Revision Schick 12“ Tonarm

  • Hallo Forengemeinde,


    bevor ich mit meinem Bericht zu meinem Vorhaben starte, etwas zur Vorgeschichte….


    Vor knapp zwei Jahren habe ich einen gebrauchten Schick 12“ Tonarm in OVP mit Zubehör und den drei Gegengewichten erworben. Da ich mich zu der Zeit mitten in den Umzugsvorbereitungen befand und weder das angedachte Musikzimmer noch das vorgesehene Laufwerk fertig war, konnte ich den Arm nur äußerlich begutachten und habe ihn erstmal gut verpackt eingelagert.


    Als im Frühjahr diesen Jahres das Musikzimmer und das Laufwerk fertig war, wurde noch schnell eine provisorische Base gefräst und endlich der Arm montiert und sollte ausgiebig getestet werden.


    Bei der Montage und beim Einstellen des Arms mit System fiel mir erst einmal nichts auf, das montierte Ortofon MC 30 Super in Verbindung mit einem Jelco HS-25 harmonisierte sehr gut mit dem Tonarm und klang fantastisch. Da ich an diesem Abend nur die Zeit hatte, in eine Scheibe rein zu hören, mussten weitere Eindrücke bis zum nächsten Tag warten. Am nächsten Tag kam dann die Dire Straits – Brother in Arms MFSL von 2015 auf den Plattenteller. Erst lief alles wie am Vortag, doch dann hatte ich plötzlich bei der Widergabe Probleme, so starkes Brummen, das die Tieftöner meine B&W anfingen zu flattern. Erst hatte ich eine nicht saubere Verbindung in Verdacht und habe alle Anschlüsse geprüft, ohne Erfolg. Dann kahm noch einmal der Tonarm und das System an die Reihe.


    Dabei fiel mir auf, dass der Tonarm in der horizontalen nicht sauber pendelte und manchmal an einer Stelle hängen blieb. Als erstes hatte ich das Innenkabel in Verdacht, da es nach Überprüfung recht stramm am Übergang vom Tonarmrohr zum Tonarmschafft verlief. Da ich sowieso auf M-Din umstellen wollte, habe ich den Schaftstopfen entfernt und das alte Kabel rausgezogen, da es wirklich sehr stramm war. Ohne Kabel pendelte der Arm zwar etwas besser, aber immer noch nicht so, wie es sein muss, dann konnte das Problem nur noch an der Tonarmwelle oder den Lagern liegen. Eine Option für nachträgliches Einstellen der Lager/Achse ist nicht gegeben bzw. vorgesehen, also kommt nur ein Neuaufbau in Frage.


    Lagerung des Tonarmrohrs


    Am Lagerpunkt geht eine M3 Gewindestange aus Messing durch das Tonarmrohr, die an beiden Seiten mit einer Schlitzmutter verschraubt und mit Gewindesicherung verklebt ist. Im Lagerbock sitzen zwei 3x8x3 mm Kugellager, die die Welle des Tonarmrohrs aufnehmen, die Welle ist an der Lagerbuchse mit Gewindesicherung verklebt und zwei Hutmuttern gesichert.

    Die M3 Welle (Ø ca. 2,89mm) sitzt in einer 3mm Buchse im Lager und hat somit 1/10mm Spiel, am Tonarmrohr geht die Welle durch eine 3mm Bohrung und hat hier ebenfalls etwas Spiel. Das brachte mich auf den Gedanken, es muss doch eine Möglichkeit geben, das Tonarmrohr nahezu Spielfrei zu lagern.


    Neulagerung


    Für die Neulagerung des Tonarmrohrs habe ich nach ein paar Überlegungen zwei mögliche Optionen gefunden, die ich euch etwas näher vorstellen möchte.


    1. Option

    Neulagerung wie in der Serie, Welle aus M3 Edelstahl, zur Fixierung selbstsichernde Muttern und evtl. Rändelschrauben mit Zentrierkonus am Lagerbock.


    Schick Option 1.jpg


    2. Option

    Über das Tonarmrohr kommt am Lagerpunkt eine Edelstahl/Messing Passhülse (Ø 15-16/10x24mm) mit seitlich zwei M3 Gewindebohrungen zur Aufnahme der Lagerschrauben (Passschrauben Ø4mm/M3) , unten einer Bohrung für den Kabelauslass und einem M2.5 Gewinde zur Aufnahme einer Madenschraube zur Fixierung des Tonarmrohrs.


    In den Lagerbock werden zwei neue 4x8x3mm Kugellager eingesetzt, als Welle für das Tonarmrohr kommen Passschrauben mit M3 Gewinde und 4mm Passung zum Einsatz. Dadurch wird das Spiel in der Lagerung auf nahezu null reduziert.


