Big Star - #1 Record / Radio City / Third

  • Anbei einige Infos zu Big Star, einer Gruppe die zu Ihren Lebzeiten sträflich ignoriert wurde. Und das trotz Kritikerlob und toller Platten. Eine Grupp die mir sehr am Herzen liegt. Und die kaum einer kennt, zumindest glaube ich das. Um Euch die Musik ein wenig näherzubringen der folgende Thread. Ich hatte die Alben teilweise schon im THREAD PLATTEN vorgestellt, doch verdienen sie eine besser platzierte Würdigung.


    Einleitung bei allmusic.com: “The quintessential American power pop band, Big Star remains one of the most mythic and influential cult acts in all of rock & roll.”

    Alle Ihre drei Alben 1971-75 haben auf Allmuisc.com die Höchstwertung sowohl von Kritiker als auch von User Seite!


    Für viele Collegee Rock Alternative Rock Bands der 80er sind Big Star ein wichtigen Einfluss, u.a. R.E.M., The Replacements, The dB’s, The Posies oder Teenage Fanclub.


    Big Star wurde 1971 von Alex Chilton (g, voc), Chris Bell (g, voc), Andy Hummels (b) und Jody Stephens (dr) in Memphis/Tennessee gegründet und existierte 1974. Der ein oder andere wird Alex Chilton noch als Lead-Sänger der Box Tops mit ihrem Monsterhit „The Letter“ kennen (kaum zu glauben, dass die tiefe und dunkle Stimme von einem 16-jährigem stammt). Oder aber von seinen Solo-Platten später. Ab 1993 war Big Star (nur noch mit Chilton und Stephens) sporadisch wieder aktiv. Hier soll es aber nur um die Zeit 1971 – 1975 gehen. Big Star hatten ein großen Talent das richtige zur falschen Zeit am falschen Ort zu machen.

  • Platte #1:

    Big Star - #1 Record (Ardent US 1972; RE Ardent, US 2009)


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    Chilton kam von den Box Tops und wollte etwas anders als von außen diktierten Pop machen. Bell, Hummels und Stephens waren vorher bei Icewater/RockCity aktiv.


    #1 Records bekam begeisterte Kritiken, aber hatte katastrophale Verkaufszahlen. Ihr Label Ardent (gehört zu Stax) hatte massive Vertriebsprobleme und so war die Platte in den meisten Läden nicht verfügbar. Insgesamt wurden bei der Erstveröffentlichung wohl weniger wie 10.000 Einheiten verkauft.


    Auszug aus wikipedia.org:

    On its release in August 1972, #1 Record immediately received widespread acclaim, and continued to do so for six months … Record World called it "one of the best albums of the year", and Billboard commented, "Every cut could be a single". Cashbox described it as one where "everything falls together as a total sound" and one that "should go to the top". The River City Review's reaction to the album was to state that "Big Star will be around for many moons"


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    Hat alles nichts geholfen, und so wurde es ein Kultalbum, dass erst Jahre später wirklich gewürdigt wurde. Es gehört, wie die beiden Folgealben auch, zu den 500 Greatest Albums Of All Time des Rolling Stone und ist im Buch 1001 Records To Must Hear Before You Die enthalten, der Song Thirteen gehört dann auch noch zu den 500 Greatest Songs Of All Time des Rolling Stone.


    Musikalisch geht es um einfachen, leichten Pop mit klirrenden Gitarren beeinflusst von den Beatles und den Byrds. Später klangen Tom Petty und R.E.M. ähnlich.


    Meine Ausgabe hat ein „mastering by Chris Bellman at Bernie Grundmann“ und stimmt mit der Classic Records Ausgabe aus dem gleichem Jahr überein. Klanglich und fertigungstechnisch erste Sahne.


    Anpieltipps: Thirteen; The Ballad Of El Goodoo; Don’t Lie To Me

  • In der Zwischenzeit hatte Chris Bell die Gruppe verlassen. Er hatte die Band eher als Studioprojekt gesehen, die Anderen wollte aber auch ein Live Band sein. Bell litt außerdem unter der erhöhten Aufmerksamkeit die Chilton (wegen seiner Box Star Vergangenheit) bekam. Die Gruppe hatte sich sogar kurz aufgelöst, es sollte nur noch einen Live Auftritt auf einer Versammlung von lokaler Rockkritikern geben, die wurde aber so erfolgreich, dass man sich als Trio zum Weitermachen entschloss


    Platte #2:

    Big Star – Radio City (Ardent US 1974).


