Funk Firm Houdini - ein Decoupler spielt wie entfesselt - ein Hörbericht

  • Lieferbar ab Ende September

    Hi Knut,


    vielen Dank für den schönen Bericht! Aber wie kommt es, dass du der Zeit soweit voraus bist?!


    Gruß,

    Jörg

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    .. höre Musik mit Wilson Benesch Turntable - Act Two Arm - Van den Hul Colibri - X-Ono Clone - JRDG Capri/102 - Wilson Benesch Act Two - und Digital mit Micromega Trio LW & Musical Fidelity M1 DAC

  • wie kommt es dass ich sofort in den Bericht reingehe und ihn nicht nachbearbeiten kann, liebe Moderation. Egal. Lest über die Fehler drüber weg.

    Zur Frage. Ich habe einen Tonarm bestellt. Da der Arm just eintraf, hat er mir Houdinis mit reingelegt.

    Einen für Tonabnehmer mt Gewinde, einen für Tonabnehmer ohne Gewinde. TA ohne Gewinde habe ich nicht. Den gebe ich daher zurück, den anderen muss ich natürlich bezahlen.

    Grüße

    Knut



    "Pokal oder Spital"

  • Verstehe - Danke! Dann freue ich mich ja schon auf den Bericht über den Arm ;)


    Gruß,

    Jörg

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  • sorry, hier die End Version. ich war bei der Korrektur zu langsam

    mit weniger Rechtschreibfehlern und kleinen Anmerkungen zusätzlich. Das rechtzeitige Absenden hier schlug dann fehl. Mein Fehler. Wenn die Mods das oben noch austauschen, wäre das schön.


    Der Houdini - ein Decoupler aus dem Hause Funk Firm


    Zu Houdini hatte ich zunächst keine Assoziation. Etwas nachblättern half mir. Beim ersten Suchtreffer findet sich etwas über einen Zauberer und Entfesselungskünstler, der so genial war, daß er den Mythos eines unbesiegbaren Supermanns bekam. „To houdinize“ fand sich nach seinem Tod im amerikanischen Vokabular. Das soll wohl darstellen wie jemand magisch einfach jeder brenzligen Situation entkommt. Wollte Funk Firm Chef Arthur Khoubesserian mit der Namensgebung denn Bogen zu dem historischen Zauberer schlagen? Wird der Houdini mich verzaubern, wird magisches Material verbaut, spielt es mit Houdini wie entfesselt? Erst einmal viele Fragen.


    Was ist denn überhaupt ein Funk Firm Houdini. Der Houdini, der von der Formgebung her an einen Rochen erinnert, ist einfach gesagt ein Entkoppler für Tonabnehmersysteme und wird zwischen Headshell und System montiert. Ähnliches gab es vom Cartridgeman, der Houdini ist aber weitaus komplexer. Ausgeliefert wird ein kleines Tütchen mit dem Houdini, einer Schablone zum Schrauben kürzen, eine besonders dünnen Schraubendreher(mit dem zieht man die Schrauben von oben durch den Houdini fest) und ein Set Nylonschrauben.

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    Wenn man den Houdini vor sich hat, wird es klarer, wie er funktioniert. Der Houdini besteht aus einer Aufnahme mit einer beweglichen Plattform an der Unterseite. Wie die genau gelagert ist, ist von außen nicht erkennbar. Der Tonabnehmer wird an dieser leicht beweglichen Plattform befestigt. Mit zwei weiteren Schrauben montiert man dieses Konstrukt an der Headshell. Damit die Montageschrauben, die von oben kommen, nicht die unteren Schrauben am Tonabnehmer berühren müssen sie gekürzt werden. Dazu liegt eine Schablone bei, die beim Schneiden auf die richtige Länge hilft. Die wird auf die Headshell gelegt. Schrauben zunächst von unten durchschieben, Schablone oben auflegen. Überstehendes mit dem Nagelknipser oder Cutter Messer abschneiden. Fertig.

    So schieben die Schrauben von oben nicht die unteren nach unten durch und beeinflussen damit auch nicht die Aufhängung. So befindet sich der Tonabnehmer also an der Plattform, die leichte Bewegungen zu lässt, -ganz minimale Restbeweglichkeit. Man merkt es, wenn man den Daumen auf diese Plattform drückt , daß ganz wenig Bewegung möglich ist. Man muss sich also keine Sorgen machen, daß der Tonabnehmer da irgendwie pendelt oder ähnliches.

