Wie Lobbyismus heute funktioniert....

  • Einer der größten Lobby-Vereine in Sachen DAB+ ist zweifelsohne Digitalradio Deutschland e.V. Der Verein beschreibt auf seiner Homepage sein Ziel Digitalradio DAB+ in Deutschland zu etablieren. Schaut man sich den Verein näher an, fällt auf dass er im Funkhaus des Deutschlandradios am Hans-Rosenthal-Platz in Berlin beheimatet ist. Das Deutschlandradio unterstützt schon seit Jahren DAB+, weil die UKW-Frequenzausstattung ihrer Meinung nach unzureichend sei. Der Vorsitzende von Digitalradio Deutschland e.V. ist nicht weniger als der Intendant des Deutschlandradios. Der stellvertretende Vorsitzende ist der Geschäftsführer von Antenne Deutschland, welche mit dem Sendernetzbetreiber Media Broadcast ein Konsortium im Hinblick auf die Einführung eines zweiten Bundesmux gebildet hat. In einem fehlerbehafteten Lizenzverfahren hat dieses Konsortium unlängst den Zuschlag für einen zweiten Bundesmux erhalten, kann aber nicht starten. Aufgrund Verfahrensfehler bei der Vergabe ist mittlerweile eine Klage des unterlegenen Mitbewerbers und ursprünglichen Initiator des zweiten Bundesmux anhängig. Der Start des zweiten Bundesmux ist somit erst einmal in weite Ferne gerückt. Zu Media Broadcast sollte man wissen, dass sie ihr UKW-Sendernetz in Deutschland verkauft haben, nachdem die Bundesnetzagentur die von Media Broadcast geplanten Preiserhöhungen des UKW-Sendernetz gestoppt hatte. Hernach bekundete man, man wolle sich künftig auf DAB+ konzentrieren. In der Zwischenzeit kommt 5G und mit ihm das Thema 5G-Broadcast auf, welches als Gefahr für DAB+ gesehen wird. Vorsorglich meldet sich also der Intendant des Deutschlandradios und warnt im Juli vor 5G....https://www.teltarif.de/deutschlandradio-dab-plus-5g-ukw/news/77229.html .Da die Diskussion nicht abflaut, wird nun der Technikchef des Deutschlandradios an den Start gebracht, um eine Expertise vorzulegen, die behauptet 5G Broadcast wird viel teurer als DAB+...https://www.teltarif.de/deutschlandradio-dab-plus-5g-ukw/news/77229.html .Ich bin gespannt, was wir in nächster Zeit noch alles aus dem Haus am Hans-Rosenthal-Platz in Berlin in Sachen DAB+ vernehmen werden. Hübsche Sachen findet man ja schon jetzt auf der vornehmlich in diversen Grüntönen gehaltenen Seite... https://www.dabplus.de/ .Ich würde mir an eurer Stelle schonmal den DAB+Newsletter bestellen, so seid ihr immer auf dem Laufenden.:rolleyes:

  • Allein wie der Lobbyismus in die Regierungen und die sog. Volksverträter hineinregiert...; da wird es einem übel, zum anderen erklären sich so die meisten Irrwitzigen Entscheidungen, die Aushöhlung des Eurogedankens, die Klmahysterie.

    Die Banken und Versicherungen verdienen und bestimmen wo es lang geht.


    Das war aber schon immer so: leider!!!!!


    LG aus B
    Peter

    Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!

  • Hat den UKW keine Lobby? Oder ist das Monopol so stark, dass kein Lobbyarbeit nötig ist?


    Bitte nicht falsch verstehen, aber die Frage ist ja durchaus relevant zur Bewertung des Eingangspost.

    Gibt es "gute" und 'schlechte' Lobbyarbeit und wer vor allem definiert das?

    VG,

    Jens

    Let the speakers crackle and burn! (RedLorryYellowLorry)

  • Hat den UKW keine Lobby?

    Nein, die Leute, die noch gerne UKW hören (und die wenigen Firmen, die noch reine UKW-Tuner bauen) haben natürlich im engeren Sinn keine Lobby -- wenn man, wie eigentlich üblich, mit Lobbyismus die Aktivitäten von Verbänden mit massiven Wirtschaftsinteressen versteht ... Im öffentlichen Rundfunk wird ja auch schon seit Jahren massiv Werbung für die Anschaffung von DAB+ Radios gemacht -- von einer Gegen-Werbung pro UKW-Radios habe ich im öffentlichen Rundfunk noch nie etwas mitbekommen. Oder liege ich da falsch?


    -- Joachim

    The post was edited 1 time, last by jhr ().

