Plattenteller aus POM - Drehen oder fräsen? GF-verstärkt?

  • Tach zusammen,


    möchte gerne einen Plattenteller aus POM herstellen. Habe das Zeug aber bisher nicht verarbeitet, jedoch schon einiges darüber gehört/ gelesen. Aus diesem Grund ein paar Fragen an die Praktiker, die das Zeug schon verarbeitet haben.


    Mir wurde gesagt, dass das Zeug aufgrund der Extrusion eine recht hohe Oberflächenspannung und Temperaturabhängigkeit hat. Dadurch soll es sich schnell werfen, auch wenn es beim Drehen oder Fräsen zu heiß wird. Ein welliger Plattenteller wäre jetzt blöd, dafür sorgen schon die Platten selbst.


    Viele Hersteller habe Plattenteller aus POM im Programm von 20 mm bis 50 mm. Scheinbar scheint es eine Verarbeitungsweise zu geben, ohne dass die Teile krumm werden.


    Ich habe gesehen, dass es POM auch GF verstärkt gibt. Welches Material sollte man daher verwenden? Eine POM-C Platte in 30 oder 40mm ist jetzt nicht gerade ein Schnapp.


    Ist Drehen oder Fräsen die bessere Variante?


    Würde mich über eure Erfahrungsberichte freuen.

  • Eigentlich ist POM sehr gut für präzise Kunststoffteile geeignet, verwerfen tut sich da nix.. In der Firma wird das bei uns für Vorrichtungen z.B. im Laborbereich benutzt. Bei uns werden die Teile gefräst, aber das sind natürlich keine Plattenteller.

    Die Parameter für den Fräser bzw. die Drehbank müssen halt auf das Material abgestimmt sein. Ist halt anders als z. B. Metall. Ich mache sowas aber nicht selber, sondern gebe einen Auftrag an die Werkstatt.


    Gruß,

    Uli

    “I respectfully decline the invitation to join your hallucination.”

    ― Scott Adams

  • Hallo Matej,


    danke für den Link. Hatte mir deren Seite auch schon mal angesehen.


    Der Dreher meines Vertrauens sagte mir das von oben mit dem Verziehen und riet mir daher davon ab. Daher auch die Frage, ob es mit zusätzlichen Glasfasern stabiler ist. Oder weiß jemand, ob die Teller von Transrotor, Clearaudio etc. evtl. im Spritzguss hergestellt werden?

  • Drehen, der Rundlauf und die Formtoleranz ist für diesen Zweck dadurch besser erreichbar. Die Kompetenz des Mechanikers ist aber sehr wichtig, vor allem wen er dann auf die 2. Seite umspannt!

    POM-C ist sehr gut geeignet, Verzug ist kein Thema. ich nehme an dass du in der Mitte das Lager als Einsatz konstruierst?

    Grüsse, Markus

  • Der Teller soll ein 7,2 mm Loch in der Mitte bekommen und liegt dann auf einem Subteller auf. So kann ich unterschiedliche Tellermaterialien testen. Habe noch einen 30mm Plexiglasquader auf dem Tisch liegen, der darauf wartet gedreht zu werden.


    Warum ist das Umspannen auf die 2. Seite so heikel?

  • Wie groß/dick soll denn der Teller werden? Drehen ist das einzig richtige, denn sonst wirst Du den Rundlauf nie vollständig hinbekommen. Unter 3cm würde ich bei POM nicht gehen. Temperatur ist kein Problem, solange man nicht zuviel am Stück abnimmt. Die Bohrung daher auch schön gefühlvoll und langsam machen, ggf. immer ein paar kleine Abkühlpausen zwischendurch. Die Oberfläche vielleicht max. 2mm mit mäßigen Vorschub und dann fein schlichten, dabei auch keine zu hohen Drehzahlen (Schnittgeschwindigkeiten).

    Gruß André


    Gewerblicher Teilnehmer
    (Reparaturen, Service, Modifikationen)
    Keine Emails mehr, nur PN. Emailfunktion ist deaktiviert.


  • Hallo zusammen,

    hallo Thomas,

    Spritzguss ist viel zu teuer (Werkzeugkosten!), außerdem auch zu massiv. Dafür ist aber schon allein die Stückzahl zu gering.


    Gruß


    Matej

    Gewerblicher Teilnehmer

  • Hallo Thomas,


    Glasfasergefülltes POM sollte man nicht nehmen.

    POM oder POM-C ( Graphit gefüllt) geht sehr gut.

    Das Rohmaterial sollte min. einmal getempert sein um innere Spannungen zu minimieren. Beim Drehen ist auf Kühlung durch Emulsion zu achten.

    Das umspannen zur Bearbeitung der zweiten Seite sollte nur in weichen, auf Maß ausgedrehte Backen erfolgen. Die Spannkraft darf nur vergleichsweise niedrig sein.

    Wenn Dir der Aufwand zu groß ist kann ich Dir einen Teller mit 70mm Höhe anbieten inkl. schraubbarem Plattendorn. Er ist für Subteller gemacht und hat dafür an der Unterseite eine großflächige Ausdrehung von 20mm Tiefe. Der Durchmesser ist ausreichend um einen innenliegenden Antrieb auf den Subteller zu ermöglichen. Die Plattenauflagefläche hat 300mm- und der Teller selbst 304mm Durchmesser um einen Outer-Ring zentrieren zu können.

    Vom Preis her wirst Du für eine Einzelanfertigung bei 350-600€ liegen, abhängig von der Höhe.


