Vom Nachteil einer hochwertigen HiFi Anlage ...

  • Über die Jahrzehnte verfeinerten sich meine HiFi Anlagen. Dadurch wurde auch mein Gehör feinjustiert.

    Nun sitz ich da & höre Scheiben die ich u.a. seit vierzig Jahren genieße. Platten aus meiner Kindheit & meiner ersten Jugend.

    Und aufeinmal merke ich mit meinem hochwertigen HiFi Geraffel wie einige Scheiben von damals das Gehör klanglich "foltern" können.

    Mit meinem damaligen Phonohabel klang sicherlich alles irgendwie gleich. Es machte Musike, mal leise, mal laut.

    Und heute, da höre ich jedes unschöne Nebengeräusch. Jede Schwäche einer schlechten bis miserablen Aufnahme.

    Velleicht sollte ich mir wieder nen Phonohobel zu legen? Son Kristalltonabnehmer ... Sonen Plastephonohobel, nen Ziphona Combo mit tollen dreieckigen Plastelautis.


    Dennoch macht es Laune die alten "Gruselplatten" wieder zu entdecken.

    Und, ich entdecke viele meiner alten Platten klanglich neu, was ich früher nie zuvor raus hören konnte. Was seit Jahrzenten neu entdeckt werden möchte ... Von Majosalat bis Nektar & Ambrosia.


    Wie geht es Euch damit?

    Habt Ihr nen extra "Gruseldreher"?


    Sonnigst Nadja

  • Ne, ich habe einen Gruseltonarm mit Gruselsystem neben meinem feinem.

    Spass beiseite. Eine scharfe Nadel und eine runde mit passenden System und Arm tun es auch.

    So fahre ich schon lange lange Zeit und alle(!) Platten lassen sich hören.


    Gruß

    Gerhard

    Reich ist, wer weiß, dass er genug hat.

  • Hallo Nadja,

    habe den gleichen Weg hinter mir. Immer größere und ausgefuchstere Technik, immer weiter, und das über Jahrzehnte. Irgendwann war alles nur noch komplett Tonstudiotechnik (MEG RL 901 K, Studer Mischpult 961, Studer A 80 Bandgerät und EMT 950 Plattenspieler). Vorher alles mögliche High-End-Gedönse...

    Irgendwann vor ein paar Monaten hatte ich aber überhaupt keine Lust mehr mein Hobby nur noch mit mir selbst zu teilen, allein im Musikzimmer im Sweet-spot zu hören... und meine Frau guckt eine Etage tiefer "Tatort"...

    Habe alles verkauft. Ein paar top erhaltene Klipschörner ergattert, eine restaurierte C26 McIntosh Vorstufe (die mit der bösen, stufenlosen Loudness), einen Garrard 401 mit SME 3012 dran und eine Hiraga LeMonstre DIY Endstufe aufgetrieben und ins "Wohnzimmer" gestellt.

    Fazit: Der Spaß an der Musik als solcher ist zurück. Töchterchen kommt mit Freunden zu Besuch und die geben mal so richtig "Gas" mit dem alten Schröbbel... und auch meine Frau hört gerne Mal wieder ne schöne Platte...und ab und zu "schwoofen" wir auch dazu...;) das hat es im ernsten "Musikzimmer" nicht gegeben...8)


    Gruß

    Karsten

  • Hallo Nadja,


    ich halte es genau wie Gerhard. Ich habe nur eine Anlage mit der ich bewusst

    Musik höre. Auf meinem Plattenspieler habe ich zwei Tonarme und an dem einen

    von beiden sogar ein Wechsel-Headshell. Ich kann da also wechseln, je nach

    Qualität der Platte.

    Alternativ kann man auch schön einfach einen zweiten Plattie mit entsprechendem

    System aufstellen.


    Grüße


    ulf

  • @Nadja
    Gruseldreher wuerde ich es nicht nennen, aber einen zweiten Tonarm mit nicht so hoch auflösendem Tonabnehmer nutze ich durchaus. In meinem Bekanntenkreis gibt es einige, die den alten Dual oder Thorens mit einfachem AT95 Tonabnehmer fuer die alten "Party" Platten nehmen.


    Dank Michael (Skeptiker) und Reinhard Thoeress habe ich aber auch gelernt, dass viele alte Platten beim Schneiden der Lackmatritze ihrer Klanges begabt wurden (damit mehr Rillen und damit Spielzeit auf die Seite passen) und man dies klanglich wieder beheben kann. Die AS und die Thoeress Phonovorstufen haben darauf abgestimmte Regler, die den alten , ursprünglich am Mischpult erzeugten , Klang wieder aufleben lassen, dadurch klingt manche "Grusel" Platte bei mir wieder prima durchhoerbar und darf nun mit dem höher auflösenden Tonabnehmer spielen.