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    Obwohl nicht mehr in der band, hat Chris Bell noch an einigen Songs mitgearbeitet. Insgesamt ist das Album ein lockers Trio Album mit starker Gitarren-Power-Pop Musik.


    Allmusic.com meint:

    “Big Star's second album, 1974's Radio City, remains their masterpiece -- ragged and raw guitar pop infused with remarkable intensity and spontaneity. It also contains perhaps their best-known song, the oft-covered cult classic "September Gurls." If #1 Record had a certain pop perfection that brought everything together, Radio City was the sound of everything falling apart, which proved at least as compelling.”


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    Und aus wikipedia:

    Rolling Stone's Ken Barnes, describing the musical style of Radio City, opens by noting as a backdrop that the band's debut, #1 Record, established it as ‘one of the leading new American bands working in the mid-Sixties pop and rock vein’. Radio City, Barnes finds, has "’lenty of shimmering pop delights’, although ‘the opening tune, 'O My Soul,' is a foreboding, sprawling funk affair’; Barnes concludes that ‘Sometimes they sound like the Byrds, sometimes like the early Who, but usually like their own indescribable selves’”


    Wieder bekam das Album exzellente Kritiken, aber schon wieder machten Vertriebsprobleme von Ardent / Stax alle Hoffnungen zunichte.


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    Andy Hummel stieg dann auch aus. Es wurden einige Gigs mit John Lightman als Bassist an der Ostküste gespielt (davon ist gibt es ein Album „Live on WLIR“, 2016).


    Mein Exemplar ist ein US Orginal von 1974 und klingt top. Aber auch hiervon gibt es einige Reissues.


    Anpieltipps: September Gurls; O, My Soul; You Get What You Deserve; I’m In Love With A Girl

  • Platte #3:

    Big Star – 3rd / Sister Lovers

    (aufgenommen 1975, Erstveröffentlichung 1978 von PVC in den USA und Aura in UK; RE Omnivore 2016)


    Big Star bestand dann nur noch aus Alex Chilton und Jody Stephens. Im Septembver 1974 begann die Arbeit am dritten Album, unterstützt vom Produzenten Jim Dickinson. Abgeschlossen wurden die Aufnahmen im Frühjahr 1975. Unterstützt wurden sie von einer Reihe von Studio Musikern, u.a. Steve Cropper.


    Ardent / Stax lehnte die Veröffentlichung aufgrund niedriger Verkaufserartugnen ab. Gepresst wurden 250 “promotional copies“, aber es konnte kein Interessent gefunden werden. Und das war es dann mit Big Star. So kam es, dass das Album erst 1978 zuerst in UK und dann in den USA veröfffentlicht wurde.


    Cover der Erstveröffenlichungen: US 1st 1978, US 2nd 1985, UK 1st 1978

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    Das Album ist schon fast ein Chilton Solo Werk. Es ist anders als alles was Alex Chilton vorher und nachher gemacht hat. Zitat von Chilton Biograf Bruce Eaton:

    “… a batch of starkly personal, often experimental, and by turns beautiful and haunting songs that were anything but straight-up power pop.


    Das Album verlangt dem Hörer einges ab. Es ist tieftraurig und zerrissen. Bei Discogs erschien vor kurzem ein Blog mit den "saddest albums in music history". Und da hat Third einen Ehrenplatz. (Zitat „3rd is an aching, extremely beautiful collection of songs.”)



    2016/2017 erschien dann die definitive Ausgabe des Albums von den ersten Demos bis zum finalen Mix auf drei DoLPs bei Omnivore. Das dritte Album aus der Reihe enthält das Album in der ursprünglich vorgesehen Reihenfolge und als DoLP, so wie es ursprünglich vorgesehen war. Das dritte Album erschien teilweise in einer limited Edition mit einer Box zur Unterbringung aller drei Alben.


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    Ich habe die US 2nd press, ein RE von 4 Men With Beards du die oben erwähnte Monsterausgabe von Omnivore. Alle klingen gut, doch die Ausgabe von Omnivore ist die Beste. (Falls einer die Ausgabe von PVC oder 4 Men With Beards haben möchte, kann er sich ja melden)


    Anspieltipps Holocuast; Kizza Me; Jesus Christ; Kanga Roo;


    Für mich ist „Third / Sister Lovers“ das schwierigste, aber auch beste Album von Big Star. Trotzdem ist es wohl besser mit #1 Record oder Radio City zu beginnen, diese sind viel leichter zugänglich.


