Giant Sand / Howe Gelb und all seine Projekte



  • Teil 1


    Bevor ich zu den Anfängen meines Lieblingsmusikers (seit 1989 entdeckt) komme, dachte ich mir ich starte mit ein paar Kooperationen, die Howe Gelb’s besondere Leidenschaft als Musiker unterstreicht: die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern.

    Sein offenes Wesen erlaubte ihm, sich mit Musikern und überraschenden Stilrichtungen zu verbünden, sowohl im Studio als auch auf der Bühne.


    Richtig los gingen die untypische Kolaborationen außerhalb der Countryrock–Americana-Szene ab 2006:


    Live und Studio: Howe Gelb und der kanadische Gospelchor Voices Of Praise, welcher in den Alben “'Sno Angel Like You / 'Sno Angel Winging It (Live)” resultierte. Zwei Touren, einmal mit einem 9köpfigen, dann mit einem 6köpfigen Gospelchor. Einmal gesehen, nie wieder vergessen. Bluesrock im Gospelkleid hab ich vorher so auch noch nie gehört. Besonders toll war das Cover von Led Zeppelin’s “Immigrant Song”.


    2009


    Howe Gelb & A Band of Gypsies, mit 3 Flamencogitarristen (Reimundo Amador!), sowohl live als auch im Studio, das zu dem Album “Alegrias” führte.


    2012


    Als “Giant Giant Sand” mit den mexikanisch stämmigen Mitmusikern, die aber in den USA (AZ) leben und den Sound des etwas an Calexico erinnernden “Tucson – A Country Rock Opera” bestimmen. Brian Lopez, Gabriel Sullivan und John Villa haben hier ihre Duftmarke gesetzt.

    Das Livekonzert in München gilt unter den Fans, als eines der besten von Howe & Co. überhaupt, der Höhepunkt war das Cover von Jeanette’s “Porque Te Vas”



    Als Produzent hat er Robert Plant/Jimmy Page (Rainer Ptacek Tribute Album) und K.T.Tunstall (Invisible Empire / Crescent Moon) unterstützt.


    Auf der Bühne stand er u.A. mit John Paul Jones, Grant Lee Philips, Steve Shelley, Lonna Kelly, Lisa Germano (spielte bei John C. Mellenkamp Geige), Rainer Ptacek, Winston Watson, Vic Chesnut (RIP), M. Ward und vielen mehr.


    Aufgenommen hat er mit John Parish, P.J. Harvey, James Dickinson, Kevin Salem, Niko Case, Juliana Hatfiel, Vicki Peterson, Steve Wynn, Victoria Williams, Chris Cacavas, Tom Larkins u.s.w…

    Aufgetreten ist Howe Gelb auch in einer holländischen Fernsehshow von Carice van Houten (Melisandre aus Game of Thrones), die selbst auf ihrem Album “See you on the ice” 2 Stücke von Gelb gecovert hat.


    Inzwischen kann Howe stolz sein mit solch nahmhaften Drummern wie John Convertino, Tommy Larkins, Winston Watson und Pete Shelley aufgetreten zu sein.


    Dieser Hintergrund ist wichtig zu verstehen, weil es auch erklärt, warum die Musik von Giant Sand & Co. manchmal etwas erratisch daherkommt. Das liegt nicht an den Mitmusikern, sondern an Howe Gelb’s Einstellung, dass man seine eigenen Songs durchaus auseinandernehmen und wieder neu zusammenfügen kann. Und am liebsten tut er das mit anderen Musikern.


    Ende Teil 1

    "Yeah, well, that's just, like, your opinion, man."

  • Teil 2 Giant Sand / The Band of Blacky Ranchette in den 80ern


    Nach dem kurzen Vorspiel der Giant Sandworms, die noch ein bischen New Wave geatmet haben,

    startete Howe Gelb zwei Bands auf einmal. Gemäß seinem Motto “Giant Sand” ist keine Band, sondern eine Stimmung, hat er die etwas mehr ins traditionelle Country driftenden Stücke auf “The Band of…” Alben veröffentlicht, die schrofferen und rockigeren Songs dagegen als Giant Sand.


