Röhrenphono aus Elektor

  • Hallo,


    Ich habe eine Röhren Phonostufe aus dem elektor Buch "Audio- und Gitarrenschaltungen mit Röhren" aufgebaut.

    Diese hier:


    Scan10.12.2019082910_001.jpg


    Soweit alles fein, klingt auch gut aber...


    img20191210_085508.jpg


    .. die Stufe liefert nur ca. 150mV Ausgangsspannung, was echt wenig (leise) ist. Mehr als Zimmerlautstärke bekomme ich bei mir nicht hin.


    Hat jemand eine Idee für einen simplen aber hochwertigen "Nachbrenner"?


    Viele Grüße


    Christian

  • Hallo Christian,


    die Schaltung macht halt nur 30dB. Du kannst natürlich eine nachfolgende Stufe anschließen, die dich auf 1-1,5V bringt. Das würde auch das Problem der Lastabhängigkeit lösen. Die RIAA Kurve hängt und fällt mit dem Lastwiderstand.


    Zum Beispiel wie hier.


    Ich würde ehr zu einem Umbau in Richtung EAR834P Kopie raten. Allerdings braucht diese eine höhere Ub und eine weitere Röhre.


    Viele Grüße

    Martin

  • Hallo Christian,

    auf die Schnelle, keine Zeit, die zweite Röhre ist relativ stark durch den Kathoden-Widerstand gegengekoppelt. Falls der Arbeitspunkt bleiben soll, würde ich den Widerstand aufteilen und einen davon mit einem 100uf Kondensator überbrücken oder einen neuen Arbeitspunkt nehmen, mit mehr Verstärkung.


    Wahrscheinlich ist die Einkopplung des RIAA-Netzwerks, der Kathodenwiderstand von Röhre 1 entsprechend anzupassen (gleiches Vorgehen wie oben).


    Grüße,

    Holger

  • Ja, man muß die Geräte auch immer in ihrem historischen Kontext sehen. 150 bis 200mV waren über lange Zeit hinweg der "Hochpegel", auf den sich die Hersteller geeinigt hatten. Stillschweigend natürlich, denn es gab ja keine Normen für Hifi-Geräte.


    Erst Anfang der 80er Jahre kamen mit den CD-Playern wesentlich höhere Pegel von 1,6 bis 2V in Mode, was zu Anfang ja auch zu einigem Verdruß führte.


    Ich würde den Phono-Pre so umbauen, daß er zu heutigen Geräten kompatibel ist, auch wenn das eine weitere Verstärkerstufe bedeutet.


    Gruß

    Michael

  • Hallo,


    zur Ergänzung von #3, der Schaltung kann Beine gemacht werden.


    Die Verstärkung von Röhre 1 liegt bei ca. 50, von Röhre 2 ebenfalls, ohne RIAA Spannungs-Gegenkopplung. Genug Dampf da. Die RIAA-Spannungs-Gegenkopplung ist wohl recht heftig. Betrachte diese bei 1000Hz, das ist der neutrale Bereich, tiefer gehts 20dB hinauf, höher 20dB in den Keller.


    1) Ich würde R3 in zwei ca. 1K Widerstände in Reihe aufteilen, zusammen 2,2K. Das Ende der RIAA in die Mitte von beiden Widerständen bringen, d.h. es werden 50% weniger gegengekoppelt. Weiterhin kannst du mit anderen Verhältnissen experimentieren (2/3,20/80,..)


    2) Flankierend würde ich R8 ebenfalls aufteilen. Einen Widerstand mit ca. 100uF überbrücken. Dann ist als wirksame Wechselstrom-Gegenkopplung 1k Widerstand wirksam, das käme auf eine Verstärkung von ca 62, statt 50. Die 1K Gegenkopplung sollte ausreichend sein für gute Linearität.


    Grüße,

    Holger


    Tune grade meinen VV, gedanklicher gleicher Aufwasch!

  • Hallo Holger ,


    und Du glaubst wirklich das Du mit diesen Maßnahmen , besonders an R3 , nicht die RIAA total verbiegst ?.

