Nochmal Übertrager

  • Hallo liebe Gemeinde,


    in der Gebrauchsanweisung meines silvercore mc pro 1:10 schreibt C. Kraus:


    Er ist für alle Tonabnehmer bis 40 Ohm mit einer Signalspannung von 0,25mV bis 0,75 mV geeignet. (...) Ein Ortofon SPU hat einen Innenwiderstand von nur 2 Ohm und kann trotzdem mit Übertrager mit 1:10 betrieben werden, natürlich mit etwas geringerer Lautstärke (als mit 1:20).


    Ich erlebe im Moment, dass das tatsächlich so ist.
    Warum aber gibt es dann noch Übertrager mit einem anderen Übersetzungsverhältnis, wenn doch (fast) alle Tonabnehmer an 1:10/100Ohm betrieben werden können?


    Gruss
    Michael

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  • Moin Michael


    Natürlich geht das technisch erstmal, an einem Übertrager alle möglichen Systeme anzuschließen, du wirst so immer Musik hören können. Es ist dann halt immer ein gewisser Kompromiß den du eingehst.


    Nimm nur mal den Signalpegel. Wenn das System leiser spielt, als es an einem optimalen Übertrager könnte, verschenkst du kostbaren Signal / Geräuschspannungsabstand. Da kann man gut mit leben, muß man aber nicht.


    Oder der Frequenzgang. Nur richtig abgeschlossen hat ein System einen glatten Frequenzgang, ist es über- oder unterbedämpft entwickelt sich ein Eigenklang, der von dem Signal in der Rille mehr oder weniger abweicht. Es gibt eine Menge Leute, denen das sogar gefällt, die stellen sich ihren Lieblingssound so ein.
    Deshalb sind die 100 Ohm für manches System ein Kompromiß. Ein SPU will etwa 12 Ohm sehen, damit es linear spielt und ein EMT etwa 200 Ohm.


    Von daher ist es gut und richtig, daß es unterschiedliche Übertrager gibt und dazu auch noch kleine Widerstände, mit denen man das Feintuning vornehmen kann. ;)


    Gruß
    Michael

  • Moin Michael,


    ja, da hast du wohl Recht, dass es hier um Kompromisse geht. Allerdings sieht ein SPU die 12 Ohm auch nicht mit 1:20, wie angeboten. Da müsste die Übersetzung doch wohl höher sein, oder mache ich jetzt einen Denkfehler?


    Gruss
    Michael

  • Den Sollwert stellst du einfach mit einem Widerstand ein, den du parallel zum Verstärkereingang über die Sekundärseite des Übertragers lötest. Je nach Übersetzungsverhältnis des Übertragers und der Eingangsimpedanz des Verstärkers errechnet man den richtigen Widerstandswert.


    Bei einem Standardverstärker hat man 47kOhm am Eingang. Ein Übertrager übersetzt diese Impedanz zum Quadrat an die Primärseite. Mit 1:10 wird daraus also 47.000 / 10 x 10 = 470 Ohm.


    Um auf einen niedrigeren Wert zu kommen, mußt du also einen zusätzlichen Widerstand parallel schalten.


    Gruß
    Michael

  • Laß uns das mal beispielhaft für das besonders leise SPU durchrechnen, dann wird ganz klar, warum man besser einen möglichst gut passenden Übertrager auswählen sollte.


    Also das alles unter der Annahme, daß man einen möglichst glatten Frequenzgang haben möchte, ohne viel Eigenklang des Abtasters.


    Das SPU will dann ungefähr 12 Ohm sehen, so genau kommt es darauf aber nicht an. Man muß schon grob danebenliegen, um einen Unterschied zu hören.


    Mit einem 1:10 Übertrager müßtest du also auf der Sekundärseite eine Impedanz von 12 Ohm x 10 x 10 = 1200 Ohm haben. Dort sind aber die 47 kOhm des Vorverstärkers. Um den nötigen Parallelwiderstand auszurechnen, bietet sich die Seite von Herrn Sengpiel an:


    http://www.sengpielaudio.com/Rechner-parawid.htm


    Unter Parallelwiderstand Rges gibst du den Widerstand ein, den du erreichen möchtest, also 1200 Ohm.
    Unter Widerstand R1 gibst du die Eingangsimpedanz deines Verstärkers ein, meistens sind das ja 47 kOhm.


