Welche Klassik-LP habt Ihr das letzte Mal aufgelegt?

  • Allerdings ist bei mir wieder eine gewisse Lust enstanden auch die eine oder andere Pop-LP wieder aufzulegen, viele wurden schon mehrere Jahrzehnte nicht mehr gehört.

    Habe ich mitbekommen :)

    Die von dir erwähnten Dr. Feelgood höre ich liebend gerne.


    Gruß

    Mike

    Von den leichten französischen Landweinen ist mir Cognac am liebsten.

  • Sehr gute US-Pressung der 1960 mit Strawinsky als Dirigenten und dem Columbia SO aufgenommenen Le sacre du printemps, offensichtlich eine Nachpressung oder Sonderauflage der Columbia MS 6319 (1961 erschienen) mit der neuen Katalognummer M 31830, vermutlich von 1973. Ich besitze von dieser Aufnahme auch die weit verbreitete CBS 72054. Mein Exemplar ist zwar eine qualitativ gute UK-Pressung, aber man hat auf der CBS 72054 noch einen 16 Minuten langen Kommentar von Strawinsky mit auf die Platte gequetscht, auch noch auf die A-Seite Anfang, und das ging eindeutig zu Lasten Tonqualität. Ein Werk mit derartiger Dynamik benötigt für einen guten Plattenschnitt zwei komplette Plattenseiten. Auch das Stereo wurde bei der M 31830 im Vergleich weit mehr ausgereizt.

    Rein musikalisch soll die Strawinsky-Aufnahme ein paar Schwächen beim Orchester haben, also nicht ganz saubere Einsätze und dergleichen. Ich muss zugeben, das habe ich noch nie gehört. Was ich gehört habe ist, dass Strawinsky bei seinem Meisterwerk den Schwerpunkt eindeutig auf die Rhythmik gelegt hat.


    Viele Grüße - Frank


    Strawinsky dirigiert Le Sacre Du Printemps Cover.jpgStrawinsky dirigiert Le Sacre Du Printemps (2) Cover.jpg

  • kurz vor seinem 80. Geburtstag hat Strawinsky einige seiner Werke dirigiert, die dann 1961 -- 1962 bei Columbia erschienen sind.

    Hallo Joachim,


    die ersten Columbia Masterworks davon sind natürlich die Besten. Das Violinkonzert und einiges mehr hat später auch die Eterna übernommen, gar nicht schlecht. Die ganze Aktion "Strawinsky dirigiert Strawinsky" muss für den knapp 80jährigen ein ungeheurer Gewaltakt gewesen sein. Stellenweise hat dabei wohl auch sein langjähriger Sekretär Robert Craft nach Anweisungen dirigiert, wenn Strawinsky nicht mehr konnte. Man muss sich natürlich die Frage stellen, warum Strawinsky so eine Tour de Force unternommen hat - es waren nicht nur einige, sondern recht viele Werke, die er nochmal oder endlich selbst interpretiert hat. Anscheinend wollte er der Nachwelt doch noch was vermachen.


    Viele Grüße - Frank


    Strawinsky Violinkonzert Eterna Cover.jpg

  • Übrigens, dass die Eterna Anfang der 60er Jahre Strawinsky-Aufnahmen so einfach übernehmen konnte, war keine Selbstverständlichkeit. In der Sowjetunion, die nun mal die sozialistische Kulturpolitik mit diktierte, wollte man noch Jahre nach Stalin nichts von Strawinsky wissen, er galt weiterhin als bourgeoiser "Formalist" und "Kosmopolit" (beides Schimpfworte) und war schließlich amerikanischer Staatsbürger. Zur fast offiziellen Aussöhnung kam es erst 1962 in Moskau, als er seine Werke mit dem staatlichen Symphonieorchester der UdSSR dirigierte. Die Aufnahmen davon sind fast schon kurios, denn das Orchester spielte normalerweise nichts von Strawinsky, hatte also praktisch keine Erfahrung. Sie schlugen sich zwar tapfer, aber manche Stellen des von mir hier vor einiger Zeit vorstellten Doppelalbums klingen eindeutig nach Tschaikowsky oder Schostakowitsch...


    Viele Grüße - Frank


    Strawinsky in Moskau Cover 1.jpg

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  • Hallo Frank,


    am Anfang seiner Zeit in den USA hatte Strawinsky auch finanzielle Probleme (und konnte Einnahmen von Plattenaufnahmen wohl gut gebrauchen). Vermutlich hat das aber kurz vor seinem 80. Geburtstag 1962 keine Rolle mehr gespielt.


