Carbonbürste

  • Wie verwendest Du die Bürste, wie in der Beschreibung, auflegen und dann leicht gegen hinten kippen, so dass der Staub in die letzte Bürstenreihe aufgenommen wird, oder ziehst Du sie quer von der LP weg (wie eine Carbonbürste)? Dies wird ja nicht empfohlen.

  • So, Ihr Lieben!


    Um dem Ganzen ein wenig Substanz zu geben, anbei die Fotos, die ich soeben mit dem Handy durch das Schülermikroskop meiner Tochter gemacht habe. Man möge mir daher die nicht-professionelle Qualität nachsehen.


    Foto 1: Ein Ziegenhaar der Levindesign Ziegenhaarbürste bei 160x Vergrößerung
    [image=' 111694'][/image]


    Foto 2: Ein Carbonhaar meiner no-name Carbonbürste ebenfalls bei 160x Vergrößerung
    [image=' 111695'][/image]


    Man sieht, dass die Carbonfaser deutlich dünner ist. Ob sie dünn genug ist, wirklich in die Rille einzutauchen, kann ich mangels Massstab nicht beurteilen. Die Fotos bestätigen meinen ersten haptischen Eindruck: Die Ziegenhaarbürste ist gut, um etwas gröberen Dreck zu entfernen, zumal sie etwas steifer ist. Die Carbonbürste eignet sich eher für die Feinarbeit. Ob jetzt Ziege = Ziege und Carbon = Carbon ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich kann ja demnächst mal ein Haar meiner neuen Ursa Major opfern, wenn sie da ist.


    Gruss
    Sebastian

  • Ich verwende seit vielen Jahren die "Super Exstatic", schon die Dritte (die Erste hieß noch "Hunt"). Kenne nichts besseres als Ergänzung zu meiner Gläss. Finde es auch sehr seltsam, dass in den Kritiken (Amazon) von verursachenden Kratzern die Rede ist. Sie hat nur sehr weiches Material. Was veranstalten sie mit dieser Bürste ?( ? Streuen sie zum Testen vorher Sand auf die Platte?


    Die Levin-Bürste hatte ich auch, finde sie aber total unpraktisch. Haare zu grob, wirbelt nur Staub auf, sammelt ihn nicht und ist viel zu breit. Die SE "speichert" den Staub auf dem Samtkissen und man kann ihn dann abbürsten.
    Sie verliert zwar über die Jahre Fasern, aber dann kauft man sich für 16€ eine neue. Kann sie nur empfehlen.


    Jürgen

    AAA-Mitglied
    Es braucht viel Zeit, um einen kurzen Weg zu gehen.

    Sophokles

  • Hi!
    Also ich sehe Samt ja durchaus kritisch - mag aber sein, dass das ein Vorurteil ist.
    Ich denke, Samt ist relativ kurzflorig. Wenn sich hier Krümel festsetzen, besteht leicht die Gefahr, bei entsprechendem Druck auf der Platte Kratzer zu verursachen. Bei einer reinen Bürste können sich ja Partikel weiter nach oben entlang der Borsten bewegen. Auch erscheint es mir einfacher, Staub aus einer Bürste zu schütteln, als von einem Samtkissen abzustreifen.
    Gruß
    Sebastian

  • Macht einen Test mit etwa zwei vergleichbar verschmutzten Plattenseiten. Haltet die Platte unter eine helle Lampe, da sollten viele weiß erscheinende Pünktchen verteilt sein, das sind zumeist kleine Staubkörner in der Rille. Nach welcher Bürstenbehandlung sieht man anschließend weniger von diesen Pünktchen?


    Ich habe auch eine Ziegenhaarbüste, die nimmt gut grobe Flusen von der Oberfläche, fein und mehr aus der Rille holt bei mir aber auch die Carbonbürste. Nahezu frei von weißen Pünktchen ist es aber nur nach einer Wäsche.

  • Nahezu frei von weißen Pünktchen ist es aber nur nach einer Wäsche.

    Genau das meine ich auch. Die "Super Exstatic" ist eben die perfekte Ergänzung zur unverzichtbaren Waschmaschine. Sie entfernt perfekt den wieder angefallenen Staub.
    Jürgen

    AAA-Mitglied
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    Sophokles

  • Ich wünsche einen guten Morgen aus dem Blitzeis-geplagten Südosten des Landes!


