Neumann KH-420 - zu gut und unkompliziert für den High-Ender

  • Thema kein Platz :


    worin liegt der Unterschied zwischen 91 bzw 93 Liter/ Volumen ?

    Es geht da nicht um Volumen was ich meine mit der Aussage das es nur einen guten Grund gibt weniger als 3 Wege zu verbauen und der wäre wenn es sich um einen Lautsprecher handelt der vom Gehäuse her so klein gebaut werden muss das kein dritter Weg mehr eingebaut werden kann.


    Es geht bei der Konstruktion eines Dreiwege Systems gegenüber einem Zweiwege System um die Verringerung/Optimierung von Intermodulationsverzerrungen im Mitteltonbereich.

    Das weiß man auch in Geithain und hat deswegen ab der 944K1 aufwärts in der Größe des Lautsprechers ein Dreiwege-System integriert.

    Wenn ein Hersteller einfach nur Geld und Aufwand sparen möchte dann lässt er diesen halt weg...


    Dann zum Thema man fügt einem Dreiwege System einen vierten Weg dazu in Form einer Tieftonerweiterung nach unten. Durch diese Maßnahmen werden im tieffrequenten Bereich die Intermodulationsverzerrungen nochmal bis in den Mittentonbereich hinein deutlich verringert. Zudem werden Doppler-Verzerrungen im Bereich von 2 – 6 kHz durch Hinzufügen eines Subwoofers entfernt, da sich die Auslenkung des Basstreibers verringert und er diese Frequenzen nicht mehr moduliert. Der Hochfrequenzbereich wird hörbar sauberer. Die Audiotransparenz nimmt dadurch weiter zu.


    Grüße Truesound

  • Ist doch alles gut, die Sonogramme sehen rekordverdächtig aus, wüßte nicht, wer das so hinbekommt. Vielleicht das Resultat der Form der Waveguides und der Auswahl der Chassis und die Konstruktion des Gesamtgebildes.


    Einfach nur sehr gut.


    Adaptieren wir das auf die Erfordernisse eines Heimanwenders.


    Man tut sich vielleicht etwas schwer, Gehäusefarbe ist halt nur ein Gimmick. Natürlich kann man die Kombi 420/870 ins Wohnzimmer stellen, die 420 entsprechend neigen. Trotzdem bleibt in der relativen Hörentfernung ein optischer Effekt haften. Die Möglichkeit den 810 reinzudenken kommt zögerlich, obwohl das ganz sicher Sinn machen würde, auch und gerade für die niedrigere Sitzposition und der Raumanpassung.


    Ist der Privatmann mit seinen Möglichkeiten die eigentliche Zielgruppe?


    Just a few Idea's.

  • Ist der Privatmann mit seinen Möglichkeiten die eigentliche Zielgruppe?


    Seitens Neumann sicherlich nicht.


    Auf den Zweiten Blick jedoch unbedingt, wenn man die Möglichkeiten des Privatmanns betrachtet.


    Zwei KH-420 kosten zusammen € 7.400,- und das kann nicht mal eben so jeder aus der Portokasse bezahlen. Die meisten müssen eine Zeit lang darauf sparen.

    Aber es ist ein durchaus erreichbares Ziel für so verrückte Hifi-Spinner wie wir es nun mal sind. :)


    Und da hat man dann etwas stehen, was wirklich richtig gut Musik macht. Je nach Raumgröße und persönlichem Anspruch an Tiefbass und Lautstärke ist man damit angekommen.


    Das schöne ist aber an so einem modularen System, daß man später nochmal nachlegen kann und sich mit einem Subwoofer wie dem KH-870 oder auch dem 810 den Tiefbass hinzu kaufen kann.

    Und nochmal ein paar Monate weiter kauft man sich dann evt. den zweiten Sub dazu und hat dann ein herausragendes System da stehen, was nicht mehr leicht zu toppen ist.


    Wem das dann immer noch nicht reicht, baut sich mit Sub 3 und 4 ein DBA auf usw.


