ART DJ Pre 2 - Ein Test mit dem Denon DL-103 - Teil I

  • Hallo zusammen,




    ich hatte mal wieder Lust auf einen Test. Also Vorsicht: Überlänge!




    Was macht denn der Albus da?!




    Der Forenkollege Albus hat sich den ART DJ Pre zugelegt. Einen MM-Phonovorverstärker der derzeit zwischen 38 und 55 Euro kostet. Einen Phonovorverstärker, der damit in der niedrigsten Preisklasse angesiedelt ist. Das hat mich neugierig gemacht.




    Was ich zum Art vor allem in englischsprachigen Foren las, war in der Tat sehr positiv. Dort wird der ART häufig als gleichwertig oder besser im Vergleich mit Geräten der 100-200 Euro-Klasse eingeschätzt, also etwa einem NAD PP 2 oder einem Cambridge 640P. Das klingt schon mal interessant.




    Die Ausstattung




    Aber auch die Eigenschaften des Art unabhängig des günstigen Preises machen das Gerät interessant. So zeichnet er sich durch eine Eigenart aus, die nur die wenigsten Phonovorverstärker teilen: Er besitzt eine variable Verstärkung zwischen 35 und 45 dB, die sich durch einen Drehregler steuern lässt.




    Zu den wenigen mir bekannten Geräten, die das auch können, gehören: Die von Tim de Paravicini konstruierten Röhren-Modelle Quad 24P und, in einer Version, die E.A.R 834P, sowie der Transitoren-Pre von PS-Audio, der GCPH. Diese Modelle bewegen bzw. bewegten sich allerdings im Preisbereich von 1000-1500 Euro, also in einer ganz anderen Liga als der ART. Was diese Eigenschaft so interessant macht, ist die Möglichkeit, im Zusammenspiel mit Aktivlautsprechern, eine puristische Phonokette aufzubauen, in der zwischen dem Tonabnehmer und den Lautsprechern nur der Phonovorverstärker liegt. Ich habe eine solche minimalistische Kette mit der GCPH und aktiven Studiomonitoren selbst eine ganze Zeit betrieben. Mit großer Zufriedenheit. Bis sich eine „Kaufgelegenheit“ ergab, die viel Veränderung in die Kette brachte und schließlich den Verkauf der GCPH nach sich zog.




    Der ART besitzt aber noch weitere interessante Eigenschaften. So lässt sich die Eingangskapazität zwischen 100pF und 200 pF umschalten. Das ist für MM-Tonabnehmer, für die der ART ja gedacht ist, vorteilhaft, da die Kapazität die Hochtonwiedergabe beeinflusst und auf den jeweiligen Tonabnehmer angepasst sein muss. Tonabnehmer und Phonovorverstärker sollten in dieser Hinsicht zueinander passen. Zwar kann auch mit dem Phonokabel variiert oder der Lötkolben in die Hand genommen werden, um eine Anpassung vorzunehmen – der ART Pre macht die Anpassung aber auf Knopfdruck viel leichter.




    Zudem ist der ART mit einem schaltbaren Hochpassfilter ausgestattet, das tiefe Frequenzen unter 22 Hz mit 3dB pro Oktave beschneidet, höhere Frequenzen jedoch passieren lässt. So können tieffrequente Rumpelgeräusche, die bei der Schallplattenwiedergabe etwa durch Verwellungen entstehen können, abgeschwächt werden, was die Lautsprecher entlasten kann. Allerdings setzt das Filter mit 22 Hz einerseits recht hoch ein, andererseits fällt die Abschwächung mit 3 dB relativ schwach aus.




    Doch noch ist die Feature-Liste nicht zu Ende. Der ART ist nämlich noch mit einer Pegelanzeige ausgestattet, die das Übersteuern des Gerätes zu vermeiden helfen soll. Das ist gerade wegen der regelbaren Verstärkung eine hilfreiche Einrichtung. Umgesetzt ist die Anzeige minimalistisch: Ein Lämpchen leuchtet bei Überschreitung eines gewissen, relativ niedrigen Pegels erst grün, bei höheren, übersteuernden Pegeln schließlich rot. Das ist einfach gelöst, funktioniert aber gut.




    Während die Kapazitätsumschaltung für mich als Benutzer von MC-Tonabnehmern nicht so wichtig ist, reizte es mich vor allem wieder, noch einmal eine ganz reduzierte Kette wie damals mit der PS-Audio aufzubauen. Zumal ein Fehlgriff bei dem Preis nicht so sehr schmerzt. Also habe ich den ART für 38 Euro bestellt und gleich noch die ebenfalls von Albus empfohlene 9V-Akku-Speisung (Sanyo eneloop 9V Power Pedal Juice).




