Welche Klassik-LP habt Ihr das letzte Mal aufgelegt?

  • Hallo Joachim,


    ich würde nach Dt. Grammophon suchen. Die dürften 1956 nach DIN vorverzerrt sein, wenn Du Glück hast bereits RIAA. Aber DIN mono geht schon mal mit einem RIAA Phonoteil, insbesondere wenn Du Regler für Bass und Höhen nutzt. Bei Ostblock-Platten mono vor 1960 sollte man da schon vorsichtiger sein. Wenn die nach alten CIR-Standard vorverzerrt sind, könntest Du die Platten wahrscheinlich mit RIAA nicht richtig anhören.


    Viele Grüße - Frank

    Hallo Frank,


    die DG der 1956er Mono-Aufnahme der 6. Sinf. ist 1957 zeitgleich bei der DG und als Eterna 820 023 erschienen -- nach meiner Erfahrung mit anderen DG - Eterna Projekten hat DG sowohl die Umschnitte als auch die Pressungen für Eterna hergestellt (sieht man leicht an den Zeichen in den Auslaufrillen). Und 1957 hat DG bestimmt bereits nach RIAA verzerrt.


    Nach dem Krieg hatte die VEB Deutsche Schallplatten wohl für einige Zeit keine Plattenpressen (die wurden in die Sowjetunion abtransportiert), die frühen Eternas (mit dem dunkelgrünen Label und noch frühere als Eterna noch nicht so hiess) wurden von der DG und von Supraphon gepresst.


    Bei den späteren Eternas mit dem weiss-türkis-farbenen Label hat dann Eterna selbst gepresst. Aber es gibt diese früheren dunkelgrünen DG-Eternas, die eigentlich DG-Mono-LPs sind, nur sind diese -- etwa bei Aufnahmen von Enrico Mainardi -- viel billiger als die DG-LPs.


    Heute habe ich in meinem Plattenladen bereits ein 1-Euro-Exemplar der Mono-Pathetique mit Mrawinskij (Eterna 820 023) gefunden. Leider eine weiss-türkis-farbenes, wohl von Eterna selbst 1966 gepresst (laut Plattenhülle). Dieses werde ich nachher gleich waschen und dann einmal anhören.


    Ich werde aber weiter in den lokalen Läden nach früheren Pressungen suchen -- falls ich fündig werde (manchmal finde ich auch DG Pressungen) werde ich Dir ein Exemplar schenken. Falls Du keinen Mono-Tonabnehmer hast macht aber eine solche Platte evtl. nicht viel Freude :-(



    Viele Grüße,


    Joachim


    PS: bei Discogs findet man Bilder des frühen (1957) Labels und des späteren weiss-türkis-farbenen (ab 1962) Labels, wenn man auf "mehr Bilder" klickt


    http://www.discogs.com/de/Peter-I-Tschaikowski-Leningrader-Philharmoniker-Jewgenij-Mrawinski-Sinfonie-Nr-6-H-moll-Op-74-Pathé/release/10841174


    http://www.discogs.com/de/Peter-I-Tschaikowski-Leningrader-Philharmonie-Jewgenij-Mrawinski-Sinfonie-Nr-6-H-moll-Op-74-Pathéti/release/12830047

  • Ich werde aber weiter in den lokalen Läden nach früheren Pressungen suchen -- falls ich fündig werde (manchmal finde ich auch DG Pressungen) werde ich Dir ein Exemplar schenken. Falls Du keinen Mono-Tonabnehmer hast macht aber eine solche Platte evtl. nicht viel Freude :-(

    Hallo Joachim,


    das ist ja sehr freundlich von Dir. Einen Mono-TA habe ich zwar nicht, aber immerhin ein DL103 mit sphärischem Schliff. Für selten mal eine Monoplatte anhören reicht mir das. Die Platte mit dem 1957er-Label hat sogar eine Katalognummer der Dt. Grammophon (LPM 8 20 023). Ich wusste bisher ehrlich gesagt nicht, dass es bereits zu dieser Zeit so eine intensive Zusammenarbeit von Eterna (oder späterer Eterna) mit der DGG gab. Das lag wahrscheinlich mit an der damaligen Produktionsleiterin der Grammophon, Elsa Schiller. Sie vermittelte auch die Mrawinsky-Aufnahmen. Ich weiss nicht ob alles stimmt, was Norman Lebrecht in "Ausgespielt" über Elsa Schiller geschrieben hat. Tatsache dürfte aber sein, dass weder DDR-Behörden noch Sowjets etwas gegen eine Frau sagen konnten, die unter den Nazis im KZ Theresienstadt interniert gewesen war.


