Passive PSI Monitorlautsprecher als normale Lautsprecher?

  • Seit kurzem besitze ich ein Paar PSI Duo 7707 Studiomonitore. Soviel ich herausgefunden habe sind dies die ersten Monitore, die von dieser Schweizer Firma gebaut wurden. Es gibt aber nur sehr wenige Infos dazu. 2-Weg, Bassreflex, 8 Ohm, 40 Watt. Hat jemand von euch mehr Infos / Erfahrungen mit diesen Monitoren? Ich habe sie an meine Quad Röhrenamps angehängt, sie tönen schön, aber im Vergleich zu meinen B&W 705 sehr "trocken" - aber das müssen solche Studiomonitore wohl?


    Als Nicht-Spezialist meine Frage: Worin unterscheidet sich ein Studio-Monitor von einem normalen Kompaktlautsprecher? Müssen sie zum Hören anders positioniert sein?


    IMG_8505.JPGIMG_8504.JPG

  • Studiomonitore werden meist direkt auf die Hörposition gerichtet. Sie sind nicht dafür gedacht, große Räume zu beschallen. Dafür geben sie in ihrem Bereich das Frequenzspektrum (mit Abstrichen) meist recht linear wieder. Ultra schwarze Bässe muss man aber auch hier nicht erwarten. Sie sind ein Werkzeug, dass funktionieren muss. Optik steht eher im Hintergrund. Sie sind fürs Abhören im Nahfeld, hier spielt Raumakustik meist keine (oder nur eine geringe) Rolle. Oft sind sie sehr analytisch. Man muss beim Abmischen ja alle Details hören. Räumliche Staffelung und Ausgewogenheit kommen teilweise etwas kurz.


    Kompaktlautsprecher sind ebenfalls nur für kleine Räume. Anforderungen an Klang stehen oft hinter der Platzierung im Bücherregal zurück. Optik ist hier teilweise wichtiger als der Klang.

    Boxen für geringe Ansprüche und kleines Budget.


    Das klingt jetzt evtl. so, als würde ich keine kleinen Boxen mögen. Stimmt nicht. Ich bin z.B. ein Fan von den Picolinos (aber im Vergleich mit gekauften Kompaktboxen sind diese ja auch schon nicht mehr so klein). Kleine Lautsprecher sind praktisch immer ein Kompromiss. In einem Studio ist Platz meist knapp, der Raum ist teilweise extrem bedämpft und deshalb ist es oft üblich die Boxen weiter oben zu befestigen und entsprechend auf den Hörplatz zu richten. Riesen Kisten, die erst mit großem Wandabstand klingen, ein komplettes Orchester mit allen Details in einen Raum mit über 30 m² zaubern, will keiner in einem Studio haben.

    Gruß


    Jan


    plattenspieler-forum.de


    Im Einsatz:

    JVC QL-Y55F, PE 2020L, Saba PSP 910, Saba PSP 250, Braun P2


    ToDos:

    Kenwood KD-1033, Dual: 1019, 1226, 1239, PE 3040, Uher PS950


    Darf gehen: Dual Golden 11

  • Man kann es auch ein wenig anders formulieren ;)


    Beides sind kleine Boxen. Bei den Studiomonitoren wird aber zum Teil sehr viel Aufwand betrieben, damit sie trotzdem recht linear wiedergeben, sie werden nur so groß gebaut, wie es eben nötig ist. Bei typischen Kompaktlautsprechern wird oft eher das aus der Bauform herausgeholt, was möglich ist und zur Not noch ein wenig zusätzlicher Aufwand betrieben, um den WAF zu erhöhen.

    Gruß


    Jan


    plattenspieler-forum.de


    Im Einsatz:

    JVC QL-Y55F, PE 2020L, Saba PSP 910, Saba PSP 250, Braun P2


    ToDos:

    Kenwood KD-1033, Dual: 1019, 1226, 1239, PE 3040, Uher PS950


    Darf gehen: Dual Golden 11

  • Danke dir für deine Einschätzung!

