Tribute MC Übertrager 1:10 aus dem Land des Gouda- ein Hörbericht , Käse oder nicht?

  • Tribute Übertrager? Kannte ich nicht. Da ich aber auch regelmässig den holländischen Kleinanzeigenmarkt wälze, trifft man dort dann und wann auf Produkte des ehemaligen Trafowicklers. Leider hat er vor kurzem aufgehört und macht nur noch etwas für Bestandskunden. Er -Pieter- stellte Ausgangsübertrager, MC Übertrager und auch mal Röhrengeräte her. Die einfachen MC- Kapseln findet man dann und wann in Holland für kleines Geld. Seine Top MC Fertig-Übertrager liegen aber gebraucht bei rund 1000,- Euro aufwärts. Hier geht es aber um kleine 1:10 Kapseln. Normaler wäre das keine Geschreibsel wert, wenn sie mich nicht so in den Bann ziehen würden.


    Ich habe die Kapsel in ein Hammond Gehäuse gepackt, da gibt es sicher besseres zur Abschirmung, das war aber gerade im Angebot. Wie das dann aussieht, seht ihr auf den Bildern unten im Anhang.


    Zum testen dienen meine Diatone P610, ein Röhrenvollverstärker mit E130L, der Garrard 401 mit Schick 12“ und Aidas Red Heart MC und die liebenswerte Ampearl RE 1030 Phono. Dazu gesellt hat sich ganz neu ein BK electronics P12 -300DF Sub. Dazu schreibe ich mal extra etwas, da der für das Geld Aussergewöhnliches leistet.


    Der Tribute lief wahlweise mit Impedanzsteckern damit das Aidas nur 117 Ohm sieht oder normal in 1:10 ohne weitere Anpassung. Tatsächlich gefiel mir die normale Verwendung des Tribute besser. Daher beziehen sich die Ergebnisse auf diese Konfiguration.


    Hervorragend laufen an diesem Übertrager aber auch die Baikalrakete mit 60-70 Ohm Innenwiderstand und ein EMT TSD 15. Nebenan im Faden "zeigt her eure Röhrengeräte"... war gerade die Rede von Herrn Specht und grosse Fische an Land ziehen. Das soll unser Stichwort sein.


    Heute geht es testmässig mal durch die Tierwelt. Bernhard Grzimek (Ein Platz für Tiere und Krawattenmann des Jahres) würde hoffentlich begeistert sein.


    Zuerst dreht sich zum Aufwärmen Ben Websters LP „Soulmates" aus 1963 auf dem Teller. Die Aufnahme ist kristallklar und frisch. Der Titel „Frog Legs“ macht Appetit. Auf mehr Jazz Musik. Denn das Klavier linksseitig gespielt von Joe Zawinul klingt fantastisch. Hier sagte letztens ein Besucher bei mir: ich bin Musiker und ein Klavier darf nicht ping machen. Ok. Also, ich hoffe seitdem immer, daß das Klavier aus den Lautsprechern nicht ping macht und nein es macht nicht ping. In den obersten Oktaven passt jeder Ton und die Platte wird für mich langsam eher eine Zawinul LP. Das Sax klingt aber dennoch faszinierend. Das Schlagzeug ist dynamisch. Das Kornett bleibt ohrenfreundlich. Ein mitreissender Track.


    Wechsel: kommen wir nun zu einem Frosch, an dem man naturgemäß etwas länger kaut. Ausserdem dürfte er traurig sein, wenn er auf dem Tischgrill endet. Wir reden somit vom Bullfrog Blues von Rory Gallagher Live in Europe. Hier herrscht eine schöne Bühnenatmosphäre. Instrumente werden bei dieser Aufnahme nicht so gut differenziert, Speed ist gut. Die Gitarren sind mir nicht fett genug. In dem Punkt ist der Ampearl Übertrager 1:15 ein Tick besser. Dafür fetzt mit dem Tribute das Schlagzeug Solo. Die Stimme von Rory ist sehr detailliert. Ein klein wenig Gewicht könnte noch drauf. Das hat er ja später eh selbst erledigt. Die Darbietung ist weitgefächert und schön plastisch.


    Wechsel: Seasick Steve mit „You can’t teach an old dog new tricks“ . What the f… Die Bassdrum will mir den nagelneuen Sub killen. Die Platte habe ich etwas zerrig in Erinnerung. Nö, läuft erstklassig. Die Stimme hat Konturen. Die Gitarre ist hardcore gespielt aber stets erträglich und spannend. Ich bin immer wieder begeistert wie sauber auch S-Töne dargeboten werden. Der Druck ist gewaltig. Die Drum ist mit dem Ampearl Übertrager dicker und träger. Dadurch etwas weniger realistisch. Der Punch ist also mit Tribute besser.


    Wechsel: Terry Hoax mit „Fish named Napoleon“: wieder fällt die exakte Stimmwiedergabe auf, da fasert nichts aus. Terry könnte etwas mehr Rauhheit vertragen- als Hannoverer habe ich ihn natürlich oft live gesehen. Die Backround Mädels klingen abgefahren. Und die Platte ist nun wirklich keine Klangperle. Die Akustikgitarre hat Bauch. Emotionen kommen. Ganz wichtig. Insgesamt ist das gut.


