Plattenspieler-Netzteil für Synchronmotor pimpen

  • Hallo zusammen,


    bei einem meiner letzten Experimente merkte ich, dass im hohen Verstärkungsbereich außerhalb des Hörpegels das Brummen des Motors meines LP 12 hörbar ist, wenn der Tonabnehmer in Richtung Plattenmitte bei laufendem Motor und nicht abgesenkten Tonarmlift bewegt wird - Einstreuung der Motorspannung. Das interessierte mich technisch und ich habe gesehen, dass Linn das mit seiner Motorsteuerung durch die Absenkung der Spannung nach Anlaufen reduziert. Bei meinem Player ist ein Dr. Fuss Netzteil angeschlossen. Das macht schöne Sinuswellen um je 90° versetzt hat aber einer feste Ausgangsspannung von bei mir gemessenen 120Veff.

    Um auch hier die Spannung nach dem Anlaufen zu reduzieren, hatte ich erst daran gedacht die beiden Trafos mit Umschaltbaren zu ersetzen und diese nach Anlauf umzuschalten. Bin dann aber den deutlich einfacheren Weg gegangen und hab die DMOS Bausteine in der Verstärkung umschaltbar gemacht. Das jeweils ganz simpel mit einem einfachen Schalter von außen, so das ich nach Anlauf auf die geringere Spannung für den Motor umschalte. Kann man bei Bedarf auch noch mit einem Zeitrelais machen, ist aber dann mit deutlich erhöhtem Aufwand und Platzbedarf in dem engen Gehäuse eher schwierig. Beim Testversuch konnte ich dann bei Umschaltung von 120V auf meine reduzierten 45V auch deutlich den geringeren Brumm bei voll aufgedrehtem Pegel feststellen.


    Gibt es von Euch noch weitere Optimierungen bei den Netzteilen für Synchronmotoren, die Ihr hier teilen würdet.

    Freundliche Grüße


    Peter

  • Hi,


    Deine Lösung gefällt mir gut! Zeitschaltung mit Relais ist evtl. mit NE555 sehr platzsparend und einstellbar möglich.


    Die Qualität der Sinuswelle ist natürlich nicht unerheblich, einschließlich deren stabiler Frequenz. ich gehe davon aus, dass das beim vorhandenen Netzteil ausreichend gut ist (ich kenne die Schaltung nicht).


    Ansonsten ist eine einstellbare Phasenverschiebung prima, um Motorbrumm weiter zu reduzieren. Je nach Art der Erzeugung und Verstärkung der Sinuswelle ist das einfach bis aufwändig.


    Grüße!!

  • Das Fuss Netzteil an sich hat einen Wienbrücken-Oszillator und damit eine saubere Sinus Welle mit einer weiteren um 90° versetzten. Die Verstärker danach sind audio Verstärker auch mit einer für diese Zwecke sehr geringen Störung. Motorbrumm hatte ich beim LP12 in meiner Ausbaustufe nicht. Was eher theoretisch störte, war die relativ hohe Spannung und damit EMV wegen des 110V Motor. Das merkte man, wenn man bei extrem hoher Verstärkung den Tonabnehmer in Richtung Plattenmitte schob (Lift oben). Dann hörte man das 50Hz bzw. 68 Hz Brummen durch die Induktion auf den Tonabnehmer. Wenn man über den Bereich des "Doppeltellers" schob, ging es etwas zurück (höhere Schirmwirkung). Durch die deutlich geringere Spannung für das nur noch Weiterdrehen ist der Effekt um nochmals ca. 8dB gesenkt worden. Alles ohnehin nur deutlich geringer als das Rillenrauschen - daher akademisch :-) Wenn überhaupt würde ein Relais angesteuert über ein RC-Glied absolut reichen - die zweite Spannung für den NE555 muss ja auch noch woher. Selbst das war mir aber zu aufwendig - nur Umschalter auf geringe Spannung. Mit dem Umschalter kann man dann auch schön spielen und bei Plattenwiedergabe selbst im Pianissimo war bisher keinem ein Unterschied aufgefallen. Wenn ich dann aber ohne Platte mit voller Verstärkung den Effekt zeige, hört das jeder.

    Viele Grüße

    Freundliche Grüße


    Peter

  • Hi,


    ja klar, RC geht auch, für weniger Versierte ist der NE555 ggf. besser zu handhaben/kalkulieren.


    Die Wien-Brücke ist eigentlich nicht so stabil wie Quartz/CMOS-basierte oder uC-basierte. Das mag aber in der Praxis unerheblich sein.


    Je nach Präzision der Motorwicklung sind die 90° genau richtig oder auch nicht, deshalb ist die Phasenverschiebung bei den meisten neueren/besseren Netzteilen einstellbar. Das kann Vibrationen nochmals reduzieren. Bei einigen Plattenspieler-Anbietern werden die Netzteile so an die Motoren angepasst und/oder gepaart.


    Grüße!

  • Vielen Dank für die Erklärung. Da hab ich wohl eher einen weniger phasenversetzten Motor bei mir erwischt. Hier gibt es keine Rumpel-Übertragungen. Ist aber auch mit der Konstruktion Riemen schon extrem abgekoppelt. Ja, Wien ist insbesondere nicht so langzeitstabil und ich regel manchmal gemessen mit dem Stroboskop nach. Das ist aber nicht so wild. Hab einen elektronischen von Transrotor. Da geh ich aber auch manchmal in die Nachregelung. Am präzisesten ist bei mir immer noch der PS-X9. Hier würde dann aber auch jede Motorunregelmäßigkeit direkt übertragen - da ja direkt getrieben. Dies war mein erster Direkttriebler nachdem ich jahrelang nur Riemen gefahren hatte, wegen der Übertragung. Aber beim PS-X9 ist der Antrieb eben genial gemacht und der Plattenteller ist ja auch nicht ganz ohne:-)

    Freundliche Grüße


    Peter