    Wer darf mitmischen




    Als Vergleichsgerät dient mein MM-Röhrenphonovorverstärker „Musikant“ von Hans-Ulrich Otto, ein Vorserienmodell. Er hat die PS-Audio GCPH bei mir abgelöst, mir gefielen die tiefere Bühnenabbildung und die dynamischere Spielweise besser.




    Musikant




    Verstärkung: 42,5 dB
    RIAA Abweichung: 0,1 dB (bei diesem Vorseriengerät)
    Übertragungsbereich: 17 Hz-40 kHz: -1 dB
    Übertragungsbereich: 7 Hz-140 kHz: -3 dB
    Geräuschspannungsabstand: -80 dB A
    Klirrfaktor: kleiner 0,14% bei 1 kHz
    Kanaltrennung: -57 dB
    Kapazität: anpassbar, im Test 47 pF (?)
    Abschlussimpedanz TA: anpassbar, im Test 100 kOhm
    Preis: 650,-






    ART DJ Pre II




    Verstärkung: 35-45 dB
    RIAA Abweichung: -
    Übertragungsbereich: 10 Hz-50 kHz: +/- 0,5 dB
    Geräuschspannungsabstand: > 90 dB
    Klirrfaktor: kleiner 0,1% bei 1 kHz
    Kanaltrennung: k. A.
    Kapazität: 100 oder 200 pF, im Test 100 pF
    Abschlussimpedanz TA: 47 kOhm
    Zuschaltbarer Low Cut -3 dB @ 22 Hz (während des Tests ausgeschaltet)
    Preis: 38,-




    Mit Akkuspeisung über: Sanyo eneloop 9V Power Pedal Juice (49 Euro)






    Die Testkette




    TA: Denon DL-103 Umbau von TechneAudio (Bor-Nadelträger, nude-Shibata-Diamant,
    Graphit-Gehäuse)
    PS: Rega P5 modifiziert
    MC-Vorververstärkung: Denon HA-1000 MC-Pre
    Testgerät: Musikant/ART DJ Pre
    Vorverstärker: SPL Volume 2
    Lautsprecher: KS-Digital C88 (aktive, analoge Studiomonitore)




    Durch einen Pegelabgleich wurde sichergestellt, dass ART und Musikant in der gleichen Lautstärke spielen.





    Testchaos





    Schnell das Licht aus, dann sieht es gleich viel ordentlicher aus





    Ist das überhaupt noch ein Rega?





    Für Epileptiker nicht geeignet: Der ART DJ Pre 2 ist zugleich auch eine Lichtmaschine

    ... und wo zum Teufel bin ich hier überhaupt?

  • Der Test


    Während der Akku noch lädt, beginne ich mit dem ART und stecke sein Netzsteckerteil ein. Sogleich (weil der ART keinen Einschaltknopf hat) geht ein Licht auf, um genau zu sein: drei Lichter zieren den ART: Eine blaue Leuchtdiode strahlt scheinwerferhell und zeigt damit an, dass der ART Power hat, die Pegelanzeige leuchtet grün, der gedrückte Knopf zur Kapazitätsumschaltung leuchtet orange. Schön bunt und nicht zu übersehen. Töne gibt es auch, na bestens.


    Vom gehörten bin ich dann positiv überrascht: Insbesondere spielt der ART sehr räumlich, mit einer klaren Positionierung im Stereopanorama, aber auch mit einer guten Tiefenstaffelung. Meine Erwartung war es gerade gewesen, dass der ART in dieser Beziehung patzen würde. Nichts da. Ansonsten notiere ich meine Eindrücke zur zweiten LP von [re:Jazz] Point Of View: „sanfter, seidiger“ und „weichere Bässe“.


    Nach kurzem Probehören entschiede ich mich aber dafür, den ART gleich mal wie früher die GCPH ohne zusätzlichen Vorverstärker auszuprobieren. Vor dem ART hängt also immer noch der MC-Pre, danach geht es aber direkt in die Aktivlautsprecher. Den Gain-Regler habe ich vorsorglich ganz nach links auf -10 gestellt. Ich senke die Nadel in die Einlaufrille ab, schrecke auf und lege den Lifthebel sogleich wieder um: Das ist viel zu laut. Und das, obwohl die Lautsprecher bereits im Eingang um -6dB abgesenkt sind. Die Verstärkung von 24 dB (MC-Pre) + 35 dB Art, zusammen also 59 dB ist also bei meinen leistungsstarken Aktiven bereits zu laut.