    Viele Grüße - Frank

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  • Hallo Joachim,


    das ist ja sehr freundlich von Dir. Einen Mono-TA habe ich zwar nicht, aber immerhin ein DL103 mit sphärischem Schliff. Für selten mal eine Monoplatte anhören reicht mir das. Die Platte mit dem 1957er-Label hat sogar eine Katalognummer der Dt. Grammophon (LPM 8 20 023). Ich wusste bisher ehrlich gesagt nicht, dass es bereits zu dieser Zeit so eine intensive Zusammenarbeit von Eterna (oder späterer Eterna) mit der DGG gab. Das lag wahrscheinlich mit an der damaligen Produktionsleiterin der Grammophon, Elsa Schiller. Sie vermittelte auch die Mrawinsky-Aufnahmen. Ich weiss nicht ob alles stimmt, was Norman Lebrecht in "Ausgespielt" über Elsa Schiller geschrieben hat. Tatsache dürfte aber sein, dass weder DDR-Behörden noch Sowjets etwas gegen eine Frau sagen konnten, die unter den Nazis im KZ Theresienstadt interniert gewesen war.


    Viele Grüße - Frank

    Hallo Frank,


    inzwischen ist die Eterna 820 023 gewaschen und ich habe die 2. Seite angehört.


    1) Zunächst zu der Interpretation: der 3. Satz (Allegro molto vivace) ist schon ziemlich im Stil einer Militärkapelle (jedoch nicht in das Vulgäre abdriftend), der Finalsatz (Adagio lamentoso) ist aber beeindruckend, sehr klagend und einfühlsam (mehr Pathos oder eine Tempoverzögerung wären hier absolut schädlich), obwohl das Lebrecht-Zitat vielleicht etwas dick aufgetragen ist.


    2) Zum Klang der Bläser: die Stereo-Aufnahme der 6. Sinf. ist noch nicht bei mir eingetroffen. Aber in der Mono-Aufnahme sind im Vergleich zu den Stereo-LPs der 4. und 5. Sinf. die Bläser dunkler eingefärbt und weniger aggressiv. Dein früheres Zitat über die Bläser der Leningrader Phil. ist aber zutreffend und auch in der Mono-Aufnahme offensichtlich:


    "Deutlich ist zu hören, wie vehement die Bläser ihre Phrasen nehmen - es gibt keinen Versuch, den Mangel an Eleganz zu vertuschen, der auf dem begrenzten Zugang zu den besten Instrumenten und Rohrblättern beruhte."


    3) Zur Qualität der Monoaufnahme: die Klangfarben der Instrumente sind gut getroffen und die Straffheit und der Druck einer guten Monoaufnahme sind vorhanden, es gibt aber bessere Mono-Aufnahmen von orchestraler Musik, insbesondere bezüglich der Transparenz und Tiefenstaffelung.


    4) Zur Pressung und dem Zustand der Platte: ich habe ein DL103 im Bleibody mit MC-Trafo am RIAA-Eingang der Vorstufe verwendet. Die LP klingt RIAA verzerrt, für eine frühe Eterna sind fast keine Rillengeräusche und absolut keine Ticks vorhanden, im Bereich der Innenrillen zerren die Violinen etwas.


    (Das ganze könnte mit meinem EMT OFD25 mono oder Ortofon C type mono besser werden. Derzeit habe ich aber nur 1 Laufwerk angeschlossen, für die Mono-TA müsste ich den Armausleger drehen, das Gewicht neu einstellen und einen anderen MC-Trafo anschliessen ... da bin ich zu faul ..).


    Auch könnte die 1957er Eterna, die eigentlich eine 1957er DG ist, deutlich besser sein (die verwenden dieselben Matrizen) -- vielleicht hatte Eterna für diese spätere Mono-Pressung von der DG lediglich die Kopie eines Bandes??


    Ich werde also nach weiteren Exemplaren suchen und bei Erfolg Dir eines in einem möglichst guten Zustand schicken -- die Suche lohnt sich (meiner Meinung nach).


