Richtiges System für "Flohmarkt-Schallplatten"

  • Hallo zusammen,

    der Titel hört sich komisch an, aber ich möchte vermeiden ein teures System zu kaufen und kann hinterher meine Schallplatten (entweder gekauft in den 70er/80er oder vom Second-Hand- Laden) nicht mehr hören zu können weil ich dann ggf. jedes knistern und knacksen plötzlich wesentlich stärker raus höre.


    Kurz als Einleitung; ich möchte meinem Thorens TD 160MK2 (7,5g leichter Tonarm, angeschlossen an Luxman L-410) ein neues System spendieren. Ich höre übrigens überwiegend Rock, Pop aus dem oben genannten Zeitraum und habe nach intensiven Recherchen die folgenden drei Systeme in der engeren Auswahl:


    1. VM Red (… eher meine Preisklasse)

    2. VM silver (eher zu teuer, aber wenn’s Sinn macht, denke ich ernsthaft drüber nach)

    3. Audio Technica AT-F2 (Empfehlung hier aus dem Forum in Verbindung mit meiner Kombi)


    Wobei meine Frage eher allgemein in die Richtung geht, wie eure Erfahrungen mit mäßig erhaltenen Platten an mehr oder weniger teuren Systemen klingen. Soll man dann eher auf eine Qualitativ hochwertigere Nadel geh'n oder umgekehrt?

    Ich weiß nicht ob sich die Frage eindeutig klären lässt, aber vielleicht helfen mir eure gemachten Erfahrungen etwas weiter, ... unabhängig vom Plattenspieler-Typ.

    Natürlich interessieren mich nach wie vor eure Meinungen welches System (… gerne auch weitere Empfehlungen) ihr zu meiner Kombi empfehlen würdet.


    Freue mich auf eure Beiträge,


    VG Michael

    Analoge Kette: Thorens TD160 MKII --- Luxman L410 --- Audio Physik Classic 20 --- Revox B77

  • Hallo, Michael,


    ich habe an einem Dreher das AT5V, MM-System und um die 100,-€ preiswert.

    Spielt sehr gut, gerade und besonders alte Scheiben.

    Nutze ich genau dafür.

    Schöne Grüße
    Rainer


    Clearaudio Performance DC, Clarify-Arm und Virtuoso V2 TA , "Phonomopped Mk 2"

    Nottingham Analogue Horizon mit AT 5V , "Superb Phono Pre"

    Unison S2K

    Selbstbau-Boxen "Clonewall"

    Akai 635 D

    Teac V 6030S

    Pioneer TX 800

    Stax SR 202

    usw.

  • Die meisten Platten klingen mit MR-Schliff am knisterfreiesten. Shibatas sind auch nicht schlecht. Allerdings kommt man bei beiden preislich in tiefes Fahrwasser.


    Ein 2M Black wäre gut, besser ein AT-OC9/III ML, welches eines der wenigen bezahlbaren Systeme mit echter MR Nadel ist.


    Alternativ bei Thakker nach SAS suchen und einen Generator der einem zusagt organisieren.


    Leider ist es natürlich etwas problematisch Flohmarktplatten mit solchen Abnehmern zu hören denn wenn sie richtige defekte haben ist der teure Abtaster hin. Von daher würd ich einen Generator suchen für den man auch einfachere Elliptische Nachbaunadeln bekommt, zum ersthören. Mir fiel da vor allem das Shure M75 auf.


    Mike

    --- Ich höre hiermit und zwar das--- Ich suche dringend einen SONY XL-70 Body. Bitte anbieten!

  • Mein Thema!

    Ich besitze 99% Flohmarkt/Sperrmüll-Schallplatten, mehrere tausend, überwiegend Singles.

    Als erstes:

    Ich unterscheide in diesem Fall nicht zwischen "Flohmarkt-Platten" und "Selbst-Neukäufen"!


    Es kommt auf den Zustand an, das ist eine Frage des Vorbesitzers und nicht eine Frage des

    Ortes an dem die Platten gelegen haben.

    Meine Sperrmüllplatten sind meistens mint.

    Haben die Platten Kratzer bei denen man in Laufrichtung mit dem Fingernagel hängen

    bleibt, vergeß sie!

    Wie oben beschrieben beschädigen sie die Nadel.

    Willst Du von Platte zu Platte das System wechseln? Hast Du viele zerkratzte Platten?

    Eventuell besorgst Du Dir einen zweiten Plattenspieler, oder tauscht die Platten aus.


    Das Knistern kann meistens am Dreck liegen, siehe hier die Reinigungsthemen.

    Wurden die Platten naß abgespielt oder mit einer abgebrochenen Nadel abgespielt

    hilft nur intensives Reinigen oder gar nichts mehr.