    Ein wenig enttäuscht, dass diese Testvariante damit wegfällt, entschließe ich mich dazu, nun auch den MC-Pre abzuziehen. Soll der ART doch mal ganz alleine zeigen, was er aus einem DL-103 herausholen kann. Sicher, der Abschluss ist mit 47 kOhm nicht optimal, aber hörbar sollte es allemal sein. Zwischen Plattenspieler und Aktivlautsprechern hängt jetzt also nur noch der ART. Und diesmal gibt es auch keinen Schreckmoment. Der ART ertönt in gehobener Zimmerlautstärke – das allerdings bei 35 dB! Lauter darf ich den ART jedenfalls nicht machen, wenn die Nachbarn den Test nicht vorschnell beenden sollen.


    Das lässt sich gut anhören, allerdings löst sich der Klang weiter links und rechts im Stereopanorama schlechter von den Boxen. Zudem klingt es nun dünner, etwas blass. Also schalte ich das SPL wieder nach, was den Vorteil hat, dass ich nun auch die Lautstärke auf den gleichen Pegel bringen kann wie beim Musikanten. Dabei stelle ich den ART auf die geringste Verstärkung (-10 = 35 dB) ein, so habe ich den besten Rauschabstand, da die lauten Aktivboxen sich ja nicht weiter runterregeln lassen und ohnehin leicht rauschen. Zudem ist inzwischen der Akku aufgeladen uns der ART wird, damit versorgt, vom Netz getrennt.


    Wie der ART so mit dem MC zurechtkommt, überrascht. Zumal er die Bühne jetzt breit und tief unter Bedingungen produziert, die einer guten räumlichen Darstellung leicht entgegenstehen. Denn mit 47kOhm abgeschlossen sind dem DL-103 nach oben viel weniger Grenzen gesetzt, es darf sich so richtig austoben. Was aber zumeist zu einer überspitzten Hochtonwiedergabe führt, unter der wiederum oft der räumliche Eindruck leidet. Hier ist davon wenig zu merken: Es klingt nicht überspitzt, die Präsentation wirkt sehr räumlich in Breite und Tiefe. Die neue Tocotronic, ein ganz hervorragend produziertes Album, kann sich so gut entfalten. Das einzige, was ich vermisse, ist etwas mehr Punch.


    Der kommt hinzu, als ich den MC-Pre wieder vor den ART schalte. Ob es am niedrigeren Abschlusswiderstand liegt (100 Ohm), an der Vorverstärkung oder an beidem, weiß ich nicht. Auf jeden Fall gewinnt so der Tieftonbereich deutlich, ohne dass der Hochton leidet.


    In dieser Konfiguration höre ich nun mit dem ART ein paar Tage, immer mal wieder vergleiche ich auch mit dem Musikanten und höre die gleiche Plattenseite mit ihm erneut. Mein Zwischenfazit dazu lautet (denn für ein endgültiges Fazit ist es noch zu früh):


    Der ART schlägt sich überraschend gut. Er staffelt die Bühne bei Aufnahmen, die das hergeben, fast ebenso tief wie der Musikant. In der Positionierung im Stereopanorama ist er vielleicht sogar noch etwas präziser und stabiler. Die Musik erscheint detailreicher; auch wenn der Musikant im Vergleich nichts weglässt, so treten diese Elemente doch etwas stärker in den Hintergrund. Im Tieftonbereich scheint mir der ART die etwas „dickeren“ und „weicheren“ Bässe zu machen, allerdings wirklich ohne dabei „schwammig“ zu werden. Der Musikant hat die etwas trockeneren, knarzigeren Bässe und bietet insgesamt etwas mehr Fundament. So wirken die tiefen Bässe bei Metronomys, übrigens rein analog produziertem, Album Love Letters etwas stabiler. Stimmen gefallen mir mit dem Musikanten etwas besser, ebenso verzerrte Gitarren. Das deutet darauf hin, dass der Mittenbereich beim Musikanten etwas stärker ausgeprägt ist. Zudem ermöglicht der Musikant das ermüdungsfreiere Dauerhören. Dafür erlebe ich mit dem ART zwei, drei Wow-Momente: Bei Pink Floyds Saucerful of Secrets und Relics, bei Becks Morning Phase und den Stone Roses. Das sind alles sehr detailreich und mit räumlichen Effekten produzierte Alben. Den Musikanten ziehe ich dagegen vor bei: Helmets Betty, Young Marble Giants Colossal Youth und Frees Fire and Water. Das sind sehr dynamische Alben.


