AAA-CH 15.11.2015 in Basel

  • Hi,


    nur zwei Wochen nach Krefeld fand am gestrigen Sonntag in Basel die schweizer AAA statt.
    Während die Krefelder Show eine klassische Messe ist, ist die Basler Veranstaltung nicht-kommerziell ausgerichtet
    Sie weist eher den Character eines Happenings auf, allerdings verbunden mit der typisch schweizerischen Organisationsqualität und Pünktlichkeit.
    Abgesehen von einer Plattenbörse und einem Raum mit ´Occasionen´ (Gebrauchtgeräte) spielten Anlagen von Mitgliedern und vielleicht noch sponsornden Händlern.
    Daher spielte sich das ganze Geschehen in einer deutlich geringeren Anzahl an Räumen und mit geringerer Anzahl an Vorführgeräten ab.
    Die Räume im Bildungszentrum/Hotel waren deutlich grösser und entsprachen eher den beiden grossen Tagungsräumen im Keller in Krefeld.
    Begleitet wurde das von einem Vortragsprogramm, auf das ich später noch etwas genauer eingehen möchte.
    Die Besucheranzahl erreichte nicht die Krefelder Dimensionen, aber je nach Standpunkt waren die Räume angenehm gefüllt oder ausreichend leer.
    Das hatte aber den unbestreitbaren Vorteil -wie ich es empfand- das man sich gepflegt alle Vorführungen und Vorträge anschauen konnte ohne klaustrophobische Attacken oder andaurnde Störungen der Vorführung befürchten zu müssen.
    Es blieb Zeit und Gelegenheit mit den Vorführenden zu sprechen und auch Wünsche bezgl. der vorgeführten Geräte zu äussern.
    Alles entspannt, relaxt und eben den schweizererischen Ticken langsamer als hierzulande gewohnt.
    Die Anlagenkonfigurationen und das Programm kann man noch dem Flyer der AAA entnehmen, der auf deren Webseite als PDF zur Verfügung steht. AAA Schweiz