    Mein Plattenhändler hat einen "1-Euro-Klassikplatten-Friedhof" in einem Hinterzimmer. Da landen die Platten, die er nicht reinigt und dann zu einem höheren Preis, nach Komponisten geordnet, in das Vorderzimmer stellt. Im Hinterzimmer muss man sich durch eine völlig unsortierte Ansammlung von ca. 2000 Platten wühlen. Ausser dieser Mono-LP habe ich 7 weitere interessante 1-Euro Platten gefunden: z.B. das 5. Klavierkonzert von Beethoven mit Edwin Fischer unter Furtwängler (eine Mono-Aufnahme der Electrola von 1953) oder diese schöne "Sommerplatte" :


    http://www.discogs.com/de/Busoni-Nielsen-Reinecke-Aurèle-Nicolet-Kurt-Masur-Flötenkonzerte/release/6374586


    Eine späte Eterna mit Flötenkonzerten von Busoni, Nielsen und Reinecke mit Aurele Nicolet (Flöte) und dem Gewandhausorch. unter Masur (Tonmeister: Claus Strüben).


    Viele Grüße,


    Joachim

  • Das ist „the one to go for“. Insbesondere an Fritz Wunderlich kommt kein anderer Tenor, der sich am „Lied“ versucht hat, heran. Was allen anderen Tenören, die ich kenne fehlt, ist dieses Gefühl für die richtige Dosis Lyrik.

    Allerdings würde ich unbedingt nach der UK-Pressung Ausschau halten.Die kostet nicht die Welt und klingt im Vergleich zur deutschen Pressung deutlich natürlicher.


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    Viele Grüße

    Thomas


    „Quod gratis asseritur, gratis negatur.“

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  • Auch könnte die 1957er Eterna, die eigentlich eine 1957er DG ist, deutlich besser sein (die verwenden dieselben Matrizen) -- vielleicht hatte Eterna für diese spätere Mono-Pressung von der DG lediglich die Kopie eines Bandes??

    Hallo Joachim,


    Glückwunsch, dass Du die Eterna so schnell gefunden hast. Wie kommst Du drauf, dass die Platte bereits RIAA-vorverzerrt ist? Das stand doch normalerweise nicht drauf und DIN war in den 50er Jahren eigentlich Standard bei den Monopressungen der Dt. Grammophon. DIN-Vorverzerrung mit RIAA abgespielt hört sich nicht dramatisch falsch an, nur etwas zu wenig Präsenz und Höhen.


    Viele Grüße - Frank

  • Hallo Frank,


    DIN verzerrte Platten klingen RIAA entzerrt etwas matt und gepresst -- die meisten Firmen haben ab 1957/8 RIAA verzerrt. Das weiss-türkise Label dieser Eterna 820 023 gab es ab 1963, auf der Rückseite der Plattenhülle steht 1966 (ab 1968 gab es die schwarzen Label bei Eterna) -- somit sollte diese Platte RIAA verzerrt sein. Ich habe noch einen Sentec EQ10 Röhren Entzerrer-VV, da kann ich über 100 Entzerrungskurven einstellen, auch DIN -- aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die RIAA Entzerrung für diese Platte besser als DIN Entzerrung klingt.


    In den lokalen Plattenläden hier interessiert sich niemand für Mono-Platten -- somit findet man Mono-Platten ziemlich schnell. Vor 10 Jahren war die Situation noch besser, inzwischen sind wohl viele schöne Mono-Platten im Müll gelandet ...


    Viele Grüße,


    Joachim

  • Hallo Frank,


    auch bei den Bach- und Vivaldi-Aufnahmen von David Oistrach (unter Konwitschny) haben die DG und Eterna zusammengearbeitet -- hier vor Ort sind halt die Eterna-LPs einfach zu bekommen.


    Die Rolle der Elsa Schiller bei der DG war mir bisher nicht bekannt -- aber in einem Spiegel Artikel von 1964 wird sie im Zusammenhang mit einem Artikel über Furtwängler erwähnt:


    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46176266.html


    Viele Grüße,


    Joachim

  • ..............


    Ich wusste bisher ehrlich gesagt nicht, dass es bereits zu dieser Zeit so eine intensive Zusammenarbeit von Eterna (oder späterer Eterna) mit der DGG gab. Das lag wahrscheinlich mit an der damaligen Produktionsleiterin der Grammophon, Elsa Schiller. Sie vermittelte auch die Mrawinsky-Aufnahmen. Ich weiss nicht ob alles stimmt, was Norman Lebrecht in "Ausgespielt" über Elsa Schiller geschrieben hat. Tatsache dürfte aber sein, dass weder DDR-Behörden noch Sowjets etwas gegen eine Frau sagen konnten, die unter den Nazis im KZ Theresienstadt interniert gewesen war.


