„Neues aus der Knister-Ecke" – oder "Schellack Aktuell"

  • Seit einiger Zeit arbeite ich für dieses Public Domain Projekt


    http://www.publicdomain.ch/

    https://de.publicdomainproject.org/index.php/Hauptseite


    Bzw. dessen „Kleine Schwester“, mit einem etwas vereinfachten / pragmatischen Ansatz

    https://sfpd.cultlib.ch/de/index.html


    Im Schweizer AAA-Heft hatte ich daher kürzlich diesen Artikel verfasst.

    https://sfpd.cultlib.ch/pdf/Schellack_2019_Sommer_low.pdf


    Viel Spass beim HÖREN dieser herrlichen alten Musik   :) - - und Lesen   ;)


    Gruss


    Urs

    Eine wenig beachtete „Schellack-Weisheit“ besagt:

    Die Wahre Seele der Musik versteckt sich hinter Knistern und Rauschen….

  • Hallo Urs


    Schöner Artikel, sehr interessant zu lesen.


    Aber die Vorgehensweise "erstmal" mit RIAA-Kurve zu entzerren und das dann später evt. wieder rückgängig zu machen, um erneut mit der richtigen Kurve zu entzerren, leuchtet mir nicht so recht ein.

    In allen anderen Punkten treibst du jedes Detail bis zur Perfektion und bei der Entzerrung machst du dann so einen Kompromiss?


    Ich weiß ja, daß für viele Platten die richtige Entzerrung garnicht bekannt ist, weil es halt auf dem Label nicht draufsteht und die Hülle verschollen ist.


    Und du schreibst ja auch, daß du deine Aufgabe darin siehst, einen unbearbeiteten Rohling zu erstellen, ohne jegliche digitale Nachbearbeitung am Rechner.


    Warum dann keine Aufnahme völlig ohne Entzerrung? Das wäre dann zwar eine Rohfassung in extremis, die man sich nicht mal anhören kann, aber eine passende Entzerrerkurve ist am Rechner in wenigen Augenblicken kreiert.

    Da legt man sich die 10 oder 15 wichtigsten Kurven auf Abruf weg und hört sich dann abwechselnd darüber die nicht entzerrte Rohfassung an. Diejenige, die sich am natürlichsten anhört, ist dann wahrscheinlich die richtige.


    Mit der RIAA-Kurve habe ich das einfach mal geübt. Die Schallplatte ohne Entzerrung aufgenommen in 24 Bit / 192kHz und die Datei dann über den selbst erstellten Filter abgespielt. Funktionierte einwandfrei!


    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/100304/



    Das erstellen der verschiedenen Entzerrerkurven geht auch sehr einfach. Die Eckfrequenzen findet man im Internet und daraus wird dann eine normale Textdatei geschrieben, die dem Equalizer seine Kurve vorgibt.


    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/96748/



    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/96747/



    Also faß meinen Beitrag bitte nicht als Meckern auf, ich wollte angesichts des von dir beschriebenen Aufwands, den du treibst, nur eine Anregung zur weiteren Perfektionierung geben.


    Gruß

    Michael

  • Morgen Urs,


    klasse Projekt. Hab ich schon verfolgt.


    Ich praktiziere es, wie es Michael beschrieben hat.


    Ich mache RAW Kopien, wenn ich noch keine Informationen zur Entzerrung habe.

    Auch ist es abhängig, vom Zustand der Scheiben. Sind die schlecht, suche ich Scheiben, um einzelne Stücke, die sehr aufwändig zu bearbeiten wären, zu ersetzen. Braucht dann viel Geduld.


    Zur Entzerrung benutze ich PureVinyl, hat alle Kurven.


    Beste Grüße

    Wolfgang

  • Interessantes Projekt!

    Ein Bekannter von einem Freund macht das für den Privatgebrauch, er sammelt alte Tangoschellacks. Da ich mitbekommen habe wieviel Zeit da drauf geht, "Hut ab vor dieser Arbeit".

    Warum verwendest du keinen Lenco?

    Dann könntest du höhere Geschwindigkeiten spielen als mit dem Thorens.

    Ich habe nur ca. 120-150 Schellacks. Der größte Teil sind Schlager aus den frühen 1950ern.

    Einige sind älter und für mich nur aus historischen Gründen interessant.

    Entzerrung erledigt ein alter Bogen DB130 von ca. 1956.

    Hat 7 Kennlinien und davon 2 für Schellack.