    Also gerade für den Privatmann ist das alles attraktiv, weil er eben nicht eine sehr große Summe auf einmal ausgeben muß, sondern seine Anlage Stück für Stück ausbauen und verbessern kann.


    Die Modellpolitik seitens Neumann - so völlig ohne jährlich neue Frühjahr- und Herbstkollektion - unterstützt diese Vorgehensweise.


    Gruß

    Michael

  • Beim Erscheinen der 310er hab ich mich eigentlich gefreut. Macht ja auch Sinn, die Chassis nahe zusammen zubringen.

    Nachträglich betrachtet käme ich mit einer vertikalen Anordnung unter meinen Bedingungen besser zurecht, zumal das akustische Zentrum dezidiert definiert ist.


    man kann nicht alles haben.

  • Hallo Michael,


    wie gesagt ich habe nichts dagegen Anlagen zu installieren die größer als eine KH 420/KH 870 Kombi ist und wenn die Raumgrößen und Voluminas entprechend sind halte ich das sogar für geboten wenn möglich das zu tun.

    Wenn jemand zu mir sagt ich habe einen 60 Quadratmeter Raum mit 200 Kubikmeter Raumvolumen und er will das klanglich richtig ausfüllen und dort in 3,5 Meter Abstand sitzen dann empfehle ich ein System was natürlich größer ist als eine KH 420/KH 870 Kombi ist!!


    Bei Neumann ist von der Größe derzeit bei KH420/KH 870 Schluss und man hat bei der Größe keinen O 500/KH900 Nachfolger mehr herausgebracht was ggf. damit zutun hat das eben dort die Stückzahlen die damit erzielt werden zu gering werden und dann eben die Preise beginnen überproportinal zu explodieren....


    Die Illusion die Mächtigkeit eine Orgel in einer Aufnahme einzufangen und über Lautsprecher wiederzugeben und zu denken das ist ja wie Live .....schwierig....

    Man wird wenn man direkt in Notre Dame die Orgel hört ein anderes Erlebnis haben...

    Klar Lautsprecher größer zu dimensionieren hilft etwas weiter keine Frage,


    Ich hatte weiter oben nicht umsonst das Beispiel mit dem Video mit der Trompete und was sich der Musiker dort gebaut hat um damit in normalen Wohnräumen damit üben zu können....


    Als er ohne diese Schalldämpfer in den er hineinspielt im Zimmer spielte wurden 100dBA gemessen was natürlich sofern man nicht alleine wohnt zum Problem mit Mitbewohner und Nachbarn führen kann.

    Zudem ist es auch für den Musiker nicht gesund stund lang in täglich in so einem Raum zu üben und sich dort Schalldrücken von 100dBA auszusetzen ohne zu mindestens Gehörschutz zu tragen.

    Stellt dir mal so ein Trompeter in einen 20 Quadratmeter Raum zwischen deine Lautsprecher und der soll mal eine halbe Stunden spielen...nach 2 Minuten wünscht du dir einen Lautstärkeregler am Trompeter den du leiser drehen kannst...

    Jetzt kommen seine Kollegen der Rest der Jazz Combo und die bauen ihr Schlagzeug noch in dem 20 Quadratmeter Raum auf und spielen und begleiten den Trompeter...dann wünscht du dir nach weniger als eine Minute einen Lautstärkeregler oder Gehörschutz und die Nachbarn sind auch gleich da aber ohne Blumen in der Hand dabei mitzubringen...


    Jetzt hast du großzügig gebaut und hast dir einen 60 bis 80 Quadratmeter Hörraum gebaut mit akustischen Ausbauten und 200 bis 300 Kubikmeter Raumvolumen und lädst dort den Trompeter mit seiner Jazzkombo ein und lässt sie dort spielen...dann stellt man sehr schnell fest das das klanglich deutlich angenehmer und praktikabler ist...


    Die vernünftig reproduzierbare Dynamik hängt sehr stark an der Raumgröße und wie gesagt ich spreche da von einem Trompeter und einer kleinen Jazzkombo und lange nicht von einer Big Band/großes Klassikorchester oder gar einer Orgel und schon gar nicht der in Notre Dame.


