Perpetuum Ebner schwächelt

  • Hallöchen,
    in meiner wunderschönen Musiktruhe(gerade geerbt) schwächelt leider der Plattendreher von PE, das heißt, die Drehzahl schwankt, es klingt unsauber, mal wird es lauter und leiser usw. Da ich aus nostalgischen Anwandlungen heraus das Ding gern nutzen würde, hier die Frage, ob sich jemand mit so etwas auskennt oder einen kennt, der einen kennt?
    Gruß Anna

  • hallo Anna


    es gibt auch hier ein paar PE Besitzer.
    Nenn doch einfach mal den Typ oder stell ein Bild ein.


    gruss visi

  • Hallo, danke für den Hinweis auf das Dual-Board.
    An Visi: Auf dem Dreher steht nur REX-Perpetuum Ebner ohne weitere Angabe. Leider bin ich mangels Digicam nicht in der Lage, den Dreher einzustellen.
    Gruß und Dank
    Anna

  • Hallo Anna


    Ich denke Du sollst zuerste die wichtigst Mechanische Teile Deine Plattenspieler, anschauen, prüffen auf leichtgangigkeit und sauberkeit.
    Es ist egal der Name Deine Plattenspieler nach soviel Jahre ist ein Wartung fällig.
    Dieser Arbeit kannst Du selber machen.
    Du brauchst nur abhören und füllen erstmal um verdächtig Teile zu erkennen.
    Plattenteller nachlauf prüffen, Motor nachlauf prüffen, Riemen oder Reibrad anschauen.(Länge ) oder unwücht.
    Abtastsytem sowie Tonarm funktion nachschauen und kontact reinigen , alles in Ruhe beobachten und erstmal ohne Musik anhören, so kannst Du Dich langsam einleben und auf eventuel Fehler besser erkennen..
    Gruß
    Joel

  • Hallo Anna


    gib mal in der Suchfunktion:
    PE REX Reibrad Riemen
    alle Suchbegriffe müssen enthalten sein ein


    in den zwei gefundenen Threads gibt es mehr Info
    und die Geier kreisen bereits in deiner Nähe :D


    gruss visi

  • Hallo zusammen,


    an Anna:


    Hat der Tonarm, wie auf dem Bild von Geier/Brozatus zu sehen, an der linken
    Seite vorne diese Schlagkante für die Plattengrößenabtastung ? Wenn ja, dann
    handelt es sich wohl um einen PE ReX A (i.a. mit 33 1/3, 45, 78 und eventuell
    16 2/3 UpM). Wenn nicht, dann könnte es noch der ältere ReX "Standard"
    (mit Schalter zum Einstellen der Plattengröße) sein.


    Zitat:
    "ob sich jemand mit so etwas auskennt oder (...) ?"


    Nun, dann will ich mal dreist behaupten: Ich kenne mich mit denen aus (ich
    habe momentan selber zwei ReX-A und das komplette Wechselbesteck).


    Was die schwankende Drehzahl betrifft, sind mindestens folgende Fehler
    möglich:


    1. Nur im Modus 78 UpM wird der Teller direkt von der Motorwelle über das
    Reibrad angetrieben, für die anderen Geschwindigkeiten sind mehrere
    "Capstans" über Treibriemen parallelgeschaltet. Wenn die "aus dem Leim"
    gehen, dann wird der Teller natürlich langsamer.


    2. Das Reibrad kann verschmutzt (verölt) sein und fährt auf dem Innenrand
    des Tellers "Schlittschuh"


    3. Das Schmieröl in den Motorlagern oder an der Achse des Reibrades hat
    durch Alterung die Konsistenz von Klebstoff (Effekt: Der Teller ist
    am Anfang langsam und kommt nach einigen Minuten "auf Touren").


    4. Der ReX-A wird von einem Kondensatormotor angetrieben; wenn der
    Motorkondensator (Verschleißteil) aufgibt, dann wird das Drehfeld
    schwächer.