    Meine Ursa Major ist gestern angekommen. Sie ist relativ schwer, sauber verarbeitet und liegt gut in der Hand. Meinen Blackbird konnte die Bürste nicht stoppen, aber der Widerstand ist schon deutlich höher, als bei normalen schmalen Carbonbürsten. Laufwerke mit schwachem Motor wird die Bürste wahrscheinlich zum Anhalten bringen. Die Reinigungswirkung ist nach erstem Eindruck gut. Ich hatte allerdings keine wirklich staubigen Platten auf dem Teller. Wenn eine Platte wirklich dreckig ist, bin ich mal gespannt, ob es funktioniert, dass der Dreck wirklich in den Borsten hängenbleibt, oder ob man doch eine Staubspur quer über der Platte zurückläßt, wenn man die Bürste wie empfohlen einfach "abrollt" und nicht zum Rand zieht.


    Gruss


    Sebastian

  • ich nutze seit Jahren eine "Super Exstatic" und bin mit dem Ergebnis der Reinigung eigentlich immer zufrieden gewesen. Zugegeben, die schaut sicherlich nicht so "sexy" aus wie 'ne UrsaMajor aber sie funktioniert auch einwandfrei. :)

  • Ich verwende seit vielen Jahren die "Super Exstatic", schon die Dritte (die Erste hieß noch "Hunt").


    Ein sehr guter Tip von Jürgen, wie ich finde, und hier noch ein ziemlich aktueller Test von Manfred Krug (ehemals Phoenix Records):
    http://www.vinyl-fan.de/blog/2…erste-super-exstatic.html

    "Ich bin froh, einer dieser Menschen zu sein, der problemlos Musik hören kann ohne dabei joggen zu müssen!"

  • aktueller Test von Manfred Krug

    Die gleiche Erfahrung habe ich auch seit vielen Jahren gemacht. Nur eine Einschränkung: Sie verliert über die Jahre schon viele Kohlefasern, deshalb immer mal genau hinschauen. Man macht nichts kaputt, aber die reinigende Wirkung lässt dann etwas nach.
    Jürgen

    AAA-Mitglied
    Es braucht viel Zeit, um einen kurzen Weg zu gehen.

    Sophokles

  • Hallo!


    Also nachdem es hier doch so viele Befürworter der Super Exstatic gibt, habe ich mir kurzerhand eine bestellt und werde im Vergleich zur Ursa Major mal berichten. Übrigens habe ich gestern mal die Ursa Major auf dem Feickert ohne Plattengewicht probiert - das funktioniert nicht, die LP steht dann still, während sich der Plattenteller weiter dreht. Die Ursa Major ist somit eher keine optimale Bürste für Leute ohne Plattengewicht (vielleicht klappt's bei einer Tellermatte aus Gummi (Thorens)?).


    Gruss
    Sebastian

  • Der Hersteller empfiehlt für ein besseres Ergebnis, die Bürste mit von Hand gedrehtem Teller zu nutzen. Ist beim Feickert aber recht mühsam bis unpraktikabel.


    Ich finde die Ursa bisher ganz o.k., bin aber noch zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen.

  • Hallo Sebastian
    Ja auf dem Throns Td126 (natürlich mit Originalmatte :) ) klappst ganz gut. Die Ursa Bürste reinigt ganz gut, nur nimmt sie bei mir nicht den ganzen Staub auf, bleibt immer ein Querstreifen zurück. Ich hatte die Frage schon weiter oben gestellt, ob jemand die selben Erfahrungen gemacht hat.


    Grüsse
    Alessandro

  • Moin,
    dank den Beiträgen hier bin ich auf die Ursa Major aufmerksam geworden und da mich das Konzept überzeugte habe ich sie bestellt.



    Ich habe die letzten Jahre sie MOFI und die mit den 2 Carbonreihen und dem Samt dazwischen benutzt.
    Beide haben mich nie wirklich überzeugt, die MOFI presst den Staub eher noch in die Rille, so mein Eindruck
    Die Carbonbürste reinigt zwar, ich bekomme den Staub aber nicht von der Platte ohne die Bürste seitlich abzuziehen und streife ihn dabei direkt wieder in die Rille.