    1985 ging es los mit dem Debut Valley of Rain, das er vor kurzem nochmal komplett neu eingespielt hat. Empfehlenswert trotzdem ist die Ur-Version, weil sie vom Sound bissiger daher kommt.



    Es folgten ziemlich schnell Ballad of a thin line man” und das akustische “Storm”.


    Danach folgte Howe’s Umzug mit Paula Jean Brown und seiner Tochter “Indiosa” Patsy nach L.A..

    Auf einem Stockwerk des Appartmenthauses traf er dann seinen Nachbarn und den vielleicht wichtigsten Mitstreiter seiner Laufbahn: John Convertino, der sowohl im Jazz als auch im Rock zu Hause war. Später kam dann Joey Burns (ab 1991) als Bassist hinzu, beide dann ab 1996 bekannt als “Spoke” b.z.w kurz darauf als “Calexico”, welche die Karriereleiter vor allem in Europa bestiegen.


    1988 war das Album “The Love Songs” der Umbruch der geradlienigen Garagenband, zu der äußerst variablen Rockband, die auf vielen stilistischen Hochzeiten tanzen konnte. Coverversionen von den Temptations & Peggy Lee zeugen davon. Hier und die nächsten Jahre hat auch Chris Cacavas’ Orgelsound die Songs bereichert. Nach ihre Duo-Livetour durch Europa ließen sich John Convertino und Howe Gelb als Zwischenstop in der Rimrockranch/Pioneertown Kalifornien nieder, um dort als Duo das letzte Album der 80er :“Long Stem Rant” einzuspielen,. Pappy & Harriet’s war eine Truckerunterkunft. In der sie residierten und Pappy Allen später als Sänger mit aufnahmen.

    https://i1.sndcdn.com/artworks…01714-65ajom-t500x500.jpg

    Howe und John haben dann einen knallroten Schuppen gemietet und im Sinne von the Big Pink dort ihre Songs aufgenommen.


    Paralell zu Giant Sand veröffentlichte Howe Gelb 1985/1986 und 1990 die ersten drei von vier Alben der Formation “The Band of Blacky Ranchette”. Zusammen mit seinem besten Freund Rainer Ptacek, der die Dobro-Slide-Gitarre spielte, und selbst dann ab den 90ern solierte. Hier war dann häufig Tom Larkins an den Drums zu hören.

    Dem gleichnamigen Debut folgten “Heartland” und “Sage Advice”.


    Interessanter Zufall, daß ziemlich gleichzeitig die Punk-Country Band “Uncle Tupelo” aus Belleville, IL von Jeff Tweedy und Jay Farrar aus der Wiege gehoben wurde, aber das ist eine eigene Geschichte.


    Ende Teil 2

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  • Teil 3 Der Sprung in die 90er bis zur Auflösung des klassischen Trios


    Das letzte Album mit Mark Walton am Bass erschien 1990. “Swerve” war auch das erste Album dessen Veröffentlichung ich kaum erwarten konnte, weil ich die Band erst kurz vorher entdeckt hatte. Zum ersten Mal habe ich dann Giant Sand auch live im Nachtwerk in München gesehen und war hin und weg. Was für eine Dynamik, was für eine unberechenbare Darbietung...anything goes.

    http://www.sa-wa-ro.com/GS-Live/gs-live-1990.htm#

    Es war aber auch das Ende des kurzzeitigen Trios mit Mark Walton, dem dann das bekannteste Trio mit Joey Burns & John Convertino (den späteren Calexico Gründern) folgte.


    Diese bis 2000 dauernde Formation hielt immerhin 9 Jahre, und debutierte in dem Album “Ramp”,

    und die Veröffentlichungen kamen Schlag auf Schlag, mindestens ein Album pro Jahr manchmal 2.


