch für ausreichend Kühlung gesorgt, so das hier Ausfälle eher eine Ausnahme darstellen. Und auch die Leiterbahnen wurden da ausreichend dimensioniert - mir ist von beiden Kandidaten noch kein Exemplar untergekommen, bei welchen die Leiterbahnen Probleme bereitet hätten oder gar abgebrannt wären.


    "Wo bleiben also die physikalischen Beweise?"

    Im Pfichtenfeld für hochwertige Verstärker stehen die gleichen Forderungen wie für hochwertige Messgeräte. Diese sind in verkürzter Form schnell aufgezählt: hohe Bandbreite und hohe Stabilität.

    Die Anzahl der Fehlerquellen nimmt mit zunehmender Bandbreite nahezu expotentiell zu. Hier sind neben hochwertigen Bauteilen noch ein perfektes Layout und eine Abschirmung und Masseführung ohne auch nur kleinster Abweichungen in der Serienfertigung gefragt. Eine einzige, geringfügig fehlerhafte Lötstelle kann das ganze System zum Einsturz bringen. Was kosten hochwertige Labor-Multimeter und was kosten einfache Multimeter bei gleichen Messmöglichkeiten? Ist vergleichbar mit der Spannweite der Preise von HiFi-Verstärkern.

    Stabilität: hier sind den Herstellern die physikalischen Grenzen im Weg, egal ob Verstärker oder Messgeräte. Die Messräume der Hersteller gleich welcher Artikel sind grundsätzlich klimatisiert, vor allem dann, wenn dort Messgeräte drinstehen, welche die Preise selbst für teuerstes Highend wie Trinkgeld aussehen lassen. Dabei geht es nicht nur um eine durch und durch homogene Temperatur des zu messendes Teiles - bei besonders hohen Anforderungen werden die Teile nach der Entnahme aus der Maschine über Nacht in den Messraum gebracht und erst am nächsten Morgen gemessen - sondern auch um eine konstante Temperatur der Messgeräte selbst. Interessanter weise sind auch hier die älteren Geräte bezüglich der Temperatur und Warmlaufzeit empfindlicher als die Messgeräte der neuesten Generation - eine interessante Parallele!


    Mit anderen Worten: die physikalischen Beweise sind längst erbracht. Man braucht nur etwas googeln oder sich bei Conrad das teuerste Messgerät aussuchen und die Homepage des Herstellers ansehen. Dort finden sich schon jede Menge Hinweise. Es wird sich niemand finden, der freillig und kostenlos längst bekannte physikalische Gegebenheiten in tagelanger Kleinarbeit zusammenträgt, eventuell sogar eigene Messungen filmt und bei Youtube einstellt. Ich selbst habe dazu zu wenig Zeit, und für meine Freizeit habe ich andere Pläne. Und dann kommen immer noch so Fragen auf wie: Hör ich das überhaupt? Muss ich das hören? Nein, das wird sich niemand antun.


    Ich habe mal auf Youtube einen Film entdeckt, bei welchem ein Elektronik-Fachmann die Entstehung und Auswirkung von kalten Lötstellen in End-Verstärkern erklärt und zeigt. Er zeigt auch wie man diese beseitigt und wie dann so ein Gerät wieder einwandfrei funktioniert. Dieses Video war an die Anfänger der DIY-Scene gerichtet und behandelte ein grundlegendes Thema in der Elektronik. Man kann also was finden, man muss es nur suchen.


    Gruß


    Matej