Selbstbau eines Western Electric WE 15 Horns

  • Mit diesem Treat möchte ich herausfinde ob es möglich ist, mit den einfachen Mittel eines Hobby Bastlers ein solches Schneckenhorns zu bauen. Das Material soll in jedem Baumarkt erhältlich sein und der Werkzeugaufwand soll sich in Grenzen halten. Ich bin kein Schreiner oder beschäftige mich auch sonst nicht professionell mit Lautsprecherbau. Zugegebenermaßen schätze ich mich als handwerklich geschickt ein und ich betreibe seit etwa 30 Jahren DIY HIFI, je nach zeitlichem Budget mehr oder weniger intensiv. Zunächst wollte ich mich mit den Möglichkeiten des Holzbiegens beschäftigen und so langsam ist die Idee zu diesem Vorhaben herangewachsen.


    In diesem Forum gibt es einige sehr schöne Beiträge zu WE15 Hörnern und im Internet finden sich auch Hersteller von Replikaten wie beispielsweise Lama Audio, Hornsolutions, 13audio, audioanthology und einige andere. Mir geht es hier als darum, etwas eigenes zu bauen, meine Erfahrung zu teilen, nicht das fertig werden steht im Vordergrund sondern der Weg dorthin. Zugegebenermaßen werden ich aufgrund meiner Platzverhältnisse diese Hörner nicht stellen können dennoch erscheint mir der Bau hoch interessant und spannend.


    Fangen wir also mit den Plan an , hier kursiert im Web ein handgezeichneter Plan eines angeblich originalen WE 15 Horns, http://4.bp.blogspot.com/-7FUH…MsBKQdA/s1600/15study.jpg oder einfach mal Googeln. Einige Maßangaben sind sehr schlecht lesbar, und müssen zudem in cm umgerechnet werden. Den Plan habe ich auf einem Kopierer vergrößert und danach ausgeschnitten.Plan01.JPG


    Diese Schablonen benutze ich als ersten Ansatz.Plan02.JPG

    Bei dem Material habe ich mich für 10 mm Pappelsperrholz entschieden, weil es das bei mir in Baumarkt gab. Ich werden mit der Baggerschaufel angefangen und mich von großen zum kleinen vorarbeiten. Zunächst habe ich die Seitenteile mit einer Stichsäge ausgesägt. Ich fand es praktikabel die Stichsäge von unten her in eine Platte einzusetzen und wie einen Tisch zu nutzen.Stichsäge02.JPG

    Stichsäge.JPGHier die fertig ausgesägten Seitenteile

    Seitenteil Baggerschaufel.JPG

    In einem weiteren Schritt habe ich die seitlichen Holzteile gewässert, das geht leider aufgrund der Größe nicht in der Badewanne! Ich habe auf Malerfolie und Dachlatten eine Lösung dafür gebastelt.

  • sehr coole Idee, ich werde es mit Spannung mal weiter verfolgen . Sagte der mit den zwei linken Händen bei so etwas ;-)


    Gruß und gutes gelingen , auch hoffentlich später musikalisch

  • wässern.jpg

    Die Holzteile werden mit Gegenständen gegen Aufschwimmen gesichert.

    Die Holzplatten habe ich nach einer Stunde herausgenommen und auf eine "Biegevorrichtung" für zwei Tage aufgespannt.

    IMG_0007.JPG


    In den nächsten Tagen konnte ich dann die Aufleimer zurechtsägen und auf die Seitenteile aufkleben. Da diese gebogen sind musste auch wieder eine Spannvorrichtung her.LeisteAuffüttern.JPG

    Die Biegeteile sind Trocken und federn beim Ausspannen zurück, ich musste insgesamt drei mal nacharbeiten bis es mit dem Biegeradius einigermaßen geklappt hat.

    IMG_0011.JPG

    Jetzt habe ich die Teile angepasst, Holzleim aufgetragen und zusätzlich verschraubt.

    Schaufel_Anpassen.jpg

    Nächstes Wochenende geht es weiter....

  • Mir geht es hier als darum, etwas eigenes zu bauen, meine Erfahrung zuteilen, nicht das fertig werden steht im Vordergrund sondern der Weg dorthin.

    Hallo Gerhard

    ..... kann dich zu deinem mutigen Vorhaben nur beglückwünschen.

    Betreibe seit Jahren die Erstversion des WE15 von LAMAR-Audio, und möchte so ein Breitband-Mitteltonhorn nicht mehr missen.

    Wenn es letztendlich um die WE15-Peripherie geht ( Bedämpfung ,Treiberanschluss, Kompressionstreiber, Aufstellung, nutzbarer Frequenzbereich, Messungen ), kann ich gerne meine gemachten Erfahrungen zur Diskussion stellen.

    Bis dahin viel Erfolg beim Bauen.

    LG Dietmar

  • Besten Dank für die motivierenden Worte, ich bin selber gespannt ob des Vorhaben funktioniert oder scheitern wird. Reisender ist da sehr zuversichtlich und will auch welche haben. Dietmar über deine Antwort freue ich mich sehr und ich werde sicherlich auf dich zurückkommen. Ich habe deine Beiträge zum Satohorn sehr genossen und auch viel gelernt, so stelle ich mir eine zielführende Kommunikation hier im Forum vor.