    Für die Übersicht aller Veröffentlichungen hat Mike Brewer aus England eine ganz hervorragende Seite zusammengestellt, die Übersicht bietet, auch wenn einen die Anzahl der gesamten Alben (dürften so über 60 sein) etwas überfordert.


    http://www.sa-wa-ro.com/GiantSand.htm


    Nach “Ramp” folgte 1992 “Center Of The Universe” welches Howe mit einer einzigen halbakustischen Gitarre aufgenommen hat. Eigentlich nicht zu glauben, wenn man das Ergebnis hört:



    Über dem dann sogar mir zu erratischen “Purge & Slouch” kam 1994 “Glum” bei dem Gelb mal richtig Geld zuhand hatte. Und es hat sich gelohnt: es ist für manchen Fan das Lieblingsalbum. Mit Gastmusikern vom feinsten wie Rainer Ptacek, Neil Harry, Malcolm Burn, Victoria Williams, Pappy Allen, Chris Cacavas, Peter Holsapple, Lisa Germano & Susan Cowsill ist es bis dato das aufwendig produzierteste Album und resultierte in 4 Videoveröffentlichungen, die damals für die Vermarktung in MTV Zeiten wichtig waren.



    1995 kam dann der Livealbum-Doppelschlag sowohl elektrisch mit “Goods and Sevices” als auch akustisch während einem Barbecue aufgenommene “Breakfast Barbecue Broadcast” das seinen Jamcharacter nicht verleugnen kann.


    1996 begann für Howe Gelb eine sehr traurige Zeit, weil sein langjähriger Freund Rainer Ptacek (der ihn als Frischling zum musizieren ermutigt hat) an Krebs erkrankt war und schließlich im Nov. 1997 verstarb. Das Rainer Ptacek Tribut Album “Inner Flame” wurde dann auch mit Hilfe von Robert Plant und Jimmy Page 1997 aus der Taufe gehoben. Die OP8 Tour brach Howe dann wg. Rainers erneutem gesundheitlichen Rückschlag ab, und ließ die restlichen Konzerte vom übriggebliebenen Trio Burns, Convertino und Lisa Germano beenden. Das Konzert in München habe ich gesehen.


    In den Jahren 1998 und 1999 gab es zusätzlich zu Howe’s schwerer Zeit auch die wachsende Unvereinbarkeit der Liveauftritte von Calexico und Giant Sand, was dann nach drei Giant Sand Touren in 2000 zur Auflösung des klassischen Trios führte.


    Das letzte Album in den 90ern war dann allerdings für die Fans ein Paukenschlag, weil niemand im Herbst 1999 eine Veröffentlichung erwartete, das aber mit 3 Produzenten (Kevin Salem – New york, Jim Dickinson – Memphis und John Parish – Tucson AZ) aufwendig gemeisterte “Chore Of Enchantment” im September 1999 von Howe im Direktvertrieb verschickt und verkauft wurde.

    Überhaupt hat Howe erstmalig die Produzententätigkeit abgegeben und bis heute ist es nicht nur mein liebstes GS-Album, sondern meine ewige Nr.1 aller LPs die ich kenne.


    https://www.youtube.com/watch?…d_8v5PA7_prJ-fH7w&index=9


    Noch 1999 wurde “Chore..”von der Plattenfirma abgelehnt, es hat der Hit gefehlt. Im Nachhinein lustig, weil das verlinkte “Shiver” sogar für einen Werbespot gebucht wurde. Mit “Thrill Jockey” fand Howe dann einen neuen passenden Vertriebspartner, der hinter ihm stand und auch die nächsten Veröffentlichungen in die 2000er übernahm.


