VTA-Einstellung messtechn. erfassbar?

  • Tom,


    Adjust+ kann mit der zugehörigen Testplatte harmonische Verzerrungen messen, aber ein Band mit 2-Ton-Signal für Intermodulationsmessungen ist nicht dabei. Als Messsoftware könnte Adjust+ im FFT Messmodus zwar Intermodulation als Spektrum darstellen, aber man braucht halt eine LP mit einem 2-Ton-Signal, sonst kann ja nichts "intermodulieren" ;)


    Welche Test LPs enthalten 2-Ton-Signale? Sowas wie 60Hz & 3000Hz oder ähnliche Kombination...


    Damit kann man unter Nutzung der FFT Darstellung die IM Produkte zwischen den Nutzsignalen sehen und per Tonarmhöheneinstellung zu verändern/verringern versuchen. Die genauen IMD Zahlenwerte sind mMn zweitrangig, die Minimierung des IMD Spektrums erstrangig.


    Grüße,

    Winfried

    Einer Behauptung ohne Beleg darf man auch mit einem Widerspruch ohne Beleg entgegnen. (Volksweisheit)
    Ich habe im Biete-Bereich eine wenig gelaufene, revidierte A-77 im Angebot

  • Hallo Winfried,


    dann wäre eine günstige PP mit digtalisiertem Signalausgang, z.B. etwas von Pro-jekt, und einem entsrechendem Programm auf einem Laptop vielleicht schon das Mittel der Wahl. Kennst Du eine passende Software mit der das funktioniert?

    Die Test LP liegt hier ja schon.


    VG

    Dieter

    LW mit luftgelagerter Tellerachse sowie Teller mit Outer Ring und VTA- Lifter, diy

    Dr. Fuss Steuerung

    Kabelkonfektion diy

  • SW die mittels Soundkarte das Audiospektrum darstellt gibt es ja zuhauf. Z.B ARTA sollte das in der Testversion machen.


    Ich wäre sehr an euren Ergebnissen interessiert!


    Letzlich frage ich mich, das hier optimiert wird. Der VTA ist der TA-Geometrie geschuldet. Bleibt der SRA. Ist die "gefundene" einstellung allgemeingültig oder nur für die jeweilige Testplatte valide? Unterschiedliche dicken der Testschallplatte mal aussen vor.


    Grüße


    Micha

  • Hallo Micha,


    soweit ich erinnere (mag falsch oder zu einfach sein...), hat der VTA/SRA mit dem Schneidstichelwinkel beim Schneiden der Matritze zu tun und wird auf diesen Schnitteingestellt um optimal abzutasten. Es gibt da lange und breite geometrische Abhandlungen, die auf den SRA eingehen, die IM Minimierung per Tonarmlagerhöhe scheint die beste messtechnische Methode zur Optimierung zu sein. Man kann das wohl auch nach Gehör, speziell mit Zimbeln und lauten hohen Frauenstimmen machen, aber ich hab das nicht geschafft... Die optimale Tonarmhöhe ist aus dem zuvor gesagten folgend übrigens nicht zwingend(!) mit exakt horizontalem Tonarmrohr verbunden!


    Als Software kann man Adjust+ benutzen (so man es hat...) aber auch andere Pakete wie z.B. Real Time Analyzer von esseraudio.com, die Spektren von einer externen Quelle in Echtzeit darstellen können, sind geeignet.


    Grüße,

    Winfried

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    Ich habe im Biete-Bereich eine wenig gelaufene, revidierte A-77 im Angebot

  • Als "Messgerät" empfiehlt sich die Creative Soundblaster X-Fi HD . Den OnBoard Phono muss man aber ignorieren. Als A/D Wandler schon durchaus sehr gut und in der Lage unterschiede aufzunehmen und zu "konservieren".


    Zum Messen ausreichend.


