J. S. Bach: Die Kunst der Fuge (in der Fassung von H.-E. Dentler)

  • Die Kunst der Fuge hat mich seit meinem 17. Lebensjahr beschäftigt und nicht mehr losgelassen. Leider sind meine musiktheoretischen Fähigkeiten viel zu gering, als dass ich dieses Werk jemals ganz verstehen könnte, aber die Faszination ergibt sich auch alleine beim Hören. Kennengelernt habe ich die Kunst der Fuge in der Version mit Herbert Tachezi an der Orgel, eine Einspielung auf Telefunken, die ich bis heute überaus schätze. Es folgten Lionel Rogg (EMI), der meines Erachtens daneben verblasst und Gerhard Weinberger (CPO), der auf historischen Orgeln der Bach Zeit ein wunderbares Gesamtwerk abliefert, bei dem sie aber nicht zu den Highlights gehört. Da niemand genau weiß, für welches Instrument diese Musik überhaupt geschrieben wurde (Bach notiert hier in Partiturform, d.h. jede Stimme in einem eigenen Notensystem) folgten bei mir Einspielungen für Klavier (Koroliov auf Tacet), Cembalo (Benno van Delft auf Brilliant Classics) Cembalo und Streichquartett (Musica Antiqua Köln auf Archiv) und die wunderbare Einspielung des Keller Quartetts (auf ECM).

    Nun wurde ich also auf die Neueinspielung von 2017 in der Fassung von Hans Eberhard Dentler auf OEHMS-Classics aufmerksam. Die hochwertige Box in Leinen mit 3 LPs, umfangreichem Booklet, auf 1000 Exemplare limitiert, kostete bei JPC einst €89,99. Aktuell ist sie für €29,99 zu bekommen (Link), sofern man denn noch eine bekommt. Ich habe die Nr. 945/1000 erhalten. Die Aufmachung ist superb, das umfangreiche Booklet sehr informativ und die LPs nicht nur in 3 einzelnen beschrifteten Kartonhüllen sondern innen drin auch nochmal jeweils in eine gefütterte Innenhülle verpackt. Alle LPs sind plan und weitgehend störgeräuschfrei. Die Aufnahme erfolgte in der Klosterkirche St. Walburg (Eichstätt), somit weist sie einen gewissen Hall auf, der aber Atmosphäre vermittelt und nicht stört. Keineswegs verwischt der Hall die komplexen polyphonen Strukturen. Aufgeführt wird das Werk mit Violine, Viola, Cello, Kontrabass und Fagott. Diese Besetzung mit Fagott ist ungewöhnlich, gehts sie doch über das übliche Streichquartett hinaus. Ich empfinde das Werk auf diese Weise sehr gut durchhörbar, man erkennt Strukturen, die einem bisher verschlossen blieben. Dabei werden eher gemäßigte Tempi verwendet - das Keller Quartett hat da teilweise eine ganz andere Geschwindigkeit!

    Es soll an dieser Stelle nicht unterschlagen werden, dass sich H.E.Dentler viele Jahre mit der Kunst der Fuge beschäftigt hat und das ganze Werk als pythagoreisches Rätsel interpretiert. Auch geht er davon aus, dass dieses Werk ein Beitrag zur "Correspondierenden Societät der musikalischen Wissenschaften" war, eine 1738 von Mitzler gegründete musikwissenschaftliche Gemeinschaft, deren Mitglied Bach seit 1747 war. Das Booklet führt einiges zum Thema Kunst der Fuge und Pythagoras aus, wer es genau wissen will, kann aber auch Herrn Dentlers Buch "Johann Sebastian Bachs Kunst der Fuge - Ein pythagoreisches Werk und seine Verwirklichung" lesen (Link).

    Insgesamt ist die Ausgabe mit 3 LPs für den Preis von €29,99 ein Schnäppchen und sie hat mein Verständnis der Kunst der Fuge wieder um eine Facette erweitert.


    Viele Grüße

    Sebastian


  • Hallo Sebastian,


    So, ich habe Sie mir einfach mal bestellt.

    Du hast mir die Platte einfach schmackhaft gemacht👍.

    Danke dafür.

    JPC schreibt 2-3 Wochen Lieferzeit. Hoffentlich bekomme ich noch ein Exemplar.


    Grus Michael

  • Ich drücke die Daumen! Mein Exemplar war bei JPC noch vorrätig und innerhalb von 48h da. Daher kann ich über Lagerbestände beim Großhandel nichts sagen. Bei Amazon kostet die Box über 40,- bei Ebay über 100,-

    Sebastian

  • Die hatte ich letzte Woche durch Zufall in den Angeboten bei JPC entdeckt und spontan bestellt - kann mich Sebastians positiver Beurteilung vollumfänglich anschließen. Meine kam am Freitag und ist die Nummer 57/1000.


    Gruß,

    Jörg

    ------------------------------------------------------------------
    .. höre Musik mit Wilson Benesch Turntable - Act Two Arm - Van den Hul Colibri - X-Ono Clone - JRDG Capri/102 - Wilson Benesch Act Two - und Digital mit Micromega Trio LW & Musical Fidelity M1 DAC

  • Interessante Information zu dieser Veröffentlichung, der auch ich nachgehen möchte.


    Aber, mit Respekt vor Komponist und Werk:

    Bitte verwende nicht die äußerst vorbelastete Abkürzung ... - diesen Werktitel auszuschreiben, sollte nicht zu viele Umstände machen.


    Gruß Klaus

    Linn LP 12 / Keel / Radikal / Trampolin 2 / Ekos SE/1 / Linn Krystal
    Copland Cta 305 / Uchida 2a3/300B (Western Electric) /

    Quad 33 / 303

    Celestion SL600Si / SL700SE
    Tandberg TD20 a / Naim CDX / Nakamichi CR4
    Beck RM1

    LAB12 Gordian

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  • Aber, mit Respekt vor Komponist und Werk:

    Bitte verwende nicht die äußerst vorbelastete Abkürzung ... - diesen Werktitel auszuschreiben, sollte nicht zu viele Umstände machen.

