Welche Klassik-LP habt Ihr das letzte Mal aufgelegt?

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    Gestern Abend diese zwei.

    Die Festival Strings ist vorbildlich und zeigt deutlich, dass guter Klang und Top Interpretationen auch auf dem etwas stiefmütterlich beleumundeten "Eurodisc" Label möglich ist.

    Diese Kuhlau/Clementi ist eigentlich schon ganz nett, auch die Interpretation.

    Nur hat sie so wenig Pegel, dass man den Lautstärkeregler weiter aufdrehen muss-was die Nebengeräusche über meine Toleranzgrenze hebt-zumal sie immer wieder recht deftig hochfrequent knackst, was wohl von der Pressung oder von dieser bei vielen Ami-LPs üblichen "Schmirgelpapier-Innenhülle" kommt....sie war sogar noch eingeschweißt als ich sie kaufte.

    Wurde leider deswegen gestern Abend aussortiert.


    Zum vorigen Post:

    Die EMI-Quadros sind allermeist sehr gut-ganz wenige etwas dumpf.

    Ich mag sehr deren luftigen, federnden, feindynamischen Klang, der oft etwas dunkel mit dennoch feinen Höhen rüberkommt. Keine Ahnung, ob das mit der Technik zusammenhängt, fällt aber auf....oder ist das generell der "EMI-Sound" aus den Spätsiebzigern?


    Gruss,

    Bernie

    Musikmaschinen: Pro-Ject Xtension 10 / Benz ACE SL, Aikido MC Preamp,Musical, Fidelity M5si,Visaton AtlantisMKII/Weichen von "Kalle Mk II"+viel/ lautes Gitarrenzeugs, Studiogerümpel ...-Dauertinnitus wegen Rock`n Roll^^

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  • ss guter Klang und Top Interpretationen auch auf dem etwas stiefmütterlich beleumundeten "Eurodisc" Label möglich ist.

    Hallo Bernie,


    das ist vollkommen richtig. In meinem Bestand befinden sich ebenfalls eine ganze Menge Eurodisc-Platten, der gute Klang hat mich ebenfalls immer wieder erfreut. Gleiches kann man natürlich auch bei CBS-Platten feststellen, Deutsche EMI, Harmonia-Mundi. Weiterhin hat die DG gleichfalls eine riesige Menge an sehr gut klingenden Aufnahmen herausgegeben. Aber dieses Thema hat Frank-Bluebox, schon des öfteren erwähnt.


    Viele Grüße

    Reinhard

  • Da Du das Brahms-Klavierkonzer Nr. 1 mit Curzon auflegst,

    werde ich einmal einen etwas weniger bekannten Pianisten

    heranziehen. Es ist Misha Dichter mit dem Gewandhausorchester, Leipzig unter der Ltg. von Kurt Masur. Während Misha Dichter in den USA zu den angesehensten Pianisten seiner Generation zählte, war er bei uns kaum ein Begriff. Es mag daran gelegen haben, dass seine langjährige Vertragsfirma Philips, mit Claudio Arrau und Alfred Brendel Künstler in ihren Team hatten, die Dichters bevorzugte Repertoirfelder weitgehend besetzt hielten.


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    Viele Grüße

    Reinhard

  • Nun noch das Brahms Violin-Konzert mit Erica Morini.

    Erica Morini hat seltsamerweise Jascha Heifetz als violonistisches Vorbild genannt. Seltsam deshalb, weil diese Geigerin trotz ihres überragenden technichen Könnens weder an die geschliffene Perfektion von Heifetz erinnert, noch an dessen spezifischen Glamour. Morinis Spiel blieb immer nobel, sehr introvertiert!


    Diese LP kam in Deutschland mit dem gleichen Cover, auch bei Heliodor heraus.


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    Viele Grüße

    Reinhard

  • Da alle von Wagner reden, hier etwas vom Schwiegervater, eigens dem Freund und Schwiegersohn gewidmet - die Dante-Symphonie von Liszt, eigentlich eher Tondichtung als Symphonie. Die Widmung ist unschwer zu hören. Aufgenommen 1961 mit dem Budapest Symphonie Orchestra und Györgi Lehel, sowie dem Frauenchor des ungarischen Radios mit Veronika Kinces (Sopran). Gute Tonqualität mit vollem satten Klang - was natürlich auch am Werk selbst liegt. Hungaroton SLPX 11918, Nachpressung von 1978.