    Und hier ein Artikel der die Grundlagen zum Messen erklärt.


    https://www.analogplanet.com/images/512MFVTA_article.pdf


    Mike

  • Hallo Tom,


    ich versuch's mal:


    Bei Ansteuerung des Tonabnehmers mit einem (mechanischen) Sinussignal bekommt man als elektrisches Messergebnis bei Spektrumdarstellung eine Auffächerung des resultierenden Abtastsignales im Frequenzbereich:

    1. Die eigentlich gewollte Signalpegelspitze bei der durch die Drehgeschwindigkeit der LP bestimmten Frequenz

    2. Dazu gesellen sich weitere, kleine Pegelspitzen bei höheren Frequenzen der durch (Wandler-)Verzerrungen entstandenen Oberwellen (Klirr), also bei 2*f1, 3*f1 usw. (also bei n*f1 und bezeichnet als k2, k3, usw....).


    Nimmt man nun zwei (weit auseinanderliegende) Sinussignale, und stellt das Abtastergebnis wieder als Spektrun dar bekommt man ein komplexeres Bild:

    1. Die eigentlich gewollten zwei Signalpegelspitzen f1 (niedrig) und f2 (hoch) bei den durch die Drehgeschwindigkeit der LP bestimmten Frequenzen

    2. Dazu gesellen sich weitere Pegelspitzen bei höheren Frequenzen der durch Wandler-)Verzerrungen entstandenen Oberwellen jeweils beider Signalfrequenzen (also Klirr bei n*f1 und n*f2, siehe oben)

    3. Die beiden Signalfrequenzen f1 und f2 treten allerdings (leider) auch (z.B. durch den Nadelkontakt in der Rille) miteinander in Interaktion, genannt "Intermodulation". Es bilden sich z.B. um die höhere Nutzsignalpegelspitze sogenannte Seitenbänder aus, bestehend aus kleinen Pegelspitzen bei f2-1*f1, f2+1*f1, f2-2*f1, f2+2*f1, .... (also bei f2 +/- n*f1)


    Klirr und IM sind also zwei verschiedene Effekte mit verschiedenen Ursachen. Ich hoffe das hilft zum Verständnis.


    Grüße,

    Winfried

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  • Noch ein Nachtrag:


    Schon mit der MultiInstrument "Lite" Version (50$) von Virtins lassen sich die benötigten Messungen durchführen. Man bekommt also für ca. 130€ bereits ein brauchbares Messpaket aus X-Fi HD und Virtins Lite, mit dem man alle wichtigen Messung für die Einstellung eines Drehers hinbekommt wenn es einem nichts ausmacht sich das alles aus den "Basics" selber herzuleiten. Und mit etwas Geduld bkommt man auch ähnlich gute Soundkarten gebraucht auf Ebay noch günstiger, dann kommt man sogar für unter 100€ hin.


    Wer noch mehr sparen will schaue sich dann REW als Tool an. Das war mir aber zu anstrengend.


    Mike

  • Es gibt da lange und breite geometrische Abhandlungen, die auf den SRA eingehen, die IM Minimierung per Tonarmlagerhöhe scheint die beste messtechnische Methode zur Optimierung zu sein. Man kann das wohl auch nach Gehör, speziell mit Zimbeln und lauten hohen Frauenstimmen machen, aber ich hab das nicht geschafft...

    In diesem Zusammenhang möchte ich an einen Artikel der berühmten Analogue Audio Association (AAA) erinnern: https://aaanalog.de/media/mess…%20und%20SRA%205_2015.pdf


    Zitat: "Zusammenfassend lässt sich sagen, daß SRA, und auch VTA, vom Standpunkt wahrnehmbarer Verzerrungen aus, vermutlich kein Problem darstellt, so daß sich eine peinlich genaue Einstellung erübrigt."

    Viele Grüße, Christian.


    Das Leben kann so schön sein, nur nüchtern darfst Du nicht werden. (Melanie Müller)

  • Hallo Christian,


    danke für den aufschlussreichen Artikel! Womit neben der Eingangsfrage nun auch die Prioritätseinordnung des VTA/SRA leichter fallen sollte :) ;)


    Grüße,

    Winfried


    PS: Messen und Einstellen macht "trotzdem" Spaß und gibt manchen (mich eingeschlossen) ein gutes, entspanntes Gefühl ^^

    Einer Behauptung ohne Beleg darf man auch mit einem Widerspruch ohne Beleg entgegnen. (Volksweisheit)
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