    Lieber Klaus,

    Du hast ja sowas von Recht !!!

    Ich war gestern Abend nach dem Sport ein bisschen schreibfaul und habe mir bei der Abkürzung einfach nix gedacht.

    Daher wäre es schön, wenn die Moderatoren die verwendete Abkürzung bitte in den Volltext "Kunst der Fuge" überführen könnten. Ich möchte nicht, dass irgendwelche Suchmaschinen mich oder dieses Forum mit dieser vorbelasteten Abkürzung in Verbindung bringen.

    Danke für den Hinweis!

    Sebastian

  • Die hatte ich letzte Woche durch Zufall in den Angeboten bei JPC entdeckt und spontan bestellt - kann mich Sebastians positiver Beurteilung vollumfänglich anschließen. Meine kam am Freitag und ist die Nummer 57/1000.


    Gruß,

    Jörg

    Wow, offenbar werden die nicht "der Reihe nach" verkauft.

    Sebastian

  • Hallo Sebastian,


    jetzt ist alles richtiggestellt und ich habe mir aufgrund deiner aussagekräftigen Rezension ebenfalls diese Werkveröffentlichung bestellt.


    Viele Grüße

    Klaus

    Linn LP 12 / Keel / Radikal / Trampolin 2 / Ekos SE/1 / Linn Krystal
    Copland Cta 305 / Uchida 2a3/300B (Western Electric) /

    Quad 33 / 303

    Celestion SL600Si / SL700SE
    Tandberg TD20 a / Naim CDX / Nakamichi CR4
    Beck RM1

    LAB12 Gordian

  • Wow, offenbar werden die nicht "der Reihe nach" verkauft.

    Deshalb hab ich's geschrieben - muss sich also keiner davon abschrecken lassen, dass du schon Nr 945 bekommen hast. Bin aber auch gespannt, wie viele JPC noch geliefert bekommt...


    Gruß,

    Jörg

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  • Danke für's großartige Echo.

    Ein "verkaufsfördernder Faden"? Nun, wenn Euch die Musik gefällt, bin ich gerne der, der Euch darauf hingewiesen hat. Ansonsten möchte ich der Vollständigkeit halber betonen, dass ich durch die Empfehlung dieser LPs wie auch von JPC keinerlei persönliche Vorteile welcher Art auch immer habe. (Ich weiß, das hat auch keiner behauptet - ich sag's halt nur mal vorsichtshalber :) )

    Zu der Rezension auf klassik.com: Ich gehe mit dem Rezensenten dahingehend konform, dass auch ich dogmatischen Sichtweisen, wie sie von Dentler teilweise geäußert werden, durchaus mit Skepsis begegne. Deshalb ist für mich die Sichtweise Dentlers eine von vielen möglichen und in diesem Sinne für mich eine Bereicherung.

    Der Betonung eines vermeintlich überbordenden und romatisierenden Vibrato möchte ich mich dagegen nicht anschließen. Natürlich musiziert eine Musica Antiqua Köln das Werk ganz anders, aber ein Vibrato, das auf mich störend wirkt (wie ich es z.B. bei A. S. Mutters Einspielung der Beethovenschen Sonaten für Violine und Klavier erlebe) kann ich hier nicht nachvollziehen.


    Gruss

    Sebastian

  • ...Betonung eines vermeintlich überbordenden und romatisierenden Vibrato...

    Die Beschreibung des Autors trifft es vielleicht nicht ganz, aber irgendwie doch, ich glaube jedenfalls, ich weiß, was er meint, und bin bei ihm. Ich bin ein großer Bewunderer der Kunst der Fuge und schon vor einiger Zeit habe ich mir diese Dentler-Interpretation angehört und sie hat mir nicht so sehr gefallen. Ich empfinde sie als sehr getragen, mit relativ viel Pathos vorgetragen, ein wenig als ob sie sich selbst mit ihrer vermeindlichen interpretatorischen Bedeutungsschwere im Weg steht. Die Betonung der Instrumente erscheint mir etwas überpointiert, das fließt mir zu wenig ineinander oder miteinander. Das ist jetzt laienhaft formuliert, aber besser kann ich es nicht. Am Ende hat die Musik mich nicht aufgesogen, wie sonst, es war mir zu aufgesetzt, nicht Bach steht im Vordergrund, sondern die Künstler. Fand ich auch beim zweiten Hören so. Das ist natürlich sehr sehr subjektiv.


    Natürlich musiziert eine Musica Antiqua Köln das Werk ganz anders

    Die haben eine Interpretation eingespielt, die ich persönlich ganz weit vorne sehe.


    Gruß

  • ...und das ganze Werk als pythagoreisches Rätsel interpretiert.

    Dieser Satz hat mich eigentlich am meisten dazu inspiriert, das Werk auch zu bestellen. Das erinnerte mich an das Buch von Douglas Hofstadter - "Gödel, Escher, Bach - ein endlos geflochtenes Band" und habe es gleich mal wieder aus dem Regal geholt. Nach über 30 Jahren ruft es danach, mal wieder gelesen zu werden :)

  • Ihr habt mich neugierig gemacht und habe nun auch bestellt, bin mal gespannt...


    An der strittigen Abkürzung habe ich mich nicht gestört. Ich hoffe, das nicht bald unsere Sprache als ganzes "vorbelastet" ist, sonst sollten wir die Forumssprache vielleicht auf Englisch ändern...:rolleyes:

    Gruß André


    Gewerblicher Teilnehmer