    Platten mit "Haarlinien" knistern nicht, die Beschädigungen sind meistens Ursache einer

    Lagerung ohne Hülle.

    Ich habe vor vielen Jahren meine Singles auf einem Transrotor mit 3000 DM MC-System

    gehört, da knisterte gar nichts (entgegen meinen Befürchtungen), einige etwas in der Einlaufrille.

    Die Platten waren mit einer Ur-Knosti mit zu kurzen Bürsten (für Singles) gewaschen worden,

    also Potential nach oben!


    Bitte keine Diskriminierung von gepflegten Flohmarkt- und Sperrmüllplatten! Sie verdienen

    beste Abtaster!:):thumbup:


    Gruß

    Fernseheumel

    Scotty beam me up, there is no more AM radio and 4/3-ratio-television in Germany! ;(

  • Obs es noch gibt, weiss ich nicht, Stanton 680 E. Robuster DJ Kratznagel mit sehr guten Klang. Ansonsten kann man mit dem AT 95 nichts falsch machen.

    Gruß André


    Gewerblicher Teilnehmer

    Es gibt nur zwei Meinungen, entweder meine oder eine falsche. ;)


  • Hallo Michael,

    genau aus diesem Grund hatte ich mich für ein Rundnadelsystem entschieden.

    Schau doch mal bei Vinylengine in der Cartridge Database nach.

    Hier bei Stylus "coniocal" als Suchbegriff eingeben und dann schmökern. :)

    Zumindest habe ich auf diese Art "Mein" System gefunden. (Shelter 301)

    Gruß

    Olaf

  • Der Kollege hat ja insbesondere nach Knisterfreiheit bei nicht optimal gereinigten oder vorgeschädigten Platten gefragt, da ist der Schliff das entscheidende. Von daher sind einige imho nicht optimale Empfehlungen dabei gewesen.


    Meiner Meinung nach sind folgende Schliffe am optimalsten (abnehmende Reihenfolge):


    1) MR/ML/SAS

    2) Shibata (möglichst nude!)

    3) 0.5mil Conical (die breiteren ausdrücklich nicht!)


    alle anderen liegen in der Rille analog zu den damals am weitesten verbreitetsten Schliffen (>0.5 mil Conicals und Ellipsen) d.h. bei abgenutzen oder stark verdreckten Nadeln sind Rillenschädigungen vor allem dort gegeben. Die o.a. Schliffe umgehen die beschädigten Bereiche, es knistert weniger.


    Da sie "tiefer" gehen funktioniert das primär nur bei Schäden, weniger bei Schmutz. Bei sehr verdreckten Platten passiert sogar das Gegenteil es knistert mehr. Aber Schmutz lässt sich entfernen, Schäden nicht.


    Mike

    --- Ich höre hiermit und zwar das--- Ich suche dringend einen SONY XL-70 Body. Bitte anbieten!

  • Ach ja: das VM Silver ist klanglich zwar wirklich klasse, aber was Knisterprobleme angeht nicht erste Wahl. Die Wahl zwischen F2 und VM Red ist imho keine. Das F2 dürfte für die meisten Ohren das bessere System sein.


    Wenn du nicht viel Geld ausgeben willst ist imho ein Shure M75ED T2 Body mit billiger Elliptischer Nachbaunadel und zusätzlich einem SAS von Thakker eine preiswerte Lösung um alle Probleme flexibel zu lösen.


    Mike

    --- Ich höre hiermit und zwar das--- Ich suche dringend einen SONY XL-70 Body. Bitte anbieten!

  • Hallo,

    Nur zur Info von meiner Erfahrung mit

    gebrauchten Platten.

    > von 2002 bis ca. 2012 kaufte ich überwiegend gebrauchte Platten.

    > ich stockte meine Sammlung mit Krautrock, wenig bekannten Zb. Stone the Crows, und Zappa auf.

    > ca. 500 Stck. Nach Sichtkontrolle, vor Ort im Plattenladen hatte ich kaum Ausreißer.

    > ca. 3 Stck. Mit Dauer knistern.

    Dagegen sind Neue eher bescheiden.


    Ludwig

  • Meine sehr subjektive Meinung

    "Eine lausige – oder etwas milder formuliert – sub-optimale Aufnahme wird nicht besser, wenn man sie mit einem ebenfalls sub-optimalen Gerät (Tonabnehmer, etc) anhört…"


    Solange die Platte nicht mechanisch so kaputt ist, dass es grad die Nadel „abreisst“ , würde ich wenn immer möglich das best-mögliche Pick-Up benutzen.