    Der ART, aus reiner Neugierde gekauft, entpuppt sich als amtlicher MM-Phonovorverstärker, der sich vor dem 17 Mal so teuren Musikanten nicht zu verstecken braucht. Aus meiner Erinnerung spielt er damit auch nicht schlechter als die PS-Audio GCPH (damals > 1000 Euro), die der Musikant damals ablöste. Allerdings spiegelt sich der Preisunterschied, wenn schon nicht im Klang, so doch klar in der Wertigkeit wider: Der ART sieht billig und häßlich aus, mit auftretenden Defekten ist zu rechnen (im Netz nachzulesen). Aber hey, er kostet auch nur 38 Euro!


    Nach meiner Erfahrung empfiehlt sich allerdings der Stand-alone-Betrieb nicht unbedingt. Bei mir hat die Wiedergabe zusätzlich durch den Vorverstärker eindeutig gewonnen. Zu berücksichtigen ist dabei vielleicht, dass der SPL das Signal symmetriert über XLR-Kabel an die Aktivlautsprecher übermittelt, der ART kann das dagegen nicht.


    Übrigens vermag ich keinen Unterschied auszumachen, wenn ich den ART anstelle des Akkus mit dem Netzteil betreibe.

    ... und wo zum Teufel bin ich hier überhaupt?

  • Versuch einer Überprüfung der Höreindrücke


    Wie schon bei meinem Tonabnehmertest habe ich zu Vergleichszwecken digitale Aufnahmen mit den beiden Pres erstellt. Während sich bei den Tonabnehmern Unterschiede auch über die digitalisierten Aufnahmen im Blindtest heraushören ließen, ist das bei den Pres nicht der Fall.


    Aufgenommen habe ich das Stück La Llave von Devadip Carlos Santana vom Album The Swing of Delights, einem sehr jazzigen, von mit hochgeschätztem Album. Es ist, für das Album etwas untypisch, ein Latino-Stück mit Gesang, sehr rhythmisch durch die Percussions.


    Die Aufnahmekette


    TA: Denon DL-103 Umbau von TechneAudio (Bor-Nadelträger, nude-Shibata-Diamant,
    Graphit-Gehäuse)
    PS: Rega P5 modifiziert
    MC-Vorververstärkung: Denon HA-1000 MC-Pre
    Testgerät Musikant/ART DJ Pre
    Vorverstärker: SPL Volume 2
    Aufnahmegerät: Tascam DR-05 (96 kHz, 24 Bits)


    Abgehört mit:


    Altes HP-Notebook
    Aikido Kopfhörerverstärker von Hans-Ulrich Otto
    AKG 701


    Mit Audacity wurden die Aufnahmen so beschnitten, dass sie zeitgleich starten. Sonst wurde nicht bearbeitet. Die Files wurden als flac gespeichert. Für den Test wurde die Foobar-Erweiterung ABX-Comparator benutzt, mit der sich ein Blindvergleich zwischen zwei Stücken mit direktem Umschalten durchführen lässt. Es wurden jeweils 10 Durchgänge gemacht.


    Der erste Durchgang endete 10/10, also 10 richtige Zuordnungsversuche. Allerdings merkte ich sofort, was faul an der Sache war. Ich konnte die Tracks an einer unterschiedlichen Stereopositionierung ganz leicht erkennen. Am Musikanten bestand durch Unterschiede der Röhrentrioden bzw. wegen eines zwischengeschalteten Spannungsteilers eine Kanalungleichheit, die ich an den Aktivboxen ausgeglichen habe. Bei der Aufnahme tauchte die aber natürlich wieder auf. Ich habe dann einfach die Ursprungstracks mit Audacity zu Monotracks umgewandelt und den Test wiederholt. Das Ergebnis lautet: 7/10, also drei falsche Zuordnungen. Der Wahrscheinlichkeit, dass ich durch pures Raten zu diesem Ergebnis gekommen bin, liegt bei 17,2 % (das wird von dem Tool errechnet). Allerdings war es schon verdammt schwer.


    Später habe ich dann doch noch eine neue Aufnahme mit dem Musikanten erstellt und vorher die Kanalgleichheit am Gerät eingestellt (Herr Otto hat da sinnigerweise eine Schraube für die Spannungsverteilung eingebaut). Für die nun kanalgleichen Stereoaufnahmen ergab es folgendes, frustrierendes Ergebnis: 6/10, mit einer Wahrscheinlichkeit von 37,7%. Bei anderen Aufnahmen lag die Wahrscheinlichkeit sogar noch höher.


    Fazit: Die Wahrscheinlichkeit, durch bloßes Raten zu den Ergebnissen gekommen zu sein, liegt zu hoch. Es ist davon auszugehen, dass zwischen den Aufnahmen keine Unterschiede herausgehört werden können.