    Mein Exemplar von MS 6331 ist keine 6-eye Columbia (wie in der Abbildung in dem Discogs-Link) -- MS 6331 ist 1962 erschienen und das 6-eye Label gab es bis 1962, ab 1963 kam dann das 2-eye Label (ab ca. 1969 dann die "Augen-losen" Labels). Wichtiger als die Papierlabels sind natürlich (wie auch bei Decca) die Informationen über die Pressmatrizen im Bereich der Auslaufrillen. Mein Exemplar von MS 6331 klingt gut, ist aber kein audiophiler Kracher.


    Viele Grüße,


    Joachim


    PS: wie gesagt, 1962 war der 80. Geburtstag, ein guter Zeitpunkt für eine Aussöhnung ....

  • Bluebox schrieb:


    Sehr gute US-Pressung der 1960 mit Strawinsky als Dirigenten und dem Columbia SO


    Hallo Frank,


    offenbar darf man dich zu den großen Freunden der Musik von Stravinsky zählen. Das nachfolgend genannte Album mit drei LPs habe ich hier, allerdings muß ich zugeben, dieses noch nie gehört zu haben. Es ist das

    Igor Stravinsky - In Memoriam

    Le Sacre du Printemps

    L´Oiseau de Feu Suite

    Petroushka Suite

    Symphony of Psalms

    Pulcinella Suite

    Symphony in C

    Igor Stravinsky conducting the Columbia Symphony Orchestra and the CBC Symphony Orchestra

    CBS 77333


    68222-k1024-img-2911-jpg



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    68225-k1024-img-2910-jpg

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  • Das nachfolgend genannte Album mit drei LPs habe ich hier, allerdings muß ich zugeben, dieses noch nie gehört zu haben.

    Hallo Reinhard,


    na dann wird's aber Zeit, die mal aufzulegen.


    Viele Grüße - Frank


    ps.: deine Fotos werden bei mir nicht angzeigt. Aber sei's drum, ich habe bei Discogs nachgeschaut.

  • Hallo Frank,


    lies dir bitte einmal diesen Artikel aus einem Fono Forum- Heft von 2/1976 durch:


    „ Ein wirklicher Wilder"

    Strawinskys „Sacre du Printemps" in einer vergleichenden Diskografie von Wolfgang Schreiber


    Viele Grüße

    Reinhard

  • lies dir bitte einmal diesen Artikel aus einem Fono Forum- Heft von 2/1976 durch:

    „ Ein wirklicher Wilder"

    Strawinskys „Sacre du Printemps" in einer vergleichenden Diskografie von Wolfgang Schreiber

    Hallo Reinhard,


    absolut empfehlenswert dieses Feature zu Le Scare du Printemps und verständlich geschrieben! Vieles kann ich nachvollziehen, natürlich nur gehörte Aufnahmen, einige Dirigate sind seit 1976 noch hinzugekommen - Abbado, Inbal, Levine, sogar Oleg Caetani mit den Frankfurtern und noch mehr. Ich hatte übrigens nicht erwähnt, dass bei der Moskauer Aufnahme von 1962 bereits Robert Craft den ersten Teil von Le Scare du Printemps dirigierte, Strawinsky dann den zweiten. Wie schon früher mal bekannt, meine Liebingsplatte ist die Aufnahme mit Karel Ančerl – unten die Rückseite vermutlich der Erstausgabe von Supraphon - ich habe die Platte als knisterfreie Nachpressung von Bärenreiter und von Supraphon. Ich halte Le Scare du Printemps als Komposition für so genial, dass sie mir bisher kein Dirigent vermiesen konnte, nicht mal die zweite Karajan-Einspielung für die Dt. Grammophon von 1977, die noch viel "domestizierter" als seine erste von 1964 ist. Im Gegenteil, jeder Dirigent und jedes Orchester, die sich an dieses Werk herantrauen, müssen ihr Bestes geben - oder gleich nach Hause gehen. Wobei ein paar Seitenhiebe natürlich auch Spaß machen, etwa zu Solti und das Warten auf den nächsten Orchester-"Bums" - da geht es mir genauso wie dem Verfasser des hervorragenden Artikels.


    Viele Grüße - Frank


    Le Sacre Du Printemps (Ancerl) Cover.jpg