Klassikplatten - Lust und Frust mit der Kulturkonserve

  • Da capo.

    Dass man in einem so kleinen Betrieb mit ein paar Leuten bei dem Riesenangebot von neuen LPs heutzutage nicht immer alles richtig schreiben kann und nicht jede LP nachprüfen kann, halte ich für einigermaßen nachvollziehbar.


    Und die im Grunde einzig richtige Schreibweise ist Гергиев. :)

    Gergijew oder Gergiev sind nur Transkriptionen, halt einmal deutsch und einmal englisch.

    Die Franzosen schreiben ihn "Guerguiev".


    Gruß

    Markus

    Das große Geweine ist Himmelserlösung, Regen der Seele

  • Was schließen wir also daraus?

    Eine deutsche Pressung kann schlechter sein als die amerikanische. Ob es am schlechteren Band, am Equipment oder an den Menschen, die dieses bedienten, lag, kann man nicht mehr herausfinden.

    Man kann aber schon sagen, dass eine schlechte deutsche Pressung nicht unbedingt auf eine schlechte Aufnahme hinweisen muss.


    Die schlechteste Platte überhaupt, die ich besitze ist eine Telefunken: Ravels Bolero vom Orchestre Symphonique de la Radiodiffusion Nationale Belge unter Franz André (TW 30075).

    Stereo: TD-125; 3009; DL-103; gsp Jazz Club; Mono: Dual CS 704; AT-Mono3/LP; iPhono; SABA HiFi-Stereo I; HK CC82

  • Dass man in einem so kleinen Betrieb mit ein paar Leuten bei dem Riesenangebot von neuen LPs heutzutage nicht immer alles richtig schreiben kann und nicht jede LP nachprüfen kann, halte ich für einigermaßen nachvollziehbar.

    Nachvollziehbar ja, aber sofern sie ihre LPs für Geld und nicht für Murmeln loswerden wollen, kann man eine Qualitätskontrolle erwarten. Das ärgert mich in der ganzen Hifi-Branche. Da wird immer so getan, als gehe es gar nicht so sehr ums Geld, nur um ganz nonchalant völlig irre Preise durchzusetzen. Und es gibt genügend Idioten die zahlen das auch alles. Ich komme mir dann eher verarscht vor und reagiere entsprechend.


    Viele Grüße - Frank

  • Ist es diese, richtig?

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    Gerade ich hörte diese. Nicht ein Highlight von den RCA catalogue. Das Orchestra ist recht gut, das piano nicht so sehr. Es offensichtlich war aufgenommen ohne supporting mic . Es klingt so nicht sehr present und dominant aber diese Aufnahme scheppert überhaupt nicht mit meine Setup.

    Und Marcus ist richtig. Es gab keine LSC von diese account nur eine Victorola. Es gibt einige das bevorzugen deutsche Pressings weil das Vinyl ist superior als die Originals.


    Holy shit this took me ages to get this in german. 😅

    Jazz takes you further!🎺🎷😎

  • Ist es diese, richtig?

    Ja, die Platte ist es, aber die deutsche Pressung, die ist für die Tonne. Vor kurzem war ich mal bei Oxfam in Frankfurt. Da habe ich der Frau, die die Plattenspenden verwaltet, gesagt - warum schickt ihr nicht die ganzen Deutschen Grammophon in die USA und lasst Euch von dort dafür die Living Stereo, Living Presence und London ffrr hierher schicken. Ihr würdet mehr Umsatz machen und einige Plattenhörer beglücken.


    Auch gerne immer wieder gut - Paul Hindemith und die Ouvertüre zum Fliegenden Holländer, wie sie eine schlechte Kurkapelle morgens um 7 am Brunnen vom Blatt spielt...



    Viele Grüße - Frank

  • Ich muss doch auch mal wieder was zum Forum beitragen, dachte ich mir. Also, ich bin überzeugter Deutsche-Grammophon-Hörer, wie schon mehrfach erwähnt. Einfach deshalb, weil die Produktion des gelben Labels musikalisch die absolute Spitzenklasse der 60er und 70er Jahre ist. Dürfte keine Streifrage sein, oder? Aber, zu oft hatte sogar ich mit meinen recht bescheidenen Hifi-Ansprüchen einen Tick an dem für die DGG typischen Klang (soweit man verallgemeinern kann) auszusetzen. Was habe ich in diesem Zusammenhang nicht schon alles gelesen. Einem amerikanischen Forum habe ich mal entnommen, man solle für DGG-Platten die Kanäle irgendwo in der äußeren Signal-Kette invertieren, plus und minus tauschen, und plötzlich hätten die Aufnahmen mehr Präsenz (die der Mann vermisste). Es gibt ja sogar Vorverstärker, die das können. Die nächste, auch gerne kolportierte Ansicht ist die, dass die DGG Anfang der 60er Jahre viele Stereo-Platten noch nach DIN und nicht nach RIAA vorverzerrt habe (Blödsinn), deshalb sei der Frequenzgang mit RIAA leicht verbogen, klinge u.a. ein wenig dumpf und muffig. Undsoweiter. Ich für meinen Teil meinte immer, die Streicher hörten sich bei verschiedenen dieser DGG-Platten manchmal ein wenig schrill in den oberen Mitten an (auch anderswo mit technisch weit besseren Anlagen als meiner eigenen).