    Allerdings: ich habe im Zweifelfall auch schon eines meiner eher robusten DJ MM-Pick-Ups – ein Stanton, mit auswechselbarem Nadeleinschub ! ;) – benutzt und nicht meine „hoch-wertigen“ MC’s; die wären mir dann schon zu teuer, zum Re-Tippen oder so


    Gruss


    Urs


    PS: Ich gestehe: ich bin halt schon etwas "Nebengeräusch-Geschädigt"- ich höre sogar Schellackplatten auf einem STAX Kopfhörer.

    Zyniker dürfen gerne sagen: Knistern und Knacker in höchster Auflösung !
    …aber die MUSIK, die spielt halt trotzdem herrlich !!

  • Zitat

    PS: Ich gestehe: ich bin halt schon etwas "Nebengeräusch-Geschädigt"- ich höre sogar Schellackplatten auf einem STAX Kopfhörer.

    Zyniker dürfen gerne sagen: Knistern und Knacker in höchster Auflösung !

    …aber die MUSIK, die spielt halt trotzdem herrlich !!


    Hallo, Urs,



    ich habe neuerdings auch einen Stax, mag damit aber wirklich nur sauberes, einigermaßen knisterfreies Zeugs hören. Vielleicht machts die Gewöhnung?

    Schöne Grüße
    Rainer


    Clearaudio Performance DC, Clarify-Arm und Virtuoso V2 TA , "Phonomopped Mk 2"

    Nottingham Analogue Horizon mit AT 5V , "Superb Phono Pre"

    Unison S2K

    Selbstbau-Boxen "Clonewall"

    Akai 635 D

    Teac V 6030S

    Pioneer TX 800

    Stax SR 202

    usw.

  • Hallo Michael,


    ich würde auch eher schärfere Schliffe empfehlen, habe damit gute Erfahrungen gemacht. Eine Knosti ist da ein Anfang, hatte ich auch als erstes, mit zwei Becken zum vor- und endreinigen. Eine Maschine mit Absaugung hat dann noch ein deutlich besseres Ergebnis wie ich festgestellt habe.


    Generell gilt es die Platten vorher gründlich zu waschen, häufig laufen bei mir die Platten vom Flohmarkt oder der Plattenbörse mit weniger Nebengeräuschen als Neupressungen. Klanglich sind die Scheiben zu über 90% absolut überzeugend.

    Um deine Abtaster musst du dir dann auch keine Sorgen mehr machen!


    Viele Grüße

    Dieter

    PS mit luftgelagertem Tellerlager, Outer Ring und VTA Lifter diy, Pro-ject Perspective, 2M Black, EPC 33 Jico SAS und Black Bird LO, Arme: Jelco SA-750 12", Pro-ject 12cc Evo., Dr. Fuss Steuerung, MuFi MX-Vnyl, Kabelkonfektion diy

  • Schon mal vielen Dank für die zahlreichen Beiträge. Ich befürchte aber es macht mir die Sache, bis jetzt, nicht einfacher.:wacko: ... Es zeigt aber auch, wie kontrovers die jeweiligen Erfahrungen sind. (... von Rundnadel bis "je schärfer je besser ...) Bitte nicht falsch verstehen. Ich glaube auch das es für "knistern" (empfindet ja bestimmt auch jeder etwas anders) unzählige Ursachen gibt.

    Ich versuche mal zusammenfassend kurz auf einige der gestellten Fragen einzugehen:

    - ich würde meine Platten als mäßig gepflegt (wurden noch nie gewaschen, spiele aber auch kein Frisbee damit :)) beschreiben. Hier und da ein knaxen hat mich auch nie sonderlich gestört. Gehört irgenwie dazu und je nach dem an welcher Stelle, konnte ich so genau MEINE Platte erkennen. Es soll halt durch das neue Equipment (... im Moment nutze ich noch einen Dual CS741 mit Original Shure System 390) nicht schlechter werden.

    - Ich spiele meine Platten nass ab, verwende hierzu ein Mittel aus der Apotheke (Isopropanol/dest. Wasser).

    - Ich würde eigentlich ungerne die Nadel bzw. System, je nach Zustand der Schallplatte, hin und her wechseln. Mir wäre daher ein vernünftiger Kompromiss wesentlich lieber.

    - Ich tendiere eher dazu ein neues System (kein gebrauchtes mit NOS-Nadel, ....) zu kaufen.

    Generell gilt es die Platten vorher gründlich zu waschen,

    Hier gibt es im Netzt viele Anbieter die so etwas anbieten. Habt ihr da eine Empfehlung für mich und führt eine Wäsche dazu, dass ich ggf. sogar wieder auf "Nass-Abspielen" verzichten kann?


    Ach ja: das VM Silver ist klanglich zwar wirklich klasse, aber was Knisterprobleme angeht nicht erste Wahl. Die Wahl zwischen F2 und VM Red ist imho keine. Das F2 dürfte für die meisten Ohren das bessere System sein.

