Erfahrungen mit dem Musical Fidelity M6 Vinyl

  • Hallo allerseits,


    ich habe mir einen Musical Fidelity M6 Vinyl gekauft und möchte nun meine Erfahrungen posten. Das Gerät scheint noch wenig verbreitet zu sein und ein Erfahrungsbericht wurde gewünscht.


    Kurz ein paar Worte zu meiner HiFi-Kette: Empire Elite Rack, Acoustic Solid Machine Small, Rega RB300 mit Ortofon 2m Black, Jelco 750 mit Ortofon Rondo Red (Shibata Retip von Techne Audio) und Goldring Eroica LX. Musical Fidelity M6 Vinyl, Pro-Ject Pre Box RS, Pro-Ject Amp Box RS mit Pro-Ject Power Box. Rogers LS6 auf Stands. Kabel sind von Linn, Horn Audiophiles, QED. Der MuFi ist (noch) per Cinch Kabel an die Pre Box RS angeschlossen.


    Ich hatte zuvor zwei Aikido von Herrn Otto, jeweils in einer MM und einer MC Variante. Diese wurden nun durch den MuFi ersetzt.


    Anfängliche Brummprobleme (ich habe diesbezüglich einen Thread eröffnet), ausgehend vom Rega Arm mitsamt der Rega-typischen Masseführung, habe ich durch eine extra Masse, verbunden mit einem freien Cinch Stecker der Pre Box RS, gelöst. Danke hier nochmal an Carsten für den tollen Tip. Der MuFi spielt nun absolut brummfrei und ein Rauschen kann ich selbst bei sehr hohen Pegeln nicht vernehmen. Das ist auch schon der erste positive Punkt: Wenn keine Musik spielt, herrscht absolute Ruhe.


    Zur Haptik: Das Gerät ist wirklich groß. Gerade im Vergleich zu den kleinen Pro-Ject RS Boxen wirkt das Gerät von MuFi sehr groß. Anfangs war ich etwas erstaunt, da es noch größer ist als ich dachte. Das hat aber einen Vorteil: Man kann von vorne alle bequem einstellen und das Gerät bleibt stehen. Bei kleinen Geräten schiebt man das Teil oftmals nach hinten. Die Qualität ist in Ordnung. Kein ultra-edel Gehäuse, aber top verarbeitet und hochwertig, in etwa vergleichbar mit der RS Serie von Pro-Ject.


    Die Aikidos spielen weit über ihrem Preis und sind in meinen Augen (oder Ohren) für das Geld mit die besten Phonovorstufen, die es auf dem Markt gibt. Dennoch kann der MuFi M6 Vinyl alles besser und das sogar teils sehr deutlich.


    Die Auflösung des M6 ist wirklich überragend. Ich dachte immer, der Aikido bringt alles zu Gehör aber der M6 zeigt Details auf den Platten die ich vorher viel zu leise oder gar nicht gehört habe! Sehr gut gefällt mir dabei, dass er nicht wie eine akustische “Lupe” klingt, sondern die Musik immer zusammenhält. Man hat nie den Eindruck, dass ein Instrument in den Vordergrund gerückt wird, die Musik klingt als Ganzes, einzelne Instrumente sind sehr gut hörbar und ortbar. Auch klingen Instrumente sehr natürlich, z.B. klingt je nach Platte ein Bass wie ein E-Bass oder wie ein akustischer Bass. Nichts wirkt aufgedickt oder blass. Instrumente klingen sehr natürlich und echt; hier macht sich bemerkbar, dass der M6 sehr neutral spielt, was mir an meiner grundsätzlich eher warmen Kette gefällt. Bei Supertramps “Crime Of The Century” (was für ein Album!) fällt mir auch deutlich auf, dass der M6 viel weniger Nebengeräusche weitergibt. Meine Supertramp LP ist leider schon etwas durchgenudelt, dennoch kann ich fast keine Nebengeräusche hören - grandios! Wie das nur möglich ist… ist mir ein Rätsel. Vor allem bei leisen Passagen fällt auf, wie ruhig und “schwarz” der Hintergrund ist.