  • Naja, "Werbung" hat ja nun mit Lobbyarbeit im Sinne einer politischen Meinungsbildung nicht unbedingt was zu tun. Werbung für Schusswaffen ist in Deutschland ja auch verboten, trotzdem wird hier natürlich herstellerseits versucht berechtigte Interessen vernehmbar zu formulieren und zu vertreten.


    VG,

    Jens

    Let the speakers crackle and burn! (RedLorryYellowLorry)

  • wikipedia.de wrote:

    Bundesweit sind alle drei Programme digital nur über das Astra-Satellitensystem der SES S.A. empfangbar, sowie per Livestream online hörbar. Via Antenne werden Programme über regionale DAB+-Sender je nach Netzausbau (z. Zt. überwiegend in Ballungsgebieten) verbreitet. Deutschlandradio Wissen wird gemäß Staatsvertrag ausschließlich digital verbreitet, um die „dringend benötigte Akzeptanz digitaler Verbreitungswege für das Radio“ zu fördern.[14] Sendungen im Standard DRM werden, ebenso wie Ausstrahlungen auf Kurzwelle, nicht mehr durchgeführt.



    Man könnte auch sagen, der Name ist Programm. Mir scheint, als würde die lobbyisierte Politik dem Sender bereits vorgeben, DAB voranzutreiben. Damit das leichter geht, setzt man die passenden Leute auf den Intendantenstuhl.

  • Hallo


    Was war denn an dem Lizenzverfahren fehlerbehaftet?


    Welche Verfahrensfehler gab es denn bei der Vergabe?


    Gruß von eugen

    Rudi Assauer: "Und wenn sie die Haare etwas kürzer schneiden, dann sind auch die Ohren frei." :P

    Walter Röhrl: "Ich hab nie das Gefühl gehabt, das ich schnell fahre." :P

  • Lobby ist die reinste Werbung!!!

    Aber nicht jede Werbung ist Lobbyarbeit.



    Zu Media Broadcast sollte man wissen, dass sie ihr UKW-Sendernetz in Deutschland verkauft haben, nachdem die Bundesnetzagentur die von Media Broadcast geplanten Preiserhöhungen des UKW-Sendernetz gestoppt hatte.

    War das so? Ich habe es anders in Erinnerung: Nach dem Verkauf der UKW-Sender hat der Käufer (also NICHT Media Broadcast) eine Preiserhöhung durchsetzen wollen.



    Hat den UKW keine Lobby?

    Doch! Tomfritz ;-)



    SCNR


    528

  • Wie auch immer:

    Wir werden verarscht, so oder so; das nennt sich dann Teilhabe an der Vertrauensbildung....würg🤮...

    Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!

  • Aber nicht jede Werbung ist Lobbyarbeit.

    Natürlich nicht, aber mit Werbung für DAB+ im öffentlichen Rundfunk war ja auch keine Werbung gemeint, die direkt auf die Erhöhung der Verkaufszahlen für ein konkretes Produkt abzielt.

    Mein lokaler Sender MDR Kultur (davor MDR Figaro, davor wieder MDR Kultur ...) hat DAB+ Radios verschenkt und hat UKW-Hörer mit Werbespots wie etwa "Sind Sie noch Rauscher?" verhöhnt. Sicherlich nicht in der Absicht die Verkaufszahlen / Hörerzahlen des Programms des Senders (dies wäre ja sein Produkt) zu erhöhen. Der Rundfunkbeitrag wird sowieso zwangsweise eingezogen.


    Wie Andre in Beitrag #9 schon sagte, geht es bei dieser Art von Werbung um die Förderung der Akzeptanz digitaler Verbreitungswege für das Radio, um bei der Verbreitung der digitalen Radiogeräte über eine gewisse Schwelle zu gelangen, die für die Abschaltung der analogen Sender wohl benötigt wird.


    "Tomfritz" schreibt doch lediglich Beiträge in einem Analogform, das hat doch mit Lobbyismus überhaupt nichts zu tun. Die AAA könnte evtl. in Sachen UKW-Radio Lobbyarbeit betreiben, aber die Digitalradio-Lobby ist soviel besser aufgestellt, dass dies wohl Zeit- und Geldverschwendung wäre.


    -- Joachim

  • das geht auch ohne zu Antworten (oben rechts im Balken mit der Rubrik).

    danke für die Info! So einen Button hatte ich die längste Weile gesucht. Mickrig und sehr gut versteckt ist das Teil. Selbst wenn man es findet, so kommt im ersten Moment gar nicht darauf, dass es sich um diese Funktion handelt!

    Hat den UKW keine Lobby?

    Wenn überhaupt, dann am ehesten in den 1950 und 60er-Jahren. Inzwischen ist UKW zum Selbstläufer geworden, und bedarf mEn keiner Lobbyarbeit mehr.