    Zur Erklärung, wie das mit den gehörten Unterscheidungen des ersten Teils passt, gibt es nur zwei Möglichkeiten:


    1. Durch die Digitalisierung und die unterschiedliche Abspielkette sind die tatsächlich gehörten Unterschiede verloren gegangen.
    2. Es gibt tatsächlich gar keine Unterschiede, und die unterschiedlichen Höreindrücke des ersten Teils beruhen auf purer Einbildung.


    Ich denke, es gibt keine praktikable Möglichkeit, zwischen beiden Möglichkeiten zu entscheiden. Beide sind absolut vorstellbar. Zwar bin ich mir sehr sicher, dass ich diese Unterschiede tatsächlich gehört habe. Es ist aber denkbar, dass ich mich damit selbst belüge. Dazu mag jeder stehen, wie er will. Eine Diskussion dieser Frage erscheint mir nicht als sehr gewinnbringend.


    Beste Grüße
    Christian

    ... und wo zum Teufel bin ich hier überhaupt?

  • Guten Abend Christian,
    und guten Abend,


    Christian, Christian, enorm, was Du mit dem ART DJ Pre II alles unternimmst, schön. - Hier kann man einen Blick ins Innere des kleinen Gerätes werfen:http://www.head-fi.org/t/61313…k-your-question-here/2220
    Ich betreibe nach dem Nagaoka JT-322 nun ein Shure Ultra 500 (am Thorens TD-850 mit Rega RB 300) über den ART, dabei Gain +4 dB, 100 pf (weiter dann Yamaha C-2a Tape 1, Yamaha AX-892 Main In, Yamaha NS-1000).
    Freundliche Grüße
    Albert

    The post was edited 1 time, last by Albus2 ().

  • Hallo Wolfgang und Volker, danke für Eure Rückmeldungen, das freut mich!


    Hallo Albert,


    danke für die Inspiration und die Fotoergänzung. Ich habe mich nicht mehr getraut meinen ART aufzuschrauben, nachdem ich gelesen hatte, dass die Verschraubung eine solche Prozedur wohl nicht oft übersteht (auch wenn sie von außen solide wirkt).


    Hast Du schon den Versuch mit dem ART allein an den aktiven Yamaha HS 80M unternommen? Hier fände ich den Vergleich zu einem zwischengeschalteten Vorverstärker, also etwa dem Yamaha C-2a, interessant. Ohne Unterstützung eines Vorverstärkers gefiel mir der ART ja nicht so gut.


    Kann irgendjemand etwas zur Technik sagen? Ich las einen Forenbeitrag, wo gemutmaßt wurde, die variable Verstärkung würde durch die Stärke der globalen Gegenkopplungsschleife realisiert. Wäre das denkbar? Welche Art der RIAA-Entzerrung steht zu vermuten? Aber, so denn möglich, nicht zu sehr im Fachjargon, den ich nicht verstehe.


    Beste Grüße
    Christian

    ... und wo zum Teufel bin ich hier überhaupt?

  • Ein Erklärungsversuch zu den gehörten bzw. nicht gehörten Unterschieden im Nachsatz:


    Dass ich ein MC-System mit 0,3 mV Ausgangsspannung mit nur 35 dB Verstärkung auf gehobene Zimmerlautstärke bekomme (MC-Vorverstärker haben > 60 dB), dürfte an den leistungsstarken Aktivboxen liegen. Diese, nach dem 2,5 Wege-Prinzip und koaxial aufgebaut liefern für die beiden Mittel-Tieftöner jeweils 180 W Spitzenleistung, für den Hochtöner 80 W Spitzenleistung. Daraus ergibt sich eine max. Nutzlautstärke (3 % THD 100 Hz -10 kHz) von 110,4 dB. Das muss leider auch bezahlt werden: mit einem relativ hohem Eigenrauschen. Anselm Goertz hat in seinem Test (sound&recording 12/2008) einen Störpegel von 30 dB (A) in 10 cm Abstand gemessen.


    Der Röhrenphonvorverstärker "Musikant" rauscht nun schon prinzipiell mehr als der mit Transistoren aufgebaute ART. Und dann kommt noch die Differenz in der Verstärkung von 42,5-35= 7,5 dB hinzu. Insgesamt hat die Variante mit dem ART den deutlich größeren Rauschabstand. Der macht sich aber gerade bei den leiseren Details bemerkbar. Erscheinen diese lauter, erscheint aber auch die Positionierung innerhalb des Stereopanoramas deutlicher.