    Was mir besonders gefiel:
    In einem akustisch sehr harten Kellerraum führte die Züricher Abteilung der AAA mit einer Reihe Vintage-Geräten vor, u.A. Quad Verstärkern und einem ESL-63.
    Aus dem ESL-63 (und Nachfolgern) wird für meinen Geschmmack zwar nie ein ´kompletter´ Lautsprecher aus diesem Mitteltöner werden, jedoch In den vielen Jahren - mittlerweile Jahrzehnten- die ich mich mit Elektrostaten beschäftige durfte ich erstmals eine Vorführung hören, bei denen die Teile tatsächlich mal recht dynamisch aufspielten.
    Eine wirklich angenehme positiove Überraschung , gerade angesichts der raumakustischen Voraussetzungen.
    In einem weiteren, relativ kleinen Raum führte Swissonor an Rowen vor.
    Wenn auch nur sporadisch und ganz kurz reingehört spielte es hier ausgewogen, dynamisch lebendig .... Spass machend halt.
    Die Basler Abteilung hatte m.A.n dagegen ein weniger glückliches Händchen in der Auswahl ihrer Vorführgeräte.
    Eine recht neue, kompakte Aktiv-Box, ausgestattet mit class-D amps, DSP-Filtern, Plastikgehäuse und einer überragenden Testbesprechung, spielte das Programmmaterial in einer gewöhnlichen, leblosen Art und Weise ab, die den restlichen Komponenten der Anlage nicht gerecht wurde.
    Wie schon in Krefeld spielte diese überaus lobgepriesene Box so mittelmässig, das man fast versucht ist zu vermuten, die Redaktion habe sich bei der Zuordnung der Besprechungstexte vertan.
    Zum Abschlus aber noch ein absolutes Highlight, das vielleicht etwas Licht auf die Gründe der so manches Mal so unterschiedlichen Hörempfindungen wirft.
    Prof. Elke Hofmann von der Musikakademie Basel hielt einen zweiteiligen Vortrag über ihre Tätigkeit.
    Sie lehrt u.A. Gehörbildung für Musiker.
    Im grossen und ganzen soll dieser Kurs den angehenden Musikern ermöglichen Partituren so zu lesen, das sie sich das muikalische Werk quasi denkend erhören, bzw. vorstellen können.
    Es gehört auch der umgekehrte Vorgang dazu, die vollständige Erstellung und Niederschrift einer Partitur aus einem gehörten Musikstück.
    Während ihrer Tätigkeit fiel ihr auf, das ihre Studenten anders als sie selbst, aber auch untereinander verschieden hörten, es dafür aber offenbar keine wissenschaftliche Erklärung gab.
    Aus dem Wunsch die Ursachen dieses anders-Hörens kennen zu lernen, entwickelte sich wohl dann die Mitarbeit in einem multinationalen Grundlagen-Forschungsprojekt, das sich mit der individuellen Hörbildung und Klangverarbeitung im Gehirm beschäftigt.
    Dieses Projekt beschäftigt sich auch, aber eben nicht nur mit der pathologischen Seite des Forschungsfeldes.
    Und hier eröffnet sich dann auch die Kontaktstelle zum HiFi.
    Prof Hofmann berichtete von durchaus verblüffenden Ergebnissen der Studien .... das z.B. die Affinität zur Musik und das die Volumenae/die Grössen der klangverarbeitenden Areale im Gehirn (Heschl Gyri) miteinander korrellieren.
    Es scheint sogar möglich anhand der Ergebnisse und der Unterscheidung in Oberton- und Grundton-Hörer zu bestätigen warum Musiker ihr Instrument wählen, oder warum der eine Hörer Rockmusik bevorzugt und ein anderer Jazz und ein dritter wiederum etwas anderes.
    Wie anscheinend die Mehrheit der HiFi-Freaks weiss ich nun, das ich Obertonhörer, Aszendent Grundtonhörer bin.
    Wichtiges Fazit ist, das jeder Jeck anders hört und das quasi unabänderlich ab Geburt (bzw. ab ca. 2Jahren, wenn das Gehirn voll ausgebildet ist).
    Klangbeschreibungen treffen allenfalls für jene Hörer auch zu, die eine ähnliche Ausprägung der Heschl-Gyri/Hörkurven aufweisen wie der berichtende.
    Wer mag der findet den Test und Veröffentlichungen als kurze PDFs auf der Webseite musicandbrain.
    Ich denke für alle Zuhörer war dieser Vortrag eine Präsentation unbekannter aber hochinteressanter neuer Erkenntnisse, dazu noch leicht und krurzweilig vorgetragen ...Top!


    Alles in allem war die Basler AAA eine sehr angenehme Veranstaltung, und trotz des gleichen Themas wie Krefeld doch so anders.
    Nicht zuletzt durch dieses urige, krachende Schwyzerdütsch, das nicht immer leicht, und dem unvertrauten Hörer bisweilen gar nicht verständlich ist.
    Aber man kann ja an solchen Stellen einfach mal freundlich mit demKopf nicken und alles ist gut. 8)
    Ich hatte jedenfalls einen schönen Sonntag ... danke sehr.


    jauu
    Calvin

  • Moin Calvin,


    ein großes Dankeschön für deine ausführliche und m.M.n. gute Darstellung als Ergänzung für uns, die wir uns in Krefeld getroffen haben. Der Beitrag i.R. des Themas "Neuronale Grundlagen der Klangwahrnehmung und musikalisches Lernen" hätte mich auch besonders interessiert, an der FU Berlin haben wir bereits Ende der 70er solche Erforschung der Hörphysiologie und -erinnerung erfahren dürfen.
    Es sollte jedem klar machen, dass sich eine ernst gemeinte Streiterei über das eben subjektive Hörerlebnis bereits durch das im Individuum selbst Verankerte ad absurdum führt. Messtechnik ist eben verschieden zum individuellen Hören - aber das wissen wir ja.

    Mit freundlichem Gruß, Christian - AAA-Mitglied

  • Lieber Calvin,


    Besten Dank für Deinen anerkennenden Bericht über unser Forum gestern Sonntag in Basel.


    Wie Du korrekt schreibst, war das Ziel „ Analoges für Analogis von Analogis“.


    Die Mehrzahl der Mitwirkenden waren Mitglieder der regionalen Stammtische Basel, Bern und Zürich, und die vorgeführten Geräte gehörten somit auch uns oder Bekannten aus unserem Umkreis.
    Das gilt im Prinzip auch für die „Kommerziellen Austeller“, die meist auch Mitglied des AAA Switzerland sind.