    5. Für die Umstellung 110/220V wird unter dem Teller auf dem Chassis ein
    Drahtwiderstand mit mehreren Anzapfungen (ich erinnere mich, mindestens
    vier) verwendet. Wenn dieser seinen Widerstandswert verändert, läuft der
    Motor mit zu niedriger Spannung (bei einem meiner ReX passiert).


    Generelle Tips:


    - Wenn es sich um ein Erbstück handelt, muß vermutlich die Nadel wieder
    mal ausgewechselt werden, ich habe es oft genug erlebt, daß nach 20
    Jahren immer noch die Originalnadel auf einem 60er-Jahre Dreher "nudelt".
    Ersatznadeln gibt es nach meiner Marktkenntnis allerdings nur noch mit
    entweder(!) Mikro- oder Normalnadel (keine Wendenadel).


    - Unter der Tonarmstütze liegt parallel zum Netzschalter ein
    Funkentstörkondensator. Wenn es sich noch um das Originalteil handelt
    (eine Pappröhre, die an den Enden mit Teer versiegelt wird), dann sollte
    das ausgetauscht werden, dieser Kondensator steht unter 220V~ wenn der
    Plattenwechsler AUSgeschaltet ist. Bedingt durch Materialermüdung droht
    ein Durchschlag, was mitunter zu einem Brand führen kann (wenn Anna kein
    Lötwerkzeug greifbar hat: Einen der Anschlußdrähte abkneifen tut es auch,
    wenn nur der gefährliche Blindstrom unterbrochen wird).
    Glaubt mir, ich hab's erlebt... leider.


    - Da wir im Zuge der europäischen Einigung inzwischen 230V statt 220V an
    den Steckdosen anliegen haben, sollte der Netzspannungswähler der Truhe
    auf 230V (oder auch 240V) weitergeschaltet werden, um die Kondensatoren
    nicht zu überlasten (ich verwende einen 230V/220V-Anpaßtransformator).
    Das gilt besonders für Truhen mit röhrenbasiertem Empfangsteil.


    - Sicherungen überprüfen: Sind die in Ordnung und die richtigen ? (Oder
    wurde gar ein Metallbolzen eingesetzt, weil die Sicherung immer
    durchgebrannt ist... Alles schon erlebt).


    Mit freundlichen Grüßen


    PEfan

  • Hallo Ihr Lieben,
    ich bin von Eurer Fachkompetenz und Hilfsbereitschaft geradezu erschlagen. Hätte nicht auf eine solche Resonanz zu hoffen gewagt. Leider muß ich eingestehen, daß ich als Technikidiot mich niemals an ein solches Gerät (auch nicht an andere) herantrauen würde - daher in meinem Eingangsthread die Frage "ob jemand einen kennt, der sich mit sowas auskennt". Hätte wahrscheinlich besser gefragt, ob ein Kenner am unteren Niederrhein sitzt und mal vorbeischauen kann.....
    Zu Brozatus: Danke für das Bild, auf dem der Tellerrand außen gerundet erscheint. Bei meinem PE ist die Telleraußenkante plan. Die Nadel kann man wenden und auf den Arm steht Stereo - beides scheint bei dem abgebildeten Gerät nicht zuzutreffen.
    An PEfan: Nach Deinen Ausführungen weiß ich, warum Du so heißt (bo ey, unglaublich!!), aber das ist, wie schon oben gesagt, für mich leider eine Überforderung(Du wohnst nicht zufällig um die Ecke?).
    Die Schlagkante hat mein Arm und auch alle Geschwindigkeiten sind möglich. Wenn ich selbst auch die Tips nicht umsetzen kann, evtl. kann ein ansässiger Rundfunkhändler älteren Baujahrs ja damit etwas anfangen.
    Zunächst vielen vielen Dank
    Anna

  • Hallo Anna


    also in Frankfurt sitzt noch so ein PE REX Verseuchter ....


    aber so einen PE REX bringt auch ein TD124 oder Garrard 301 Fan wieder in Schwung


    ich bin auf jedenfall zu weit weg


    gruss visi

  • Hallo Visi,
    danke für den Hinweis auf Thorens u. Garrard. Es wird sicher leichter sein, einen 124-Kenner zu treffen als jemand, der sich mit PE beschäftigt (hat). Mal schauen, was da möglich ist.
    Herzlichen Gruß
    Anna

  • "Leider muß ich eingestehen, daß ich als Technikidiot mich niemals an ein solches Gerät (auch nicht an andere) herantrauen würde"


    Hallo Anna!


