Welche Klassik-LP habt Ihr das letzte Mal aufgelegt?

  • Anders.. 8o8o


    +tschulligung, da waren gerade ein paar Gäule im Musikzimmer..:)

    Rudi Assauer: "Und wenn sie die Haare etwas kürzer schneiden, dann sind auch die Ohren frei." :P

    Walter Röhrl: "Ich hab nie das Gefühl gehabt, das ich schnell fahre." :P

  • Harnoncourt ist dem "Klangrede-Ideal" gefolgt, in seinem Kern ein dynamisch und agogisch gestaltetes öffnen und Schließen von Phraseneinheiten.


    Viele Grüße

    Reinhard

    Im Sinne von Heinrich Schützens Ansatz: - Musikus Poeticus - ? Wenn so gemeint, kann ich mit der Klangrede etwas anfangen, natürlich bei Bach (Harnoncourt ...) auf die Instrumentalmusik des Spätbarock übertragen.Also Musik als Klangrede. Dies entspräche auch meiner Sichtweise bezüglich Interpretation. Danke.


    Gruß

    Frank

  • Nach der obigen Diskussion dann auch wieder einmal die Brandenburgischen Konzerte aufgelegt -- mit dem Leipziger Bachorchester (das allerdings auf modernen Instrumenten spielt) unter Gerhard Bosse, 1984 bei Eterna erschienen.


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    Das finde ich flüssiger als die Concentus Musicus Aufnahme bei Telefunken -- 1964 war es wohl auch schwierig z.B. eine ventillose Barocktrompete hinreichend schnell und flüssig zu spielen (das war ja die Anfangszeit der Wiederentdeckung des Spielens auf historischen Instrumenten). Interessant ist in dem Zusammenhang die Lektüre des Buches "Wir sind eine Entdeckergemeinschaft" von Harnoncourt (Residenz Verlag, 2017).


    -- Joachim

  • Ah, JSB, Barock… da streiten sich zwar schon mal die Gelehrten™, ob das im engsten Sinne Klassik sein, aber… pfeif die Piccoloflöte drauf.


    Habe vor kurzem aus der Abstellkammer auch was gerettet: 1985 für schweres Geld gekauft, das Album hat mehrere Umzüge mitgemacht, darunter einen internationalen – nun können die Tschechen (eher Tschechinnen + eine Litauerin) zeigen, was sie drauf hatten… Ich finde, das können sie bis heute. Interessanterweise leiden deutsche Musiker offensichtlich vor einer Harpsichord-Phobie. Diese böhmischen Meister nicht, da sind Cembalo-Konzerte genau das, was sie heißen, man hört das Hauptinstrument, um das das Ganze gewoben ist, ganz deutlich – und wenn es 2 oder 3 oder 4 Cembali sind, na bravo.


    So würdigend und spielerisch können glaub ich sonst nur Engländer mit dem Thema Harpsichord umgehen, von Pinnock bis heute.


    Die Aufnahme selbst lässt sich absolut genießen, der Linn Adikt scheint tatsächlich eine ganze Menge aus den Rillen zu holen. Die drei Platten könnten eine ordentliche Plattenwäsche vertragen (was besseres als Knosti), aber die Pressung scheint einwandfrei – damals im "Ostblock" alles andere als selbstverständlich. Es war aber eine der ersten Digitalaufnahmen damals im ganzen "Osten", wohl eine Art Prestige-Projekt. Hört man bis heute, im positiven Sinne.

  • Thema Harpsichord umgehen



    Hallo,


    zu diesem Instrument kann man eine ganze Menge schreiben. Es gibt jedoch eine Reihe Argumente es heute nicht mehr sehr oft einzusetzen. In einem größeren Auditorium geht es nicht, denn dieses Instrument hört man fast nicht.

    Trotz der großen Beliebtheit des Cembalos hatte es eine große Schwäche im Vergleich zu den meisten anderen Instrumenten. Unabhängig davon, ob der Spieler die Tasten mit Gewalt hineingelegt oder sie mit großer Zärtlichkeit behandelt hat, der vom Instrument erzeugte Klang bleibt immer gleich laut, der dem Instrument zugrunde liegende Mechanismus machte es unmöglich, einen dynamischen Spielstil zu entwickeln.