    LG Gerhard

  • Hallo Gerhard,


    auch wenn ich Interesse an einem solch schönen Stück hätte würde ich von Dir selbstverständlich nicht erwarten den zusätzlichen Aufwand für ein zweites Paar auf Dich zu nehmen.

    Sie meinen Kommentar bitte als Zeichen der Bewunderung, dass Du ein solches Projekt in Angriff nimmst.:)

  • Ein Trog ist fast fertig.....TrogErstellen.JPG

    Trog.JPG

    .. nächstes Wochenende werde ich den Anschluss sauber verputzen und plan schleifen. Die wichtigste Erfahrung bis jetzt, die Holzteile müssen gut zueinander passen. 1 cm Abweichung in der Biegung ist durch Schraubzwingen und anschließendes Verschrauben ok, mehr wird schon recht problematisch, weil zu viel Spannung auf den Holz ist. Das Sägen der Leisten ist nicht einfach, ich habe das mit einer Kreissäge und Führungslineal mittels Hilfskonstruktion für die Winkel (Leisten unterlegt) gemacht. Ich musste allerdings einige Versuche machen, um den korrekten Winkel mit der Hilfskonstruktion zu finden. Mit einer Tischsäge wäre es sicherlich leichter gewesen, habe ich aber leider nicht!


    Liebe Grüße

    Gerhard

  • Für deinen "eingeschränkten" Werkzeugpark ist das eine beachtliche Arbeit!!


    Ein dickes Lob vom Holzmenschen!!!


    Ahoi


    Jürgen

    Alles was Spaß macht ist entweder "unmoralisch","macht dick" oder ist "zu teuer!!!"

    (War da etwa Haschisch in dem Schokoladenei)

  • Hallo Gerhard,


    ich zolle dir größte Anerkennung: Zum einen für deinen Mut, so ein Horn mal "eben" anzugehen und zum anderen für das Veröffentlichen deines Vorhabens, so dass andere deinem Weg folgen können (wobei du ihnen dann schon viel Arbeit abgenommen hast!). Herzlichen Dank und weiterhin gutes Gelingen wünscht dir


    Holger

  • Danke an alle die mir Mut zusprechen und Respekt zollen, das ist schon toll hier in Forum! So nachdem ich den Trog noch etwas verputzt hatte, habe ich mich am verlängertem Wochenende mit Segment 2 (siehe Umrechnungstabelle) beschäftigt. Aus meiner Sicht, ist es wesentlich aufwändiger zu bauen als der Trog, zum einen verjüngt es sich nach hinten und zum anderen verdrehen sich die Seitenteile. Hier jetzt der erste Ansatz, gebaut nach ausgeschnittenem Plan, zugegeben ohne intensiv darüber nachzudenken….Segment 2 Seitenansicht_1.jpg

    Schön zu erkennen wie es sich „verdreht“ auch hier habe ich das Holz ca. 1 Stunde in Wasser eingeweicht und dann auf einer Vorrichtung über Nacht getrocknet.

  • Die seitlichen Aufleimer sind über eine Biegevorrichtung in Form gebracht und diesmal alle 3 cm eingesägt so dass die Torsion und Biegung ermöglicht wird.

    Aufleimer.JPG

    Die Torsion von gesamten Seitenteil ist noch nicht stark genug, ich muss die Vorrichtung überarbeiten.

    Biegevorrichtung Seitenteil Segment2.JPG

    Irgendwie erscheint aber das Seitenteil zu kurz geraten zu sein, ich vermute mal, dass der Plan die mittlere Schallführung zeigt.

    Seitenansicht Segment 2.JPG

    Unter diesem Aspekt ist die Länge von Segment 2 im Schneckenhorn gemäß der Zeichnung 61cm . Jetzt ist es aber so, dass sich die Kontur des Horn zunehmend nach hinten verjüngt, je weiter sich dem Hals nähert. Die Mantelfläche unseres Segmentstückes wird also länger sein. Berechnung Seitenteil Segment 2.JPG

    Nicht 61 cm wie im Plan sondern 65,7 cm, also auf ein neues…


    Torsion Seitenteil Segment 2.JPG

  • Die Abdeckplatte wollte ich nach dem gleichen Verfahren aufbauen wie die gebogenen Platten von Trog, doch hier ist der Biegeradius wesentlich kleiner und somit die Biegung stärker. Hier zunächst mal die Biegevorrichtung.

    Vorrichtung Unterteil Segment 2.JPG

    Der Biegeradius ist für diese Methode zu klein..

    Aufwerfungen unten.JPG

    Risse Oben.JPG

    Risse und Aufwerfungen im Holz!

    So geht es also nicht! Hier muss eine alternative Methode her. Ich habe als nächster mit 3 mm dünnem Pappelsperrholz gearbeitet.

    Holzkauf1.JPG


    Dabei werden drei lagen übereinander verklebt, und noch feucht auf die Biegevorrichtung gezogen, nach etwas 3 Stunden Trockenzeit habe ich das Teil abgenommen. Das ist der Stand von Sonntagabend, nächste Woche geht es an die Montage, bin schon gespannt, was da noch auf mich zu kommt und wie gut alles zueinander passt.


    Liebe Grüße von einem recht geschafften

    Gerhard