    So haben hier doch alle mal angefangen ! Das wichtigste ist: Trau Dich einfach! Wenn Du Schritt für Schritt an die Sache drangehst und Dich dabei möglichst so verhältst, dass Du den vorherigen Schritt wieder rückgängig machen kannst, wenn`s nichts gebracht hat, kannst Du eigenlich nichts falsch machen.


    Halte Dich einfach an die Tips dieses (im Gegensatz zu manch anderem) herrlich kollegialen Forums und Du kriegst das schon hin.


    Gruss
    Dietmar

  • Um die ganzen verschiedenen REX Typen mal ein wenig aufzudröseln :


    - REX Standard (ab 1951)
    - REX A (3 Geschwindigkeiten) ab 1954
    - REX A4 (4 Geschwindigkeiten) ab 1956 - ab 1957/58 gab es auch eine optisch etwas abgewandelte Variante mit dem angesprochenen anderen Teller (geht grade runter) und die Verkleidung um die Tonarmstütze wurde weggelassen
    - REX A58 - Stereovariante mit geändertem Tonarm
    - REX A59 - wie A58 jedoch fällt der Halteteller auf der Wechselachse weg, da hier eine Haltevorrichtung auf der Platine angebracht wurde (schwenkbarer Haltearm)


    (@ Anna: Die beiden zuletzt angesprochenen könnten deine Variante sein - Vom Aufbauprinzip sind alle Geräte ziemlich gleich)


    Alle Typen gab es auch in Sonderversionen ("Sonderklasse") u.a. mit Magnetsystem , Entzerrer Vorverstärker und auch Feinregulierung...


    Über den Typ REX-A hinaus gab es auch noch die REX DeLuxe Typen : andere Bauform, selbstabilisierende Wechselachse etc.


    ----------------
    Zurück zum Problem :


    Nimm mal den Plattenteller ab (Sprengring lösen z.B. mit Schraubenzieher) und entferne die Übersetzungsgummis im Getriebe . Die Wellen für die Drehzahlen sollten leichtgängig sein ggf. ölen und die Außenfläche reinigen -> Fettfrei machen! Reinige die Gummis und das Treibrad mit z.B. Waschbenzin und setze das ganze Teil wieder zusammen

  • Hallo Anna,


    nur Mut, das schaffst Du schon! Wenn es klemmt, bekommt Du hier im Forum genügend fachgerechte Unterstützung. Einfach fragen :)


    Gruß, Norbert

  • Hallo Leute,
    ich kann mich nur wiederholen: Einfach toll, Eure Beiträge zu Technik und Moral, so kann das Unternehmen ja eigentlich gar nicht schiefgehen. Trotzdem werde ich mir eine praktische Hilfe dazuholen, denn ich kenne meine Fähigkeiten (leider) auf allen handwerklichen Gebieten nur zu genau!!
    An Dennis: Danke für die sehr aufschlußreiche Übersicht der "Rex-Varianten" - jetzt bin ich mir eigentlich sicher, daß es sich bei meinem Dreher um den REX A 59 handelt.
    Gruß Anna

  • @PE-Fan:


    klasse Beitrag!!


    Möchte nur noch hinzufügen, daß auch die Pertinaxführung des Reibrades oft in der Führungsschiene hakt und am besten mit Silikonspray leichtgängig gemacht werden sollte. Desweiteren ist auch oft die Zugfeder nachzuspannen.


    Was den unsauberen Klang betrifft: Auf die Nadeleinstellung achten! Eine ist für M (Vinyl) und eine für N(Schellack) Evtl. Nadel wechseln und Auflagekraft prüfen.


    Gruß Maddi