    Ende Teil 3

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  • Hi Krautathaus,

    mit Howe Gelb und Giant Sand hast Du Sir ein umfangreiches Bandschaffen vorgenommen. Ich freue mich schon auf die vielen Fortsetzungen.
    Gruß, Claus

    Danke Claus, es kommt noch was, braucht aber ein bischen Zeit. Leider läßt die Forensoftware keine Editierung zu, so muß ich das Soloschaffen bis 2000, nochmal extra kurz anreißen. Dann gehts in den letzten Part der letzten 20 Jahre. Es soll in erster Linie eine übersichtliche Zusammenfassung der Karriere sein.


    Es ist halt eine seit 31 Jahren gewachsene Zuineigung zu Howe Gelb's künstlerischem Schaffen.


    Mit 82 offiziellen Tonträgern auf CD, 14 auf 7” und 50 auf 12” ist Howe Gelb/Giant Sand bei mir (fast) komplett vertreten, eine Single fehlt mir, sowie das erste Tape. Dazu kommen noch knapp 200 Liveaufnahmen auf CDR.


    Das muß für so manchen Musiker ernüchternd sein, wenn Gelb von sich als "lazy" Produzenten spricht.

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  • ... ja, das Ist ein mühevolles Unterfangen alle seine Projekte nachverfolgen zu wollen. Ich habe mich mit einer kleinen Auswahl begnügt. Mein Erstkontakt zu Giant Sand kam mal wieder über Glitterhouse zustande, Wie kamst Du zu Howe Gelb?


    Bei mir im Regal:

    Giant Sand- Strom (1988)

    Giant Sand- Long Stem Rant (1989)

    Giant Sand- Purge & Slough (1993)

    Giant Sand- Glum (1995)

    Giant Sand- Chore Of Enchantment (1999)

    Giant Sand- Selections Circa 1990 - 2000 (2001)

    Giant Sand- Cover Magazine (2002)

    Giant Sand- Blurry Blue Mountain (2010)

    Giant Giant Sand- Tucson (2012)

    Gelb, Howe- The Coincidentalist (2016)

    Giant Sand- Returns To The Valley Of Rain (2018)


    Mir gefallen die frühen Sachen am besten und erstaunlicherweise auch das späte "Returns To The Valley Of Rain". Und was sind Deine Lieblingsalben?


    Gruß, Claus

  • Claus, durch einen Bekannten, der mir 2 Giant Sand Kompilationen geliehen hat (Giant Songs und Giant Sandwich) bin ich 1989 auf GS gekommen, Dann hab ich 1990 das Trio mit Convertino und Mark Walton in München (Nachtwerk) gesehen, und auf LP und CD den Backkatalog (der damals noch nicht so umfassend war) gekauft. Glitterhouse hab ich erst so 1994 entdeckt, und mit Glitterhouse die tollen Alben von Rainer Ptacek der ein unglaublich toller Songwriter und Dobrospieler war.



    Mal so aus der Hüfte würde ich ein Ranking der Giant Sand Studioalben so ansetzen:


    1. Chore of Enchantment (es gibt kein Album auf dem Planeten, daß ich öfter gehört hätte)

    2. The Love Songs

    3. Glum

    4. Center Of The Universe

    5. Ramp

    6. Tucson - A Country Rock Opera

    7. Valley of Rain

    8. Ballad of a thin line man

    9. Storm

    10. Swerve


    "Heartbreak Pass" ist schon auch verdammt gut und die beiden offiziellen Livealben sind auch eine Klasse für sich. Da gibt's aber massig inoffizielle Liveaufnahmen (SDBD und Radio) die unter den Fans mit Howe's Segen kursieren. Eines der tollsten ist die Radioübertragung von 1995 aus der Muffathalle von Bayern2 mit The Friends Of Dean Martinez als Vorband.


    Er selbst mochte persönlich lieber Microaufnahmen der Konzerte, weil SDBD aufnahmen oft recht pappig klingen, und da muß ich ihm Recht geben.


    Ranking der Howe Gelb Alben


    1. Dreaded Brown Recluse

    2. Hisser

    3. The Listener

    4. Alegrias

    5. 'Sno Angel Like You / 'Sno Angel winging it

    6. The Coincidentalist

    7. Future Standards

    8. Gathered

    9. Further Standards

    dann wird's schwer zu ranken.