    Jetzt habe ich es endlich mal auf Anregung einiger Kommentare von Reinhold mit einem sphärischen Schliff anstatt Linecontact-Abtastern versucht, in meinem Fall der Klassiker, das DL 103. Ich habe extra ein paar Wochen hören abgewartet, um mir sicher zu sein: Viele Pressungen der Grammophon mit Orchesterwerken Anfang der 60er Jahre und Tulpenlabel, die 160g-Pressungen, hören sich mit "Rundnadel" für meinen Geschmack fast durchweg besser an. Ich meine dabei Aufnahmen von Orchesterwerken mit voller Orchestrierung, die klingen für mich runder und sauberer im Ton sowie weniger aufgefächert und aufgelöst, was diesen Aufnahmen außerordentlich gut tut. Platten, die nach meiner Meinung gar nicht dafür geschnitten wurden, um "hoch aufgelöst" abgespielt zu werden. Das sind keine "audiophilen" Aufnahmen und Pressungen, was ich auch nach Gegenhören von einigen digitalen high Resolution Kopien der analogen Bänder zu behaupten wage - aber trotzdem richtig gute Schallplatten. Referenz fürs Abspielen der DGG-Produktionen war 1960 mit ziemlicher Sicherheit nicht Giger II oder Shibata, sondern eben sowas wie der allseits beliebte Dual mit Shure-Rundnadel, der immer noch im Wohnzimmer eines Verwandten steht. Dort hatte ich es schon ein paarmal gehört, dachte aber stets, der gute Eindruck sei der vorgerückten Stunde, dem Wein und der Raumakustik geschuldet (das konnte einfach nicht anders sein...). Würde mich interessieren, ob jemand ähnliche oder andere Erfahrungen gemacht hat.

    Meine Meinung außerdem: um Musik zu hören (und zu genießen!), muss man die Begrenztheit der Tonkonserve sowie ihrer Wiedergabe akzeptieren können. Sonst sollte man ins Konzert gehen.


    DGG-Rosenkavalier Cover.jpg


    Viele Grüße - Frank

  • Hallo Frank,


    schön, wieder etwas von Dir zu lesen!:)


    Weiterhin möchte ich noch anfügen, auch bei anderen Plattenlabels war es nicht anders, als die von Dir erwähnte Deutsche Grammophon. Versetzen wir uns einmal 45-50 Jahre zurück: Suvi Ray Grubb (EMI) hat gerade eine Bandaufnahme von Klemperer gemacht und beide hören sich die Aufnahme an. Wenn also beide mit der Aufnahme zufrieden sind, lässt Mr. Grubb eine Testpressung anfertigen und beide hören sich diese an. Angenommen über eine von EMI aufgebaute Abhöranlage, einem Garrard Plattenspieler, EMI Tonarm und Tonabnehmer. Die Abtastnadel war höchstwahrscheinlich eine Rundnadel. (Sicher keine VdHul-Nadel.) Wenn es also so klingt, wie Klemperer sich dies vorstellt, wird diese Aufnahme zur Produktion freigegeben.


    Sicher könnte man es als Anmaßung sog. Hardcore-Fachblätter bezeichnen, dass man erst mit den neuesten technischen Errungenschaften hört, was auf den Platten wirklich drauf ist. Dies wäre lediglich reine Arroganz, Klemperer neu interpretieren zu wollen.



    Schöne Grüsse

    Reinhard

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  • Weiterhin möchte ich noch anfügen, auch bei anderen Plattenlabels war es nicht anders, als die von Dir erwähnte Deutsche Grammophon.

    Hallo Reinhard,


    kann ich bestätigen. Ich wollte nur nicht gleich zum Rundumschlag ausholen, und die DGG-Platten waren meine hautpsächliche Motivation, es mal mit einem (guten) spährischen Schliff zu versuchen. Bei Karajan war es übrigens ja auch so, dass laut (glaubhaften) Annekdoten stets die DGG-Techniker mit den Boliden zu ihm nach Hause kommen mussten. Dann wurde aufgelegt mit dem, was Karajan im Wohnzimmer stehen hatte - und was die Techniker angeblich oft vergeblich kritisierten (die wollten natürlich gerne zig Sachen tontechnisch verändern).

    Interessant bei den DGG-Produktionen ist auch, dass die sehr wahrscheinlich nicht mit dem wohlbekannten Tracing-Simulator für "RoyalSound" oder "Dynagroove" hergestellt wurden.