    Sprich große und noch größere Lautsprechersyteme sind ja schön und gut aber die Raumgröße und das Raumvolumen muss auch dazu passen!


    Der Raum wo sich hier bezogen wird bezüglich ME Geihain mit ME 901/K14 Basis Installation und Wiedergabe ist der sogenannte Große Seminarraum in Detmold. Der Raum wurde akustisch von Jochen Kiesler ausgebaut und der Raum ist so groß wie ein wirklich großes Klassenzimmer und bietet Abhören in Stereo und Mehrkanal nach ITU Standard und mit der dort dimensionierten Wiedergabe gehe auch voll kontiki...


    Wer denn Zuhause einen Hörraum in der Größe hat der kann natürlich auch sinnvoll da mehr reinstellen als eine KH 420/KH 870 Kombi...aber wie gesagt man muss so einen Hörraum in der Größe eben auch Zuhause haben...


    Schaut man dann dort in die Regie 2 die kleiner ist findet man dort ein Paar RL 903 für Stereo und 5 BW 802 für Mehrkanal.

    Die Brahmssaal Regie: Multichannel 5 X RL 903 und ein Subwoofer....


    Dann gibt es noch den "Schnittkeller" der von der Raumgröße her eher dem entspricht was man privat meistens an Hörraum überhaupt vorfinden kann...und da stehen dann auch keine 5X901 plus diverse K14 drinne...



    So gibt es natürlich auch Anforderungen für einen sogenannten Bezugs-Abhörraum der mindestens ein Fläche von 40 Qudratmeter aufweisen muß....und mindestens 30 Quadratmeter für einen High Quality Regierraum.....


    Dann gibt es Anforderung für einen Regielautsprecher die definiert wurden....(Tech 3276/BS.1116) etc etc.

    Erfüllt eine ME RL 904 oder KH 120 vollkommen die Anforderung an einen Regielautsprecher nach Tech 3276/BS.1116....? Nein...

    Aber man benötigt eben auch Lautsprecher in Ü Wagen und an Schnittplätzen und da hat man eben kein Flächen von mindestens 30 oder 40 Qudratmetern...

    Will sagen man muss sich auch bewusst sein wofür ist was gedacht. Ein Paar RL 904 in einen 30 Quadratmeter Raum einstellen...und auf 3 Meter Abstand mit diesen Hören...geht natürlich aber da geht auch schon ein deutlich größerer Studiomonitor wenn es dem Hörer darum geht Großorchester überzeugender in den Raum zu stellen...

    Letzterer Punkt klappt natürlich am besten in einen Raum der die Größe einen Bezugs Abhörraumes eben hat und mit entsprechend bemessener Lautsprecheranlage ausgestattet ist....und ist der Raum kleiner oder eben auch deutlich kleiner müssen schon alleine Aufgrund der Raumgröße Abstriche gemacht werden...und da hilft es nur begrenzt eben gnadenlos überdimensioniert Lautsprecher dann reinzustellen...

    Man sollte nicht einen Ausschnitt nur betrachten sondern die Gesamtsituation unter der Musikwiedergabe Zuhause stattfinden kann und daraus ableitend sinnvoll dimensionieren...


    Natürlich ist der Klang im Großen Seminarraum in Detmold ein Erlebnis aber das bekommt man 1:1 nicht in einem 20 Quadratmeter Raum Zuhause genauso hin und so manch einer hat sogar nochmal weniger als 20 Quadratmeter....Da ist dann die Grenze des erreichbaren schon durch die Raumgröße limitiert...

    Sehr viele Hörräume Zuhause fallen von der Größe eher unter die Größenkategorie Ü-Wagen-Bedingungen.



    Grüße Truesound

  • da tute ich mit und in der vergangenheit war das hier schon thema.