    Viele Grüße - Frank


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  • Na ja, schon wieder die Preisdiskussion! Bei dem frühen Tulpenlabel der DG gibt es (mindestens) 4 Versionen:


    1) Cover mit Aufkleber und Stereo rot-umrandet, "Alle Hersteller ..." auf dem Label,


    2) ohne Aufkleber, sonst wie 1)


    3) ohne Aufkleber, Stereo gelb-umrandet, "Alle Hersteller"


    4) "Made in Germany .. " statt "Alle Hersteller ...", sonst wie 3)


    Klanglich konnte ich zwischen diesen 4 Varianten keine grossen Unterschiede feststellen. Aber der Preis von 655 Euro bezieht sich auf ein Exemplar der frühesten Version 1).


    Vor etlichen Jahren habe ich für die 4. und die 5. Sinfonie (SLPM 138 657 und 658 in der Variante 4) ) je 10 DM bezahlt.


    OK, das sagt nichts über die aktuellen Preise. Heute jedoch habe ich spasseshalber auf Ebay ein M/M- Exemplar der 6. Sinfonie (SLPM 138 659 in der Variante 3) oder 4), das konnte ich nicht genau auf dem Foto erkennen ...) für 26 Euro gekauft -- ich war der einzige Bieter.


    Fazit: mit etwas Geduld (oder Emotionslosigkeit) bekommt man auch gesuchte Klassik-LPs häufig zu akzeptablen Preisen.


    -- Joachim

  • Richard Strauss / Berliner Philharmoniker Herbert von Karajan ‎– Ein Heldenleben Op. 40

    Year: 1959
    Notes: Recorded at Jesus-Christus-Kirche, Berlin in March 1959. ℗ 1959


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    HvK hat Das Heldenleben dreimal mit dem BPO eingespielt. Zweimal für die DGG, davon einmal digital und einmal für die EMI. Alle drei Aufnahmen sind sehr gut, wobei mir die Digitalaufnahme von 1985 am besten gefällt. Allerdings kommt keine mMn an LSC-1807 Reiner/CSO heran. Die hier gezeigte Erstausgabe wartet übrigens noch darauf in Discogs aufgenommen zu werden.

    Spätere Yellow Stereo Ausgaben von 138 025 hatten übrigens ein anderes Cover.


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    Viele Grüße

    Thomas


    He sticks to his guns
    He takes the road as it comes
    It takes the shine off his shoes

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  • Klanglich konnte ich zwischen diesen 4 Varianten keine grossen Unterschiede feststellen.

    Hallo Joachim,


    die Sensation dieser Aufnahmen war doch 1964 die, dass sie auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges überhaupt produziert wurden. Ich hatte mit diesen Symphonien immer einen gewissen Konflikt, weil alle Welt behauptete, was für epochale Aufnahmen dies seien, ich aber diese Mrawinskij-Interpretationen eher als eine sozialistische Wehrsportübung empfand: zackig, tempo-tempo und bloß keine bourgeoisen Gefühlsduseleien. Aber das kann man auch anders sehen.

    Klanglich empfand ich die Pressung "Alle Hersteller" (Red Stereo Tulpenlabel) irgendwie schräg und mißlungen, und zwar durchgehend von Symphonie 4 bis 6, ohne dass ich genau hätte sagen können, an was es lag. Irgendwann kaufte ich mir die digitale HiRes-Version der drei Symphonien in 24/96 und stellte leicht erstaunt fest, dass sich auch diese neuen digitalen Versionen anhörten wie meine alten Platten. Klar, war ja auch nur eine Digitalkopie des damaligen Studiomasters und keine neue Abmischung. Aufklärung brachte dann endlich der PDF-Beipackzettel zu dieser digitalen Version mit dem hervorragenden Text eines David Gutman, aus dem ich mir erlaube, zu zitieren:

    "Statt wie bei den Wiener Monoaufnahmen einen distanzierten Mischklang zu erfassen, entschieden sich die Toningenieure, näher heranzugehen und die hinter dem Eisernen Vorhang üblichen rauheren Klangstrukturen wahrnehmbar zu machen. Deutlich ist zu hören, wie vehement die Bläser ihre Phrasen nehmen - es gibt keinen Versuch, den Mangel an Eleganz zu vertuschen, der auf dem begrenzten Zugang zu den besten Instrumenten und Rohrblättern beruhte.".