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    Das beiliegende Manual ist übrigens tiptop gemacht mit sehr genialen Zeichnungen.


    Entscheidend ist, daß der Tonabnehmer selbst nicht mit Schrauben an der Headshell befestigt ist, sondern davon losgelöst an der Entkopplungs-Plattform. Der Rest bleibt wohl Khoubesserian Geheimnis. Nach seinen Aussagen hat er schon vor ewigen Jahren damit begonnen. Nun wo er doch schon etwas über 70 ist, wollte er sich diesen Traum erfüllen und die analoge Wiedergabe revolutionieren. Er behauptet, daß er damit mittelmäßige Tonarme auf ein sehr hohes Niveau anheben kann, Unterschiede zu teuren Armen ohne Houdini wären nicht mehr zu vernehmen. Ein hoch gesetztes Ziel. Nun hat er aber mit der Achromat und dem Vectoring drive schon für Aufsehen in der Analog-Szene gesorgt.


    Zu verwendeten Materialen schweigt er sich aus. In den Bilder sieht man eine leicht aufgerautes Material. Was unter der Plattform ist, ist nicht zu erspähen. Die Schraube in der Mitte sichert die Plattform vor unsachgemässen Gebrauch, in dem man zum Beispiel den Tonabnehmer versucht, irgendwie abzubauen, während die Schrauben noch zu fest sind. Also auch daran hat der Funk Firm Chef gedacht.


    Ich dachte ich probiere aus, ob Funk Firm mit den hoch gesetzten Ziel recht hat.


    Also habe ich ein Houdini am Rega RB900 montiert. Daran befindet sich ein Aidas MC mit Holzkorpus , das ganze läuft mit einem Acoustic Signature Final Tool Masselaufwerk. Der Houdini ist 6mm dick, der VTA muss also angepasst werden. Azimuth passte nach dem Festziehen der Schrauben gut. Optisch macht es sich prima- siehe Bild. Insgesamt habe ich 30 Minuten für die Montage gebraucht. Ich habe aber auch sehr ruhig und besonnen gearbeitet. Der offen konstruierte Tonabnehmer im Wert von 3K will vorsichtig behandelt werden. Ich habe dann eine Schraube für die Headshell zu kurz abgeknipst. Da würde ich mir wünschen, es wären noch Ersatzschrauben dabei.( Ich hatte zum Glück selbst Ersatz, da ich zwei Houdinis habe).


    Montiert:

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    Dann konnte es zum Hörtermin gehen:


    Trio, die aktuelle Best Of Doppel LP in farbigen Vinyl darf zuerst.

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    Der Track "DA DA DA Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht" wird durch die Basstrommel bestimmt. Aus einem laschen Booom, Booom, wird nun Pamm, Pamm! Heilige Maria! Das fällt sofort auf, der Punch ist nun extrem. Feine Details dringen zu den Ohren. Die Bühne rückt etwas zusammen. Dadurch ist alles etwas näher dran. Mir fällt das an dem kleinen ruhigen Zwischenteil auf, wo die Textzeilen ...ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht... offenbar direkt ins Mikro geflüstert werden. Das hörte ich vorher kaum. Nun klingt es fast gespenstisch nah. Ich reibe mir vor Begeisterung die Hände und spiele das Lied nochmal von vorne. Beim zweiten Durchlauf kommen dann aber auch Gedanken auf, warum es mit Schlagzeuger Peter Behrens so zu Ende ging. Er war schon eine coole Socke. Er starb verarmt.


    Die Taste LP On the boards liegt auf.

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    Der namengebende Track auf Seite 2 klingt fantastisch. Linksseitig Rorys Gitarrensolo sehr intensiv, rechts ein beindruckend fein aufgefächertes Schlagzeug, aber alles nicht zu weit nach aussen. Das ist jetzt realistischer „zusammengeschoben". Wie der Houdini meine Klangbühne beeinflussen kann, ist mir ein Rätsel. Alle Töne kommen geschmeidig, auch das Sax. Kein Gequäke- Musik pur. Der Houdini entschlackt die Wiedergabe. Man folgt den Noten und träumt. Schönes Gefühl Rory noch einmal so nah zu sein, leider sah ich ihn nie live.


    Nun dürfen die Kings of Leon mal Karussell fahren und fauchen? Ja, ja und nochmal ja. Keine Miezekatzen. Youth and Young Manhood auf 2 mal 180 Gramm.