    Würde der Musikant unter anderen Bedingungen betrieben, nämlich an weniger rauschenden Endstufen, fiele der Abstand gegenüber dem ART vermutlich weniger ins Gewicht. Und so ist es ja auch tatsächlich: Beim Abhören der digitalen Aufnahme über Kopfhörer ist der Rauschabstand wesentlich besser. Das mag zumindest zum Teil eine Erklärung liefern. Für die wahrgenommenen Unterschiede im Bassbereich kann das allerdings keine Erklärung liefern. Die sollten sich auch, oder sogar gerade, beim Vergleich über Kopfhörer (beim AKG 701 laut Hersteller bis 10 Hz) zeigen, während bei den Aktivboxen bei 46 Hz (-6 dB) Schluss ist.


    Ein Fazit könnte dann lauten: Zu den Aktivboxen passt eigentlich kein Röhrenverstärker. Wenn der sich trotzdem in Sachen "Auflösung" so gut schlägt (dass er einen Transitor-Pre ablöste), dann spricht das wiederum für den Musikanten.


    Ist das plausibel?


    Gruß
    Christian

    ... und wo zum Teufel bin ich hier überhaupt?

  • Tag Christian,
    die erwähnte Probe werde ich nicht mehr ausführen, die LS stehen originalverpackt im Keller, die Arbeit scheue ich auf absehbare Zeit. Hm.
    Freundlich
    Albus

  • Hi Christian,


    für das Geld ist wohl der ART-Pre richtig interessant. Das Vergleichen zweier Aufnahmen von zwei verschiedenen Pre's ist nicht so leicht. Wenn ich etwas in meiner Aufnahmekette verändere, setzte ich die zu vergleichenden Files gehörmaßig auf gleiche Lautstärke (mit dem Programm, mit dem ich ein Master erstelle). Jenes Gehörmäßige wird von dem Programm berechnet. Mit Normalisieren auf Pegelspitze kommt man nicht so weit - muss ja nur ein fieses Staubkorn auf der zweiten Scheiben gelandet sein...


    Save the vinyl!


    Torsten

    Technics SL-120 + SME 3009S2 + Technics EPC-205CMK3, Clearaudio Solution + Swing Headshell + TECHNEAUDIO DL-103, OTTO Aikido 1+ Sonderanfertigung, Clearaudio Smartphono, McLaren 603, McLaren 703, Dynaudio 72SE, Monitor Audio M2 MK2, Lowther Hörner, Fostex NF-01A, Terratec Phase X24FW, Denon DCD-2560, Advance Acoustic MCD-203II, MindPrint Di-Port, Lake People ADC F27, Behringer Ultramatch SCR2496, MIT MH770 Twin Series 2, Spectral MI-500 Shotgun, Ortofon Virgo und vieles mehr...

  • Hi Torsten,


    Dein Hinweis, was das Auspegeln nach Spitze anbelangt, ist berechtigt. Danke dafür! Allerdings finde ich gehörmäßige Lautstärkeneinstellung ebenfalls problematisch. Ich habe jetzt folgendes gemacht:


    • Noch einmal einen Pegelabgleich mit einem SPL-Meter bei Rosa Rauschen zwischen Musikant und Art. Da meine Boxen eine Paarabweichung von nur ca. 0,5 dB haben (von mir gemessen), sollte jetzt auch am Ausgang des Vorverstärkers eine ungefähr gleiche Spannung ausgegeben werden. Das Poti des SPL-Vorverstärkers hat zum Glück eine sehr genau markierte Skala.
    • Jetzt mit den unterschiedlichen Peglerstellungen, aber demselben Pegel, erneut jeweils eine Aufnahme gemacht. Und zwar das Finale von Pink Floyds Remergence (letzte 6 min, ab dem Telefonklingeln), vom Album Atom Heart Mother. Der Tascam war natürlich auf die gleiche Empfindlichkeit eingestellt.
    • Wie gehabt mit Audacity den Anfang synchronisiert und als flac exportiert.
    • Mit dem ABX-Comparator abgespielt, diesmal aber ohne Pegelabgleich. Die Tracks sollten ja auch so gleich laut sein. Nach dem Test habe ich aber den Replay Gain Scan durchgeführt. Das Ergebnis: Eine Pegeldifferenz von 0,05 dB (Differenz der angezeigten Track Gain). Offenbar hatte sich kein Staubkorn in die Rille verirrt, ich reagiere da sehr allergisch.

    Das Ergebnis des Blindtests: 9/10 erfolgreiche Zuordnungen, das entspricht einer Wahrscheinlichkeit von 1,1 %, dass ich bloß geraten habe.
    Zu Beginn habe ich mich auf die fetten, volltönenden Passagen konzentriert, dabei entstand auch der eine Fehlversuch. Hypothese war, dass eine der beiden Aufnahmen "fetter" rüberkommen sollte (die vom Musikanten). Dann stellte ich aber fest, dass die Violine im ruhigeren Part sich viel besser zum Vergleich eignet. Zwar habe ich auch noch die anderen Parts verglichen, die Violine war aber eigentlich untrügerisch. Trotzdem waren die Unterschiede sehr gering und ich vermag sie nicht zu benennen.


