FAQ Plattenspieler: Wie kann ich...?

  • Plattenspieler: Wie kann ich …?
    0. Ich möchte einen alten Plattenspieler reaktivieren. Worauf muss ich dabei achten?
    Wenn es ein Plattenspieler Mit Riemenantrieb ist, kann der Riemen evtl. verschlissen sein und muss durch einen neuen ersetzt werden. Wenn es ein Plattenspieler mit Reibradantrieb ist und er beim Laufen leicht „klackernde“ Geräusche macht, muss ggf. das Reibrad ausgetauscht werden.
    Wenn es ein Plattenspieler mit Direktantrieb ist, sollte dieser „wartungsfrei“ sein und problemlos anlaufen und die Geschwindigkeiten halten.


    Der Tonarm sollte sich in alle Richtungen sehr leicht bewegen lassen (runter/rauf/links/rechts).


    Das Tonabnehmersystem sollte geprüft bzw. ausgetauscht werden.
    Auch wenn das Tonabnehmersystem (die Nadel) noch gut aussieht, ist es wahrscheinlich, dass zumindest die Abtastnadel ausgetauscht werden muss (Alterung und Verhärtung der Dämpfungsgummis).
    Austauschnadeln gibt es für viele Systeme heute noch vom Hersteller oder als Nachbauten.


    Der Plattenspieler sollte „im Wasser“ stehen, d.h. am besten per Wasserwaage überprüft genau aufgestellt sein.


    Angeschlossen werden kann ein Plattenspieler entweder an einen speziellen Phonoeingang („Phono“, „MM“, „MC“) oder über einen separaten Phono-Vorverstärker an einen Aux-Eingang oder einen anderen Line-Eingang des Verstärkers.
    Hat der Verstärker keinen Phonoeingang und der Plattenspieler wird über einen AUX- oder Line-Eingang direkt angeschlossen, ist das Signal zu leise und es muss ein spezieller Phono-Vorverstärker zwischengeschaltet werden.


    1. An meinem Plattenspieler ist die Nadel abgebrochen/verbogen. Was kann ich tun?


    Wenn das Tonabnehmersystem einen austauschbaren Nadeleinschub hat, bekommt man unter Umständen noch eine Ersatznadel. Es gibt allerdings Tonabnehmersysteme, bei denen dies nicht geht. Dazu gehören z.B. MC-Systeme (siehe 3). Wenn es sich um ein hochwertiges MC-System handelt, kann man es bei Spezialisten retippen (neu „benadeln“) lassen. Das ist zwar nicht unbedingt billig, aber ggf. durchaus in Erwägung zu ziehen.
    Ein defektes System kann auch evtl. beim Neukauf eines Systems „in Zahlung“ gegeben werden.
    Billigere Systeme mit abgebrochenen Nadeln sind es im Normalfall nicht wert, dass man sich um
    eine Reparatur bemüht.



    2. Wie schließe ich einen Plattenspieler an meinen Verstärker/Receiver an ?


    Der Verstärker/Receiver muss über einen speziellen Phono-Eingang verfügen. Wird ein Plattenspieler an den Aux- oder Line-Eingang eines Verstärkers/Receivers angeschlossen, ist das Signal zu leise und
    höhenbetont aufgrund der RIAA-Vorverzerrung. Es muss ein externer Phono-Vorverstärker dazwischengeschaltet werden. Außerdem muss darauf geachtet werden, ob es sich bei dem Tonabnehmersystem evtl. um ein leises MC-System handelt (siehe 3), da diese auch an normalen
    Phono-Eingängen zu leise sind und noch ein weiteres Gerät zur Verstärkung benötigen, einen sogenannten Übertrager oder MC-Vorvorverstärker.



    3. Was ist der Unterschied eines MM- bzw. eines MC-Systems ?


    MM bedeutet Moving Magnet, MC bedeutet Moving Coil.
    MM-Systeme verfügen über eine höhere Ausgangsspannung, sind also „lauter“ und können somit an „normale“ Phonoeingänge angeschlossen werden. MC-Systeme haben geringere Ausgangsspannungen - sind also „leiser“ - und benötigen im Normalfall spezielle, empfindlichere Eingänge oder zwischengeschaltete Verstärkerstufen, sogenannte Übertrager oder MC-Vorvorverstärker.


    Alternativ können beide über externe Phonovorverstärker an Aux- oder Line-Eingänge angeschlossen werden, wobei natürlich das „leise“ MC-System wieder einen speziell für solche Systeme ausgerichteten
    Phonovorverstärker benötigt. Handelsüblich sind Phonovorverstärker, an die MM und/oder MC-Systeme angeschlossen werden können, es gibt aber auch spezielle Geräte nur für MM oder nur für MC.


    Sonderfall High-Output-MC: es gibt sogenannte „laute“ MCs, die über eine höhere Ausgangsspannung als ihre „leisen“ Low-Output-Verwandten verfügen. Diese können wie MM-Systeme an „normale“ MM- Phonoeingänge angeschlossen werden.



    4. Wie erkenne ich, ob ich ein MM oder MC vor mir habe?


    Die wenigsten Systeme lassen aus dem Schriftzug erkennen, was sie sind. Wenn „Ortofon MC 25 FL“ draufsteht, sollte es schon ein MC sein, aber aus „VMS 20 E Mk. II“ oder „Super OM 30“ kann man nichts schließen.
    Ein eindeutiger Hinweis auf ein MM ist im Normalfall ein wechselbarer Nadeleinschub. Wenn ein System also offensichtlich so konstruiert ist, dass man den Nadelträger abziehen kann, kann es sich nur um ein MM-System handeln.