    Viele Grüße,

    Walter

    Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher Albert Einstein

  • Die ganzen Lobbyisten (oder neudeutsch Whistleblower) tun doch nichts anderes, als zu versuchen Einfluß darauf zu nehmen, was ihnen von deren Vorgesetzten vorgegeben wird.


    Und unsere Volksverträter haben nichts besseres zu tun, als sich diesen Einflüsterungen hinzugeben, weil sie es nicht besser wissen (können) aber immer ohne den Verdacht zu haben (bzw. diesen auszublenden), dass da noch ganz andere Dinge nachfolgen, die im Augenblick nicht zu übersehen sind.


    Genügend Naivität vorausgesetzt, kann man so fast alles an den Mann bringen.


    Max Liebermann konnte gar nicht so schnell essen, wie er kotz...musste; mir geht es ganz ähnlich.


    LG aus B

    Peter

    Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!

  • Hat den UKW keine Lobby?

    UKW ist bereits etabliert und braucht daher keinen Verein, der sich solches als Ziel setzen würde.

    (und die wenigen Firmen, die noch reine UKW-Tuner bauen)

    Die Dank Lobbyarbeit demnächst DAB+ Bausteine einzubauen haben. Damit man diese bei der nächsten Digitalradio-Statistik mit einbeziehen kann.

    Was war denn an dem Lizenzverfahren fehlerbehaftet?

    Das Konsortium hatte sich erst nach Ablauf der Ausschlussfrist gebildet, dessen Bewerbung hätte daher nicht zugelassen werden dürfen. Hier mehr... https://www.teltarif.de/dab-pl…x-antenne/news/76735.html ...interessant dabei ist jedoch, dass das Konsortium dennoch bekundet, in diesem Jahr an den Start gehen zu wollen. Offensichtlich will man einfach Tatsachen schaffen bzw. muss nun unbedingt bei der Media Broadcast mit DAB+ Geld verdienen, nachdem man UKW ja nicht mehr hat. Hierzu zum besseren Verständnis ein Zitat aus Wikipedia:

    Quote

    Als Anbieter für Rundfunkdienste mit praktisch monopolartiger Stellung gab und gibt es wiederholt Differenzen mit Kunden und anderen Marktteilnehmern. Insbesondere die Finanzierung des bundesweiten DAB+-Ausbaus führt wiederholt zu Streitigkeiten mit den beteiligten Radioveranstaltern.[10][11]

    Auch die Liberalisierung des UKW-Marktes[12] erzeugt harte Auseinandersetzungen, bis hin zu Einstweiligen Verfügungen gegen die Media Broadcast.[13] Diese wiederum droht im Gegenzug mit der Einstellung des UKW-Sendegeschäfts.[14] Im Oktober 2015 erklärten die Geschäftsführer von alster radio in einem offenen Brief[15], dass ihr Sender existenziell bedroht sei, da sich die Verbreitungskosten fast verdreifachen würden. Grund dafür sei eine möglicherweise missbräuchliche Preisstellung durch die Deutsche Funkturm und die Media Broadcast.

    Im April 2016 wurde durch die Bundesnetzagentur ein Verfahren gegen die Media Broadcast wegen missbräuchlichen Verhaltens eines Unternehmens mit beträchtlicher Marktmacht eröffnet.[16] In einer Meinungsdebatte im August 2016 wurden von Branchenkennern seitens der Bundesnetzagentur "Sanktionen" gegen die Media Broadcast gefordert, ihre Leistungen als "nicht transparent" bezeichnet und von "Auseinandersetzungen" bei denen "sogar die Gerichte eingeschaltet werden" berichtet.[17][18][19]

    Ein Eilantrag der Media Broadcast gegen die Regulierung durch die Bundesnetzagentur mit der Forderung nach einer rückwirkend geltenden Preiserhöhung für die UKW-Verbreitung scheiterte im August 2016 vor dem Verwaltungsgericht Köln.[20]

    Am 15. Februar 2017 kündigte die Media Broadcast an, sich aus dem UKW-Geschäft zurückzuziehen. Die Entscheidung erfolgte aufgrund der Ablehnung der beantragten Preisgestaltung durch die Bundesnetzagentur.[21] Der sich anschließende Verkauf von deutschlandweit ca. 1.000 UKW-Antennen führte zu einer Eskalation, die den Betrieb der UKW-Sender in Deutschland (u. a. auch des Mitteldeutschen Rundfunks) gefährdeten, da – so der Vorwurf von Wettbewerbern – die Regulierung der Bundesnetzagentur umgangen werden solle.[6]