    'Originalpegel' einer Orgel in einer relativen Druckkammer, katapultieren die Trommelfelle aus den Ohren. Selbst in großen Säalen ist das problematisch. Kirchen, insbesondere Notre Dame, haben ein Raumvolumen, dass überhaupt nicht nachzubilden ist. Wer das anders sieht, na bitte.


    Ich selbst war vor langer Zeit auf einem Stones Konzert, dass war so laut, dass ich die vorher genossenen Würstchen im hohen Bogen aus mir ließ.

    Ein guter Freund erlitt bei einem Konzert in der Eierhalle in Kaunitz einen Hörsturz, ich hatte 14 Tage ein Pfeiffen in den Ohren. Das waren gestandene 15 Minuten Anwesenheit.


    Seither bin ich auf solche Eventualitäten vorbereitet.

  • Hallo Michael,


    am Ende ist es "bekloppt" ein paar KH 420/KH 870 oder ein Paar ME 901 und dann noch mit K 14 Basis ertüchtigt Zuhause aufzustellen.....

    Wenn wir hier in unserer Blase darüber diskutieren wo man noch optimieren kann dann fällt das nicht auf wenn nun ein "Normalbürger" in der Sache auf so etwas zukommt der fällt gleich nach hinten um und schüttelt den Kopf.


    Bei einem Audiobekannten stehen Zuhause im 55 Quadratmeter´Raum der beim Neubau extra als Hörraum geplant wurde 510 kg Lautsprechertechnik mit einer Gesamendstufenleistung von 2X 2,2KW....

    Da staunt auch der Audioprofi...das so etwas Zuhause steht...und der Normalbürger könnte das gar nicht mehr nachvollziehen....der setzt sich dahin und hört natürlich des es genial klingt und fragt dann ...ja und was machst du nun damit? Auch ausgesprochene Fachleute die vor Ort waren und all diese Dinge gebaut und installiert haben waren über die Dimension die sie dort im privaten Rahmen vorfanden auch ein wenig "verwundert" und hätten das unter einer Privatadresse nun nicht selbstredend erwartet.


    Grüße Truesound

  • Genau....:)

  • am Ende ist es "bekloppt" ein paar KH 420/KH 870 oder ein Paar ME 901 und dann noch mit K 14 Basis ertüchtigt Zuhause aufzustellen.....

    :)


    Ja sicher ist das bekloppt!


    Aber jeder der mit Herzeblut irgendeinem Hobby frönt ist doch irgendwie bekloppt.


    Bei dem ganzen Hifi-Geraffel hat meine Dame ja vollstes Verständnis für mich. Die hatte auch schon Tannoys und Luxman bevor wir uns kennen gelernt haben.


    Aber wenn ich dann mal wieder eine teure, alte Röhre kaufe, um ein Radio originalgetreu zu restaurieren, verdreht sie auch die Augen. :D


    Gruß

    Michael

  • Ein richtig toll und informativ zu lesender Thread. Die Berichte über die kleine Neumann KH 80 DSP haben mein Interesse geweckt. Die werde ich mir im Music Store Köln einmal anhören. Schade das für die Subwooferunterstützung KH 750 DSP der fast doppelte Preis der Neumann KH 80 DSP aufgerufen wird. Ein preislich zur 80er passender Subwoofer, würde das Thema noch spannender machen.


    Gruß

    Mike

    Von den leichten französischen Landweinen ist mir Cognac am liebsten.

  • Ich fände es irgendwie cool, wenn doch ein paar klangliche Eindrücke zur 420 fallen würden. Christian, trau Dich!

    So, nun kommts endlich. Das Feedback eines normalen Musikhörers, der sie schon etwas länger bei sich zuhause stehen hat. ;)


    Vorab:

    Es sind persönliche Eindrücke, die meine subjektive Erfahrung spiegelt. Ich habe keine besondere Affinität zu Studioequipment, aber auch nicht zu exotischeren Pfaden im HighEnd-Bereich. Für mich ist erlaubt was gefällt. Der Wert einer Komponente bemisst sich für mich daran wie lang und intensiv ich mit ihr hören möchte.