    Viele Grüße - Frank

  • Hallo Frank,


    gerade gestern sah ich mir das Eröffnungskonzert des Rheingau Musikfestivals an. In Vertretung für den leider verstorbenen Dirigenten Ennoch zu Guttenberg, hat Eliahu Inbal das Dirigat übernommen. Auch Hr. Inbal hat seinen Geschmack, muß ich zunächst einmal raussuchen dann werde ich wieder antworten.8)


    Viele Grüße

    Reinhard

  • Bin gespannt, von Inbal kenne ich aus seiner Frankfurter Zeit nur (frühe) Digitalaufnahmen von Denon, die ungemein auf Dynamik getrimmt sind und insgesamt sehr hart klingen - was natürlich nichts über die künstlerischen Qualitäten von Inbal aussagt.

    Nebenbei noch was zur Rundnadel. Auch bei vielen späten DGG-Produktionen, hier die 1. Mahler-Symphonie mit Ozawa von 1977, lohnt sich ein Vergleich mit einer "Rundnadel" - darf durchaus auch eine Ortofon-Tondose sein. Für meinen Geschmack sind viele DGG-Produktionen der 70er Jahre, so z.B. Bernsteins Beethoven-Aufnahmen (live), ein wenig auf Breitwand getrimmt, wenn man sie mit einem guten Linecontact-Abtaster anhört, der so ziemlich alles aus der Rille rauskitzelt was geht und vielleicht auch das, was gar nicht drauf ist. Geschmackssache, aber wer eher den fokussierten Klang mag, dem sei ein Test mit spärischem Abtaster empfohlen. Selber hören!


    Mahler Ozawa DGG Cover.jpg


    Viele Grüße - Frank

  • Was ich bisher aus der sog. "Signature"-Serie der DGG gehört habe war praktisch alles sehr gut. Da haben sie zum einen die besten Aufnahmen musikalisch und bei der Tonqualität rausgesucht, und dann bei der Produktion auch auf die Pressqualität geachtet.

    Mahler Kubelik .jpg


    Viele Grüße - Frank

  • Und nochmals eine "Signature". Diese Referenzaufnahme von 1976 nannte der "Gramophone"-Musikkritiker Ivan March die beste Interpretation seit den dreissiger Jahren - auch auch die Tonqualität stimmt. Ich habe dazu keine eigene Meinung und bin als Laie nur beindruckt: ich höre diese komplexe Symphonie und habe keine Fragen mehr. Kann man mehr erwarten?

    Abbado Tschaikowsky 4 Cover.jpg


    ...ganz anders dieses Schmuckstück aus dem ffss-Katalog der Decca (SXL 6574). Was fange ich mit einer tontechnisch besten Platte in NM an, wenn ich nach ein paar Minuten hören das (nichtssagende) Cover ergreife um mich zu vergewissern, ob das wirklich Tschaikowsky sein soll. Wo ist hier diese kindliche russische Seele voller Pathos und dramatischen Ausbrüchen, die von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt reichen und mich meist davon abhalten, dieses starke Musik überhaupt aufzulegen. Die 4. ist Tschaikowskys "Schicksalsymphonie"! Es ist immerhin das Washington National SO, mit dem Dorati hier musiziert. Oder doch die Schüler einer Musikschule beim Proben? So hört es sich jedenfalls an.

    Dorati Tschaikowsky 4 Cover.jpg


    Viele Grüße - Frank

  • Hallo Frank,


    Hör dir dazu mal Kurt Sanderling mit den Leningradern an. Das ist meines Erachtens die absolute Referenz. Von Dorati hab ich keine einzige Platte unter meinen gut 2000.




    Hier mehr zu Kurt Sanderling



    Viele Grüße
    Matthias


    AAA Mitglied

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  • Hör dir dazu mal Kurt Sanderling mit den Leningradern an. Das ist meines Erachtens die absolute Referenz.

    Hallo Matthias,

    ja, aber Sanderling und Mrawinski sind mit den Aufnahmen ihres Wiener Gastspiel von 1956 (4. Sanderling, 5. & 6. Mrawinski) und dann 1960 Mrawinski mit der 4.,5, und 6. als Studioaufnahme für die DGG (siehe Label) für mich außer Konkurrenz. Schon wegen des irren Tempos - bei Sanderling nicht ganz so extrem wie bei Mrawinski, und wegen des damaligen "rauhen" Ostblockstils.

    Sanderling hat aber Zeit seines Lebens immer wieder Tschaikowsky dirigiert. Ich habe diese Platte mit der 5. Symphonie von 1979 - und ja, zumindest die könnte als Referenzaufnahme durchgehen.

    Sanderling Tschaikowsky 5 Cover.jpg


    Mrawinski Label.jpg


    Viele Grüße - Frank

  • Es ist immerhin das Washington National SO,

    Hallo Frank,


    das wundert mich nicht, die zählten damals nicht gerade zur Elite der US-Amerikanischen Orchester. Heute spielt das Orchester allerdings auf einem deutlich höheren Niveau!


    Viele Grüße

    Reinhard