Lindemann Limetree Phono MM/MC

  • Hallo,


    hat schon jemand den neuen Phonopre-Amp von Lindemann hören können?


    Gruß & Dank, Roland

    "...nur eigenes Unrecht, eigene Schuld können mich so grämen, daß es für ein graues Haar reicht."
    Reinhard Mey

  • Anscheinend ist sie hier nicht verbreitet und im Internet findet man auch wenig....

    Ich habe es gewagt und mir das Teil bestellt.


    Erste Eindrücke: Nach 23 Jahren könnte es der Zwerg schaffen seinen "Opa", meine Lindemann Phonostage, in Rente zu schicken.


    In der Zeit seit 1996 waren einige PhonoPres hier, aber keine blieb.

    Am 31. Januar 2011 schrieb ich hier im Forum auf eine Anfrage zur Phonostage:

    Feines Teil, bin sehr zufrieden!
    Sym. Ausgänge, Adapterkabel XLR > Cinch ist/war dabei. Bei unsym. Betrieb sollte die Brücke (Pin 1 auf Pin 3) auf der Platine gelötet werden,

    meine Brücke im Kabel-Stecker führte zu Schwierigkeiten.
    Recht hohe Verstärkung, leiseste Phonovor (Rauschen, Brummen) die ich bisher gehört habe.
    Klangcharakter: Präzise, neutral, musikalisch.
    Mehr Klangfarben und "wärmer" als Linn Linto, schlanker und nüchterner als Heed Quasar, "räumlicher" als beide.
    Gruß, Roland


    Ergänzen kann ich, aus der Erinnerung, noch sagen:

    Mehr Auflösung als die REGA Aria, oder albs RAM4 mit Übertrager Lundahl 1681 oder 1933.

    Nicht ganz so geschmeidig wie die Lehmann Silvercube, aber mehr Pep.
    Ist natürlich alles auch Geschmacksache!


    Die Lindemann Limetree klingt der Phonostage sehr ähnlich, mit einem Tick mehr Auflösung.

    Sie kann MM und MC (die Phonostage kann nur MC) und lässt

    eine Widerstandsanpassung am MC-Eingang zu (100 - 800 Ohm).


    Versorgt wird sie extern mit einem MedicalGrade-Steckernetzteil, 5V/3A.

    Das lässt auch Experimente mit Analognetzteilen, Powerbanks und Akkus zu.

    Bei der Phonostage hat ein "großzügiges Netzteil" klanglich schon nochmal "eine Schippe draufgelegt".

    Wir werden sehen....


    Jetzt wird sie erstmal eingespielt.


    Gruß, Roland

    "...nur eigenes Unrecht, eigene Schuld können mich so grämen, daß es für ein graues Haar reicht."
    Reinhard Mey

  • Jetzt wird sie erstmal eingespielt.

    Moin,

    und – wie spielt die Eingespielte nun?


    Ich frage, weil mich die kleine Lindemännin ebenfalls interessiert und gut in mein Technikschema passt (einfach, wenig zum Einstellen, außen bescheiden, innen bislang große Unbekannte).


    Der einzige HiFi-Fachhändler, der Lindemann hier verkauft, hat das Gerät nicht lagernd, muss es bestellen – das macht er erst, wenn ich es als Kunde beauftrage. Ich fühle mich wie mit einer Zeitmaschine in die Vor-Internet-Ära versetzt. Kein Vergleich vor Ort möglich etc., einfach nur bestellen, Katz im Sack kaufen, und wenn es nicht passt, immerhin gegen ein anderes Gerät tauschen dürfen. Willkommen in der Hauptstadt der Hanse im 21. JH. :-0


    Viele Grüße

  • Hallo,

    sorry für die späte Antwort, aber ich bin heute erst aus dem Urlaub zurück.


    Ich habe die Limetree Phono mittlerweile mit div. Netzteilen ausprobiert (Original Med.Grade 2A, gleiche Med.Grade nur 6 A, geregeltes Analognetzteil und bin bei letzterem geblieben.
    Die Welt tut sich nicht, aber ich habe den Eindruck es spielt gelassener, souveräner.