    Wenn keine Fehler bei Versuchsaufbau und Durchführung unterlaufen sind, zeigen sich bei diesem Stück im Blindtest also signifikante Unterschiede, die auf die unterschiedlichen Phonovorstufen zurückzuführen sind.


    Gruß
    Christian

    ... und wo zum Teufel bin ich hier überhaupt?

  • ag Christian,
    die erwähnte Probe werde ich nicht mehr ausführen, die LS stehen originalverpackt im Keller, die Arbeit scheue ich auf absehbare Zeit. Hm.
    Freundlich
    Albus

    Hallo Albert,


    die Entfernung des Wohnzimmers zum Keller ist teilweise erheblichen Schwankungen unterworfen, und manchmal ist der Keller einfach unerreichbar, ich verstehe das sehr gut.


    Eine Variante wäre: ART direkt in die Endstufe. Klingt das dünner? Leidet der räumliche Eindruck? - Manchmal ist allerdings auch ein Stecker schon zu weit, und beantwortete Fragen ziehen nur wieder neue nach sich. Wie es im Englischen so schön heißt, am schönsten mit der Stimme Bob Marleys: Oh, what a rat race!


    Vom südlichen Ende der Couch Chinaskihaft Grüße sendend
    Christian

    ... und wo zum Teufel bin ich hier überhaupt?

  • Tag Christian,
    aussichtslos ist die Sache nicht, zumindest die BDA der LS habe ich mir schon einmal genauer angesehen, der Pegel wegen. ...
    Freundlich
    Albert

  • Hallo Christian,


    den Lautstärkeausgleich mache ich auf dem Rechner per Software, die jenes sehr gut analysiert und das menschliche Gehör berücksichtigt, nicht das Normalisieren. Wäre sonst fast beinahe bei einem Aufnahmevergleich reingefallen (ist doch besser, akribisch zu arbeiten), da bei Einstellung mittels Gehör bei Mucke doch Fehler auftreten, die man doch dann wiederum im Vergleich falsch interpretiert. Dann hattest Du doch noch einen fiesen Staubkorn ;-)


    Save the vinyl!


    Torsten

    Technics SL-120 + SME 3009S2 + Technics EPC-205CMK3, Clearaudio Solution + Swing Headshell + TECHNEAUDIO DL-103, OTTO Aikido 1+ Sonderanfertigung, Clearaudio Smartphono, McLaren 603, McLaren 703, Dynaudio 72SE, Monitor Audio M2 MK2, Lowther Hörner, Fostex NF-01A, Terratec Phase X24FW, Denon DCD-2560, Advance Acoustic MCD-203II, MindPrint Di-Port, Lake People ADC F27, Behringer Ultramatch SCR2496, MIT MH770 Twin Series 2, Spectral MI-500 Shotgun, Ortofon Virgo und vieles mehr...

  • den Lautstärkeausgleich mache ich auf dem Rechner per Software


    Hallo Torsten,


    mit welchem Programm? Im Übrigen bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich Dein Vorgehen vollkommen verstanden habe.


    Guten Abend Albert,


    ich verstehe. Der Anschluss des ART an die Endstufe macht von daher keinen Sinn. Danke.


    Im Übrigen habe ich fertig mit diesem Test. Bald habt ihr es also überstanden, nur noch ein paar letzte Worte ...


    Pink Floyd.
    Da dachte ich gestern Abend, das war so schön bisher mit Pink Floyd und dem ART, genieße also noch die Lieblingsseite (die 1. natürlich) von Atom Heart Mother. Und kaum lief sie, dachte ich: Kann das der Musikant nicht besser, fetter rüberbringen? So war mein digitaler Test von heute geboren.


    Heute Abend habe ich dann nochmal die Seite mit beiden Pres gehört, erst mit dem Musikanten und dann mit dem ART. Und ja, der Musikant kann das besser, fetter. Also besser rüberbringen, was auf der Scheibe drauf ist, denn fett ist ja einfach diese Musik. Er besitzt, das habe ich schon geschrieben, mehr Fundament im Tiefton, macht mehr Druck, ohne dabei tiefer in den Keller zu gehen. In Sachen Impulsverhalten, Transientenwiedergabe, nehmen sich beide hingegen nichts. Dagegen, und das ist mir bisher nicht so klar gewesen, ist der ART einfach heller. Vermutlich rühren daher auch die Unterschiede des Violinenklangs im digitalen Test. Und das passt auch mit dem Eindruck besserer Detailwiedergabe einerseits und mit dem Eindruck der schnelleren Ermüdung beim ART-Hören andererseits zusammen.