    Ja, bei den PSI wurde damals (1984) offenbar ein rechter Aufwand betrieben, jeder Box liegt ein Messprotokoll bei. Wie "gut" die Linearität im Vergleich zu heutigen Lautsprechern wohl ist?


    IMG_8507.jpg

  • Wie "gut" die Linearität im Vergleich zu heutigen Lautsprechern wohl ist?

    Quelle: HP von ME Geithain zur RL901K:


    FC31D7E1-811E-4E96-8736-96AC3DB0708D.png

    7A9373E2-6CBA-4343-9BCA-83ACCB7D5F61.png

    In Teilen widerspreche ich dir da: ultraschwarze Bässe gibt es hier mbMn sogar eher, räumliche Staffelung und Ausgewogenheit ohnehin. Per definitionem erwarte ich hier aufgrund eines meist angestrebten linearen Frequenzgangs ebendiese ja. Da widersprichst du dir zum Teil.

    Und innerhalb der sog. „Studiomonitore“ (wer hat diesen Begriff eigentlich definiert?) gibt es noch immer deutliche Unterschiede: ME Geithain schult das Gehör seiner Mitarbeiter durch regelmäßige Besuche in Konzerten dahin, dass Instrumente und Stimmen möglichst realistisch wiedergegeben werden - nicht anhand eines Frequenzgangs (siehe oben). Genelec, ATC etc. hören sich alle unterschiedlich an.

    Eigentlich ist ein Studiolautsprecher mMn eben vom Hersteller für die gewerbliche Anwendung im Studio gebaut. Sonst unterscheidet ihn nicht viel von einem „Consumer“-Produkt. Da dann Form-Follows-Function gilt, geht meist eine Optik mit geringem WAF (woman acceptance factor) einher...


    :D

  • tdfan7


    ...jeder Box liegt ein Messprotokoll bei. Wie "gut" die Linearität im Vergleich zu heutigen Lautsprechern wohl ist?...

    Ein individueller Messschrieb ist zunächst mal nur ein Indikator (von mehreren) für das Verhalten des Lautsprechers. In Deinem Falle aber (leider) eben nur auf Achse und nicht unter Winkel. Für ein reflektions- und nachhalloptimiertes Studio, in dem die Boxen auf den Hörort ausgerichtet betrieben werden, reicht der Achsfrequenzgang wohl auch aus. Zu Hause ist die Linearität außerhalb der Hauptachse wegen der vielen Reflektionen und des Nachhalles, welche den wahrgenommenen Klang sehr prägen, wichtig für die gehörte Klangqualität. Zu Hause wird auch meist nicht "auf Achse" gehört und auch "die Raumantwort" auf den Schall ausserhalb der Abstrahlhauptachse ist zu Hause wegen der oft fehlenden oder nicht vollständig optimerten raumakustischen Maßnahmen von signifikantem Einfluß auf die subjektive Wiedergabequalität.


    Vergleiche ich das auf Achse Frequenzgangdiagramm mit heutigen, sehe ich persönlich kaum Unterschiede in der "über alles Linarität". Was mir halt auffällt ist der frühe Tieftonabfall mit -6dB bei 60Hz. Je nach Musikgenre würde mir persönlich da doch Einiges fehlen. Linearität im Bereich +/-3dB (bei der offensichtlich signifikanten Messungsglättung) 80-20.000Hz ist heute auch Stand der Technik, allerdings kennen wir die Messbedingungen nicht: Messabstand, reflektionsarmer Raum(?), Glättungsmaß, Fensterung(?), usw.... Diese Relativierungen im Sinn behaltend sage ich mal vorsichtig: Die leichte Überhöhung bei 1...2kHz könnte Stimmen hervorheben, der (zum Glück) fehlende Pseudobassbuckel um 100...150Hz herum sollte die Bässe "knackig" lassen, aber der frühe Abfall unter 80Hz verhindert halt "Schwärze". Die leichte Überhöhung 8...15kHz kann "Glanz" aber auch Schärfe erzeugen.