    Viele Grüße - Frank

    Ich denke, dass es mindestens bis zum Mauerbau 1961 eine ziemlich intensive Zusammenarbeit gab. So intensiv, dass es auf den LPs oft nicht einmal erwähnt wurde -- im Gegensatz zu Eterna-Lizenzausgaben von Aufnahmen anderer westlicher Plattenfirmen (z.B. steht bei Electrola-Aufnahmen auf dem Eterna-Label "Aufnahme der Electrola-Gesellschaft m.b.H. in Köln"). Hier ist eine weitere "DG-Eterna":


    http://www.discogs.com/Brahms-Wilhelm-Kempff-Sächsische-Staatskapelle-Dresden-Franz-Konwitschny-Konzert-Für-Klavier-Und-O/release/4842303


    http://www.discogs.com/release/2650266


    -- Joachim


    PS: auf dem Label der Eterna 820 024 wird jedoch auf die Gemeinschaftsproduktion hingewiesen ...

    The post was edited 1 time, last by jhr ().

  • Die Rolle der Elsa Schiller bei der DG war mir bisher nicht bekannt

    Hallo Joachim,


    Elsa Schiller war ab 1952 (und bis 1965) bei der Dt. Grammophon maßgeblich an deren Aufbau beteiligt, insbesondere forcierte sie dort die Produktion der LP samt Gestaltung des Repertoires. Sie hat z.B. die Aufnahme der epochalen Gründgens-Inszenierung des Faust gefördert.

    Unmittelbar nach dem Krieg hatte Elsa Schiller zusammen mit Ferenc Fricsay übrigens das Berliner RIAS-Orchester neu aufgebaut.

    Neu für mich ist, dass es bereits vor dem Mauerbau so eine intensive Zusammenarbeit zwischen Dt. Grammophon und Eterna gab. Die späteren gemeinsamen Projekte (Platten) aus den 70er Jahren sind mir eher bekannt. Eterna-Pressungen, die sogar das Design der Grammophon übernahmen, habe ich schon oft gesehen.


    Viele Grüße - Frank


    Faust. Coverjpg (2).jpg

  • Hier eine etwas ander Ausgabe davon...

    War sozusagen das erste deutsche "Hörbuch" und wurde zigmal neu aufgelegt.


    Viele Grüße - Frank


    ps.: ich habe die Platten noch in einer Nachpressung aus den 60er Jahren (2577 025) in neuem Design und Plattenschnitt, und da kann man gegenüber dem Original auch sehr gut den Unterschied zwischen DIN-Vorverzerrung und RIAA hören.

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  • Habe ich leider noch nie als Eterna-Original gehört, und meine AAA-Pressung knistert mir zu sehr - fast schon eine Testplatte fürs Hifi, "Die Kluge" mit Herbert Kegel, dem RSO Leipzig und vielen hervorragenden Solisten.

    Edition Phönix ‎– EPH-09, ETERNA ‎– 8 27 155-156.


    Viele Grüße - Frank


    Die Kluge Cover.jpg

  • Ich bin kein leidenschaftlicher Orff-Hörer, aber ausser "Die Kluge" gibt es bei Eterna noch mehr von Orff unter dem Dirigat von Herbert Kegel:


    http://www.discogs.com/de/Carl…-Der-Mond/release/4361368


    http://www.discogs.com/de/Carl…d-B/release/5067303?ev=rr


    http://www.discogs.com/de/Carl…undfunk-S/release/1033962


    http://www.discogs.com/de/Carl…-Afrodite/release/4361463


    http://www.discogs.com/de/Carl…uge/release/1791294?ev=rr


    Ich selbst habe nur "Der Mond" und "Die Kluge". Aber wenn man Orff mag, dann lohnen sich die Kegel Einspielungen bestimmt.


    -- Joachim

  • Aber wenn man Orff mag, dann lohnen sich die Kegel Einspielungen bestimmt.

    Hallo Joachim,


    ich höre Orff ebenfalls selten, aber speziell "Die Kluge" mit Kegel ist außerordentlich gut gelungen. Ich habe auch die Orff-Platten mit Sawallisch und dem Philharmonia Orchestra London. Da hat man zu "Der Mond" noch "Die Kluge" dazugepackt. Aber, diese Einspielungen haben nicht mal halb so viel Kraft und Dynmik wie eben "Die Kluge" mit Kegel, die dazu noch aufnahmetechnisch absolute Spitze ist, samt tollen räumlichen Stereo-Effekten - ist ja schließlich Opern-Theater, auch wenn laut Orff nichts daran an eine Oper erinnern soll.


    Viele Grüße - Frank