    Ein wenig zur Vorgeschichte:

    Vor den Neumann habe ich einige Jahre mit aktiven ATC SCM50 ASL gehört. Mit einer Gryphon Elektra (die in ATC Foren immer wieder als Match genannt wird) harmonierten die 50er auch recht gut. Dennoch gab es Dinge, mit denen ich nicht zufrieden war, Richtungen in die sich der Lautsprecher nicht bewegen wollte, oder konnte. Die ATC haben rückblickend betrachtet eine Signatur, die man ihnen m.E. kaum austreiben kann. Der Bass ist speziell: nicht übermäßig dynamisch, nicht extrem tief, auf eine gewisse Art monoton und mit einer deutlichen Signatur, die sich auch in den größeren Modellen fortsetzt. Der Hochton zwar eher etwas zurückhaltend, aber keineswegs Britisch. Meine Zeit mit den ATCs war immer mit der Suche nach Komponenten verbunden, die den Klang auf ein noch besseres Niveau bringen sollten (räumlicher, farbiger, lockerer, ein Mehr an Auflösung, ohne ins Sterile zu driften). Zuletzt waren es diverse Röhren-Vorstufen. Ich habe es nicht wirklich geschafft.


    Ein Besuch bei spocky16 mit seiner modifizierten Geithain 901k gab mir damals eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, wie gut ein auf die Spitze getriebenes Setup mit Studiomonitoren und Röhrenelektronik klingen könnte (insofern hat Otto recht), wenngleich mir aber auch nicht alles gefiel, was ich dort hörte.


    Neumann war nicht auf meinem Radar. Die Einladung eines Bekannten mir bei ihm eine KH310 anzuhören, löste zuerst keine besondere Neugier aus, hatte ich doch (bei einer eher unglücklichen Begegnung mit der O410 zwischen Tür und Angel) Neumann, bzw. K+H in einer Schublade abgelegt, die ich eigentlich nicht mehr öffnen wollte. Den Eindruck der O410 müsste ich fairerweise noch einmal überprüfen.


    Was ich bei der KH310 des Bekannten hörte passte gar nicht ins Bild: Ich war zum einen überrascht wie musikalisch und souverän die KH310 aufspielten und ziemlich angetan wie unsichtbar sich die Neumänner machten. Die räumliche Abbildung war im Vergleich zu meinen ATCs in allen Achsen beeindruckend! Die Fülle an Details empfand ich überhaupt nicht als anstrengend, sondern vielmehr als bereichernd und spannend. Ich war zu keiner Zeit genervt oder gestresst und auch nicht ganz so gute Aufnahmen klangen für meine Ohren noch ziemlich ok. Natürlich gab es auch Einschränkungen wie: Etwas mehr Körper, noch etwas mehr Dynamik und Basspotenz. Hinzu kam die ungewohnte Nahfeld-Position, die auch nicht meins ist. Die Röhrenvorstufe (ModWright LS 36.5), die ich damals mit im Gepäck hatte zeigte mir aber auch, dass die Neumann keine besonders ausgeprägte Signatur besitzen und sich mehr oder weniger durchlässig verhalten. Die recht neutral spielende Röhre gefiel mir in dieser Konstellation dann auch besser als die Bryston Vorstufe des Bekannten, die mir etwas zu sachlich zu Werke ging. So gesehen war die KH310 für mich die Initialzündung.


    Etwas später bot sich dann die Gelegenheit einen Monat lang ATC und Neumann KH420 bei mir zu vergleichen. Ab und zu wurden Freunde eingeladen, um ggfs. wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht zu werden. Ich hatte keinen Druck, musste nicht kaufen, musste mich nicht entscheiden. Es hätte alles so bleiben können wie es war.