    Die Ursa Major so angewandt wie in der Beschreibung empfohlen und dank der Carbonreihen kann ich den Staub wirklich von der Platte "heben".
    Mich überzeugt das Teil!
    Der Widerstand ist beim Reinigen tatsächlich auffällig hoch, mein Plattenteller wird leicht abgebremst (10kg schwer).
    Grüsse
    Marc

  • Die Carbonbürste reinigt zwar, ich bekomme den Staub aber nicht von der Platte ohne die Bürste seitlich abzuziehen und streife ihn dabei direkt wieder in die Rille.

    Ich kenne das gar nicht anders, als zur Seite rausziehen, dabei ist die Bürste dann besonders von links deutlich mit einer Staubschicht voll, während die Platte sehr sauber ist. Zurück bleibt nur, was die Bürste, gleich wie man sie auch halten oder führen mag nicht mehr weg bekommt, dann hilft nur noch die Wäsche.


    Ich habe auch noch die Walnusbürste vom US-Hersteller "Disc Washer", eigentlich für kombinierte Naß-Trockereinigung gemacht. Sie hat ein aufgenähtes Vlies, bei welchem sich die Fasern gegen den Lauf aufstellen und so auch tief in die Rille greifen. Allerdings ist die Reibung höher und dadurch auch die Neigung zu statischen Aufladungen. Aber mit dieser Bürste hatte ich mal "eingeriebene" Zigarettenasche aus einer alten Single fast rückstandsfrei rausbekommen, nur im Trockenbetrieb.

  • Ich benutze ebenfalls die Super Exstatic, und das zur größten Zufriedenheit. Im Gegensatz zu normalen Kohlefaserbürsten, die ich zuvor hatte, ist sie auch nach langem Gebrauch immer noch fit. Bei meinem Rega erhöht sich übrigens die Reinigungsleistung erheblich in Zusammenspiel mit Rainers Optimatte. Ich säubere die Super Exstatic nach jedem Einsatz übrigens an einer alten herkömmlichen Kohlefaserbürste.


    Den Tipp für die Bürste entnahm ich mal einem älteren Beitrag von Wolfgang, besten Dank dafür.


    Gruß
    Christian

    ... und wo zum Teufel bin ich hier überhaupt?

  • Sebastian :
    Hallo, wie hat sich den nun die Super Exstatic im Vergleich zur Ursa Major geschlagen?
    Stehe kurz vor dem Kauf einer der beiden Bürsten, deswegen würde mir Dein Urteil bestimmt bei der Entscheidungsfindung helfen.
    Viele Dank hierfür vorab.

  • Ok, Zeit für ein Zwischenfazit:


    Ursa Major: Das Ding ist richtig schwer und gut verarbeitet. Setzt man sie vollflächig auf und drückt vielleicht sogar noch ein bißchen, kann man fast sogar den Feickert zum Anhalten zwingen. Das Halten über der drehenden LP mit anschließendem Ziehen zum äußeren Rand, wie ich es Jahrzehnte mit der einfachen Carbonbürste praktiziert habe, funktioniert nicht so gut und wird ja auch vom Hersteller nicht empfohlen. Folgt man der Empfehlung des Herstellers, hebt man die Bürste am Ende des Reinigungsvorgangs einfach an und aller Dreck bleibt hängen. Das funktioniert nur bedingt. Ist viel Staub auf der Platte, bleibt eine Staublinie am Ort des "Abhebens" zurück. Das ist in meinen Augen nicht schön. Ich habe daher versucht, die Bürste über der drehenden LP quasi "abzurollen". Man beginnt mit der vorderen Reihe der Carbonfasern und wechselt über die mittleren zu der hinteren Reihe, wenn man mit der letzten Reihe ohne viel Druck zum Außenrand bürstet, bleibt auch keine Staubreihe auf der LP liegen - schon besser. Letztlich habe ich mal versucht, den Motor des Feickert auszulassen. Ich mache mit der Bürste einen Halbkreis von 2:00 bis 7:00 entgegen dem Uhrzeigersinn, dann von 1:00 bis 8:00 im Uhrzeigersinn. Bei 8:00 nehme ich den Rest des Drecks mit der hinteren Carbonfaserreihe mit zum Außenrand der LP. Da der Plattenteller still steht, kann man mit mehr Druck arbeiten. Und siehe da: Diese Methode holt deutlich mehr Dreck aus der Rille, als alle zuvor (meine Okki Nokki mal ausgenommen). So werde ich die Ursa Major weiter benutzen und bin damit zufrieden!