    Schick Option 2.jpg


    Hierzu habe ich noch ein paar Fragen an die DIY Tonarmbauer unter euch, welchen Einfluss hat die Passhülse zur Stabilisierung des Tonarmrohrs evtl. auf den Tonarm, z.B. eff. Masse usw. ?



    Umstellung auf M-Din Anschluss


    Da ich an meinen Tonarmen unterschiedliche Tonarmkabel verwende, wird der Tonarm auf M-Din umgerüstet. Der Tonarmschafft hat einen Innendurchmesser von 15 mm, der M-Din Stecker einen Außendurchmesser von 11mm, für die Umrüstung kommt eine Hülse aus Edelstahl mit 15/11mm zum Einsatz, die ich aus Edelstahl Präzisionsrohr 15mm Ø mit 2mm Wandstärke anfertigen werde, das passt perfekt.


    Danke schonmal im Voraus für eure Tipps und Anregungen:thumbup:

    Gruß Martin


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  • Hi,


    da das ggf. zusätzliche Gewicht quasi direkt im Drehpunkt liegt, hat es keinen nennenswerten Einfluss auf die effektive Masse. Ich würde die Variante nehmen, die sich gut umsetzen und einstellen lässt. Wenn man es neu aufbaut, kann man darauf achten, die Lagerpunke möglichst weit auseinander liegend zu gestalten, damit hat nicht zu vermeidendes minimales Lagerspiel weniger Einfluss (1/10 mm macht dann weniger Torsion/Verdrehwinkel).


    Grüße!

    krishu.de 6.0

  • Hi,

    die von Thomas Schick gewählten Lager sind welche, die beim Rollen über einen Gitarrenkorpus wenig Geräusche verursachen. Wenn ich mich richtig entsinne. Wenn ich neue einbauen würde, würde ich die von ihm beziehen. Irgendwo muss der gute Klang ja auch herkommen.


    Mir ist auch bewusst, dass beim Vertikallager der Drehwinkel minimalst ist und dass das Kriterium "möglichst wenig Geräuschentwicklung" vielleicht wenig zu der Anwendung passt.

    Für das Horizontallager ist das anders.


    Tschau,

    Frank

    Entspanntes Hören, Frank


    ] Vorhandensein von Musik - Zuhandensein von Klang [

  • Als ich mal bei Thomas war (ich hatte ja einen der ersten Schick Arme und auch Verbesserungsvorschläge und danach einen Zweiten) nahm er verschiedene Lager zwischen die Zähne und drehte sie. Das ist eine sehr feinfühlige Selektions-Methode.


    Oft genügen die einfachsten Mittel und Sinne. Ähnlich auch beim Abhören eines Laufwerks mit einem Stethoskop.

    Mit freundlichen Grüßen, Jo

  • Die original Lager konnte ich am Wochenende prüfe, dabei habe ich festgestellt, dass ein Lager beim Drehen etwas knirscht, der äußere Lagerring lag dabei auf einer Blechdose und wurde durch eine Spange gehalten.


    Unter dem Mikroskop konnte ich dann sehen, das die Lager geölt sind. Zwischen Lagerdeckel und innerem Lagerring ist ein kleiner Spalt, indem sich Staub abgesetzt hat. Die Lager liegen nun zum Reinigen in Waschbenzin, leider lässt sich der Lagerdeckel nicht entfernen für die Reinigung.


    Neue Lager für beide Optionen habe ich bereits geliefert bekommen, diese weisen nach der Entfettung und erster Prüfung geringeres Spiel auf als die Original verwendeten Lager. Bei den neuen Lagern handelt es sich um Präzisionslager mit Spezifikation "C2", für verminderte Lagerluft.


    Bis Freitag habe ich wahrscheinlich die Hülse fertig und werde schauen, ob es so passt wie ich mir das vorstelle.

    Gruß Martin


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  • Hat dann doch etwas länger gedauert, bis ich mich wider mit dem Schick beschäftigen konnte. Durch Corona und damit verbundener Kurzarbeit konnte der Dreher meines Vertrauens sich der Hülse nicht annehmen und ich habe das erst einmal auf Eis gelegt.


    In der Zwischenzeit konnte ich mich dem Tonarmrohr widmen. Das Ende des Tonarmrohrs ist mit Holz verschlossen, meine Vermutung ging dahin, das der Gesamte hintere Rohrbereich mit Holz gefüllt wurde, um die Übertragung von Resonanzen zu unterdrücken. Bei der Bearbeitung des Tonarmrohrs konnte ich aber feststellen, das es sich nur um einen Korken handelt, der das Rohr nur verschließt.


