Vertikaler Spurwinkel - Platte mit 15 Grad oder 23 Grad geschnitten ?

  • Man muß unterscheiden, zwischen Nadelstellung und Geometrie des Generators.


    Die Nadelstellung (SRA) muß immer stimmen, sonst kann es zu Abtastverzerrungen kommen. Die Stellung des Generators wird vom VTA beeinflußt und macht sich weniger in Verzerrungen als in räumlicher Abbildung und Phasenlage bemerkbar. Das wiegt aber weniger schwer als Abtastverzerrungen, die man wesentlich unangenehmer empfindet und im schlimmsten Fall sogar die Rillenflanken beschädigen könnten.

    Gruß André


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  • Tach Udo,


    mich hat meine Sammlung an EMT TAs viel Zeit und Geld gekostet, um genau diese Problematik abzudecken.

    Wie die Instandsetzung bei EMT funktioniert, ist ja beschrieben und kann nur vom Besitzer entschieden werden.

    Zur Verifizierung des Schneidwinkels ist entweder Recherche notwendig oder man bekommt die Informationen mitgeliefert.


    Beste Grüße

    Wolfgang

  • Generell kann man sagen, alte Platten bis in die späten 60er mit 15°, neuere Platten mit 23°. Jeweils dafür eine passend hergerichtete Tondose und gut. Die müssen in der Regel nur am Tonarm getauscht werden ohne neu einstellen zu müssen. So war das EMT-Tondosensystem auch konzipiert.

    Gruß André


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  • Aber dann habe ich folgendes gefunden.

    https://www.shure.com/en-US/su…rtridge-technical-seminar

    Runterscrollen bis zum letzten Bild.

    Danke für den Link. Das Papier von Shure sagt alles. Vor allem dies hier: "Listening Tests: With today’s pickups, no consistent correlation has been found between the sound quality and the measured geometrical vertical tracking angles up to 25°."

    Auf Deutsch: Dieser Thread ist viel Lärm um nichts.

    Viele Grüße, Christian.


    Das Leben kann so schön sein, nur nüchtern darfst Du nicht werden. (Melanie Müller)

  • Dan_Seweri

    Musst ja nicht mitlesen.


    @Alle


    Klangliche Unterschiede festzustellen ist sehr schwer.

    Denn man bräuchte 2 ansonsten gleiche Tonabnehmer mit gleichem SRA, damit man nichts verstellen muss.


    Spannend wäre es, mit einem der Tonabnehmer die Tonarmhöhe nach David Shrieve (s. TNT Hartmut Quaschik) einzustellen und dann den anderen Tonabnehmer zu montieren.

    Bei eventuell auftretenden Klangunterschieden wäre dann - wenn man den SRA nicht ausreichend genau messen kann - unklar, ob der SRA gleich ist oder ob es der Einfluss des VTA ist.


    Tja,

    Frank

    ] Vorhandensein von Musik - Zuhandensein von Klang [

  • Dan_Seweri

    Musst ja nicht mitlesen.

    Doch, das Mitlesen lohnt sich. Allein schon Dein exzellenter Link zur Shure-Seite war das Mitlesen wert.

    @Alle


    Klangliche Unterschiede festzustellen ist sehr schwer.

    Denn man bräuchte 2 ansonsten gleiche Tonabnehmer mit gleichem SRA, damit man nichts verstellen muss.

    Wie stichhaltig wäre ein solcher Test, wenn schon heute zwei absolut baugleiche Tonabnehmer nur allzu oft nicht völlig gleich klingen? Von solchen Fällen wurde in diesem Forum schon öfter berichtet. Welcher Teil einer mögliche Klangänderung geht auf den geänderten VTA-Winkel und welche auf allgemeine Serienstreuung zurück?

    Viele Grüße, Christian.


    Das Leben kann so schön sein, nur nüchtern darfst Du nicht werden. (Melanie Müller)

  • Solange wir keine Ahnung haben, ob die Serienstreuung größer ist als die Effekte durch "falschen" VTA, bleiben Fragezeichen. Da sind wir einer Meinung Christian.

    ] Vorhandensein von Musik - Zuhandensein von Klang [

  • Für die Stereo-Pressungen der englischen Decca gibt es Informationen über die Schneidemaschinen und -köpfe (über die anderen Plattenfirmen habe ich fast keine Informationen, obwohl Neumann Schneideköpfe vermutlich weit verbreitet waren):


    1957 -- 1967: Teldec 45/45 Schneideköpfe in Verbindung mit Half-Speed Mastering


    1968 -- 1973: Neumann SX-68 Schneideköpfe (15 Grad nach DIN)


    1974 -- ??: Neumann SX-74 (18 Grad als Kompromiss zwischen DIN und IEC Empfehlung).


    Es ist sogar wahrscheinlich, dass Decca bis Ende der 1970er den SX-74 Kopf verwendet hat (danach hat Philips für Decca gepresst, aber Decca hat Anfang der 1980er noch selbst gemastered und auch die Folien geschnitten, ab 1981 mit einer Neumann VMS-80 Schneidemaschine, die ebenfalls die 18 Grad SX-74 Köpfe verwendet).


    Viele Grüße,


    Joachim


    PS: Literaturtipp über Mikrophone, Band- und Schneidemaschinen von Decca: z.B. Michael Gray, "The golden age: the birth of Decca / London stereo"