    Super Exstatic: Ich muss sagen, nach den recht euphorischen Berichten hier hatte ich an die Super Exstatic große Erwartungen. Ehrlich gesagt hat sie die nicht erfüllt. Die Bürste hat eine Reihe Carbonfasern vorne, dann kommt ein Samtvlies und dann wieder eine Reihe Carbonfasern. Setze ich die Bürste vollflächig auf der LP auf, gibt es ein leicht schabendes Geräusch, das ich gar nicht mag. Da die Carbonfasern ganz weich sind, kann es nur vom Vlies herrühren und das Geräusch hinterläßt bei mir das ungute Gefühl, dass sich da jetzt Dreckkörner im Vlies verfangen und ich damit meine LP verkratze. Da ziehe ich persönlich die alte einfache Carbonbürste ohne Vlies vor. Die war geräuschlos, ließ sich über den Rand hinaus ziehen, ohne dass man Angst hat, was zu verkratzen und durch den Schwenkmechanismus mit dem Haltegriff konnte man sie anschließend leicht reinigen. Die Super Exstatic dagegen hat eine Halterung, mit der man sie an die Wand dübeln kann (wer braucht so was) aber keine mit einem Schwenkmechanismus zum Reinigen. Während man die Ursa Major gut an der mitgelieferten Halterung abstreifen kann, fragt man sich immer, wie man die Super Exstatic eigentlich reinigen soll, wenn man sie nicht an der Hose abstreifen will.


    Die klassische einfache Carbonbürste: Jeder kennt sie, fast jeder hat sie und man bekommt sie im einschlägigen Onlinehandel für unter 10 EUR. 30 Jahre habe ich ausschließlich damit gebürstet und bin damit nicht schlecht gefahren. Man bekommt damit weniger Dreck aus der Rille, als mit der Ursa Major (bei optimaler Anwendung), dafür ist sie schnell und easy. Wenn man wie ich eine Plattenwaschmaschine hat, kann man durchaus auf dem Standpunkt stehen: Wenn diese Bürste nicht ausreicht, gehört die LP sowieso gewaschen.


    Die große Naturhaarbürste: Ich nenne hier mal der exemplarisch die Levin Design Bürste, die ich auch besitze. Sie ist wesentlich länger als alle anderen Bürsten und somit länger, als eine LP von der Einlaufrille bis zum Label breit ist. Man soll damit von der Peripherie zur Mitte bürsten und somit dem natürlichen Rillenverlauf folgen. Ich selbst habe oben anhand der Mikroskop Fotos gezeigt, dass die Borsten deutlich grober sind, als die Carbonfasern. Das kann zwar manch groben Dreck besser entfernen, holt aber nicht so viel aus der Rille. Ich persönlich kann mich mit dem Handling der Bürste nicht anfreunden. Wenn ich am Feickert den Plattenteller anstelle, habe ich das Plattengewicht bereits aufgeschraubt. Dann ist aber auf dem Label kein Platz mehr, um mit dieser (viel zu) großen Bürste dort was hinzubürsten.


    Meine zutiefst subjektive Einschätzung zur LP Reinigung:

    • Auf meine Okki Nokki möchte ich nicht verzichten - dort landet erst einmal jeder 2nd Hand Kauf.
    • An Bürsten käme ich mit der einfachen klassischen Carbonbürste aus. Zur gründlicheren Reinigung hat die Ursa Major tatsächlich ihre Berechtigung und ich bemerke, dass ich sie momentan fast ausschließlich verwende. Auf die hochgelobte Super Exstatic und die noble Ziegenhaarbürste kann ich persönlich gut verzichten.


    Gruss
    Sebastian