    Das war es fast zu Big Star, denn …

  • … es 2013 erschien eine Film-Dokumentation zu Big Star „Nothing Can Hurt Me“ (sehr zu empfehlen). Und dazu erschien zum am Record Store Day 2013 eine DoLp.


    Big Star – Nothing Can Hurt Me: Original Soundtrack (Omnivore, 2013)


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    Dies ist quasi eine Compilation über ihre Kernschaffensphase 1971-1975. Aber nicht ganz, es enthält nämlich Alternative Mixes, Rough Mixes, Demos und Mixes zum Film. Es sei trotzdem allen empfohlen die Big Star mit nur einem Album Kennenlernen wollen.



    Viele Grüße und viel Freude bei der Entdeckung von Big Star

    Claus

  • Ein super Bericht (über eine Band die ich wirklich noch gar nicht auf dem Zettel hatte,.....und da steht schon sehr viel drauf:P). Werde ich auf jeden Fall mal angehen!

    Danke und

    Freundliche Grüße

    Wolfgang

    No Guru,No Method,No Teacher.............

  • Sehr schön die Big Star Rezensionen hier zu lesen, Claus K!


    Auf Big Star kam ich durch Coverversionen von The Bangles (September Gurls), Wilco (Thristeen) und Evan Dando (The Ballad Of El Goodoo).


    Alex Chilton ist für mich einer der tollsten Blue Eyed Soul Sänger, The Box Tops mag ich sogar noch nen Tick lieber.

  • Zufälle gibts... wollte gerade was über die Craft Re-Issues von #1 Record und Radio City schreiben, weil diese wunderbare Vinyl-VÖs der beiden Meisterwerke sind.

    Die Musik hat Claus ja schon ausführlich beschrieben, daher kann ich mir die Mühe sparen.


    Beide Alben wurden AAA von den originalen Mastertapes gemastert, kommen in schweren high-gloss Tip-On-Sleeves (Vorsicht bei Fettfingern!) und klingen so druckvoll wie dynamisch wie ich die Alben noch nie gehört habe.


    Und ja, es gibt sie noch, sogar recht günstig, in Amazonien überm Teich:


    #1 Record


    Radio City


    LG Tobias

  • Danke für den Zuspruch, ich dachte schon ich sei der Einzige im Forum der der Band verfallen ist.


    gaucho69

    Es hat kurz gezuckt die Craft Reissues zu ordern, aber das Orginal ist ja auch AAA. Würde mich aber freuen wenn Du (oder ein anderer) darüber etwas mehr berichten kannst.

  • Hallo Claus


    Ich hatte mir noch eine Radio City von Craft geschnappt. Die ist irgendwo in speditiven Weiten unterwegs. Wenn sie denn da ist, gerne......


    Gruss

    Michael

    ever breathe a frequency?

  • Würde mich aber freuen wenn Du (oder ein anderer) darüber etwas mehr berichten kannst.

    Claus, soviel gibt es gar nicht zu sagen. Die tolle Haptik der Cover hab ich schon beschrieben. Ich kenne sonst hauptsächlich CDs und einige Pressungen von Omnivore, die ich nicht so prickelnd fand. Eher dünn und gerade RADIO CITY ziemlich schrill, die metallischen Gitarren. Und das Ganze ist sehr dynamisch mit viel Schmackes abgemischt. Das macht richtig Laune. Früher dachte ich oft, tolle Songs, klingen bescheiden. Das ist durch die Craft Releases Vergangenheit.

    LG Tobias

  • ... dann scheinen die Crafts eine gute Alternative zu sein.


    Third auf Omnivore (das 2016/17 RE) klingt in meinen Ohren gut, die anderen kenne ich nicht. Von Line habe ich eine Menge anderer Platten, die geben sich im allgemeinen große Mühe und so sollten auch die Big Star gut klingen. Und die Line Ausgaben sollten noch günstig zu haben sein.


    Viel Spaß mit der tollen Musik,
    Claus

  • Im Zusammenhang mit Big Star sollte man auch unbedingt Chris Bell's wunderbares posthum veröffentlichtes Album 'I Am The Cosmos' hinweisen. Davon ist im Januar eine sehr gute Version von Omnivore auf Vinyl erschienen.

  • Hallo Zusammen


    Meine Radio City ist mittlerweile eingetroffen - wie Tobias bereits geschrieben hat, lohnt sich diese Anschaffung definitiv. Klingt toll.....


    Gruss & bleibt gesund

    Michael

    ever breathe a frequency?