Klaviermusik und Verzerrungen

  • Hallo sehr geehrte Forengemeinde!


    Nachdem ich hier schon oft Antworten auf Fragen gefunden habe, habe ich nun ein Problem und brauche eure Hilfe.


    Ich bin noch nicht so lange im analogen Hören dabei, aber definitiv absolut infiziert. Stück für Stück habe ich mein Equipment gemäß meinen Möglichkeiten aufgerüstet und mit jeder Veränderung bis jetzt einen guten Schritt nach vorne getan.


    Ich hatte schon lange einen Denon PMA 980R Stereoverstärker

    Nachdem mich der Analogvirus gepackt hatte kam zuerst ein Dual CMS 750 mit Original-TA

    Als nächstes eine Tube Box S2

    Dann Quadral Amun Phonologue Gold Lautsprecher und seit Herbst 2017 ein Tonabnehmer Audio Technika 150SA


    Eingestellt mit Tonarmwaage auf 1,4g und Schön-Schablone


    Soweit war ich erstmal sehr zufrieden und erlebte ungeahnten Hörgenuss mit altem Rock (frühe Pink-Floyd, frühe Deep Purple), aber auch Acoustik und Jazz. Habe mir einige Scheiben von Analogue Productions und MFSL gegönnt und war happy.


    Dann habe ich mir einen Traum erfüllt und mir die Sun Bear Concerts von Keith Jarrett in der wunderbaren Box gegönnt. Alles in recht gutem Zustand. Auf jeden Fall keine Knackser und sehr erträgliches Rillengeräusch.


    Aber leider haben mit diesen Scheiben auch die bösen Verzerrungen einzug gehalten. Ich nehme mal an, dass diese Art der Musik und der Aufnahme so ziemlich das anspruchsvollste ist, was es für den TA gibt, oder? An sich schon klirriges Instrument, knallige Hochtöne, eng und bis weit nach innen geschnitten.


    Auf jeden Fall fängt es ab Plattenmitte an, dass die Höhen kratzig klingen, und zum Plattenende wirds dann richtig verzerrt im Hochtonbereich. Untenrum scheint alles gut. Es klingt so, als wäre ordentlich Staub an der Nadel.


    Ich hab jetzt eingentlich alles versucht, justiert nach DIN mit der Originalschablone des Drehers, wieder mit der Schön-Schablone, Auflagekraft erhöht (hilft minimal, dämpft mir aber den Klang viel zu sehr). Aber es bleibt eigentlich immer gleich. Auch mit den Eingangsimpedanzen der Tube-Box und dem Antiskating habe ich rumgespielt.


    Der TA ist ja sicher kein Schlechter in der MM Sektion, aber kann es sein, das er mit dieser maximalen Anforderung einfach überfordert ist?


    Ich wäre für jede Anregung dankbar. Die Platten könnte ich noch für etwas Zeit zurückgeben, das will ich eigentlich aber nicht, sie machen mir sonst einen guten Eindruck und sind schwer zu finden.


    Vielen Dank und beste Grüße, Sebastian

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von sdz ()

  • Hallo Namensvetter!

    Es kann schon mal sein, dass LPs noch gut aussehen aber trotzdem abgenudelt sind. Das passiert besonders, wenn jemand vermeintlich zum "Rillenschonen" die Auflagekraft reduziert hat. Es wäre also sinnvoll, wenn jemand die LPs auf seinem Equipment mal gegenhören könnte. Dann weißt Du erst mal, ob die LPs ok. sind. (Wo wohnst Du, wenn es in meiner Nähe ist, kannst Du gerne mal vorbeikommen).

    Prinzipiell sollte ein vernünftig eingestellter Mittelklasse Plattenspieler auch Klaviermusik ohne Verzerrungen reproduzieren können. Ich habe von Jarrett auf LP nur die Bremen/Lausanne und Köln Konzerte während mir die Sun Bear Concerts nur als CD vorliegen. Ich kann Dir aber sagen, dass bei Bremen/Lausanne und Köln bei mir nix gezerrt hat - auch nicht, als ich noch wesentlich preiswerteres Equipment hatte.

    Fazit: Entweder die LPs sind hin oder an Deinem Setup stimmt etwas nicht.