    Michael wird in Krefeld sicherlich wieder ausstellen, es lohnt sich, das mal in der Vorfuehrung zu erleben.

    Gruss
    Juergen

    gewerblicher & privater Veranstalter audiophiler Events

    TechDAS Stützpunkt


    AAA- Mitglied

  • Hallo Nadja,
    Ja es gibt so manche LP's die auf dem einen "grossen" Dreher nicht so toll klingen... Das sind aber nur einzelne Scheiben. Normalerweise höre ich immer mit der einen Musikanlage. Für die Party Platten hatte ich bis vor kurzem einen zweiten Dreher der eine Mono Zelle hatte auf dem ich die hören konnte. Durch die andere Zelle und vor allem Nadel waren dann die Nebengeräusche deutlich geringer. Für die Mono Sektion hat eine Vorstufe vom oben erwähnten Michael sehr gute Dienste geleistet und manch grottig klingende Scheibe erwachte zu neuem Leben.
    Habe allerdings vor ca. 2 Monaten diesen Zweig aufgehoben....
    Trage mich aber mit dem Gedanken (längerfristig) einen einfachen Dreher an zu schaffen um dort auch wieder Platten hören zu können.... Ev. einen Technics mit wechselbarem Headshell da könnte man mit verschiedenen Zellen experimentieren....

    Grüsse Peter

    Unsere grösste Schwäche liegt im Aufgeben. Der sichere Weg zum Erfolg ist immer, es doch noch einmal zu versuchen. (T. Alva Edison -
    Erfinder des Phonographen, der Kohlenglühfadenlampe und des Betongiesverfahrens)

  • Das Problem sehe ich schon lange,je besser die Anlage um so mehr hört man die Fehler der Aufnahme bzw Produktion. Analog hilft da schon ein wenig(bei CD finde ich es noch schlimmer)und Röhren „verschönern“ grundsätzlich auch das Klangerlebnis. Man sollte sich lediglich darüber im Klaren sein,daß man dann eher einen „Sound“ als eine(wie auch immer geartete) „klangliche Wahrheit“ hört.

  • Das Problem sehe ich schon lange,je besser die Anlage um so mehr hört man die Fehler der Aufnahme bzw Produktion. Analog hilft da schon ein wenig(bei CD finde ich es noch schlimmer)und Röhren „verschönern“ grundsätzlich auch das Klangerlebnis. Man sollte sich lediglich darüber im Klaren sein,daß man dann eher einen „Sound“ als eine(wie auch immer geartete) „klangliche Wahrheit“ hört.

    Schade, dass wieder so pauschaliert wird, das Vorurteil von den grundsätzlich „verschönernden“ oder „soundenden“ Röhren scheint unsterblich zu sein...


    Es gibt fast schon analytisch aufspielende Röhrenvor- und Endstufen mit hohen Tugenden in Bezug auf eine eher neutrale Wiedergabe...


    Es lohnt sich, verschiedene Röhrenkonzepte im Vergleich zu hören statt pauschale Vorurteile immer weiter zu verbreiten...


    Freundlich


    Michael

    „Doubt everything...“

  • Ich habe verschönern auch absichtlich in Gänsefüßchen gesetzt,für mich hören sich suboptimale Aufnahmen über Röhren meist angenehmer an als über vergleichbare Transistorgeräte. Kann aber natürlich auch an den Transistorgeräten liegen die ich bislang gehört habe.

  • Vielleicht liegt es an folgendem Phänomen, welches ich auch kenne, wenn mal Modifiktionen an der Anlage vorkommen (z.B. mal ne andere Röhre, etc), dann wechseln die Platten, werden kurz angespielt, dann die nächste und später ist alles Käse. Mehr vergleichende Tätigkeit und Spiel mit dem Objekt, hat mit musikhören nichts gemein.


    Kommt bei mir nicht oft vor, nur einen Plattendreher mit einem Tonarm und einem TA aktiv und nur Konzentration auf die Musik, von Nebengeräuschen, "Zerfall von Klangbildern" (was ist das denn?), usw keine Spur, die Technik langsam sukzessive über die Jahre optimiert und im Hintergrund.

  • Nadja hat eingangs gefragt,ob wir einen "Gruseldreher "haben.Nein,hab ich nicht,aber einen Zweitdreher,und den auch nur weil ich einmal 4 Monate auf die Reparatur des TSD 15 warten mußte.und unter Analog-Entzugserscheinungen litt.Nicht auszudenken,was passiert,wenn der Dreher ausfällt.Acht Monate auf der Warteliste von Herrn Landgraf!Und woanders möchte ich das Schätzchen nicht hinschicken.