    Besonders freut mich, dass Dir die fast "Nostalgische Quad“ Anlage gut gefallen hat: Diese war für mich auch ein besonderes Highlight, da ich in ebendiesem Raum selber Musik präsentieren und hören konnte.
    (Ich hatte mich mit meinen Kopfhörern etwas in der Ecke "versteckt")


    Für mich war dies das zweite AAA-Forum (nach 2013, in den gleichen Räumen) und die vielen wertvollen Gespräche und Begegnungen, machen diesen Anlass zu einem spannenden und lehrreichen Austausch mit interessanten Gleichgesinnten.
    Somit von meiner Seite den Dank zurück an Euch Besucher, die einen solchen Anlass zum Erfolg für Alle machen.


    OK - ich gebe zu: Am Abend ist man froh, alle Kabel, Teile & Zubehöre, und natürlich die - meist schweren !! - Gerätschaften wieder heil & ganz zu Hause zu haben….und dass sie die „Reise“ gut überstanden haben.


    Urs
    (Mitglied der AAA, vom "Stammtisch Zürisee" - Zürich)


    PS. Als aktiver Teilnehmer verpasst man halt viele Vorträge, da man eben den „Stand“ hüten muss; so konnte ich leider Frau Prof. Elke Hofmann nicht hören

    The post was edited 1 time, last by Urs ().

  • Ja, es war wieder ein gelungener Anlass, vielleicht leider ein wenig zu familiär. Ich hatte den Eindruck vor zwei Jahren hatten wir mehr Besucher. Tja, bei dem Wetter. Leider sind die November Sonntage auch nicht mehr das was sie mal waren.


    Ich habe mich auch gefreut dich mal kennenzulernen und kurz zu quatschen. Hast mich also gefunden ;) Als hinter meinem Rücken ein monk erschallte, wollte ich dich zwar schon zu einem Plattendealer weiterleiten der noch ein paar Monk LPs hatte. Aber dann realisierte ich, moment mal, das muss wohl Calvin sein.....


    Gruss
    Michael

    But something is happening here and you don't know what it is
    Do you, Mr. Jones?

    The post was edited 1 time, last by monk ().

  • Danke für den schönen Bericht .
    Ein paar Bilderkes vielleicht noch ? :love:

    Gruß , Dirk.


    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Mitglied, obwohl mich der Verein als solches akzeptiert 8)

  • Hi,


    hatte extra das Pad eingesteckt um Fotos und vielleicht sogar kurze Videos zu machen, aber am Ende des Tages war's wie immer .... nicht ein einziges gemacht.
    Bildkes mag es von anderer Quelle geben.


    jauu
    Calvin


    ps. Monk, hatte zur leichteren Erkennbarkeit extra mein Digitalgesicht aufgesetzt :D

  • hatte extra das Pad eingesteckt um Fotos und vielleicht sogar kurze Videos zu machen, aber am Ende des Tages war's wie immer .... nicht ein einziges gemacht.


    Der Beleg für eine interessante Veranstaltung . ;)

    Gruß , Dirk.


    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Mitglied, obwohl mich der Verein als solches akzeptiert 8)

  • Hi,
    das mit dem Grundton- und Obertonhörer finde ich immer noch interessant. Es ist ein wenig Schade, dass das nicht mehr Impact auf uns hat.


    Tschau,
    Frank - Grundtonhörer (wenn ich mich richtig entsinne)

    ] Vorhandensein von Musik - Zuhandensein von Klang [

  • Ich habe ein paar Bilder geschossen, mehr Eindrücke als Gerätschaften.




    Die alten Shirts wurden passend zum Anlass rausgekramt.
    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/100571/




    Enthusiastische und skeptische Sammler wurden gesichtet.
    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/100572/
    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/100573/




    Man liess sich Waschmaschinen erklären.
    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/100578/




    Der einsame Hörer.
    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/100575/




    Konnte man wohl kaufen.
    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/100576/




    Und zum Schluss: Fand ich das geilste Gerät! ;)
    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/100577/




    Gruss
    Michael

    But something is happening here and you don't know what it is
    Do you, Mr. Jones?