    The Band of Blacky Ranchette (easy money)


    1. Heartland

    2. Sage Advice

    3. The Band of Blacky Ranchette

    4. Still lookin' good to me


    Sehr gut sind natürlich auch


    OP8 - Slush (mit Lisa Germano)


    Arizona Amp And Alternator - AAAA


    Inzwischen kann man über YouTube in sehr viele Alben komplett reinhören.


    Hoffe das gibt vielleicht wieder ein bischen Anschub. Beizeiten werde ich mal die ganze Discographie besternen, einen Großteil hab ich schon gemacht...mir fehlen nur die letzten 8 Jahre.


    Viele Grüße

    Thomas

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  • Teil 3 Companion - Howe Gelb zweimal Solo in den 90ern


    Howe Gelb’s erstes Soloalbum “Dreaded Brown Recluse” erschien 1991 mit Tracks, die seine ganze Laufbahn begleiten sollte. “Warm Storm”, “Picture Shows” & “vor allem “Always Horses Coming” werden auf einigen anderen Alben in gänzlich unterschiedlichen Fassungen erscheinen. Stücke, die in den 90ern auf Soloalben erscheinen, sind sehr stripped down, eher ruhig und zurückhaltend arrangiert. Trotzdem sind die Tracks manch Giant Sand Aufnahmen sehr ähnlich, weil die begleitende Band auch sein klassisches Trio ist. Das Auto auf dem Cover ist Howe's Barracuda, im Heck sitz die selbstgebaute und installierte Klimaanlage, die lt. seinem Kommentar nie richtig funktioniert hat.




    Das zweite Soloalbum “Hisser” erschien in seiner Trauerphase um Rainer Ptacek, 1998 und würde ich es (neben den diversen Pianoalben) als sein intimstes Werk bezeichnen. Auch hier sind seine üblichen Mitmusikanten am Werk, aber nicht durchgängig, sondern nur hier und da unterstützend. Auch hier erschienen Vorboten von Songs die z.B. auf “Chore of enchanment” erschienen sind, aber eher skizzenhaft, nicht durchproduziert, dafür sehr einnehmend und berührend. Gelb nimmt einen hier zur Seite und singt/flüstert seine Empfindungen uns direkt ins Ohr.



    Howe selbst zu Hisser: “Him (Rainer) being gone is not good. These songs aren't mostly about him, but the dwell sneaks in on more than a few. Rainer meant more to me than I'm suppose to tell you. Here's to his everlasting infiltration and rare extrodinaire y love.”


    Ende Teil 3 Companion

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  • Teil 4 Von Dänemark nach Tucson und zurück.


    Nach dem Karriererückblick “Selections ca. 1990 – 2000” ließ sich Gelb für das nächste GS Album ungewöhnlich lange Zeit, und es wurde ein Coveralbum der besonderen Art. Wer mal Black Sabbaths “Iron Man” im Badezimmermodus hören möchte, oder wie Marty Robbin’s “El Paso” sich mit Neil Young’s “Out on the weekend” aneinanderschmiegt, dem sei “Cover Magazine” aus 2002 vorbehaltlos empfohlen.

    Hier befinden sich noch mehr ungewöhnlich gute Interpretationen von Songs von “X” “Goldfrapp” ”Sonny Bono” “P.J.Harvey” “Johnny Cash” und “Nick Cave”.

    Mein Lieblingstitel ist das von Vic Chesnutt & Henriette Sannenvald (Under Byen) gesungene “Classico A Reprise”



    In 2004 hat sich Gelb privat längst mit seiner dänischen Frau und jugem Nachwuchs auf den Aufenthalt im Sommer in Dänemark und im Winter in Tucson AZ arrangiert.

    Nicht überraschend, daß das die am längsten andauernde Backingband aus dänischen Musikern auf dem cosmopolitisch betitelten Album “Is All Over The Map” debutiert.