    Dann klickst du auf Berechnen und kannst unter Widerstand R2 den nötigen Parallelwiderstand ablesen.


    Das wäre hier ein 1,2 kOhm Widerstand. ;(


    Nun stell dir vor, der 1:10 Übertrager macht aus den 200µV des SPU nur 2mV und dann liegt da auch noch so ein kleiner Widerstand auf der Sekundärseite, der diese kleine Spannung noch weiter runterzieht. ;(;(



    Jetzt rechnen wir das mal mit einem 1:20 Übertrager.


    12 Ohm x 20 x 20 = 4800 Ohm, die wir auf der Sekundrseite brauchen.
    Wert bei Sengpiel berechnen ---> 5346 Ohm, wir können also als Parallelwiderstand einen 5,6 kOhm einsetzen.


    Das sieht doch schon wesentlich gesünder aus, der 1:20 macht aus den 200µV immerhin 4mV und der Parallelwiderstand ist 4 x größer als der nötige Widerstand bei 1:10. :thumbup:


    Gruß
    Michael

  • Quote

    Den Sollwert stellst du einfach mit einem Widerstand ein, den du
    parallel zum Verstärkereingang über die Sekundärseite des Übertragers
    lötest.

    Von sekundärseitiger Belastung mittels Widerstand wird von vielen Übertragerherstellern abgeraten, da es die techn. Leistung des Übertragers verschlechtert.


    Siehe zB
    http://www.rothwellaudioproduc…_transformers_explai.html

    Verstärker u. Lautsprecher-Entwicklung, aktive Filter und Restauration von Vintage-Hifi

  • Moin,


    Keine Panik der Silvercore spielt mit hoher Bandbreite linear,also wenn da
    ein System dranhängst das auch einen recht linearen Frequenzgang besitzt
    kannst auch deutlich höher abschließen als 47Kohm (100-250 K kein Problem)
    Wird dadurch offener detailreicher und die räumliche Abbildung gewinnt. ;)


    Klar kann 1:20 mehr Pegel generieren muß aber nicht unbedingt besser klingen schon erlebt.


    Und immer vor Augen halten nicht Tonabnehmer reagiert bei den Spiel sondern die
    nachgeschaltete Elektronik.



    Gruß
    Stephan

    "Liebe deine Ecken und Kanten.Denn nur eine Null hat Keine."

  • Von sekundärseitiger Belastung mittels Widerstand wird von vielen Übertragerherstellern abgeraten, da es die techn. Leistung des Übertragers verschlechtert.


    Ja, wie ich oben beschrieben habe, wird der Pegel dadurch kleiner. Dafür erhält man aber einen glatten Frequenzgang und somit wenig Eigenklang des Abtastsystems.


    Das gefällt natürlich nicht jedem. :D


    Gruß
    Michael

  • Moin!


    Die Aussage von a_h ist absolut richtig! In der Regel ist ein sekundärer Dämpfungswiderstand suboptimal, denn er dämpft natürlich auch den Trafo. Zudem verschlechtert er noch den Frequenzband des Trafos, mal abgesehen von der Eigenresonanz, wofür es Zobel gibt. Man könnte das - wenn man denn wollte - ganz einfach in Spice simulieren, welche Auswirkungen primäre und sekundäre Abschlüsse bewirken.


    VG
    Bernd

  • Klar kann 1:20 mehr Pegel generieren muß aber nicht unbedingt besser klingen schon erlebt.


    Ja, Stephan, das sagt C. Kraus eben auch über das Zusammenspiel mc pro 1:10 mit SPU.
    Weiter sagt er, er selbst benutze für's SPU den mc pro 1:10. Und er wird seine Übertrager am besten kennen, denke ich.