    Nunja... das schreibt sich irgendwie dramatischer als es sich wohl anhören wird und ich möchte meinen Interpretationsversuch auch nicht als Kritik verstanden wissen, sondern wäre an Deiner subjektiven Verifikation oder Falsifikation interessiert! Es wäre wirklich toll wenn Du Deine Eindrücke teilen würdest!


    Grüße,

    Winfried

    Einer Behauptung ohne Beleg darf man auch mit einem Widerspruch ohne Beleg entgegnen. (Volksweisheit)

    Ich habe zwei Monoendstufen Vincent SP-996 zu verkaufen

  • Im Endeffekt gilt auch hier: es muss gefallen. Ich bin lediglich der Meinung, dass den sog. „Studiomonitoren“ bzw. „Studiolautsprechern“ allzuoft eine Eigenschaft angedichtet wird, die viele nicht haben.

  • Hallo David,


    ja, das finde ich auch, stimme Dir zu!


    Aber auch wenn's so scheinen mag, ich bezog mich nicht auf Deinen Beitrag, sondern nur auf die Frage des Threaderstellers :)


    Grüße,

    Winfried

    Einer Behauptung ohne Beleg darf man auch mit einem Widerspruch ohne Beleg entgegnen. (Volksweisheit)

    Ich habe zwei Monoendstufen Vincent SP-996 zu verkaufen

  • Hallo zusammen


    vielen Dank für eure Ausführungen! Ja, im Bassbereich fallen sie ab, das ist auch mein Höreindruck. Aber sonst gefallen sie mir gut. Die B&W 705 sind im ersten Vergleich etwas "saftiger" - oder wie ich das nennen soll... Aber mein Eindruck ist, dass diese PSI definitiv spannend sind.


    Ich sollte Ende September noch meine Tannoy Devon aus der Revision zurück bekommen, dann mache ich einen ausgiebigen Vergleich und berichte gerne.


    Grüsse


    Steff

  • Hey,

    ...bei so viel Gefallen einfach mal mit nem guten Subwoofer verbinden.

    Gute "Abhörsituation" für solche Speaker: ein recht hoher Tisch, ca. 1,2m auseinander darauf stellen, zum Hörplatz auf nem Stuhl ca 1 Meter davor oä ordentlich einwinkeln, evtl leicht nach oben...guter Sub unter den Tisch (eigentlich ja so ne Studiokonsole...also klassische "Desktop" Aufstellung)...ab geht`s.


    Ja, Nahfeld klingt schon gut. In meinem Studio mach ich das mit etwas weiteren Abständen mit Linn Nexus-hat was...Lautsprecher klingen sehr lebendig und "griffig" im Nahfeld (oder Midfield)...da hört man erst wieviel der Raumeinfluss bei kleinen Lautsprechern oft verdeckt-im Nahfeld wird bei kleinen Speakern eben das Verhältnis Membranfläche zu beschallender Fläche günstiger.


    Gruß,

    Bernie

    Musikmaschinen: Pro-Ject Xtension 10 / Benz ACE SL, Aikido MC Preamp,Musical Fidelity M5si,Visaton AtlantisMKII/Weichen von "Kalle Mk II"+viel/ lautes Gitarrenzeugs,Studiogerümpel (ua):QuintAudio HAVOFAST-Dauertinnitus wegen Rock`n Roll^^

  • Hallo

    Nicht ganz das Thema, aber der Zufall wollte es dass ich anlässlich der Einweihung des neuen Gebäude der Hochschule Luzern Musik deren Säle und Räume besichtigen konnte. Im Vinyl Hörraum ist eine PSI Monitor Anlage installiert. Ich kannte bis Dato die Schweizer Firma nicht (Schande über mich als Eidgenosse) und war von den Socken wie diese Klang. Klar, der Raum wurde nach akustischen Grundsätzen gebaut und ausgestattet, ist ja auch eine Musikhochschule, aber die Türme klangen so was von druckvoll und schön...


    Oben A 25 M und unten A 225 M, natürlich Aktiv. Wenn der Geldbeutel passt, nur her damit. Aktiv sowieso!

    PSI-2020-1.jpg