    LG

    Sebastian

  • Hallo Sebastian! Ja das wäre Perfekt! Ich stelle auch fest, dass es nicht auf jeder LP gleich ist, aber auch nicht jede der LP‘s hat die gleichen knalligen Hochtöne zur Plattenmitte hin. Am schlimmsten habe ich es bis jetzt bei Osaka Ia und b gehabt. Ein Vergleich auf anderem Equipment wäre sicherlich sehr sinnvoll. Leider komme ich aus Hannover und du aus Passau. Ich weiß nicht genau, wie lange ich noch ein Rückgaberecht habe.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von sdz ()

  • Ha, habe 13 Jahre in Hannover gearbeitet (MHH). Nützt Dir jetzt natürlich nichts mehr. Aber es gibt sicher das eine oder andere nette Forenmitglied in Hannover, das sich Deiner LPs mal annehmen würde.

    Liebe Grüße

    Sebastian


    PS: Warum man das Eröffnungs-Posting eines relativen Foren-Neulings mit einem Dislike versehen muss, erschießt sich mir nicht - ja ich empfinde es sogar als grob unhöflich!

  • schliesse mich Sebastian an, mir erschließt sich der "dislike" auch nicht, vielleicht mag "tube-vds" ja mal erläutern, warum er disliked, vielleicht übersehen wir ja was, schliesslich gibt es alles mögliche, sogar sockenpuppen...

    gruss

    Juergen

  • Tja, das verstehe ich auch nicht.


    Ich habe übrigens heute morgen noch schnell den originalen TA draufgemacht und schnell mit der Originalen Schablone justiert. Es ist damit schon irgendwie minimal weniger schlimm. Am Ende würde ich die Höhen mehr als deutlich kratzig beschreiben. Aber normal ist es nicht und insbesondere über Kopfhörer immer noch sehr deutlich hörbar. Der TA klingt insgesamt etwas runder und weniger analytisch. Ich versuche nach der Arbeit mal in einem HiFi Laden vorbeizufahren und frage, ob ich die Platte da mal auflegen kann.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von sdz ()

  • ...welche Geometrie, bzw. Schablone empfiehlt den Dual für diesen Tonarm?

    Vielleicht spielt die Justage des Tonabnehmers ja doch eine Rolle.

    TW Raven 1, Trigon Advance, Schiit Mani, SME 3500, Ortofon AS309s, Octave V70, Sonus Faber LS

  • Hallo Sebastian,


    bei deiner Tube Box 2 kannst du ja die Kapazität verstellen.

    Versuch mal auf der kleinsten Stufe = 50pF ob sich klanglich etwas ändert!?

    (Evtl. weniger scharf oder hell)

    Evtl. ist es zu hoch abgeschlossen. Du must die Kapazität des Kabels und der Phono Box addieren und dann versuchen auf die angegebene Kapazität des TA zu kommen.

    LG Hubert

  • Guten Morgen,


    auch der Tonabnehmer könnte einen Defekt haben oder gar schon verschlissen sein? Zwar ungewöhnlich, da aus 2017, aber dennoch nicht ausgeschlossen.

    Es sollten Querchecks mit ähnlichem Musikmaterial (Köln Concert, etc.) erfolgen. Es kann auch hilfreich sein, die Auflagekraft zu erhöhen. AT gibt hier max. 1,8g an.

    Sollte all das kein eindeutiges Ergebnis bringen, bleibt wohl nur der Besuch bei einem Foren-Collegen.


    Gruß,

    Marc


    p.s. Ein Pressfehler ist natürlich nicht ausgeschlossen.

  • Hallo Sebastian,


    für mich klingt das auch eher nach Verschleiß der Platten oder auch nach Staub in der Rille. Deswegen ist es gut, die Platte zum Test auf einem anderen Gerät abzuspielen, von dem bekannt ist, dass es funktioniert. Wie schon geschrieben, eine Platte kann auch durch Verschleiß in den Höhen zerren, wenn sie ansonsten noch sehr gut aussieht. Manchmal hilft ein Tonabnehmer, der etwas "gnädiger' in den Höhen ist, um das Verzerren zu mildern.


    Viele Erfolg,

    Martin

    eine Stereoanlage, zwei Ohren und viele Platten

  • Es gibt ja hier im Forum noch ein paar Leute, die die Sun Bear Concerts auf LP haben. Vielleicht können die ja mal was zur Press- und Klangqualität sagen. Ich gehe aber, wie bei fast allen ECM Produktionen, erst mal davon aus, dass die LPs eigentlich tadellos gefertigt sind. Das schließt späteren Verschleiß durch häufiges Abspielen, falsche Auflagekraft oder falsche Justage natürlich nicht aus.


    Gruß

    Sebastian

  • Viele Dank zunächst für eure hilfreichen Antworten.


    Ich kann folgendes Berichten:


    Ich war heute in dem hannoverschen Laden Art und Voice und hatte die besagte Osaka-LP dabei. Die Jungs dort waren wirklich sehr hilfsbereit und nett und wir haben die LP dort auf einem besseren ProJect mit Ortofon black gehört und es hörte sich mindestens genauso schlecht an, wie hier zu Hause. Es scheint also an der LP zu liegen.


