Einspielzeit von Abtastnadeln?

  • Ein Retipper kauft auf Vorrat. Was soll er mit einer Nadel? Er kauft Steine(elliptisch, MR, Shibata usw. ) auf Träger aus Boron, Alu, Saphir. Die Gummis sind da aber nicht dabei. Die sind extra. Ein Nadelträger und ein Stein altert bei normaler Lagerung also schon mal nicht. Dann wird dieser Nadelträger eingesetzt in das defekte MC System. Ist das Gummi gut, wird es nicht ausgetauscht. Ist es defekt, kommt ein neues rein. Ein Retipper wird dann die Compliance messen und die Abtastfähigkeit. Ich gehe bei guten Retippern stets von sorgsamer Arbeit aus und laufe nicht rum und hege von vornherein Argwohn. Die Retipper, die ich beauftragte haben alle top gearbeitet. Die Systeme laufen einwandfrei.

    Grüße

    Knut



    "In der CD isch ka Lebe drin."

  • Ergänzend: Der Aus- und Einbau sowie die Beschaffung oder Herstellung passender Dämpfungsgummis ist eine Kunst die die meisten Retipper gar nicht beherrschen und deshalb auch Aufträge bei denen auch Arbeiten am Gummi nötig würden ablehnen. Ich kenne keinen kommerziellen deutschen Retipper der auch an die Gummis geht und weltweit kenn ich nur wenige die das können...


    Der Arbeitsaufwand ist in solchen Fällen auch ERHEBLICH höher. Bezahlbar wird das dann nur bei einigen Kollegen aus dem ehemaligen Wirkraum der Sowjetunion.


    Mike

  • Anektotisch:

    Van Den Hul hat in seiner ganzen "Produktionszeit" nur ganz am Anfang einen einzigen Gummibatch herstellen lassen der eingefroren lagert und dem bei Bedarf eine Portion entommen wird. Laut Interview wird der noch sehr lange genuzt werden...


    Ortofon sagt für seine Gummis ausdrücklich dass die Langzeitstabil sind und ist einer der wenigen Hersteller die ihre Mischung selber machen (können).


    Wäre interessant wo andere ihr Gummi herbekommen. (Benz, Lyra, AT, etc)


    Mike

  • Das sind ja interessante Einblicke die Ihr mir da geboten

    habt.

    Über den Ablauf solcher Arbeiten habe ich bisher nicht in

    der Tiefe gelesen.

    Man lernt eben immer dazu!


    Gruß,

    Fernseheumel

    Scotty beam me up, there is no more AM radio and 4/3-ratio-television in Germany! ;(

  • Hm, was da aber tatsächlich fehlt, sind einmal belastbare Aussagen, basierend auf Herstellerangaben, dass bei normaler Nutzung und Lagerung für einen Zeitraum von x Jahren eine Funktion gegeben ist und dann ein Ersatz, bzw. eine Überarbeitung empfohlen ist.


    Oder eben Messungen zur Abtastfähigkeit.


    Wir spekulieren hier und was hinter einer Aussage steckt, dass Materialien langzeitstabil sind, bringt ohne eine Angabe von dem Zeitraum auch nichts.


    Wenn man einmal annimmt, dass die Abnutzung der Nadel als der begrenzende Faktor bei der Tonabnehmerentwicklung gesetzt ist. Und ich 2 Stunden LP pro Tag annehme, dann sind das 750 Stunden Nutzung der Nadel im Jahr. 2000 Stunden sollte eine Nadel halten. Dann ist eine normale Nutzung nach drei Jahren abgeschlossen, um nicht zu schnell in Fragen der Haltbarkeit hineinzulaufen noch einmal den Faktor 2 dazu. Macht ca. 6 Jahre für die Stabilität der Dämpfungseinheit im Tonabnehmer. Dann wäre meine Aussage als Hersteller, eben genau so zu verstehen, dass mein Produkt langzeitstabil ist, im dem Sinn, dass sich in den 6 Jahren nichts, bzw. kaum etwas ändert.


    Zurück zur Ausgangsfrage, wenn dem so ist, sollte auch innerhalb dieser Zeitspanne, kein echtes Einspielen oder ein „Reaktivieren“ notwendig werden und so erlebe ich das auch.


    Darüberhinaus, ich besitze nicht viele „Opferschallplatten“, die ich für ein Einspielen oder Reaktivieren einsetzen möchte, denn ich will, wenn ich schon einmal Zeit für LPs finde diese einfach abspielen und abhören. Und da jedes Abspielen im „guten“ Parameterraum schon die Rillen beeinträchtigt, warum soll ich LPs mit einem Einspielen zusätzlich schädigen? Deshalb ist mein Weg auch dafür also zum Abhören aktuelle, sicher funktionierende Systeme zu nehmen.

  • Wir spekulieren hier

    Naja - einige von uns haben einen Erfahrungsschatz von vielen Jahrzehnten und wissen schon recht genau, wovon sie da sprechen - wir spekulieren also nicht...

    Leider tendiert aber auch dieses Thema dazu, kontrovers diskutiert zu werden, wenn man allzu eindeutige und absolutistische Aussagen trifft.


    Es gibt da auch noch unterschiedliche Auffassungen, wann ein Gummi denn nun hin ist. Einige finden ein System OK, solange da noch irgendwie anständig Musik rauskommt und kaputt isses, wenn der Systemkörper auf den Vinyl schleift...

    ...wieder andere Herrschaften haben da engere Toleranzen;)



    Darüberhinaus, ich besitze nicht viele „Opferschallplatten“

    ...die braucht es eher nicht. Solange ein System noch ohne Störgeräusche abtastet und nur "etwas matt" klingt, wird es das Vinyl nicht beschädigen.