    Für Gruselplatten schraube ich dann ein ATV 5 an den Arm,und siehe da:es gibt etliche Scheiben die man damit gut anhören kann.

  • Ich finde das Eingangsstatement falsch. Es gibt keine Gruselplatten, es gibt nur Gruselanlagen! Über eine richtig gute Anlage klingt auch eine nicht optimale Scheibe besser. Ansonsten ist es halt eine schreckliche Anlage, egal wie "hochwertig" oder wie teuer.

    Ich habe schon immer lachen müssen, wenn manche HiEnder auf ihrer Anlage nur "audiophile" Platten abspielen können, also besonders wohlklingende, die auch auf jeder Tuckelanlage gut klingen.

    Nein, bei den problematischen Platten zeigt sich die ganze Kunst des Equipments! Eine gute Anlage hat einen natürlichen Klang und löst fein auf, das kommt jeder Scheibe zugute.

    Joachim

    PS: Das eigentlich Problem mit guten Anlagen ist, dass sie mit der Zeit nachlassen. Röhren, Tonabnehmer, Kondensatoren lassen nach. Und das Gehör gewöhnt sich dran (Psychoakustik).

    Ich höre mit BL91 und Verstärkern, die nicht ausgehen, wenn man sie ausschaltet 8)

  • Ich finde das Eingangsstatement falsch. Es gibt keine Gruselplatten, es gibt nur Gruselanlagen! Über eine richtig gute Anlage klingt auch eine nicht optimale Scheibe besser. Ansonsten ist es halt eine schreckliche Anlage, egal wie "hochwertig" oder wie teuer.

    Ich habe schon immer lachen müssen, wenn manche HiEnder auf ihrer Anlage nur "audiophile" Platten abspielen können, also besonders wohlklingende, die auch auf jeder Tuckelanlage gut klingen.

    Nein, bei den problematischen Platten zeigt sich die ganze Kunst des Equipments! Eine gute Anlage hat einen natürlichen Klang und löst fein auf, das kommt jeder Scheibe zugute.

    Joachim

    PS: Das eigentlich Problem mit guten Anlagen ist, dass sie mit der Zeit nachlassen. Röhren, Tonabnehmer, Kondensatoren lassen nach. Und das Gehör gewöhnt sich dran (Psychoakustik).

    Da ist durchaus etwas wahres dran,allerdings übersiehst du einen wesentlichen Faktor,die menschliche Psychologie. Wenn man eine sehr gute Anlage hat gewöhnt man sich schnell an den phänomenalen Klang von guten Aufnahmen/Produktionen. Diesen Klang akzeptiert dein Gehirn dann als Referenz. Eine minderwertige Aufnahme fällt dann gegenüber dieser Referenz stark ab und dieser Unterschied ist dann schwer erträglich. Bei schlechten Anlagen ist der Unterschied zwischen einer guten und schlechten Aufnahme nicht so groß und das Gehirn schlägt deutlich weniger Alarm. Man sieht das auch daran,dass das Gehirn Fortschritte viel schneller akzeptiert als Rückschritte. Häufig merkt man beim Vergleich von Komponenten den Unterschied deutlicher wenn man von der besseren Komponente auf die schlechtere zurückgeht als umgekehrt.

    Dies ist übrigens in fast allen Lebensbereichen so.

  • Diesen Klang akzeptiert dein Gehirn dann als Referenz.

    Finde ich ne gewagte Thesis. Meine Erfahrung (bei Klassikscheiben), sogar von der gleichen Plattenfirma sind die unterschiedlichen Abmischungen hörbar und nix mit Reference, das Ohr-Hirn gewöhnt sich während einer Plattenseite daran, daß das Klavier z.B. dünner klingt, als bei jener davor. Deswegen kann auch eine günstige Anlage fürs Ohr zufriedenstellend sein.

  • Natürlich gewöhnt man sich auf Dauer auch wieder an eine schlechtere Performance,kurz- und mittelfristig protestiert das Gehör aber gewaltig.

    Falls das günstig sich auf den Kaufpreis bezieht,ich wollte keinesfalls preisgünstige Anlagen schlechtreden. Im Nachhinein bin ich mir sogar sicher mit meiner ersten und preisgünstigsten Anlage(NAD 3020/NAD 5330/Kef C20)am befriedigsten Musik genossen zu haben.

    Meiner Erfahrung nach macht Hörsituation/Psyche und Aufstellung sowieso mehr aus als die reine Wertigkeit der Komponenten.