    Ansonsten hilft nur das Anschließen des Systems an einen normalen, d.h. für MM-Systeme ausgelegten Anschluß : klingt es normal, ist es ein MM oder High-Output-MC. ist es sehr leise und rauscht heftig beim
    Lauterdrehen, ist es ein Low-Output-MC, welches einen speziellen ,MC-Phonoeingang benötigt oder zumindest einen Übertrager, der zwischen System und MM-Phonoeingang eingeschleift wird.



    5. Was passiert, wenn ich einen Plattenspieler am Verstärker/Receiver falsch anschließe?


    - Anschluss am Aux- oder Line-Eingang: Signal ist sehr leise, verrauscht/verbrummt und höhenbetont.
    - Anschluss eines MC-Systems am „normalen“ (MM-)Eingang: Signal ist sehr leise und verrauscht.
    - Anschluss eines MM-Systems am MC-Eingang: Signal ist sehr laut und verzerrt.
    - Vergessen des Erdkabels: deutlich vernehmbares Brummen.



    6. Ich möchte ein neues Tonabnehmersystem in meinen Plattenspieler einbauen. Worauf muss ich achten und welche Hilfsmittel brauche ich?


    Als Grundvoraussetzung sollte der Plattenspieler „im Wasser“ stehen,
    d.h. am besten per Wasserwaage überprüft peinlich gerade aufgestellt sein.


    Zur Systemmontage:


    Wenn es ein steckbares (T4-P-)System ist, welches z.B. in vielen 80er Jahre Tangential-Plattenspielern Standard war, benötigt man keine weiteren Hilfsmittel, da hier alles genormt ist. Einfach das alte System raus und ein neues rein.


    Wenn es ein „normales“ Tonabnehmersystem mit Halbzoll-Befestigung ist, wird eine Einstellschablone und eine Tonarmwaage sowie ein kleiner Spiegel benötigt. Außerdem natürlich ein kleiner Schraubendreher und eine kleine Spitzzange.


    Das Tonabnehmersystem wird normalerweise mit 2 Schrauben im Headshell (wenn dies abnehmbar ist, ist das ein großer Vorteil) locker befestigt (noch nicht fest anziehen!). Dann werden die 4 Anschlussdrähte (rot, grün, blau und weiß) an die meist farblich gekennzeichneten Pins an der Rückseite des Tonabnehmers aufgesteckt (eine kleine, schlanke Zange ist da sehr hilfreich).


    Mittels einer Einstell-Lehre oder -Schablone wird das System ausgerichtet und die Schrauben festgezogen. Mit einem kleinen Spiegel wird kontrolliert, ob die Nadel in perfektem 90°-Winkel zur Plattenoberfläche steht, ggf. kann bei manchen Tonarmen dazu das Headshell leicht verdreht werden. Sodann sollte der Tonarm in seiner Höhe so verstellt werden, dass er bei aufliegender Nadel parallel zur Schallplattenoberfläche steht.


    Jetzt sollte der Tonarm ausbalanciert werden, d.h. das Gegengewicht am Ende des Armrohres sollte so verschoben werden, dass der Arm frei schweben kann (alle Einstellrädchen auf Null stellen, vorher ggf. den Nadelschutz des Systems entfernen, der wiegt schließlich auch eine Kleinigkeit.
    (Vorsicht, Vorsicht: Eine Nadel bricht sehr schnell ab).


    Jetzt wird die Auflagekraft (nach Angaben des Tonabnehmerherstellers) eingestellt, und zwar entweder über die im Tonarm eingebauten Mechaniken oder durch das Verschieben des Gegengewichts nach vorne, wozu dann allerdings eine Tonarmwaage hilfreich ist. Für das Einstellen der Antiskatingkraft sind meist ebenfalls Hilfsmittel am Tonarm vorhanden (zur Einstellung von Auflage- und Antiskatingkraft Bedienungsanleitung
    beachten).



    7. Ich habe einen alten Plattenspieler an meine Stereoanlage angeschlossen, aber:


    Es ist so leise, dass ich den Lautstärkeregler ganz weit aufdrehen muss, und dann rauscht es gewaltig?
    Entweder einen falschen, nicht für Phono geeigneten Eingang am Verstärker benutzt oder ein „leises“ MC-System an einem normalen, für MM-Systeme ausgelegten Eingang angeschlossen.


    Es brummt?
    Die Erdung muss überprüft werden, vielleicht ist die Erdungsklemme des Tonarms nicht am Erd-Terminal des Verstärkers angeschlossen.


    Es ist bei geringstem Aufdrehen des Lautstärkereglers sofort sehr laut?
    Ein „normales“ MM-System wurde versehentlich an einen Eingang angeschlossen, der für „leise“ MC-Systeme vorgesehen ist, oder ein umschaltbarer Eingang steht noch auf Schalterstellung „MC“.


    Ich höre nur einen Kanal?
    Die Anschlüsse des Tonabnehmers müssen überprüft werden, vielleicht hat sich ein Kabel gelöst oder die Anschlüsse sind korrodiert. Unter Umständen liegt auch ein Kabelbruch vor oder das System ist defekt.


    Die Musik klingt verzerrt?
    Die Nadel kann stark verstaubt sein und muss gesäubert werden. Oder sie ist bereits stark abgenutzt oder schief eingebaut. Am besten das System ausbauen, die Kontakte säubern und wieder einbauen.
    Ggf. neue Nadel besorgen oder ein komplett neues System kaufen.




    Der vorliegende Text wurde ursprünglich von Holger entworfen. Überarbeitung durch Joe/ Nipper
    Alle Angaben ohne Gewähr.


    Veröffentlichung mit Bestem Dank an Holger und Joe

    A³ dabei und zwangsgesteuert

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