    Gut, jetzt weiß ich wenigstens, warum mir diese Platten auch klanglich nicht gefallen.


    Viele Grüße - Frank


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  • Hallo Frank,


    das ist ja interessant! Ich habe die 4. und 5. Sinf. schon längere Zeit nicht mehr gehört (die 6. bekomme ich ja erst noch), an eine gewisse Schärfe der Bläser kann ich mich erinnern. Ich weiss nicht welcher Tradition (der deutschen oder französischen) -- oder einer abweichenden -- die Besetzung der Bläser-Sektion die russischen Orchester folgen -- die deutschen Orchester doppeln oft die Holzbläser und erzielen somit mehr Wärme (zu Lasten der Transparenz franz. Orchester).


    Bei der Interpretation von Werken von Tschaikowski und auch Rachmaninov mag ich allerdings den eher kühlen / intellektuellen Ansatz der russischen Dirigenten. Oft sind diese Werke sowieso schon ziemlich emotional, bei westlichen Dirigenten besteht dann die Gefahr, dass das Ganze in das etwas Schmalzige abdriftet.


    Nach dem Eintreffen der 6. Sinfonie muss ich aber alle 3 LPs einmal genau anhören und mit anderen Interpretationen vergleichen.


    Viele Grüße,


    Joachim

  • Nach dem Eintreffen der 6. Sinfonie muss ich aber alle 3 LPs einmal genau anhören und mit anderen Interpretationen vergleichen.

    Hallo Joachim,


    vielleicht addiert sich auch einfach das irre Tempo von Mrawinskij unvorteilhaft zur quasi experimentellen Aufnahmetechnik der Dt. Grammophon, die zudem in London unter Zeitdruck mit dem Orchester hatte arbeiten müssen. Oder mit den unsterblichen Worten des einstigen russischen Ministerpräsidenten Viktor Tschernomyrdin: „Wir wollten das Beste, aber es kam wie immer.“

    Ich maße mir da nicht mehr als ein höchst subjektives Urteil an.


    Viele Grüße - Frank

  • Hallo Frank,


    ich finde Deine Einschätzungen sehr interessant. Nachvollziehen kann ich aber sie nicht so recht. „Irrwitzige Tempi“ höre ich nicht wirklich, und genauso wenig unsaubere Holz- und Blechblasinstrumente. Die Aufnahmen wurden übrigens, wenn man Discogs glauben darf, in Wien und London gemacht:


    Nr. 5 & 6 Recorded 7 - 9 November 1960 in the "Großer Saal" at the Musikverein, Vienna

    Nr. 4 Recorded September 1960 at Brent Town Hall, Wembley, London


    Die Einspielungen zeichnen sich m.E. alle durch das „richtige“ Gefühl für die Melodien, die Rhythmik und die Tempi aus. Ich habe gerade die 5. als SC-Reissue aufliegen, da mir mein Original zu sehr knistert. Die Aufnahme ist vielleicht für manchen Geschmack bei den Crescendi etwas zu direkt, insbesondere bei den Blechbläsern, aber ansonsten gibt es mMn nicht wirklich etwas zu kritisieren.


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    Viele Grüße

    Thomas


    He sticks to his guns
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  • Nr. 5 & 6 Recorded 7 - 9 November 1960 in the "Großer Saal" at the Musikverein, Vienna

    Nr. 4 Recorded September 1960 at Brent Town Hall, Wembley, London

    Hallo Thomas,


    stimmt, da hatte ich vor allem die falsche Jahreszahl, obwohl wir das selbe Thema schon mal vor einem halben Jahr oder so ausführlich hier hatten, auch mit dem kuriosen ersten Auftritt der Leningrader 1956 in Wien, die Musiker unterernährt und bewacht vom KGB. Bei London und natürlich Wien als Aufnahmeort ging es mir vor allem darum, dass die DGG-Techniker das Leningrader Orchester nicht in Berlin in ihrer gewohnten Aufnahmeumgebung aufzeichnen, ausgiebig proben und ausprobieren konnten. Ansonsten - Geschmackssache.


    Viele Grüße - Frank