    Wir haben das erwähnte schon des öfteren in Konzerten erleben dürfen.


    Viele Grüße

    Reinhard

  • [attach='73685','none','false']

    -- Joachim

    Danke Joachim,


    das war meine allererste von den Brandenburgischen ...

    Die hatte unser "Klaviersadist" / Musiklehrer uns im Musikunterricht vorgespielt. Da wars um geschehen & die Platte landete auf meinen 15ten Gabentisch.

    Von dieser Ausgabe gibt es noch eine zweite, mit einer anderen Optik.


    Sonnigst Nadja


    "Der hieß deswegen Klaviersadist, da der nicht Klavier spielte, sondern es prügelte, in das leidvolle Instrumental übelst eindrosch.

    Dieser Mensch & ich, wir beide mochten uns total ganz im besonderen. Einmal warf dieser Mensch mir an den Kopf, das ich total unmusikalisch sei ...

    Wenn der wüßte, das ausgerechnet er mich mit den Brandenburgischen infizierte."

    Mittlerweile sammle ich jegliche Forum der Brandenburgischen.

  • .................

    Trotz der großen Beliebtheit des Cembalos hatte es eine große Schwäche im Vergleich zu den meisten anderen Instrumenten. Unabhängig davon, ob der Spieler die Tasten mit Gewalt hineingelegt oder sie mit großer Zärtlichkeit behandelt hat, der vom Instrument erzeugte Klang bleibt immer gleich laut, der dem Instrument zugrunde liegende Mechanismus machte es unmöglich, einen dynamischen Spielstil zu entwickeln.

    ..................

    Hallo Reinhard,

    das Cembalo ist halt ein Zupfinstrument -- für (barocke) Kammermusik und für Solokompositionen hat es natürlich immer noch seine Berechtigung. Gegen ein grosses Orchester anspielen kann es zwar nicht. Laut / leise Abstufungen sind vielleicht weniger extrem als beim Klavier, sind aber vorhanden. Ich habe mir gerade wieder einmal die Aufnahme von 1963 des kolumbianischen Cembalisten Rafael Puyana der Ouvertüre im französischen Stil von J.S. Bach angehört (BWV 831) angehört, welche den Kontrastreichtum des Cembalos (laut vs. leise, gitarrenartige Zupfpassagen vs. fast orgelhafte dichte Passagen, etc.) sehr gut aufzeigt. Interessant ist auch der Vergleich mit der Klaviereinspielung von Glenn Gould von BWV 831 (CBS 78241, 1974).


    Auch der Klang dieser Mercury ist super (ich habe eine RFR-1 Pressung, also die Erstpressung für SR90369, da es für diese hohen Katalognummern keine FR-Pressungen gibt).


    -- Joachim




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  • Der Hammerflügel kam historisch zwischen dem Cembalo (bei dem die Federkiele angerissen, also gezupft werden) und dem modernen Klavier -- bei beiden werden die Saiten angeschlagen. Bei meiner ersten Platte mit Klavierstücken von Schubert, die von Jörg Ewald Dähler auf einem Hammerflügel gespielt werden (Claves D 903, aufgenommen 1979), dachte ich zunächst, dass mit meinem Tonabnehmer etwas nicht stimmt. Auch der Hammerflügel wäre für ein Klavierkonzert mit einem grossen Orchester nicht gut geeignet, aber für die Klavierstücke von Schubert ist er eine Alternative zum modernen Klavier.


    Viele Grüße


    Joachim




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  • Darius Milhaud dirigiert Milhaud. Hier mit dem Ensemble De Solistes Des Concerts Lamoureux und seinen vier Jahreszeiten. 1958 aufgenommen und in Deutschland von Orbis veröffentlicht - wann steht leider nicht auf der Platte, die Auslaufrille hat lediglich den Code einer Philips-Matrize. Musikalisch exzellent, vom Klang her gut (Stereo).