    Der ART hat in meinem Setup durch seine klare, detaillierte Wiedergabe mit einer präzisen Positionierung im Stereopanorama begeistert, die sogar eine Tiefenstaffelung ermöglicht (wo sie die Aufnahme hergibt). An Bumms fehlt es mir dagegen etwas. Für den Preis ist das aber ganz schön gut. Mehr Vertrauen habe ich letztlich aber in den Musikanten (auch wenn das nicht rational ist). Zum Glück muss ich bei dem Preis ja keinen wieder verkaufen.


    Hört gut
    Christian

    ... und wo zum Teufel bin ich hier überhaupt?

  • Hallo Christian,


    hatte mir mal Wavelab 6 von Steinberg gekauft. Da hast du die Möglichkeit der gehörmaßigen Anpassung. Obwohl ich damals als Stundent glücklicher Weise für eine Education-Version berechtigt war, hatte mich die Software über 500 Euro gekostet. Nun ja, wer schön hören will, muss halt leiden. Upgrades hatte ich mir nicht mehr besorgt, da ich die Bedienung von der 7er-Version nicht so toll fand. Fand aber super, dass ich die Demo testen konnte. Man ist halt ein Gewohnheitstier und bei der ollen 6er sitzt jeder Handgriff...


    Save the vinyl!


    Torsten

    Technics SL-120 + SME 3009S2 + Technics EPC-205CMK3, Clearaudio Solution + Swing Headshell + TECHNEAUDIO DL-103, OTTO Aikido 1+ Sonderanfertigung, Clearaudio Smartphono, McLaren 603, McLaren 703, Dynaudio 72SE, Monitor Audio M2 MK2, Lowther Hörner, Fostex NF-01A, Terratec Phase X24FW, Denon DCD-2560, Advance Acoustic MCD-203II, MindPrint Di-Port, Lake People ADC F27, Behringer Ultramatch SCR2496, MIT MH770 Twin Series 2, Spectral MI-500 Shotgun, Ortofon Virgo und vieles mehr...

  • Danke für die Info, Torsten!




    Hier ein Datennachschlag: Die Frequenzspektrumsanalyse erfolgte mit Audacity. Grundlagen sind die beiden Aufnahmen von Pink Floyd: Remergence vom Album Atom Heart Mother, siehe Beitrag #11




    Durch die Konzentration auf die Realisierung desselben Pegels ist die Aufnahme deutlich untersteuert. Da es um die Relationen geht, sollte das jedoch keine Rolle spielen. Alles unter 20 Hz bitte ignorieren. Mein Rega läuft übrigens etwas zu langsam, ca. 33,31 RPM.




    Auszug aus der ruhigen Passage mit Violine:





    ART DJ Pre II





    Musikant




    Auszug, etwa die letzten 30 Sekunden des Stückes





    ART DJ Pre II





    Musikant




    Angehängt die Daten.
    Gruß
    Christian

  • Tag,
    und Tag Christian,
    mein Wahrnehmungseindruck vom ART DJ Pre II/Sanyo 9V Power Pedal Juice (Shure Ultra 500, etc.) ist mittlerweile der vom Gewinn der Möglichkeit eines Hineinhörens in die Feinheiten der Tonbildung selbst ("grain analyzer"). Das ist uU eine Zumutung hinsichtlich einer Erwartung des (holistischen) Wohllauts. Im Timbre "Etwas hell", im Volumen "Etwas kräftig", um es auf eine Merkfloskel zu bringen, die aber wohl mehr verschweigt als mitteilt von dem, was das Produkt vermag. - Mit einem im Timbre dunkel angelegten Tonabnehmer (Shure, Sumiko, Grado, Excel) ist/sollte es eine gute Kombination sein, hellere von AT, Ortofon lieber nicht kombinieren mit einem ART DJ Pre II, meine ich.
    Freundlich
    Albert

  • Hallo,


    für mich stellt sich aber immer noch eine Frage, taugt der ART DJ2 im alleinigen Betrieb zur Verstärkung eines MM-Systems
    und welches System im Verbund mit einem SME 3009 Serie-3 wäre eine schöne Kombination?

  • Hallo Matthias,


    was genau meinst Du mit "im alleinigen Betrieb"? In welcher Konfiguration würdest Du den ART betreiben wollen?


    Im Übrigen hat Albert/Albus doch im vorhergehenden Beitrag eine recht konkrete Empfehlung ausgesprochen.


    Beste Grüße
    Christian

    ... und wo zum Teufel bin ich hier überhaupt?