    Klavieranschläge, das Schlagzeug, die Stimmen - alles kommt sehr dynamisch, knackig - ich kann das schlecht beschreiben. Ich höre einzelne Nuancen des Schlagzeugs raus, wie ich es vorher nicht gehört habe. Wirklich hervorragend! Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die M6 wunderbar dynamisch spielt, ohne das mich die Musik permanent anschreit oder bissig und harsch klingt. Das Saxohpon bei Morphines - Cure For Pain klingt unfassbar angenehm und smooth und viel genauer als mit dem Aikido. Ich kann einzelne Spielarten extrem gut heraushören, ob es röhrt, oder laut, leise klingt, es klingt viel “echter” und steht vor allem richtig gut im Raum! Die M6 klingt hier sehr entspannt und bringt doch alles sehr dynamisch rüber, ohne das es mich irgendwann nerven würde. Man merkt hier deutlich, dass es sich um ein teures Gerät handelt, denke ich mal. Selbst schwere Passagen mit viel Instrumenten und viel Gesang stellt die Vorstufe so lässig dar, das es wirklich eine wahre Freude ist. Es klingt nie angestrengt, auch wenn das Saxohpon aus den Lautsprechern röhrt oder bei Joe Jacksons Debut “Look Sharp” das Schlagzeug knallt - die MuFi behält immer den Überblick und klingt souverän, wirkt aber nie langweilig! Vll ist das sogar der deutlichste Vorteil zum Aikido, der hier den Überblick verlor, vor allem bei vielen Instrumenten gleichzeitig, und auch teils ins bissige neigte - im direkten Vergleich sehr deutlich hörbar! Die M6 bleibt immer “entspannt” - ich würde das vergleichen mit einem Porsche. Der fährt bei 170 kmh entspannt und hat noch viel Reserven, ein VW Up läuft bei 170 kmh am Limit. So könnte man es vergleichen.


    Bei Erykah Badu's "Mamas Gun" höre ich hier eine Flöte, dort einen Bass, das Schlagzeug und die wunderbare Stimme des Sängerin. Nichts nervt, alles ist da, schön räumlich und hoch aufgelöst.


    Bei den Platten der Band "Pearl Jam" - leider alle klanglich nicht wirklich gut - zeigt die M6 mehr Räumlichkeit und etwas mehr Auflösung - mehr gibt die Aufnahme nicht her. Was mumpfig aufgenommen wurde, kann die M6 nicht "aufwerten". Fraglich ist, ob das überhaupt eine Phonovorstufe kann.


    Zur Räumlichkeit: Die Lautsprecher verschwinden teils aus dem Raum, das Saxophon von Morphine - cure for pain - scheint hinter den Lautspechern zu stehen. Die Räumlichkeit war mit dem Aikido auch gut, aber bei der M6 ist die Tiefe des Raumes eine ganz andere. Instrumente treten näher heran oder stehen viel weiter weg, das konnte der Aikido so nicht. Der hat die Tiefe des Raumes im Vergleich fast gar nicht "ausgeleuchtet"


    Bei sehr bassigen Songs, beispielsweise das experimentelle Album von "FKA Twigs" behält die M6 die volle Kontrolle, Bässe werden nicht einfach mit voller Wucht in den Raum geworfen sondern differenziert, mit genug Druck wiedergegeben. Quasi bassig und wuchtig aber nicht zu heftig, immer fein genug und nicht so ungehobelt direkt, wie der Aikido.


    Noch etwas sehr angenehmes. Der M6 zeigt die Eigenheiten einzelner Systeme hervorragend. Ich kann zwischen dem 2m Black und dem Rondo MC sehr deutlich unterscheiden. Beim Aikido klang das viel ähnlicher.


    Die Aikidos genehmigten sich eine Aufwärmphase von knapp 30 Minuten, dann rastete das Klangbildein. Der MuFi spielt "kalt" wie "warm" überragend.


    Ich bin überaus zufrieden mit dem Gerät. Die Aikidos stehen nun zum Verkauf. Vll gibt es ja weitere Erfahrungen mit dem tollen MuFi.


    Viele Grüße,

    Stefan :)

  • schöner Bericht..danke dafür...was geht denn per FB an dem Gerät ? Nur die Eingängswahl oder auch die Anpassungseinstellungen (Verstärkung, pf, ohm, MM/MC ?)


    Nachtrag...uhhhh..sehe gerade FB insgesamt nada.....


    Haber selber den M6sDAC aus der gleichen Linie und finde ich auch formidabel

  • Hallo.


    Eine Fernbedienung gibt es keine. Bei mir aber unwichtig, mein Rack steht seitlich, ich kann alles im Sitzen bedienen.


    Gerade die Pearl Jam - VS gehört. Klingt mit dem MuFi schon besser. Macht Spaß :)


    Noch etwas: Wenn man die Einstellungen verändert, schaltet der M6 kurz auf "mute" . Es knackt also nichts, wenn man während dem Hören die Parameter ändert. Auch beim starten wird erst "mute" aktiviert - wenige Sekunden später ist der M6 startklar. Toll gelöst!