    Gruss
    Michael

  • Von sekundärseitiger Belastung mittels Widerstand wird von vielen Übertragerherstellern abgeraten, da es die techn. Leistung des Übertragers verschlechtert.


    Hallo Michael,


    diese Aussage stimmt: in der Audiotechnik wählen wir für die Zusammenschaltung von Quelle und Last die Spannungsanpassung, d.h. der Lastwiderstand ist größer als der Quellwiderstand. Leistungsanpassung mit gleichen Quell- und Lastwiderständen ist bei dem großen Frequenzbereich Illusion.


    Nun haben Übertrager im oberen Frequenzbereich eine Resonanz, die von Wicklungskapazität und Streuinduktivität gebildet wird. Sichtbar wird sie in einer Überhöhung des Frequenzganges. Man kann sie mit einem niedrigeren Widerstand als Abschluss "wegbügeln" (ggfls. mit einem Kondensator in Reihe mit diesem Widerstand die die Wirkung auf die hohen Frequenzen beschränken). Doch die Resonanz existiert immer noch: bei der Resonanzfrequenz sieht die Quelle eine verminderte Last.


    Eine weitere Möglichkeit wäre ein dämpfender Widerstand in Reihe zur Streuresonanz auf der Primärseite - das scheidet bei einem MC-System aus, da dies den Pegel weiter absenken würde.


    Bei einem TA mit sehr geringer Impedanz wäre m.E. die beste Möglichkeit, einen Übertrager mit einer Streuresonanz weit über dem Hörbereich zu wählen. Streuresonanz und Wicklungskapazitä werden kleiner, je kleiner der Übertrager gebaut werden kann. Deswegen muss ein "gewichtiges Teil" nicht unbedingt das bessere sein (es wird ja kaum Leistung übertragen).


    Gruß Andreas

  • Übertrager gehorchen nur physikalischen Gesetzen und nicht demjenigen, der sie wickelt.


    Völlig klar.
    Warum aber gibt es dann für ein- und denselben Zweck verschiedene Übertrager gleicher Übersetzung, z.B. bei silvercore? Und schreibt C. Kraus auf seiner Website bzw. in der Bedienungsanleitung Unfug?


    Gruss
    Michael

  • Moin Michael,


    warum soll man was wegdämpfen was nicht existiert,du hast ein Übertrager
    deren Linearität weit über 200Khz hinausgeht und einen Tonabnehmer -+ 2db
    von 20-20Khz Frequenzgang hat.,
    Sehe da Null Probleme, wenn du einen Tonabnehmer mit einer mechanischen Resonanz
    im Hörbereich hast oder extremen Anstieg im Hochtonbereich macht das durchaus Sinn
    diese zubekämpfen.
    Wenn ich sowas nicht habe halte ich das für Unsinn,warum machen sich die Entwickler einen Kopf
    die größst mögliche Bandbreite zuschaffen,wenn der Endkunde das wieder in die Tonne kloppt.


    Kann ja jeder machen wie er will,aber ein Silvercore hat mit einen neutralen System sowas
    nicht nötig.


    Gruß
    Stephan

    "Liebe deine Ecken und Kanten.Denn nur eine Null hat Keine."

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  • die größst mögliche Bandbreite zuschaffen,wenn der Endkunde das wieder in die Tonne kloppt.


    :thumbsup:



    Habe meinen MC Pro derzeit an 500k, das Zyx Universe ist auch schön linear ...
    Passt hervorragend, spielt schön locker, frei und farbig,
    völlig unkomprimiert ...


    Die meisten Leute müssen aber bedämpfen, weil oft irgendetwas nicht passt. TA oder ÜT oder beides nicht linear, bzw. mit Hochtonanstieg/ Resonanz behaftet oder Arm, LW oder Phono nicht gut genug.



  • Das Übersetzungsverhältniss spielt bei den Silvercore nicht soo die Rolle, ist fast eher ein Frage der Gesamtverstärkung,
    entscheidener sind Arm, LW, Antrieb und Phono. Bei meiner Phono ist der Abschlußwiderstand gleichzeitig der Gitterableitwiderstand, welcher meist noch parallel sitzt.