LITTLE FEAT - Time Loves A Hero & DAVID LINDLEY - El Rayo-X (Speakers Corner RI 2018/19)

  • Hallo zusammen,


    es wird mal ein Zeit ein Loblied auf das superbe deutsche Label Speakers Corner zu singen, das uns nun seit über 2 Jahrzehnten mit exzellenten Pressungen auf rein analoger Basis versorgt. Aber erstmal ein paar Worte zu den Alben:


    LITTLE FEAT - Time Loves A Hero (Warner 1977, RI 2018)


    Sicher zählt TIMES LOVES A HERO nicht zu den bedeutensten Werken der grandiosen Kokaincowboys. Paul Barreres Einfluss auf den Klang der Band wurde immer bedeutender und der Input von Lowell wurde immer geringer. Ich selbst bin da als Lowell-Liebhaber immer etwas hin- und hergerissen. Denn über Lowell geht nichts, aber Barrere ist auch ein toller Gitarrst und Songwriter und hat die Band nach Lowells Tod zusammen mit Bill Payne zu einem ehrwürdigen, späten Comeback geführt.


    Das Album bietet natürlich den unwiderstehlichen, unnachahmlichen Feat-Groove, diese Melange aus Rock, Blues und Texmex, die keine andere Band so hinbekommt und auch einige tolle Songs wie Terry Allens NEW DELHI FREIGHT TRAIN oder Barreres MISSIN YOU, den bekannten OLD FOLKS BOOGIE oder Lowells Granate ROCKET IN MY POCKET. Highlight bleibt aber dennoch dieses irrsinnige Jazzrock-Instrumental DAY AT THE DOG RACES. Lowell hat das Stück gehasst, ich liebe es dennoch. Was ein Groove, das beste Stück Fusion ever. Alles natürlich rein subjektiv.


    DAVID LINDLEY - El Rayo-X (Asylum 1981, RI 2019)


    David Lindley, den man aufgrund seiner auffälligen Kleidung auch den Prinzen des Polyesters nennt, wurde in den 70ern hauptsächlich als Gitarrist von Jackson Browne bekannt und sein Spiel in dessen LATE FOR THE SKY ist einer der Gründe, warum dies so berührt.

    Sein Soloalbum EL RAYO-X wurde dann auch von Browne produziert. Ich hab das Album mal in einem Ramschtisch meines damaligen Plattenladens gefunden und aufgrund der illustren Besetzung blind gekauft. Damals hab ich mich sofort in das Album und dessen Sound verliebt. Es hat eine eigene Eleganz und Lässigkeit und die unbeschreibliche Mischung aus Westcoast-Rock, Reggae und Texmex verleiht selbst abgenudelten Stücken wie BYE BYE LOVE oder TWIST AND SHOUT reizvolle Facetten. Trotz der vielen Stile wirkt das Album wie aus einem Guss und die Übersongs QUARTER OF A MAN und AIN´T NOW WAY (beide übrigens von Bob "Frizz" Fuller) könnte ich seit den 80ern in Dauerschleife hören.


    Über den Status eines Kultalbums ist EL RAYO-X nie hinausgekommen, was nicht wirklich überrascht: es ist eher ein Coveralbum, Interpret und Cover sind zu schratig und nur in einer besseren Welt hätte es Hitsingles abgeworfen.


    Die Pressungen


    Ich möchte jetzt nicht völlig überschwänglich klingen, aber beide Pressungen sind formidabel. Absolut plan, zentriert und völlig frei von Nebengeräuschen. Der Klang haut einen um. TIME LOVES A HERO klingt klar und differenziert, EL RAYO-X klingt so lässig und punchig wie das Album. Beide Alben hab ich in so einer Klangqualität noch nie gehört. Traumhaft. Hinzu stecken die LPs in gefütterten Innenhüllen, Textinlays liegen bei.


    Glücklicherweise sind die Speakers Corner Ausgaben hierzulande erschwinglich und kosten jeweils knapp 28 Euro. Das ist mehr als normale LPs kosten, aber im Vergleich zu anderen audiophilen Labels fast günstig. Fallen nun mal keine abenteuerlichen Sieveking-Abgaben an wie bei MFSL...;)


    LG Tobias

  • Tobias,

    du schreibst mir bei beiden Alben so was von aus dem Herzen...

    Gerade David Lindley kenne und verfolge ich seit Mitte der 80er, als ich ihn zum ersten mal bei einem Livekonzert von Jackson Browne in Mannheim sehen durfte.


    Für mich, neben Ry Cooder, einr der ganz, ganz grossen Seitenvirtuosen huetiger Tage.

    Ich habe von EL RAYO X die ursprünlgiche Deutsche Ausgabe und nun auch die Ausgabe von Speakers Corner und kann dir dabei nur voll und ganz zustimmen.


    Herzlichen Danke daher für deine interessante Zusammenfassung.


    LG Reimar

    Ich höre mit...:

    steht alles in meinem Profil

  • Hallo Tobias,


    danke für die Informationen zu den beiden LPs! Mich würden Vergleiche zu anderen Pressungen der LPs interessieren, speziell die "Little Feat". Von der habe ich die deutsche Ausgabe und die Nautilus halfspeed, die finde ich schon sehr gut.


    Viele Grüße, Klaus-Bernd

  • Hallo Bernd,


    ich kann dir nur einen Vergleich mir einer deutschen RI aus den 80ern anbieten. Prinzipiell habe ich die Erfahrung gemacht, dass deutsche Pressungen von Little Feat Alben viel besser klingen als US-Versionen, die immer etwas verhangen klingen. Im direkten Vergleich zur SC klingt nun selbst meine deutsche RI etwas verhangen, sodass die SC in allen Belangen besser ist: deutlich sauberer klarer und differenzierter mit Punch da, wo es nötig ist. Zudem mit einer wie beschrieben, extremen Laufruhe. Das gilt übrigens ebenso für die David Lindley im Vergleich zur deutschen Pressung.


    LG Tobias