    Wenn sich neben dem Dreher ein Häufchen Späne sammelt, wäre das natürlich ein Warnsignal:)

    Mitglied der AAA


    DON`T PANIC

  • Einige finden ein System OK, solange da noch irgendwie anständig Musik rauskommt und kaputt isses, wenn der Systemkörper auf den Vinyl schleift...

    andere wiederum finden auch ein Sonus Gold Blue als NOS gekauft noch ok, wenn es jetzt trotz Compliance von 50 auf einem Fidelity Research FR-64S Tonarm mit 2,7 Gramm VTF gefahren werden kann. Die Einspielzeit beträgt hier statt der üblichen 50 Stunden nun ca. 12 Jahre. Aber schön Musik hören kann man damit. Halbwegs.

    Grüße

    Knut



    "In der CD isch ka Lebe drin."

  • Solange ein System noch ohne Störgeräusche abtastet und nur "etwas matt" klingt, wird es das Vinyl nicht beschädigen.

    Wenn sich neben dem Dreher ein Häufchen Späne sammelt, wäre das natürlich ein Warnsignal:)

    =O||

    Also ich habe "Opferschallplatten", Sprachplatten von Otto und Jürgen von

    Manger. Es handelt sich dabei um Doubletten vom Flohmarkt.


    Da ich hier in einem anderen Themenzweig davon laß das es darum geht,

    ein System mit Dynamik einzuspielen um den Gummi auf Elastizität zu trim-

    men, sind diese Schallplatten ideal.

    Sprache hat bekanntlich die größten Dynamikspitzen. Und hinhören muß man doch nicht.

    Einfach nur die Zeiten notieren - so werde ich es demnächst machen.


    Gruß,

    Fernseheumel

    Scotty beam me up, there is no more AM radio and 4/3-ratio-television in Germany! ;(

  • Hi,


    nun natürlich führt eine mechanische Abtastung mit einer harten Nadel in einer weichen Rille auch bei idealen Bedingungen mit dem ersten Abspielen zu einem Abrieb und Verschleiß.


    Die Frage, ob das hörbar und insbesondere für menschliche Ohren hörbar ist, steht auf einem anderen Blatt.


    Das führt dazu, was jahrzehntelange Erfahrung denn wert ist, wenn dies eben nicht vergleichbar ist. Unsere Sinne sind eben keine Messinstrumente und man kann diese eben mit schon einfachen Mitteln täuschen. Also deshalb gibt es ja Messungen.


    Das sollte nicht dazu führen sich mit gefundenen Einstellungen nicht zufrieden zu geben, aber einen Absolutismus daraus abzuleiten kann schnell zu Fehlurteilen führen. Mancher Blindtest führt dann schon einmal zu offenen Ohren oder Mündern.


    Ich bin da immer sehr vorsichtig was meine eigenen Erfahrungen allgemein bedeuten - allerdings auch bei Messungen unklarer Herkunft.


    Wie schon geschrieben, Platten auflegen und der Musik lauschen und nicht den Störgeräuschen, das entspannt mich nachhaltig

  • Also, die Argumentation, weiches Vinyl könnte die harte Nadel nicht abnutzen, ist seltsam. Nichtsdestotrotz beruhen Abnutzungs- und auch eventuelle Einspieleffekte nicht alleine aus einer Veränderung des Teiles, welcher beim Abspielen in die Rille eintaucht.

    Steve Albini: "I don't use computers to make records. I use tape machines, like nature intended. I use computers for correspondence, arguments, poker and porn."

  • Hm,


    ich sehe das als Wechselwirkung und natürlich rubbelt das Vinyl auch an der Abtastnadel und verändert diese, nur eben ist die Nadel deutlich haltbarer, das war und ist ja der Grund dass dort Diamant als Material zum Einsatz kommen.

  • Die Nadeln verschleissen. Wenn man die Kräfte auf die Größenverhältnisse runterrechnet, wird einem auch klar warum. Wie ein Küchenmesser, das man ab und an schleifen muss, obwohl das Holzschneidbrett und das Gemüse viel weicher waren als der Stahl.


    Das Einspielen beim Tonabnehmer sehe ich primär als Anpassung der Lagerung an die Auflgekraft und Geometrie beim Abspielen, da sind die Abnutzung und die Alterung ein ganz anderes Thema, wobei die Alterung der Lagergummis einem schon mal einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

    Also, die Argumentation, weiches Vinyl könnte die harte Nadel nicht abnutzen, ist seltsam. Nichtsdestotrotz beruhen Abnutzungs- und auch eventuelle Einspieleffekte nicht alleine aus einer Veränderung des Teiles, welcher beim Abspielen in die Rille eintaucht.

    Und schöne Ausführung meines früheren Chefs zum Warm-/Einspielen von Transistorverstärkern:

    "Der ist dann eingespielt, wenn die Elkos geladen, der Ruhestrom stabil und die Transistoren auf Temperatur sind." (Betonung auf dem Punkt)


    Und ein trauriges Erlebnis mit gealterten Lagergummis von eben: Anruf der Werkstatt: Bei meinem "Jungstern" (BJ'96) sind die vorderen Hinterachslager (erneuert 2015) schon wieder porös. Die hinteren Lagergummis, seit '96 drin sind mehr belastet, werden regelmäßig bewegt und daher grad noch ok. Also Hinterachse runter und alle Gummis erneuern. Juhu. Diesmal kommt vorne PU statt Gummi rein. Mal sehen, ob das länger "lagerfähig" ist. Wenigstens können dabei gleich wieder alle Achsteile entrostet und Lebenszeitfüllungen im des Diff-Öls erneuert werden.

    schöne Grüße aus Wien


    Stefan