    Auch den TA bzw. die Nadel haben wir uns angeschaut und die sieht noch gut aus. Hätte mich auch gewundert wenn nicht.


    Wie dem auch sei, es würde mich schon sehr interessieren, ob die Sun Bear Concerts in der deutschen Erstausgabe dieses Problem bekanntermaßen haben. Dann muss ich nämlich nochmal drüber nachdenken, ob ich noch einmal so viel Geld investiere. Die Musik an sich finde ich grandios. Es wäre mir also durchaus Geld wert.


    Vielen Dank nochmal an alle für die Ratschläge!

  • Hallo Sebastian,

    ich weiß nicht ob es hilft, aber vielleicht kann man die Platte ja mal waschen...

    Das wirkt oft Wunder...

    Hast Du die Möglichkeit? Wenn nicht, schau doch mal beim Hannoverstammtisch vorbei, da sind nette Leute, die auch Patten waschen können...

  • Hallo Jungs! Ja, das hatte ich im Eingangspost vergessen zu schreiben. Ich habe die Platten gleich zu Anfang sehr sorgfältig gewaschen. Sie waren auch ziemlich aufgeladen und verstaubt und beim Abspielen doch recht verknackst. Nach der Waschung waren sie aber völlig knackserfrei, das habe ich denke ich erfolgreich hinbekommen. Wie gesagt, auch das Grundgeräusch der Rille ist vollkommen ok. Ich glaube tatsächlich das das nicht der Grund für die Verzerrungen ist.


    Ich bin inzwischen überzeugt, dass es entweder an Abnutzung durch frühere Benutzer (wahrscheinlich) oder Pressfehler/zu eng geschnitten/Herstellungsproblem liegt. Aber diese Box war soweit mir bekannt ist damals auch schon etwas besonderes, teuer und ein Prestigeprojekt für das Label ECM. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die sich sowas in Serie erlaubt hätten. Wichtig finde ich in der Hinsicht auch die Anmerkung von sebastian, dass andere Jarrett Solo-Konzerte aus der Zeit ohne solche Probleme gepresst sind.


    Zum Stammtisch komme ich sehr gerne mal, vielen dank für den Hinweis!

  • Hallo Sebastian,

    Schön-Geometrie ist ziemlich optimal, gerade was Verzerrungen im Innenbereich angeht.

    An der Geometrie wirds also nicht liegen.

    Achte mal darauf, ob die Verzerrungen vorrangig auf einem bestimmten Kanal auftreten. Dann dürfte das AS nicht gut eingestellt sein.

    Gruß

    Jürgen

  • Hallo Leute!


    Ich möchte hier einen kurzen Zwischenstand mitteilen, falls es jemanden interessiert. Nochmal vielen Dank für die Antworten inzwischen. Aber es ist definitiv kein Antiskatingproblem. Also ich habe inzwischen ein weiteres Album der Sun Bear Concerts hier. Leider auch nicht fehlerfrei, aber das ist ein anderes Problem (teilweise sehr verwellt). Wie auch immer, die Verzerrungen sind hier VIEL besser bis nicht vorhanden. Aber ich stelle fest, dass der Klang - wenn es zum Plattenende hin sehr laut und knallig wird - schon unsauber und kratzig wird. Im ersten drittel der Platten ist der Sound wesentlich wärmer und runder. Mir ist natürlich klar, dass die LP im inneren nie genauso gut klingen kann wie aussen, aber ich denke es geht schon noch besser.

    Ich habe also nochmals die Schön Schablone hergenommen und penibelst justiert. Dann mit der Auflagekraft herumgespielt und den Nadeleinschub aus dem TA genommen und alles auch von innen penibel gesäubert.

    Ich bilde mir ein dass es hiernach minimal besser war. Dann machte ich aber eine interessante Feststellung. Der Klang ist mit Kopfhörern wesentlich besser.

    Ich denke inzwischen, es liegt an Rückkopplungen/Vibrationen/Schalldruck der Lautsprecher, obwohl der Dreher auf einer Granitplatte mit elastischen Füßen steht. Der Dreher steht natürlich schlauer Weise auf einem TV-Rack zwischen den Lautsprechern. Das Weglassen der Abdeckhaube hat tatsächlich schon etwas gebracht. Aber ich arbeite grade daran, den Dreher mit Vorstufe in einen Anderen Raum (Luftlinie ca. 4-5 Meter) zu stellen. Ich werde berichten.


    Beste Grüße, Sebastian