    Wechsel: Accept: „Fast as a shark.“ Bei dem Hai nützt kein Seepferchenzeichen auf der Badehose. Hier fliegt einem der Milchschaum vom Cappuccino. Also wenn es um Speed und Kontrolle geht ist der Tribute Weltklasse. Kaum ist der Hai losgelassen ist es auch schon wieder vorbei, rasend schnell und druckvoll prescht der König der Meere durchs Gewässer. Das bringt Bock. Wer es fettiger und triefend mag, was die Gitarrenriffs angeht, greift eher zum Ampearl. Aber fett und triefend bei Metal macht auch Spass, sage ich euch. Reine Geschmacksache.


    Genauigkeit und Neutralität ist aber Tribute Domäne, dass eine oder andere Detail in der Stimme kitzelt der Ampearl ÜT raus.


    Wechsel in den Wald: Waidmanns Heil von Rammstein: ich dreh am Ruder, das ballert. „Die Kreatur muss sterrrrrben“, das R rollt heut wieder. Der Trrrribute Überrrtrrrrrager rrrrrockt herrrrlich. Hier ist die Bühne schön breit, alles ist super kontrolliert und differenziert. Minimal ist der Deckel auf den Höhen drauf gelegt. Da ist der Ampearl auch ein wenig besser. Aber diese Genauigkeit der Wiedergabe. So habe ich noch nicht Platte gehört, keine Klicks , kein Rauschen, S- Töne in Perfektion, rasender Speed bei Top-Kontrolle.


    Gleich hinterher kommt Rammsteins Haifisch, nur kurz die Platte gedreht, da sie das nicht von alleine tut.

    Dieser Haifisch verschlingt nun meine Lautsprecher, ein Haps, kaut sie einmal durch und spuckt sie wieder aus. Das ist ein Bass. Gut, daß der Sub die Hauptarbeit-Arbeit leistet. Sonst wäre hier Feierabend. Grottenschlecht fand ich früher dieses Lied. Aber was zum Teufel geht da von Vinyl- Daß die die Dinger alle auf Platte rausgebracht haben, ist sensationell. Das ist total spannende Musik. Im Auto nebenbei hören, da kommt nix rüber. So aber wird man reingezogen wie in einen gigantischen Musik-Strudel. Ich ordere die neue Rammstein auch. Ich bin besessen. Tribute, ich danke dir, dass ich besessen bin von diesem musikalischen Schwermetall.


    Rrrrrrrollenwechsel, das letzte Mal:


    Fee mit „ Schweine im Weltraum“: Eieieieiei...bei dem Lied hätte Bernhard Grzimeks Schimpanse Augenstillstand bekommen. Früher war die Tanzfläche bei dem Lied voll und im Fee-Konzert im Atlantis und Jolly Joker Braunschweig brannte die Luft. Heute wird man mit Gewichten an den Füssen im Maschsee versenkt, wenn man das auflegt. Na gut, der ist nur 1,60m tief, da habe ich eine Chance. Ab dafür... Das Lied lebt vom E-Bass. Der führt. Die Stimme des Fee-Sängers war einmalig rotzig. Das war eigentlich NDW, wenn man es richtig machen wollte. Das Party Gefühl dieser genialen Live-Band kommt sofort wieder auf. Man steht wieder mitten drin - damals jung und noch langhaarig. Wallendes güldenes Haar.


    Das ist alles andere als schweinelangweilig, was der Tribute da rausholt. Und das ist eine Grütz-Pressung und -Produktion von FEE.


    Ich habe einen Tribute Übertrager gefunden, und noch ein Ersatzpäärchen dazu- Schwein gehabt. Es ist ein sehr präziser, neutraler dynamischer SUT, der sich der perfekten Musikwiedergabe verschrieben hat. Schönfärberei ist nicht seins. Er ist äusserlich wie der Frosch, den man küsst. Und kawummm, ihr wisst schon wie das endet.

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    Grüße

    Knut



    "In der CD isch ka Lebe drin."

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  • Moin Knut,

    schöner Bericht


    ….Fee mit „ Schweine im Weltraum“: Eieieieiei...bei dem Lied hätte Bernhard Grzimeks Schimpanse Augenstillstand bekommen. Früher war die Tanzfläche bei dem Lied voll und im Fee-Konzert im Atlantis und Jolly Joker Braunschweig brannte die Luft....


    Ganz genauso war es...ich erinner mich nur all zugut und sehr gerne an diese Zeiten :-)


    VG

    Karsten

    habe altes Zeug am laufen...

  • Ja, sehr schöner Bericht, Knut!


    Das deckt sich mit den Aussagen eines Testers von TNT Audio, der den Tribute vor Jahren mit anderen SUTs verglichen hat. Er stellte u. a. fest, dass er sehr "durchlässig" uns neutral ist.

    So muss es sein. Der ÜT soll die Musik möglichst ohne Verluste und ohne etwas hinzu zu fügen übertragen. Und genau das macht der Tribute.

    Ich ärgere mich schon, dass ich ihn weg gegeben habe ohne ihn selbst gehört zu haben.


    Gruß Jan