    ... das ist halt auch eine Frage die ich mir schon so oft gestellt habe.:( Ich hab wirklich bammel die 350€ für ein "silver" zu investieren und nachher total unglücklich drüber zu sein. Umgekehrt würde ich das Geld gerne investieren wenn ich dafür ein Top-Ergebnis bekäme.

    Das AT-F2 (passt zwar von den techn. Daten 100% nicht zum Thorens-Arm) würde mich irgenwie reitzen. Hat jemand dieses System zufällig mal in Verbindung mit leichten Armen (der TP63MK2 wiegt 7,5g) laufen gehabt?

    Gibt es eigentlich grundsätzlich Unterschiede im "Knister-Verhalten" zwischen MC und MM?


    Freue mich auf weitere Anregungen ...

    VG Michael

    Analoge Kette: Thorens TD160 MKII --- Luxman L410 --- Audio Physik Classic 20 --- Revox B77

  • Habt ihr da eine Empfehlung für mich und führt eine Wäsche dazu, dass ich ggf. sogar wieder auf "Nass-Abspielen" verzichten kann?


    Ich würde an Deiner Stelle zunächst mal Holgers Cheap Thrill versuchen. Wer die Methode einigermaßen beherrscht, braucht nichts anderes mehr. Ich habe noch eine Maschine, mit der ich Platten per Ultraschall reinigen kann, die kommt aber eher selten und nur zusätzlich zum Einsatz, weil das Ergebnis des Cheap Thrill einfach schon mindestens 95% des möglichen erschlägt.


    Wenn man einen vernünftigen Plattenspieler mit Direktantrieb hat :) , kann man die Wäsche sogar im Spielbetrieb erledigen. Ich habe das hier mal als Anregung gefilmt, natürlich lässt man bei wirklich dreckigen Platten die Flüssigkeit länger einwirken.



    Problem bei Dir ist der riemengetriebene Thorens-Schwabbler. Da musst Du dann leider selbst per Hand die Platte drehen, weil der Antrieb das nicht schafft. Und dann noch das Subschassis...


    Aber es reicht m. E. aus, um einen Eindruck für das Verfahren zu bekommen. Du solltest aber die richtige Bürste benutzen, also z. B. eine Clearaudio Pure Groove wie in meinem Video, mit der die MODERIERT! Ingenieure von Clearaudio ausnahmsweise mal einen Treffer gelandet haben. Die ist entscheidend für das Funktionieren. Und ob Du dann einen Fenstersauger wie bei mir, oder einfach nur Küchenkrepp zum Absaugen benutzt, ist erst mal auch egal. Es funktioniert beides.


    Das Ergebnis könnte sein, statt einer teuren PWM einfach einen zweiten Plattenspieler zu besorgen, mit dessen Hilfe man auch waschen kann.


    Parrot

  • Hallo Michael,


    waschen würde auch deinen jetzigen Platten gut tun. Dann kannst du auch auf nassabspielen verzichten. Das System hätte eine deutlich höhere Standzeit.

    Im Bietebereich war gestern eine alte Hannl Maschine im Angebot, ist zwar etwas ganz einfaches aber macht richtig sauber. Die Absaugung ist das entscheidende Feat. bei einer PWM!


    VG

    Dieter

    PS mit luftgelagertem Tellerlager, Outer Ring und VTA Lifter diy, Pro-ject Perspective, 2M Black, EPC 33 Jico SAS und Black Bird LO, Arme: Jelco SA-750 12", Pro-ject 12cc Evo., Dr. Fuss Steuerung, MuFi MX-Vnyl, Kabelkonfektion diy

  • ... ich dachte eher an einen Dienstleister, Platten einschIcken und gewaschen & neu eingetütet wieder zurück. Würde so was gerne mal ausprobieren ( vielleicht erst mal ca. 10 Stück).

    Dann könnte ich das Ergebnis auch mal mit der von Parrot vorgeschlagenen Methode vergleichen.

    VG Michael

    Analoge Kette: Thorens TD160 MKII --- Luxman L410 --- Audio Physik Classic 20 --- Revox B77

  • Das Knisterverhalten hängt vom Schliff und nicht davon ab was für ein Generatortyp spielt (MM,MI,MC,Positiv Scanning, Licht).


    Wenn du es schaffst deine Platten halbwegs sauber zu bekommen, dann wäre das VM Silver wirklich sehr brauchbar, denn Knistern durch Schäden ist bei dem Schliff deutlich besser als mit einfacheren (Rund, Elliptisch). Es reagiert aber relativ allergisch auf Dreck.


    Auch wenn es eher selten vorkommt: die Aussagen von ParrotHH zur Reinigungen, insbesondere zur Bürste unterstütze ich voll.

    --- Ich höre hiermit und zwar das--- Ich suche dringend einen SONY XL-70 Body. Bitte anbieten!