    Die Neumann spielen in meinem ca. 40m2 großen Raum noch einmal anders als die KH310. Mein Hörabstand beträgt etwa 2,6 - 2,7m, der Abstand der KH420 zur dahinter liegenden Wand misst ca. 80cm. Sie sind auf den Hörplatz eingewinkelt, so dass sich ein gleichwinkliges Dreieck ergibt. Im Vergleich zur KH310 performen sie "größer", körperhafter, druckvoller und noch weniger limitiert. Die räumliche Abbildung und Ortungsschärfe gefällt mir sehr gut. Die Bühne geht zum Teil sehr weit über die Seiten hinaus. Tiefe, Höhe, Plastizität und Staffelung finde ich prima. Kopfbewegungen von Sängern, Fadings und die damit verbundenen Änderungen des Raumeindruckes bei alten Jazz Aufnahmen lassen sich ebenso klar nachvollziehen, wie z.B. abgefahrene Soundeffekte bei James Blake, ohne jedoch den Bezug zur Musik zu verlieren. Perkussive Klanggewitter wie z.B. Family of Percussion, Xenakis Pleiades, etc. spielen sie beängstigend realistisch. Becken haben Farbe, Schläge ordentlich Punch. Nuancen einer klassischen Gitarre, Stimmen & Timbre, oder Streicher empfinde ich als sehr natürlich.


    Ich erlebe die KH420 nicht als analytisch, oder nüchtern, sondern als einen der wenigen Studiomonitore die etwas anmachend euphonisches besitzen, so dass sie mMn. auch für Musikhörer in Frage kommen, die Studioequipment eher skeptisch gegenüberstehen. Meine Röhrenvorstufe, die tonal viel näher an einer guten Transistorvorstufe als an einer euphonischen Röhrenvorstufe liegt, fügt ein kleines bisschen Röhrencharme hinzu, ohne aber den grundsätzlichen Klang der Neumann auf den Kopf zu stellen.


    Was mir in meinem Raum noch etwas fehlt ist eine adäquate Unterstützung im Bass. Ein derzeit per MiniDSP 2x4 HD eingebundener, leise mitlaufender 12" Subwoofer ist natürlich noch nicht das Ende der Fahnenstange und entlastet die Neumann auch nicht. Würde ich wie Rudolf in einem 20m2 Raum hören, wäre ein Subwoofer m.E. nicht notwendig.


    Natürlich gibt es immer sachliche, technische und auch verifizierbare Argumente die für oder gegen etwas sprechen. Es gibt Kompromisse, die man schliessen kann, oder nicht schliessen will. Und es gibt eine ganz einfache, wenig greifbare weil individuelle Ebene, die manchmal sehr schnell und manchmal langsamer darüber entscheidet, ob sich so etwas wie Zufriedenheit einstellt. Nach nun fast 2 Jahren mit den Neumann kann ich sagen, dass ich immer noch sehr zufrieden bin. Sie sind der Fixpunkt. Für mich ergeben sich durch ihr Potential und ihre Eigenschaften viele Möglichkeiten meinen Vorstellungen noch näher zu kommen. Und ich finde sie sehr preiswert. Genauso preiswert wie eine Geithain, eine Martion, eine XYZ, wenn man das Gefühl hat weitaus mehr zu bekommen, als man gegeben hat.


    Olafs Skizze finde ich nach wie vor treffend:

    Das Zeigt doch auch, der LS stellt eine hohe Qualität zur Verfügung.

    Kann Veränderungen und Signaturen der davor gewählten Komponenten darstellen.

    Es lässt sich nach Gusto abschmecken und auf seine Belange ausrichten.

    Und schon klingt der LS anders als man es vielleicht kennt oder zunächst erwarten würde.....


    Als Röhren-Spielpartner für die Neumann sehe ich Vorstufen mit möglichst geringer Ausgangsimpedanz (meistens wohl mit Ausgangsübertragern), die der Studionorm nahekommen. Michael (MVD) hat dankenswerterweise ein paar Beiträge zuvor darauf hingewiesen. An den ATC war dies eine Voraussetzung. Aber auch die Neumann fühlen sich mMn. damit wohler.


    Beispiele wären:


    Nagra Jazz/PL-P ?