    Martin hat die Lösung doch schon verlinkt . Nicht nur das die nötige Ausgangsspannung erreicht wird, der Ausgang wird auch noch niederohmiger und die RIAA wird vom Ausgang entkoppelt.


    gruss

    juergen

  • Die Schaltung ist in der Tat nicht sonderlich berauschend und wie Michael schon geschrieben hat, war das vor Annoduz Standard. Da gehört eigentlich eine Line-Stufe dahinter, um dann schlussendlich auf 500mA zu kommen (damaliger Standard).

    Kann man sich sparen, wenn man von vorneherein anders plant. "Haotschmi" (Hören-und-Roehren Forum) hat meine PasAk-Artikel "aufgedröselt" und fast "meine" Version des Komissarov-Pre nachgebaut.

    Mit gut 1V Ausgangspegel dürfte man gut über die Runden kommen. Muss allerdings vorwarnen: Das Ding ist ehrlich und kein "Schmeichler". Was nicht in der Rille ist, wird man auch nicht hören. ;-)

  • Hallo Holger,

    1) Ich würde R3 in zwei ca. 1K Widerstände in Reihe aufteilen, zusammen 2,2K. Das Ende der RIAA in die Mitte von beiden Widerständen bringen, d.h. es werden 50% weniger gegengekoppelt. Weiterhin kannst du mit anderen Verhältnissen experimentieren (2/3,20/80,..)

    Verdoppelt die Verstärkung. Aber, +1,5dB bei 300Hz und -3dB bei 6KHz.

    2) Flankierend würde ich R8 ebenfalls aufteilen. Einen Widerstand mit ca. 100uF überbrücken. Dann ist als wirksame Wechselstrom-Gegenkopplung 1k Widerstand wirksam, das käme auf eine Verstärkung von ca 62, statt 50. Die 1K Gegenkopplung sollte ausreichend sein für gute Linearität.

    Bringt in der Verstärkung nur zwei zusätzliche dB. Also ca. 37dB insgesamt. Biegt die Kurve aber wieder richtiger. +1,5dB bei 300Hz und -1,5 bei 10KHz. Damit könnte man leben. Über 220K Last wird es etwas gerader.


    Aber ziemlich Aufwendig. Besonders wenn man nicht die entsprechenden Meßmittel zur Verfügung hat.


    Klirrbetrachtungen wurden nicht gemacht.


    Viele Grüße

    Martin

  • Hallo Christian,

    Ich werde den Vorschlag zur Modifikation von Holger mal ausprobieren.

    Das hört sich so einfach an.


    Spielereien an den die RIAA Kurve verbiegenden Bauteilen verbieten sich eigentlich, wenn man nicht über die entsprechenden Meßmittel zur Überprüfung des Frequenzgangs hat.


    Viele Grüße

    Martin

  • Hallo Martin,


    da hast du sicher recht. (wobei ich 1,5db +- nicht so dramatisch finde...)

    Die Modifikationen sind allerdings auch recht einfach wieder Rückgängig zu machen.


    Wenn ich eine Linestufe wie in dem Link mit einer ECC88 dahinter hänge muss ich massiven Aufwand betreiben. (weiteres Netzteil, Gehäuse neu bauen, etc).


    Vielleicht gehe ich auf eine simple OP Amp Lösung als Nachbrenner, was natürlich der Reinen Röhrenlehre widerspricht... (hat hier einer eine Idee?)


    Mal schauen.

    Ich glaube ich werde den vorgeschlagenen Umbau mal machen und mir das anhören...


    VG


    Christian

  • Vielleicht gehe ich auf eine simple OP Amp Lösung als Nachbrenner, was natürlich der Reinen Röhrenlehre widerspricht...

    Ja, warum denn auch nicht?


    Der größte Vorteil der Röhren gegenüber Halbleiterlösungen bei einem Phono-Pre ist doch die Übersteuerungsfestigkeit bei heftigen Knacksern auf der Platte. Die können durchaus mal 20dB lauter sein als die Musik auf der Platte.