    Große Effekte/Unterschiede nach dem Einspielen und/oder nach dem Warmlaufen lassen kann ich nicht feststellen, sie spielt sofort selbstverständlich, akkurat und korrekt.

    Sie klingt nicht. Sie spielt nicht warm, nicht schön, nicht steril, nicht technisch, nicht kalt, sie klingt nicht (im positiven Sinn).

    Um das geschriebene etwas greifbarer dazustellen:
    Meine Linn Linto klang korrekt, aber technisch, kühl und farblos. Räumlich begrenzt mit "anspringender" Bühne.

    Meine Thel Phono klang ähnlich, war aber exakter mit besserer räumlicher Darstellung.
    Meine Heed Quasar klang erdig, warm und musikalisch, aber nicht besonders detailreich und räumlich nicht besonders exakt, ein "Schönklinger".
    Meine Lindemann Phonostage war bisher mein Favorit. Die Klangqualität der Phonostage mit einem "besseren" Netzteil ließ sich nochmal deutlich steigern.

    Ich habe sie, vor Jahren, einer Lehmann Silvercube vorgezogen. Nicht wirklich besser, eher auf ähnlichem Niveau, aber mit Vorzügen in den mir wichtigen Punkten.


    Die Limetree spielt exakter als meine Phonostage*. Vor allem Sibilanten kommen klarer, die Sprachverständlichkeit, räumliche Darstellung und Detailwiedergabe ist korrekter. Ansonsten siehe oben.


    *(Dies kann auch daran liegen, dass meine Phonostage über 25 Jahre auf dem Buckel hat und evtl. Arbeitspunkte nicht mehr korrekt laufen und/oder Elkos verschlissen sind. Bei Lindemann wollte man aus Kostengründen keine Überholung durchführen, nun ja, so ist es der Nachfolger geworden.)


    Gruß, Roland

    "...nur eigenes Unrecht, eigene Schuld können mich so grämen, daß es für ein graues Haar reicht."
    Reinhard Mey

  • Moin, danke für die ausführliche und detailreiche Beschreibung!


    Nicht zuletzt: Was ich als Einsteiger über die ganzen Netzteile lese, ist immer wieder spannend. Ich habe es nur einmal mit alternativem Netzteil versucht – und zwar weil das Original nicht mehr vorhanden war. Das Ergebnis war nicht so interessant, weil ich offensichtlich die +/- - Polung falsch erraten habe. Zum Glück war es ein Billigst-phono-Pre, so dass sich der materielle Verlust in Grenzen hielt.


    Dass Lindemann ein eigenes Gerät nach nur 25 Jahren nicht überholen mag, ist natürlich nicht so fein. Andererseits sind bei mir 25 Jahre aus biologischen Gründen eher ein Zeitabschnitt, an dessen Ende ich mir vermutlich weniger technische, um so mehr ultimative Fragen stellen werde. ;) Qui vivra, vera…


    viele Grüße

  • P.S.:


    Kann mir bitte jemand sagen, wo es dieses Limetree Phono überhaupt zu kaufen gibt?


    Der Händler hier vor Ort, der ja als Vertragshändler von Lindemann auf der Hersteller-Website steht, ist wohl keine Bezugsquelle. Er hat das Gerät vor mehr als drei Wochen für mich bestellt. Dazwischen liegt kein Weihnachten, ein Erdbeben im süddeutschen Firmensitz von Lindemann ereignete sich in den letzten Wochen auch nicht.


    Es ist zwar im 21. JH fast schon putzig, wöchentlich auf Anfrage am Telefon mit netten Floskeln vertröstet zu werden, doch langsam kommt es mir merkwürdig vor. Zwei Wochen Lieferzeit sind sonst normal, bei drei+ bekomme ich den Eindruck, jemand (etablierter Händler? Hersteller? Beide?) will das „kleine“ Geld nicht verdienen, und will die Bestellung nun stornieren. Welcher Händler verkauft Lindemann-Geräte z.B. in Hamburg?


    viele Grüße

  • Ich hatte meine Limetree Phono bei Kolumbus24 bestellt, war lagernd vorhanden.
    Nach 2 Tagen war das Gerät da.
    Das Netzteil war nach wenigen Stunden Betrieb defekt (war der eigentliche Auslöser für Tests mit alternativen Netzteilen), es wurde sofort Ersatz von einem Lagergerät geliefert, war am nächsten Tag da; Prima Service!