    LG Dieter

  • Kollegen,

    Danke für Euer Feedback.


    Tja, das mit der RIAA Entzerrung hat mich anfangs auch gewundert (bzw. "gestört" !?)


    Wie mir unser Technik-Experte mitteilte, sei dies aber so quasi „der Standard“ bzw. eine Vereinbarung innerhalb der Archivierungs-Wissenschaften , dass der RAW-Master eben als RIAA Datei abgelegt wird. Der Endbenutzer kann dann selber die Korrekte – so diese definiert ist !! – oder die am besten passende - sprich die persönlich am angenehmsten klingende !! – EQ-Kurve selber auswählen.


    Wie ich im Artikel schon ausführte, ist RIAA nicht nur klar definiert, sondern mit den aktuell verwendeten Phono-Pres auch korrekt umgesetzt.

    Zu Schellack-Zeiten wurde zwar ab ca. 1925 /26, als die elektrischen Aufnahmen begannen, auch EQ-kurven definiert, ob die UMSETZUNG dann auch korrekt erfolgte, ist eher ungewiss.

    Meine Interpretation dieser RIAA Regel wäre mit anderen Worten: Wenn ich heute nach meinem besten Wissen & Gewissen eine vermeintlich definierte EQ-Kurve beim Abspielen / Speichern eben falsch einsetze, hat der End User dann das Problem rauszufinden, was jetzt gilt.


    Wie ich auch erläuterte, ist RIAA bei Schellacks zwar nie ganz richtig (!!) aber als „Arbeitshypothese“ doch ganz brauchbar.


    UND, ich mache da kein Geheimnis: Das Raussuchen - oder vielfach eher ein rein vergleichendes Rausfinden - der richtigen EQ-Kurve kann ganz zeitaufwändig sein. Und das Resultat dann doch wieder unklar; es sei denn man habe das Musikalische Grundwissen / (absolute) Musikalische Gehör, um auf Grund des Gehöhrten einen kompetenten Entscheid zu fällen.

    Grad bei alten Schellacks waren diese EQ-Standards teilweise sehr willkürlich, bzw. sogar kommerziell definiert, nach dem Motto: Nur MEIN Abspielgerät kann MEINE Platten richtig klingen lassen !


    Ich hatte anfangs endlose „Hör-Vergleiche“ mit dem REK-O KUT RE-Equalizer gemacht, ohne was Musikalisch Gescheites klar entscheiden zu können…(Man beachte: Was mir persönlich am besten gefällt, muss dann grad nicht das Musikalisch korrekte sein….)  ;)


    Daher mein Eingeständnis: ich bin leider klar der eher Technik-Lastige UN-Musikalische Geniesser…und halte mich somit strikt an RIAA.


    Gruss


    Urs


    PS: Seit ein paar Tagen habe ich jetzt einen hoch-wertigen Röhren-Phono-Pre, der bis 23 EQ-Kurven kennt - den brauche ich aber NUR zum Hören….

    Eine wenig beachtete „Schellack-Weisheit“ besagt:

    Die Wahre Seele der Musik versteckt sich hinter Knistern und Rauschen….

  • ... sei dies aber so quasi „der Standard“ bzw. eine Vereinbarung innerhalb derArchivierungs-Wissenschaften , dass der RAW-Master eben als RIAA Datei abgelegtwird.

    Moin Urs


    Ja dann braucht man da auch garnicht dran rütteln, wenn das eine allgemein gängige Praxis ist.


    Und wie wird das gehandhabt, wenn völlig klar ist welche Entzerrung die richtige ist? Was machst du, wenn auf dem Label vermerkt ist, Entzerrung nach Columbia oder CCIR? Wird dann trotzdem RIAA genommen, obwohl man es ohne aufwändige Recherche auch gleich richtig machen könnte?


    Gruß

    Michael

  • Michael,


    Sooo "Neu-modisches Zeugs" ;) hatte ich bisher noch nicht zum Verarbeiten.

    die "neuesten" Schellacks waren von ca. 1945, vieles aus den Dreissigern des letzten Jahrhunderts :)

    Vermutlich (?) würde ich dann die definierte/bekannte Kennlinie brauchen...oder ich erstelle gleich zwei Raw-Master....


    Gruss

    Urs

    Eine wenig beachtete „Schellack-Weisheit“ besagt:

    Die Wahre Seele der Musik versteckt sich hinter Knistern und Rauschen….