  • Besonders freut mich, dass Dir die fast "Nostalgische Quad“ Anlage gut gefallen hat: Diese war für mich auch ein besonderes Highlight, da ich in ebendiesem Raum selber Musik präsentieren und hören konnte.


    Schade, die hätte ich mir auch gerne angesehen und angehört. Aber dafür hatten wir im Vintageraum in Krefeld ja dieses Jahr auch eine alte Quad Anlage. Allerdings ohne ESLs (meine muss ich mal aufarbeiten), dafür mit alten Spendor BC-1, die tonal wirklich nichts vermissen ließen. Ich finde es immer wieder unglaublich, wie hochwertig und langzeitstabil das alte Quad Equipment aufgebaut war. Meine Quad II Endstufen und der dazu spielende Quad 44 Vorverstärker sind im originalen Zustand und funktionieren auch heute immer noch anstandslos. Das war wirklich eine tolle Qualität.


    Ja, und auch mir macht es immer einen Heidenspaß, im Vintageraum meine Lieblingsmusik zu präsentieren bzw. die Plattenwünsche der Besucher zu erfüllen.


    Grüße in die Schweiz


    Andreas

    AAA Member mit Unmengen an altem Geraffel

  • Hallo,


    das mit dem Grundton- und Obertonhörer finde ich immer noch interessant. Es ist ein wenig Schade, dass das nicht mehr Impact auf uns hat.


    JA, dies ist soooooooo ?(


    Und wie wäre es, dies im nächsten Jahr in Krefeld mal zum Thema zu machen :thumbsup:


    Grüße
    Thomas

    Stammtisch Mittelhessen: 26. April 2019 - Café Vinyl, Wetzlar ab 19:30 Uhr

  • Gebt mir mal Stichworte, dann mach ich auf dem nächsten Forum einen Workshop draus. Das interessiert mich nämlich auch sehr! (Grundton/obertonhörer) :merci:

    Viele Grüße von Uli - dem Rheinländer:
    hat von nix 'ne Ahnung - kann aber alles erklären. ^^
    Ist AAA-Mitglied, Realist und plant Wunder
    ;)

  • Auch ich möchte dem Threadstarter für den guten Bericht danken. Etwas schade finde ich aber, dass jemand, der sich nach eigener Aussage seit Jahrzehnten mit Elektrostaten beschäftigt, den ESL57 nicht vom ESL63 unterscheiden kann. :sorry: Es war nämlich letzeres Modell, welches vorgeführt wurde...
    Das schreibt einer, der seit gut 2 Monaten mit ESL57 hört :D


    Grüsse, Hans-R.

    It don't mean a thing if it ain't got that swing!

  • Hi,


    lieber Humbrumm, danke Dir.
    Gehst Du auf die AAA-CH Seite und schaust unter 'Veranstaltungen' in das pdf 'Bildimpressionen', dann mag Dir im ersten Bild auffallen, das dort hellgrau-weisse ESL63 stehen. :whistling:
    Auf Seite 4/10 sind selbige nochmal zu sehen.
    ESL57 sind mir nicht in Erinnerung geblieben.
    Vielleicht hab ich sie aber nur übersehen, denn wären sie mir aufgefallen, hätt ich sie auch anhören wollen.


    jauu
    Calvin


    ps: schau lieber nochmal nach ... hinterher hat Dir noch einer einen 63er für einen 57er vorgemacht ;)

  • Lieber Calvin,
    ich entschuldige mich hiermit ganz offiziell und förmlich. Vielleicht sollte man nicht spät nachts noch Forenkommentare schreiben. Natürlich waren es ESL63, und das hast Du korrekt so geschrieben. Wie ich auf die 57er gekommen bin - weiss der Kuckuck... meine Augen sind offenbar nicht mehr was früher.
    Nochmans Entschuldigung für den ungerechtfertigteen Kommentar, hoffentlich trägst Du mir das nicht nach. Vielleicht treffen wir uns ja mal, am nächsten AAA-Forum vielleicht. Dann schulde ich Dir ein Bier, allermindestens.


    Freundliche Grüsse, Hans-R.

    It don't mean a thing if it ain't got that swing!