    Viele Grüße - Frank


    Milhaud - Jahreszeiten Cover.jpg

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  • Darius Milhaud dirigiert Milhaud. Hier mit dem Ensemble De Solistes Des Concerts Lamoureux und seinen vier Jahreszeiten. 1958 aufgenommen und in Deutschland von Orbis veröffentlicht - wann steht leider nicht auf der Platte, die Auslaufrille hat lediglich den Code einer Philips-Matrize. Musikalisch exzellent, vom Klang her gut (Stereo).


    Viele Grüße - Frank


    Milhaud - Jahreszeiten Cover.jpg

    Veröffentlicht: 1975.


    Siehe (falls die Angaben dort stimmen):


    https://vinyl.bertelsmann.com/en/records/view/L3573

  • Da wir gerade bei den Cembalos und Hammerklavieren sind:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Hammerklavier


    Bei mir liegt eine LP der AAA vor, mit den Klavierkonzerten von Mozart

    KV 414

    KV 415

    Es spielt Ernst Gröschel und Mitgliedern der Bamberger Symphoniker. Lt. Text der LP wurde ebenfalls erwähnt, dass der Hammerflügel lediglich durch ein Streichquintett anstelle eines Orchesters begleitet wird.


    Klangtechnisch eine ganz hervorragende Aufnahme, allerdings läuft meine Frau immer aus dem Raum, wenn diese Platte einmal abgespielt wird. Zugegeben, auch mir gefallen richtige Flügel besser!


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    Viele Grüße

    Reinhard

    The post was edited 1 time, last by Vincono ().

  • Aber Komponisten wie Schubert hatten den Klang solcher Hammerflügel im Sinn (und haben solche Flügel selbst gespielt) als sie ihre Klaviermusik komponiert haben. Und für die etwas "derberen Gebrauchsstücke" unter den Kompositionen von Schubert, wie etwa die oben erwähnten Tänze, funktioniert der Hammerflügel (meiner Meinung nach) auch besser als ein modernes Klavier. Nur ist der Klang etwas schockierend, wenn man normale Klaviermusik erwartet und beim Kauf der LP nicht beachtet, dass die Aufnahmen mit einem Hammerflügel eingespielt worden sind -- so wie beim Kauf meiner ersten Hammerflügel-LP.


    -- Joachim

  • Hallo Joachim,


    vielen Dank für Deine Hinweise, allerdings darf ich bemerken, dass wir nicht ganz unbeleckt sind. Wie bereits schon einmal geschrieben, habe ich vor vielen Jahren sehr vieles gekauft, auch wegen dem Audiophilen Charakter. Sir András Schiff ist uns natürlich bestens bekannt, wir hatten ihn erst vor wenigen Wochen in der Alten Oper, Frankfurt. Schiff spielte im Großen Saal, während z.B. Mitsuko Uchida, schon seit vielen Jahren ihre Klavierabende nur noch in kleineren Sälen gibt!


    Aber nun wieder zur Schallplatte, eine weitere sehr gute Aufnahme Bachs Goldberg Variationen, ist die nachfolgende mit Gustav Leonhardt gespielt auf dem Cembalo. Wie fast immer bei Harmonia Mundi, ausgezeichnet. Auch wenn es auf dem auf dem Cembalo gepielt wurde.:)


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    Viele Grüße

    Reinhard

  • ...und nochmal Zeitgenössisches. Olivier Messiaen und seine exotischen Vögel. Da wird es dann schon moderat avantgardistisch. Dergleichen kann ich nicht immer hören. Es ist aber trotzdem interessant, wohin sich die Moderne mit Komponisten wie Messiaen entwickelte, zumal dieses Thema sehr programmatisch und auch verständlich bleibt.

    Ist eine Supraphon-Übernahme der Bertelsmänner, wohl 1968 aufgenommen. Václav Neumann ließ die Klangvisionen von Messiaen mit Yvonne Loriod (Klavier) und der tschechischen Philharmonie spielen.

    Eurodisc 80 366 PK


    Viele Grüße - Frank


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