    Accustic Arts Tube Preamp MKII

    ModWright LS36.5

    MFE Tube One

    oder auch Vorstufen von Reinhard Hoffmann mit Ausgangsübertragern (soweit ich weiß, hatte er vor so ein Konzept umzusetzen)

    u.v.a.m.


    Eine Audio Research LS26 (700Ohm im Ausgang), die ich bei Mario F. an den KH310 gehört habe, wäre nicht unbedingt meine erste Präferenz. Damit schliesse ich aber keineswegs aus, dass andere mit dieser Vorstufe sehr zufrieden in Verbindung mit den Neumann hören können.


    Ist nun doch etwas länger geworden als die angekündigten paar Zeilen.


    Viele Grüße

    Christian

    »Danke, ich bleibe bei der analogen Tonwiedergabe«, hatte er einmal zu mir gesagt. »Die digitale Aufzeichnung entstellt das Gefüge der diatonischen Tonleiter. Den meisten Menschen fällt es nicht auf, aber mein Gehör ist hypersensibel. Ich erkenne diese minimalen intradigitalen Auslassungen. Das ist eine meiner Anlagen.«

  • Klar andere haben eine sehr große Garage andere sagen halle dazu und haben da 8 Autos drinne stehen und und und ...ich will damit nur sagen das man bei aller Liebe zum Hobby auch ab und zu mal sich wieder etwas erden sollte...um eben auch ein bisschen noch zu spüren wenn man die Spirale langsam anfängt zu überdrehen...oder auch langsam der Wirkungsgrad seines Handelns und Tuns nachdem bereist sehr viel getan wurde im Vorfeld über die Jahre beginnt ins utopische abzuwandern...oder eben Optimierung an Stellen durchgeführt werden die eigentlich erst Sinn ergäben wenn an anderen Stellen wo noch deutlich mehr zuholen wäre schon optimiert worden wäre....

    Sprich Aufwand und Geld auch in die besten Maßnahmen die auch richtig weiterhelfen zunächst fließen.


    Grüße Truesound

  • Hallo Christian,


    wenn man die KH 420/O 410 an eine Ausgangstufe eines alten Siemens Röhrenpultes aus der Rundfunktechnik anschliesst ist der Klang auch ein wenig anders und hat ein wenig "Geschmäckle" als man hört wenn dort ein RME ADI 2 Pro die Lautsprecher versorgt.

    Das war aber auch Technik die seinerzeit nach bestmöglichen technischen Standard zu der Zeit gebaut wurde.Also Messwerte so gut es damals möglich war.

    Der Klang ist aber immer noch so das man keine böhmischen Dörfer damit hört und kann eben auch ganz angenehm sein und Spass bereiten....

    Man kann auch beide Versorgungswege haben und entsprechend umschalten nach belieben....


    Bei 40 Quadrat kannst du ohne weiteres ein Paar KH 870 ergänzen...und du wirst es auch erhören auch wenn du keine Tiefbassorgien feierst....der Klang der KH 420 wird nochmal ein Stück sauberer...bei einer ganzen Reihe "normaler Musik"


    Es tritt ein was ich in Beitrag 784 erwähnte:

    Neumann KH-420 - zu gut und unkompliziert für den High-Ender


    Grüße Truesound

  • Hi Christian,

    danke für deine Eindrücke. Ich erkenne darin meine eigenen auch etwas wieder.

    Und übrigens, natürlich kann man sich eine technisch schön passende Röhrenvorstufe aussuchen, die ganz dezent das Ganze etwas “würzt“. Ich bin sogar der Meinung das genau das die sinnvollste Vorgehensweise ist, wenn jemandem etwas, ich nenne es mal “kuscheliges“, in der Darstellung fehlt.

    Ein psychakustischer Effekt, eben.

    Ich selbst habe lange mit Röhren gehört, auch beim früheren halbaktiven set up, mit einer 211SE für den Hochmittelton-Teil, die konnte ich aber für vollaktiv, also ohne Weiche an einem Horn mit 116 dB bei einem Watt, wegen ihrer Nebengeräusche nicht mehr nutzen. Ich habe sie verkauft und von diesem Geld die Trichter für den vierten Weg gekauft.