    Gruß, Roland

    "...nur eigenes Unrecht, eigene Schuld können mich so grämen, daß es für ein graues Haar reicht."
    Reinhard Mey

  • Moin,


    nun ist mein Exemplar auch angekommen. Ein für den Verkauf bei Lindemann verantwortlicher Mensch soll gerade abwesend gewesen sein, was der möglichen Grund für die Verzögerung darstelle. Nun denn. Hauptsache, das Gerät erfüllt die Erwartungen und wird den Ansprüchen gerecht.

    Nach dem Feierabend habe ich das Kästchen beim Händler abgeholt, daheim installiert. Wobei „installiert“ nach Aufwand, einstellen, viel Techno klingt. Nichts dergleichen war bei dem zu verstärkenden/entzerrenden Adikt-MM nötig. Einfach Plug + Play. Gut! Genau mein Fall.


    Nach dem Motto „Lieber Vorspiel als ‚Einspielen‘“ habe ich dem Lindenblatt gleich ein paar gute Aufgaben gegeben und höre nun rein.


    Derzeit, nicht mal eine Stunde und erst zweites Album nach Inbetriebnahme, habe ich folgende spontane Anmerkungen, vielleicht:


    • statt wie bisher through the grimy window I can’t keep clean schaue ich jetzt durch ein ordentlich geputztes Fenster auf die Musiklamdschaft;


    • das Glas ist einen kleinen Hauch zu kristallklar – legt sich wohl noch – doch tatsächlich „klingt“ der Pre gar nicht, sondern erfüllt entspannt und doch exakt seine Aufgabe;


    • die sprichwörtlichen „Töne, die ich sonst noch nie gehört habe“ sind auf vertrauten Alben in ausreichender Quantität und Qualität anwesend;


    • der Kleine verstärkt den MM (Linn Adikt) nicht mehr, eher knapp weniger als der LP90, s.u.;


    • mein bisheriger Pre, Musical Fidelity LP90, ist für seine Preisklasse schon mal verdammt gut;


    • der V90 ist jedoch in diesem Zusammenhang eher wie Marmite. Er verdickt, überdeckt, verdichteten erzählt eine schöne Legende. Immer sehr dezent und äußerst in Grenzen, aber er tut es. Zur Klarstellung: ich mag Marmite beizeiten absolut gern, aber alles mit Marmite zu würzen können nur die Briten vertragen;


    • der Lindemann kann in der Tat ohne Wow-Effekte klar überzeugen. Er klingt, wie er aussieht. Unprätentiös bzw. „gar nicht“ im dem Sinne. Es steht alles im Raum, hat Tiefe, Kontur, die ganze Tech-Magie. Das Bild klar wie die Herbstluft an „noch ein paar südlicheren Tagen“. Die Musik ertönt einfach eine guten Schritt näher dem „so stellte ich mir eigentlich schon immer guten HiFi-klang vor“.


    Mehr Bericht kommt wohl, irgendwann – so denn Interesse besteht. Im Moment bin ich am Genießen – keine Euphorie, sondern eben ein Genuss. Schön.

  • P.S.: Kreuzweise…™


    Bin gerade bei „Songs from the Road“ von Leonard Cohen gelandet – hier kann ich tatsächlich nur noch sagen: So habe ich es noch nie gesehen – pardon: gehört. Die Aufnahme ist musikalisch und elektroakustisch ohnehin ein Zimmes, aber nun breitet sich ein zu dieser Aufnahme passendes Bühnenbild aus. Die damals absolut altersreife grandios schwermütige Stimme des alten Haudegens lüpft zu meiner Überraschung ihren doppelten Boden und zeigt deutlich das längst vergessen geglaubte, leicht trotzige Jugendhafte, als Zweitstimme sozusagen. Unglaublich. Homöopathie oder Wahrheit?