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    Die Platte hatte einen Haken. Nun sind die Gitarren eh stark verzerrt und der Sänger knödelt sich durch die Lieder. Wehe da passt was nicht im Setup. Dann wird es anstrengend. Das war war auch so- man achte auf die Vergangenheitsform. Zudem klang sie leicht muffig. Also die Stimme wirkte leicht verhangen.

    Heiliger Herr Gesangsverein. Nun geht da was. Alles ist gut. Der Track "Wasted Time", ach ist das herrlich. Wie treibt der Song, was ist das cool. Das klingt frisch, sauber aus der Rille gelesen wie von CD, es knistert null, das leider zu kurze Schlagzeug- und Basssolo in der Mitte des Songs ist superb. Dann diese rotzige Stimme. Ich könnte durch das Wohnzimmer springen. Warum tue ich es nicht? Das Parkett ist doch nicht gebohnert. Die Bühne ist demnach gerichtet.


    Und das sind die Innenrillen der Platte, meine Herren. Das Aidas MC fährt sicher wie Hamburger U Bahn auf ihren Schienen. Lecker Ansichten gibt es dazu:

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    Die Stimmen sind absolut in ihre vorgegeben Form gegossen. Ich habe zumindest keine Probleme mehr mit S-Tönen. Zu oft wird es auf die Lp's und den Mix geschoben. Man macht es sich zu einfach. Erkenntnis für mich jetzt- heute.


    Und hier auch noch einmal. Die zu weit aussenliegenden Instrumente einer unrealistischen Bühne sind verschwunden. Nein, es ist jetzt nicht zu eingeengt. Alles eher passend. Keine Krakenarme des Schlagzeugers. Bei schnellen Songs fällt der hervorragende PRAT auf. Mit Luftschlagzeug steige ich nun in fast jeden Rocksong ein. Bei Kings of Leon halte ich noch mit. Schauen wir mal, ob das bei der nächsten LP auch noch der Fall ist. Das ist Schlagzeuggewitter Programm.


    Zeit für Rock’n’ Roll. Ja, das ist sie wieder. Die letzte Platte. Einige kriegen Würgreiz, man bringt die Nachbarn dazu, einen bei den Uniformierten anzuzeigen. Die Spinnen fallen von der Decke. Man vertreibt jeden Frau beim ersten Date. Unbeliebter kann man sich nicht machen. Slipknot wird den Versuch starten mir den Tonarm wegzureissen. Die Band wurde in Zusammenhang mit Tod von Jugendlichen gebracht. Das konnte aber nie bewiesen werden. Das Erscheinungsbild dieser Band lässt jede Grossmutter in Ohnmacht fallen. Ich lege die Platte Antennas to hell vorsichtig auf.

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    Was passiert jetzt? Titel „Eyeless“ spielt. Der Hund dreht sich auf den Rücken und die Beine zeigen nach oben. Gibt er auf oder habe ich da einen neuen Slipknot Fan? Zur Sicherheit bringe ich ihn raus. Denn nun wird es lauter gedreht. Kopfschüttelnd "lausche"(passt der Begriff wirklich?) ich den Klängen. Unfassbar dieses Schlagzeug. Schei..e. Gleich fliegt mir die Tischdecke vom Esstisch. Das ist doch nicht normal. Ich lach' mich weg. Hat der Corey Taylor 'ne Macke. Aber sein stimmliches Geracker wird sauber gespielt wie nie. Boah, schreit der sich einen ab, im Refrain singt er dann aber doch wieder eindringliche Melodien. Fett. Und diesen schweren Gitarren. Da rollt einem der Lack vom Lautsprecher. Wer den Mut hat, bitte anhören. Geil. Wird das alles super sortiert. Jede Instrument wird für sich präsentiert. Nein Metal muss kein Klangbrei sein. Der Houdini hilft auch hier, die Musik zu analysieren, sie in ihren Facetten darzustellen. Differenzieren statt Klangverschmieren.


    Und was Arthur Khoubesserian verspricht, dass Platten die mal anstrengend klangen, nun abspielbar sind, hält er. Ich habe die Slipknot bislang noch nicht in eins durchhören können. Jetzt wird es zum Erlebnis. Ich schüttele immer noch den Kopf. Das gibt es doch nicht, was hat der Kerl da erfunden? Der Houdini ist ein Zauberer. Oder hat Arthur magische Hände? Passender konnte die Bezeichnung nicht sein. Wenn du das je lesen solltest, Arthur: Danke Arthur für dieses Geschenk an die Analog- Fans. Du bist für mich ab sofort King Arthur.