    Jede Halbleiterlösung wird dann gnadenlos clippen und dieser Zustand kann über mehrere Millisekunden anhalten, was zu gräßlich klingenden Verzerrungen führt. Eine Röhre dagegen steckt das wegen ihrer sehr hohen Betriebsspannung und dem dadurch sehr großen Headroom klaglos weg.


    Das ist natürlich vor der RIAA-Entzerrung besonders wichtig. Hinter der Entzerrung spielt das keine so große Rolle mehr und deshalb kann man da auch problemlos mit Halbleitern weitermachen.


    Besonders elegant fände ich einen OP mit hoher Verstärkung, der auf einen Übertrager arbeitet, der den Pegel wieder absenkt, aber gleichzeitig auch den Ausgangswiderstand minimiert.


    Gruß

    Michael

  • Hallo Christian,


    wenn ich richtig gerechnet habe läuft deine Schaltung mit ca 220V Anodenspannung. Das ist die gleiche Spannung die die von Martin verlinkte Line Stufe braucht. Lass dich von den 320V vor dem RC-Glied nicht irritieren, das kannst du weglassen oder halt deutlich niederohmiger bauen, so wie es bei deiner Schaltung mit den 220 Ohm ja auch läuft.

    Ich weiss ja nicht wie knapp dein Netztrafo bemessen ist , evtl stellen die 2 mal 9 mA Anodenspannung und die 300mA bei 6,3V Heizstrom ja kein Problem dar.


    gruss

    juergen

  • Hallo Zusammen,


    Juergen, bist du sicher? Die 220V passen eigentlich nicht zu den Werten im Schaltplan. Wobei, 1,7V an der Kathode und 44V an der Anode passen nie so recht zusammen.


    Ich habe allerdings nicht gerechnet, sondern rechnen lassen ;)

    Vielleicht gehe ich auf eine simple OP Amp Lösung als Nachbrenner, was natürlich der Reinen Röhrenlehre widerspricht... (hat hier einer eine Idee?)

    Von mir wirst du zu diesem Teufelszeug nichts hören ;)


    Viele Grüße

    Martin

  • Ich würde eine Halbleiter (rauscharme Operationsverstärker) Stufe mit 20 dB? linearer Verstärkung vor den Eingang schalten - sozusagen ein Pre-Pre.

    High End ist mein Broterwerb, also bin ich nach den Regeln des Forums gewerblicher Teilnehmer - aber auch mein Hobby. Nur darüber schreibe ich hier.


    Und natürlich bin ich AAA-Mitglied

  • laut Schaltplan liegen am Katodenwiderstand 1,7V . Man könnte nun den Strom ausrechnen , aber da der Anodenwiderstand genau 100 mal so gross ist , hat man es einfach . Der Spannungsabfall am Anodenwiderstand ist also auch 100 mal so gross =170V , die Spannung an der Anode von 44 Volt dazugerechnet komme ich auf 214 Volt , ein bisschen fällt am 220 Ohm Widerstand ab und so hab ich mal 220V geschätzt .

    Du hast aber Recht , jetzt wo du es sagst kommen mir die 44 V ein wenig "spanisch" vor , hatte es einfach so hingenommen.

    Werd gleich mal einen Blick ins Datenblatt werfen.


    gruss

    juergen

  • ja Du hast Recht bei Ug1 -1,7V und 44 Volt an der Anode können niemals die für 1,7V an 2,21kOhm nötigen 0,77 mA fliessen. Dazu müsste man an der Anode schon eher 200Volt haben.


    gruss

    juergen

  • Ich würde eine Halbleiter (rauscharme Operationsverstärker) Stufe mit 20 dB? linearer Verstärkung vor den Eingang schalten - sozusagen ein Pre-Pre.

    öhm sorry , was passiert dann mit der Übersteuerungsreserve des Verstärkers ? Der ist für eine Eingangsspannung von nominal 5mV gedacht und nicht von 50mV. Sowas nennt man das Pferd von hinten aufzäumen. Auch die Ausgangsstufe ist für 150mV und nicht für 1,5V Uaus ausgelegt. Was wird wohl der Freund Klirrfaktor dazu sagen ?


    gruss

    juergen