    Hoffe, der Bericht hilft jemanden bei der Entscheidung.


    Grüße,

    Stefan

  • es wäre schon mal interessant die M6 gegen etwas höherwertige Phono Amps zwanglos miteinander zu vergleichen, z.b. mit ne ASR Mini Basis oder der jeweils höherer Nu Vista Serie oder der Serie dadrunter MX VNYL


    Das "Muten" beim Einschalten ist beim M6sDAC gleich, man scheint dort eine vereinheitlichtes Konzept zu verfolgen...

  • Sehr schön beschrieben Stefan!

    Liebe Grüße Achim

    Rega p3-2016 SE, Benz Glider SL, Heed Quasar, Audio Research LS7, McCormack DNA125, Dynaudio Contour II, Sennheiser HD600, Isoda, hms, QED, Hannl


    Washburn Dreadnought


    Das Schöne an der Suche nach der Richtigen ist der Spaß mit den Falschen

  • Ich würde die M6 auch gerne mal gegen ein paar ähnliche Phonovorstufen hören. Zb gegen eine Goldnote PH10, oder gegen eine Cyrus Phono Signature.


    Die MX Vynl ist bestimmt auch super, aber es ist preislich (mit besserem Netzteil, plus Spezialkabel für den symmetrischen eingang) zu wenig um, weswegen ich mich für eine M6 entschieden habe. Diese war, dank Auspackware, nochmals günstiger.


    Ich kann wirklich jedem empfehlen, sich das Teil mal anzuhören. Wer in dem Preissegment sucht, mehr Tonarme bzw Plattenspieler hat und alles von vorne einstellen möchte - ich denke, die M6 ist auf jeden Fall einen Versuch wert.


    Ich Frage mich auch, warum es immer noch Mäuseklaviere gibt. Einfacher als von vorne per Tastendruck geht es doch nicht.


    Grüße,

    Stefan

  • Einfacher als von vorne per Tastendruck geht es doch nicht.

    da setzt die Cyrus Phono ja noch einen drauf mit Bedienung aller Funktionen (auch pf, ohm etc...) vom Hörplatz aus...aus welcher Ecke kommst du denn ??...ggf. läßt sich was organisieren zum Vergleich....aerodreher und ich kommen aus Hamburgo ;-)

  • Guten Morgen.


    Ja, die Cyrus ist vermutlich die eierlegende Wollmilchsau. Allerdings, mit dem Netzteil, preislich fast schon eine andere Liga. Aber die Fernbedienung dürfte schon ein Alleinstellungsmerkmal sein. Vor allem wichtig, wenn das Rack weiter weg steht. Gerade das unmittelbare Vergleichen macht Spaß, da man sich das Gehörte nicht lange merken muss bzw die Veränderungen lassen sich sofort hören. Wenn da 10 Sekunden vergehen und man durch den Raum latscht, um etwas zu verstellen, geht es sicherlich auch, aber doch ein wenig unkomfortabler.


    Ich komme aus der Oberpfalz, Bayern. Etwas weit weg von Hamburg, leider.


    Viele Grüße,

    Stefan

  • Hallo Stefan,


    danke für Deinen Bericht, schön geschrieben!


    Weißt Du ob der "Musical Fidelity M6 Vinyl" vielleicht eine Weiterentwicklung von der Camtech Phonovorstufe ist, dies es früher mal gab? Beide ähneln sich doch ziemlich.


    Gruß Stephan

  • ...Weißt Du ob der "Musical Fidelity M6 Vinyl" vielleicht eine Weiterentwicklung von der Camtech Phonovorstufe ist, dies es früher mal gab? Beide ähneln sich doch ziemlich...

    Hallo Stephan, an was machst du genau Gemeinsamkeiten fest? Ich glaube nicht, dass die etwas miteinander zu tun haben.

    Viele Grüße


    Jørg


    Bin AAA-Mitglied und höre damit. Meine kleine Plattensammlung seht ihr im Musiksammler.




  • Hallo,


    sehr interessanter und informativer Bericht! Danke!

    Wie schätzt Du denn die klanglichen Unterschiede zur MF MX-VYNL ein?


    Gruß aus Wien

    Rudi

    Vertrauen ist gut....Kontrolle ist besser

  • Hallo zusammen,


    gibt es jemanden in Raum Aachen/Köln/Bonn/Düsseldorf, bei dem man die M6 Vinyl ggf. einmal probehören kann?


    Musikalische Grüße

    Tom

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