Hüte dich vor Ginger Baker!

  • Moijn,


    ich finde es oft ernüchternd, wenn manch große(r) Künstler(in), den/die man bisher nur von Platten und der Show kannte, einem später in solchen Dokus als Menschen mit ihrem manchmal erbärmlichen Lebenslauf nahegebracht werden. Ich meine den jahrelanger Kreislauf aus Drogengebrauch, Suff und Herumhuren, sinn- und hemmungslos die Gagen verprassen, dafür sogar rücksichtslos Familie und Kinder im Stich und verarmen lassen... Mein Verständnis hält sich (höflich gesagt) in Grenzen, und die Bewunderung der Musik erscheint mir dann oft in ganz anderem Licht und mit einem sehr schalen Beigeschmack.


    Grüße,

    Reinhard

    "Mein Gehirn braucht kein Blut, es muss nur feucht gehalten werden" Al Bundy/Eine schrecklich nette Familie

  • Hallo zusammen,

    pit1958 : Danke für den Hinweis, hat mir einen sehr gelungen Abend beschert :thumbup:


    Eine sehr tiefgehende Doku über einen Menschen mit einer einmaligen Begabung, und allen Widrigkeiten denen solche Menschen von Kindheit auf an ausgesetzt sind. Und damit so werden wie sie eben sind...


    Gruß


    Matej

    Gewerblicher Teilnehmer

  • " ... Kreislauf aus Drogengebrauch, Suff und Herumhuren ... "


    Genau so habe ich ihn vor vielen Jahren kennen gelernt.

    War toll.

    Ich habe keine Ahnung, und davon verstehe ich auch nichts :wacko:

  • Ich kann mich für sein Ausnahme Talent nicht begeistern wenn ein Mensch wie er überall wo er hinkommt verbrannte Erde hinterlässt.

    War aber ein gut gemachter Bericht der mich erschaudern lies.

    Früher wollte ich Busfahrer werden weil ich das zischen der Tür so toll fand.

    Doch dann entdeckte ich Dosenbier!


    Hessischer Meister im Vollkontakt-Blues 2005.

  • Die meisten der von mir höchst geschätzten Schriftsteller möchte ich auch nicht persönlich gekannt haben. Manchmal habe ich das Gefühl, je weniger man über einen Künstler weiß, desto besser kann man seine Kunst würdigen.

    Jeder Mensch ist ein Abgrund; es schwindelt einem, wenn man hinabsieht.

  • Wer meint, dass Ausnahmetalente, von denen es nur ein paar unter Milliarden Menschen gibt, genauso ticken wie ein 9-5 Bürofachangestellter, der hat die ganze Sache mit der Musik nicht verstanden...


    Ma sogn...

    Viele Grüße
    Hans-Peter


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    Musical Fidelity M3scd

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  • Moin!


    Im Jahr 2015 habe ich beim Jazzfestival in Rottweil auch Ginger Baker erlebt. Der Kerl ist schon eine Nummer. Völlig durch der Typ. Schon als er die Bühne betrat, machte man sich Sorgen, dass er überhaupt die Zeit bis zum ersten Lied übersteht.


    Richtig gut war seine Performance anfangs nicht, es war ein total skurriler Auftritt. Das Publikum war trotz allem entzückt, wie das oft so ist, wenn man eher von der Bedeutung eines Künstlers denn von seiner aktuellen Leistung ergriffen ist.


    Ständig verlor er seine Drumsticks, beim ersten mal dachte ich mir noch, wie so überhaupt ein Konzertabend bestritten werden kann. Aber er griff geschickt hinter sich, da lagen neue bereit, und dann ging es irgendwie weiter.


    Der Vorrat an Drumsticks war groß ...

    ... und wurde gebraucht!


    Launig waren seine Kommentare und Ansagen zwischen den Songs. Wenn man sie denn verstand. Ob das Nuscheln durch die Übertragungstechnik, den Dialekt oder schlicht kaputte Feinmotorik verursacht wurde, blieb mir bis zum Schluss unklar. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem.


    Im Laufe des Konzerts wurde er nach und nach immer besser. Als er - endlich - seine Betriebstemperatur erreicht hatte, war Schluss.


    Parrot

  • Ginger Baker war für mich nie ein besonderes Schlagzeugtalent. Was konnter er denn an der Schießbude so besonderes? Für mich ist er nur ein Klopper (auch Haudrauf genannt)


    Grüße aus der Ruhrstadt:)8)

  • Ginger Baker war für mich nie ein besonderes Schlagzeugtalent. Was konnter er denn an der Schießbude so besonderes? Für mich ist er nur ein Klopper (auch Haudrauf genannt)

    Das sei dir unbenommen.

    Meiner Meinung nach hat er mit Cream großartige Musik gemacht.

    Ich habe keine Ahnung, und davon verstehe ich auch nichts :wacko:

  • Naja, Ginger Baker das Talent abzusprechen geht ein bischen weit. Wer stilistisch so breit aufgestellt, über Jahrzehnte erfolgreich auftrtt, dem kann man ja durchaus Talent zugestehen, auch wen einem die Musik nicht gefällt.


    Als Klopper könnt man streng genommen auch John Bonham bezeichnen, denn für eine sanfte und leise Gangart war er nicht bekannt. Das ist aber in meinen Ohren kein Werturteil, sondern ein persönlicher Stil.


    Man muß aber auch als Ausnahmemusiker nicht solch eine arrogante Attitüde raushängen lassen. Es gibt gnügend brillante Musiker, die sehr umgänglich sind.