    Nach Entfernung des Korkens musste ich zu meiner Überraschung feststellen, dass das Gesamte Tonarmrohr hinter dem Tonarmlager mit feinen Messingspänen gefüllt ist und vorne und hinten mit einem Holzstopfen am Auslaufen gehindert werden.


    Dämpfung Tonarmrohr.jpg


    Der vordere Bereich des Tonarmrohrs wird mit den auf dem Bild zu sehenden blauen Streifen gedämmt. Hierbei handelt es sich um 5-6mm starken weichen Wollfilz, der durch leichtes biegen bzw. einrollen eine kleine Rinne bildet die einen Schrumpfschlauch mit ca. 2mm Durchmesser samt Innenverkabelung aufnimmt.


    Mittlerweile ist die Lagerhülse auch fertig, musste sie allerdings in Handarbeit selber anfertigen.


    Hülse1.jpg


    Dafür ist sie wie ich finde, nicht schlecht geworden.


    Hülse2.jpg


    Am Wochenende wird die Hülse auf da Tonarmrohr aufgeschrumpft, dann folgen weitere Infos und Bilder.

    Gruß Martin


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  • Hi,

    was lässt dich annehmen, dass der Arm hinterher besser klingt als vorher? Du baust ja einen leicht anderen Arm daraus. Weniger Spiel, besserer Klang?

    Oder ist besserer Klang nicht deine Intention?

    Entspanntes Hören, Frank


    ] Vorhandensein von Musik - Zuhandensein von Klang [

  • Hi


    ich könnte mir vorstellen, dass Messingspäne in einem Rohr Vibrationen wesentlich besser dämpfen als Filzstreifen.

    Th. Schick dürfte sich was dabei gedacht haben oder meinst du, sein Abfalleimer war einfach voll?:)


    Gruß Costa

    --------------------------------------------------------

  • Ich erwarte nicht, das der Arm besser kling, das war auch nicht meine Intention bei der Sache. Das Lager hakte und das und der Arm pendelte nicht freigängig, das allein war der Grund. Ich kann mir aber nicht vorstellen, das eine feinere Lagerung mit weniger Spiel sich negativ auswirkt.


    Ich bin mir sogar sicher, das Messingspäne besser dämpfen als Filzstreifen. Für jeden Zweck bzw. Effekt den ich erreichen möchte, gibt es passende Mittel.

    Gruß Martin


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  • oder meinst du, sein Abfalleimer war einfach voll?

    den Gedanken find ich sehr sympathisch und könnte es mir sogar vorstellen, dass die "Idee" an der Fräsmaschine entstanden ist.........


    VG

    Sascha

    The music was new, black polished chrome. And came over the summer like liquid night.

  • Hallo Martin,

    da ich mich zur Zeit selbst mit dem Bau eines 12-Zoll-Tonarms beschäftige, der sich am Schick orientiert, würde ich gerne wissen ob sich deine 2. Option in der Praxis bewährt hat oder ob du neue Erkenntnisse gewonnen hast?


    Liebe Grüße aus dem Westerwald

    Guido

  • Hallo Guido,


    mit der Option 1,aufbau des Tonarms wie Original, bin ich leider nicht glücklich geworden, mit dem Spiel zwischen Lager und Welle kam ich nicht wirklich klar.


    Die Option 2 ist mMn. die bessere Lösung. Die Passschrauben sitzen perfekt in den Lagerschalen und führen die Aufnahmehülse für das Tonarmrohr perfekt.


    Da ich zur Anfertigung der Tonarmhülse keine Drehbank zur Verfügung hatte, konnte ich sie nur mit meinen bescheidenen Mitteln von Hand anfertigen. Die M3 Gewindebohrungen sitzen vom Winkel leider nicht 100% genau in einer Linie. Aus diesem Grund werde ich die Hülse bei Gelegenheit in einer Dreherei anfertigen lassen.


    Für die Lagerung habe ich auf geschlossene Industrie Präzisionslager mit geringer Toleranz zurück gegriffen, die Lager wurden geöffnet und mit Alkohol vom Fett befreit und wieder verschlossen.


    Wie hast du das Tonarmrohr gebogen und welches Material hast du genommen?

    Gruß Martin


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  • Hallo Martin,

    als Tonarmrohr verwende ich blankes Alurohr mit 10mm Durchmesser und 1mm Wandstärke.

    Damit es beim Biegen nicht knickt habe ich ein stramm passendes PVC-umhülltes Kabel eingezogen und dann das Rohr um ein Stahlrohr gebogen, damit es nicht knickt.

    Bilder kannst du im Schick Tonarm- Thread sehen.


    Liebe Grüße,

    Guido