    VG

    Dieter

    LW mit luftgelagerter Tellerachse sowie Teller mit Outer Ring und VTA- Lifter, diy

    Dr. Fuss Steuerung

    Kabelkonfektion diy

  • Dieter !

    Ich möchte hier mal eine Lanze für das Handwerk brechen!

    2018 im Januar habe ich bei einer mechanischen Werkstatt in der Nachbargemeinde einen 50mm dicken POM-C Teller ausdrehen lassen mit Außendurchmesser 310 mm und 30mm Lagerbohrung mit Aussparung für Lagerteller (Clearaudio-Lager)


    Ich habe dafür 99,50€ Material bezahlt, und der Dreher bekam einen Hunderter für die Arbeit!

    POM wird in der Mechanik aufgrund seiner thermischen Wiederstandseigenschaften und

    Festigkeiten eingesetzt.

    Ferner rate ich von Glasfaserverstärkung ab, weil dieses ja auf der Oberfläche des Tellers

    durchsticht.

    Wie dann die Platten nach geraumer Zeit aussehen...........??


    Ahoi



    Jürgen


    P.S. Viel Erfolg bei deinem Projekt

    Alles was Spaß macht ist entweder "unmoralisch","macht dick" oder ist "zu teuer!!!"

    (War da etwa Haschisch in dem Schokoladenei)

  • Kollege Dieter hat schon geantwortet wegen der 2. Seite. Ich würde die 7.2mm Bohrung nicht direkt in den POM Teller machen, sondern ein Lagereinsatz dazu fertigen der einsteckbar und anschraubbar ist. Der Vorteil dieser Konstruktion ist, dass die Zentralbohrung grösser und somit problemlos ausgedreht werden kann. Wenn du direkt eine 7.2 mm Bohrung durch den Teller machen willst, sollte diese unbedingt auch ausgedreht werden wegen des Rund- und Planlaufs.

    Markus

  • Danke für die vielen, fachlich fundierten Antworten.


    aerodreher :

    Danke für dein Angebot, aber 70 mm ist etwas zu viel. Dachte eher an 30-40mm.

    Bei 350-600€ meinst du dann aber ein 70mm Teil? Da fragt man sich schon wie z.B. Thorens bei seinem 800€ Direktantriebsdreher mit POM-Teller und Tonarm und Haube und Händlerspanne noch etwas an dem Teil verdient.


    Wie geht das mit dem Tempern? Kann man das selbst?


    Matterhorn

    Wollte die 7.2mm Bohrung einfach mit einer Maschinenreibahle auf der Drehbank reinmachen. Liegt ja dann auf dem Subteller. Aber dein Argument macht schon Sinn. Evtl. kann ich eine 20mm Alustange in den POM-Teller einpassen und dort die Bohrung reinmachen.

  • Frage:

    Um welchen Plattenspieler handelt es sich denn?


    Subteller bleibt oder wird auch neu? (Quasi zweiteiliger POM Teller)


    Greift der Antriebsriemen Innen auf den Subteller oder Aussen am Hauptteller?

  • Hallo Thomas,


    das ist die Preisspanne für eine Einzelteilfertigung abhängig von der Höhe des Plattentellers.

    Tempern kann man auch selbst, wenn man einen passenden Ofen hat und die Parameter kennt.

    Gegen Ende des Jahres werde ich eventl. Teller in 50mm und 60mm fertigen lassen. Bei Menge wird es günstiger!


    VG

    Dieter

    LW mit luftgelagerter Tellerachse sowie Teller mit Outer Ring und VTA- Lifter, diy

    Dr. Fuss Steuerung

    Kabelkonfektion diy

  • Hallo Dieter,


    vermutlich hast du den passenden Ofen und kennst die Parameter... ;)


    Hallo Markus,


    ist eine Eigenentwicklung. Subteller wird vom Motor soz. in der unteren Ausbuchtung des Plattentellers über einen Flachriemen angetrieben. Also ganz klassisch. Die Pläne zu meinem Direktantrieb liegen noch unsortiert im Großhirn rum.

  • Alles klar, so kann ich es mir gut vorstellen.

    Das bedeutet aber dass der Aussenring innen eine ziemlich grosse Ausbuchtung braucht. Ich würde darauf achten dass die Wandstärken nicht zu dünn werden, mind. 20mm nicht unterschreiten. Je dicker desto weniger Probleme mit der Formgenauigkeit. Ausserdem brauchst du ja auch Masse, denn Masse bringt besseren Gleichlauf.

    Beim Direktantrieb oder Aussenriemen brauchst du die Aussparung nicht.

    Um Masse in den Ausserring zu bekommen kannst du dir überlegen Messingeinsätze auf einem Teilkreis einzulassen, so ca. 6-12 runde Bolzen.

    Tempern kann man POM im normalen Backofen bei 130°C - max. 140°C. Achtung, die Temp. Anzeige am Backofen ist sehr ungenau und POM schmilzt bei ca. 170°C.

    Markus

  • Habe zu Tempern mal etwas gegoogelt.

    Eine Empfehlung lautet:

    Aufheizen: 3 h auf 90°C, 3 h auf 155°C

    Halten: 1 h je cm Wanddicke

    Abkühlen: mit 20°C pro h auf 40°C


    Bei meinem 30mm POM-C wären das fast 15h.8| Da ich das nur in meinem Backofen machen kann und manuell die Temperatur einstellen muss, mache ich das am besten in der Weihnachtszeit und backe parallel Plätzchen. ^^