    Die Interviews mit G. Baker sind immer lustig, wenn er z.B. von den Rolling Stones behauptet, sie wären (außer Charlie Watts) sowohl schlechte Musiker, als auch schlechte Songwriter. Vielleicht spielt da die Bakers chronische Erkrankung eine Rolle...sowas macht einen ja nicht grad umgänglicher.

    "Yeah, well, that's just, like, your opinion, man."

  • Ich wundere mich, dass der Mann trotz seines offensichtlichen Zigarrettenkonsums und den durchlebten Drogenexzessen noch lebt. Als Musiker ein Großer, doch heute tut mir der einsame Mann eher leid...

  • Kleines Selbstbewusstsein, großes Getue, hypersensibel und dabei / daher aggressiv, unsymapthisches Gerede über Kollegen, musikalisch nicht unbedeutend - aber wenn er wirklich meint, auf einer Stufe mit zB Elvin Jones zu stehen, dann gute Nacht. Für mich als Teil von Cream ein toller Baustein. Ansonsten hat er für meinen Geschmack immer zu viel zugetrommelt und gerade eben nicht das Feingefühl für Timing, Raum und Zeit bewiesen, dass er absurderweise Jack Bruce abspricht. Alles in allem ein unangenehmer Zeitgenosse, der viele Scherben hinterlassen hat, ein durchaus wichtiger Drummer war und den man besser nur aus der Ferne erlebt hat.

  • Hallo zusammen,

    jetzt darf (will) ich aber auch mal... :)


    Für mich ist Ginger Baker eine tragische Figur, gesegnet mit einem ausserordentlich Gefühl fürs Schlagzeug und einer aussergewöhnlichen motorischen Gabe - beide Hände, beide Beine unabhängig "ansteuerbar" - haben ihm einige sehr negativen Einflüsse sozial "unerträglich" werden lassen. Diese wären

    1. als Kind den Bombenhagel erlebt - noch kein Beinbruch, haben andere auch


    2. den Vater verloren - wiegt schon schwerer, vor allem die gesellschaftlichen Folgen


    3. Unverständnis der Mutter für seine Veranlangung ("wenn du nochmals mit solcher Musik nach Hause kommst, dann...") - der erste schwere Knackpunkt. Heutzutage werden Kinder bis zum Erbrechen gefördert, ob sie wollen oder nicht. Hier wurde ein Talent vernichtet, und nicht nur das, es wurde die Saat gelegt für den Hass auf andere, und zwar die die gefördert wurden. Kam später oft genug zum Vorschein...


    4. Der Brief des Vaters als er 14 wurde - eine Katastrophe im doppelten Sinn. Der fehlende Vater, ohnehin schon zum Götterstatus erhoben, fordert ihn dazu auf sich mit Gewalt zu wehren wenn ihm was nicht passt. Kam später ebenfalls oft genug zum Vorschein...


    In dieser Kombination eine fast schon Persönlichkeitvernichtende Mischung, ihn hat es auch fast erledigt.


    5. die Begegnung in den Anfängerjahren mit einem Drummer den er absolut vereehrte. Und was macht dieser? Er spritzt sich erst mal eine Dröhnung Heroin - als wenn der Junge nicht schon genug abbekommen hätte.


    Interessant daran ist aber auch, das Ginger die Afro-Drummer auf Anhieb verstanden hat, ganz ohne Drogen. Im Gegensatz zu seinem "Idol"...


    Dann die Nummer mit Jack Bruce. Hier kommen Punkt 3. und 4. zum Vorschein. In der Biographie von Jack Bruce steht: "Bruce erhielt als 17-Jähriger ein Stipendium für Cello und Komposition an der Royal Scottish Academy Of Music" Na bitte, was muss Ginger den gehasst haben. Klar das er ihn bei jeder Gelegenheit niedergemacht hat, Bruce, der alles bekommen hatte was ihm selbst verwehrt geblieben ist. In der Verbindung Jack Bruce - Ginger Backer kommen alle negativen Einflüsse und deren Folgen (auf Ginger) aufs brutalste zum Vorschein.


    Dagegen Clapton: an dem hatte er wohl nicht auszusetzen, wie auch. Interessanter weise gehen die Kritikpunkte von Ginger an Jack (mangeldes timing) Clapton komplett am allerwertesten vorbei - zumindest machte der nicht so ein bohai drum. Sagt auch einiges über Clapton und dessen Qualität aus.


    Das er in Nigeria in die politischen Fallstricke der Oposition geraten ist, ist eindeutig seiner mangelnder Selbstsicherheit und fehlendem sozialem Gefühl zu verdanken. Eigentlich wollte er ja nur spielen...


    Dann die Nummer mit den Jazzern in New York. Endlich am Ziel, mit seinen Idolen, und dann das. Bei uns heist das: mit dem Ar... kaputtmachen was man mit seinen Händen mühsam aufgebaut hat. Selten hat dieses Sprichwort so gut gepasst.


    Dabei hatte er durchaus Anlagen zu einem lieben Kerl. Er hat auf seine Mutter gehört und die Straßengang verlassen und dabei alle Konsequenzen in Kauf genommen. Er hat es zwar seiner Frau erlaubt abzutreiben, war jedoch hinterher froh das es nicht geklappt hat. Ein Fabel für Kinder hatte der also auch, wenn auch versteckt hinter seiner asozialen Fassade. Und auch hier gilt das gleiche wie zuvor - mit dem Ar... kaputtmachen was man zuvor mühsam aufgebaut hat.


    Sorry, aber für mich ist das eine tragische Figur, und ein Lehrstück für alle Eltern und auch für Kinder.


    In diesem Sinne


    Gruß


    Matej

    Gewerblicher Teilnehmer