    Preis: um 300,-Euro

    Lieferbar ab Ende September

    Grüße

    Knut



    "Pokal oder Spital"

    The post was edited 2 times, last by Indie Röhre ().

  • was wiegt denn der Houdini, hoffentlich nicht allzu schwer?

    das habe ich ganz vergessen. Etwas über 2 Gramm. Nun könnte man sagen: ahaaaaa, es ist die effektive Masse, die verändert wird. Ich habe die 2 Gramm vorher aber schon längere Zeit auf die Headshell geklebt in Form von Bluetack. Dann erst kam der Houdini ohne BlueTack.

    Grüße

    Knut



    "Pokal oder Spital"

  • Er behauptet, daß er damit mittelmäßige Tonarme auf ein sehr hohes Niveau anheben kann, Unterschiede zu teuren Armen ohne Houdini wären nicht mehr zu vernehmen

    Je größer die Wirkung des Houdini, desto mittelmässiger der Arm? :evil:;)

    Viele Grüsse,
    Mario


    "Viele Antworten können mit ihren Fragen nichts anfangen." (Piet Klocke)

  • Er behauptet, daß er damit mittelmäßige Tonarme auf ein sehr hohes Niveau anheben kann, Unterschiede zu teuren Armen ohne Houdini wären nicht mehr zu vernehmen

    Kühne Behauptung, Tonarmlager spielen also keine Rolle mehr oder aber sind alle auf einem so hohen / niedrigen Niveau das sie keine Unterschiede verursachen?

    Finde das Teil aber trotzdem interessant und durchdacht, gefällt mir auf jeden Fall besser, als dieses Unterlegteil, dessen Namen mir jetzt gerade nicht einfällt.


    Gruß Micha

  • Nun ja, mal rein praktisch betrachtet: Die meisten mittelmäßigen Arme werden keine VTA Verstellung von 6mm ermöglichen.

    Die guten Arme, die das ermöglichen, werden auf Mr. Houdini verzichten können. :/

    Rega p3 TS, Audiomods S5, Benz Glider SL, DV20X2L, Heed Quasar, Audio Research LS7, McCormack DNA, Dynaudio Contour II, Sennheiser HD600, Isoda, hms, Hannl


    Washburn Dreadnought


    Das Schöne an der Suche nach der Richtigen ist der Spaß mit den Falschen

  • wenig der Glaube an die Objektivität.

    ich wünschte ich könnte das ala Korf objektiv abhandeln. Also mit messen. Messen Tonarm A gegen B ohne Houdini. Tonarm preisgünstig mit Houdini gegen teuer messen, mit Umschalteinheit, VTA bis aufs Grad genau, mehrere Ausleger am Masselaufwerk, zweimal dieselben TA mit exakt 20 Stunden Laufzeit. Ergebnisse ohne jegliche Wertung zur Diskussion stellen. Das kann ich leider nicht leisten. Ich habe weder das Wissen dafür noch die Ausstattung.

    Grüße

    Knut



    "Pokal oder Spital"

  • Für den RF melde ich mal beredt Zweifel an, da er im Prinzip kein Eigenleben führt - vulgo, kein Flattern Indie Röhre. Allfällige Resonanzen können somit das System nicht irritieren.

    Einen Versuch, meine Hypothese zu stützen, wäre es natürlich wert ... 8)

    Freundlichst
    Karl-Ernst

  • Sorry, wenn ich jetzt der Spielverderber bin. Aber viel emotionales, "entschlacktes Geschwurbel", welches mir den Sinn dieses Wackelteils nicht nachvollziehbar näher bringt. Keine Vergleiche zwischen Vorher Nachher, hätte man digital aufnehmen und direkt vergleichen können. Naja, jeder wie er es braucht un viel Spaß damit. Bei mir bleibt alles fest wie möglich, gerade das war und ist ein Grundprinzip aller Rega-Konstruktionen.

  • Wenn das der "Gandy" ließt, :D:D:D:D:D

    ((((Dann lässt er die dritte Schraube auch noch wech vom System)))


    Ahoi


    Jürgen

    Alles was Spaß macht ist entweder "unmoralisch","macht dick" oder ist "zu teuer!!!"

    (War da etwa Haschisch in dem Schokoladenei)