    Also damit will ich nur erklären, warum ich etwas an Röhrenzauber als Wunsch gut verstehen kann.

    Besonders, wenn man es mit dem Bewusstsein der technisch wichtigen Zusammenhänge (Quelle/Last) macht, wie du und man sich damit kein groben Fehler/Effekte einfängt.

    Gruß, Detlef

  • Gebe Christian recht , es gefiel auch mir nicht alles , dennoch finde ich die Aussage von Truesound , das es bekloppt sei , die Woofer Unterstützung bei der 420 oder 901 in „normaler“ Hörraum Situation , einzusetzen .


    NEIN , ist es nicht ....fast jeder fand es bekloppt als ich mit den Array Bassdipol an die Umsetzung ging .


    Was geschah , der Bass wurde deutlichst exakter / selbstverständlicher und an die Klangkörper gebunden .

    Abhörlevel um 85-90dB


    Voraussetzung ....um 50 Hz herum , darf die Nachhallzeit , nicht über 400 ms kommen

  • Die 410 / 0500c hörte ich mit Nagra und was ich dabei cool fand an der ganzen Diskussion ,


    ALLE Geräte reagierten auf Netzkabel Änderungen


    UND was noch viel cooler war und dies hatte ich vor Jahren hier schon einmal geschrieben ..


    Verwiesen doch die Herren auf die Messwerte von Studioequipment und klatschten in die Hände ;)


    Und anschließend konnten sie nicht einmal verifizieren ob ein Synthesizer oder Flügel spielt .


    Nachtrag zur Spocky´s LS:


    die klare Dynamik - Transparenz , ist für jeden der diese LS gehört hatte ungewohnt gewesen , teilweise „schockiert“ waren sie.

    Diesen Eindruck hatte ich von Christian auch.


    Was mir nicht soo gefiel , die Bassperformance und da ist mir die bekannte Geithain Kombi besser , aber zu Lasten der Transparenz .


    Truesound


    Diese Naivität besitze ich nicht zu meinen , eine Orgel 1:1 in den Hörraum zu transportieren .

    Das Orgelbeispiel , ist nur secundär für TT Wucht gedacht .

    G / Otto

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  • Hallo Otto,


    bei Christian der 40 Quadratmeter hat würde ich sogar zu einem Paar KH 870 raten.

    Aber 40 Quadratmeter ist eben auch kein normaler Hörraum im Privatbereich was die Größe angeht...

    Als separater Hörraum- nicht Wohnzimmer- sind am häufigsten zwischen 15 bis 20 Quadratmeter anzutreffen....und eine weitere nicht kleine Gruppe wäre froh hätten sie einen separaten Raum dafür überhaupt zur Verfügung...


    Grüße Truesound

  • Solche Aufnahmen machen natürlich Spass auf einem System was bis 18 Hz herunter läuft....:)

    Man erkennt aber auch bei der Aufnahme das unterhalb 30 Hz der Frequenzgang schon abfällt sprich eine Hochpassfilterung erfolgte....


    Beeindruckend und hörtechnisch markant ist eben auch das Spiel der Orgel bei 40 und 50 Hz...


    https://tidal.com/browse/album/17126133

    Files

    • Aufnahme.JPG

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  • Hallo,


    ich danke allen die ihr Wissen hier teilen - nach der Fastschließung. Sehr, sehr inhaltvoll und vor allem sehr sachlich!

    Was soll man denn nun am Ende als Leser von den Neumännern halten?

    Ob nun mit oder ohne Bassunterstützung, was wie nun hinreichend und sehr anschaulich besprochen worden ist, kann die Neumann 420 sich besonders qualifizieren gegenüber anderen Mitbewerbern?


    Das war glaub ich die Eingangsfrage.


    Oder war die Frage warum Studiozeug und Hochglanszeug sich beißen müssen.


    Gruß Uli