    Anders Pedersen (lapsteel, electric slide mandolin) + Thøger T. Lund (upright + electrical bass) Peter Dombernowsky percussion + drums. Vor allem Thøger am Bass wird Howe fast immer live begleiten, er wird Howe’s musikalischer Partner, den er seit Ende der 90er wegen den absenten Joey/John wohl gebraucht hat. Die Dänen tun Gelb sehr gut, die Veröffentlichungen nehmen ab Mitte der 2000er bis heute einen deutlich eingängigeren verlauf, die Songs sind immer weniger erratisch, bis in die 2010er würde ich sagen, daß die Produktionen von Giant Sand die eingängisten sind.


    Es folgen “ProVisison” “Blurry Blue Mountain” und dann das im ersten Post erwähnte “Tucson – A Country Rock Opera”, das nicht ohne Grund unter Giant Giant Sand firmiert, haben sich doch die mexikanisch stämmigen Tucsonianer dazu gesellt und ein Album geschaffen, das jede Veröffentlichung von Calexico als Vergleich nicht scheuen braucht.

    Für mich in 2012 ein Höhepunkt in den zahlreichen Veröffentlichung, weil so abwechslungsreich, eingängig und mitreßend seit “Chore” kein Album mehr erschienen ist. Hier erweist sich die Wahl der Musiker für Howe absolut als gewinnbringend, sie fordern seine Disziplin (an der es ihm lt. eigener Aussage mangelt) heraus und bewundern ihn gleichzeitig. Mein Fave:



    Das letzte originäre GS Album ist “Heartbreak Pass” danach folgten ab 2015 Soloalben, auf die ich im Companion Teil eingehe. Denn auch Solo ist Howe die letzen 15 Jahre zum Kosmopolit geworden. Kanada und vor allem Spanien hatten es ihm angetan. Man registriert seine Obsession für klimatische Gegensätze.

    Heartbreak Pass” ist Giant Sand als Großfamilie, wie Gelb gerne betont. Es packt die dänischen und mexikanischen Musiker auf eine LP und feiert hier 30 Jahre Giant Sand.



    Ende Teil 4

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  • Hier mal meine Wertung für die Alben in deiner Sammlung.


    Returns to Valley of Rain kommt für mich leider nicht an das Original Debutalbum ran, das hat bei mir ****1/2, klingt besser, und hat seinen 80er Garagenbandcharme.

    Purge and Slouch ist das einzige GS Album mit dem ich bis heute nicht warm geworden bin, es ist selbst mir zu erratisch.


    Der rest ist von sehr gut bis brilliant einzustufen. The best is yet to come...freu' dich drauf. Siehe mein Ranking.

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  • Leider bin ich beim Erfassen meiner Sammlung noch nicht bis zu "GIANT SAND" gekommen, aber ich bin ein großer Fan der Truppe und bei mir stehen sicherlich auch mehr als 20 LP's im Regal.

    Während ich jetzt mal deinen tollen Text hier lese, läuft bei mir...


    Giant1.jpg

    GIANT SAND - Valley Of Rain von 1985/2010 auf Fire Records (US)


    Wolle

  • Das ist toll zu hören, Wolle. Sehr viel mehr kommt jetzt nicht mehr...Howe's Soloveröffentlichungen ab 2000 und dann sobald ich die Zeit finde, die komplette Besternung des Backkataloges.


    Du bist ja grad beim Erfassen von D. Glaubst du, dass ich den Buchstaben G bei der geschätzten Menge deiner Tonträger überhaupt noch erlebe? ;-)


    20 LPs von GS/Howe sind defintiv überdurchschnittlich viel. Wer weiß, vielleicht kann ich dir ja noch Geschmack auf die eine oder andere machen.

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  • Tja, der gute Krautathaus, dessen Name ich immer noch nicht kenne, hat nach Wilco noch eine Band ausgegraben, die mir mal sehr am Herzen gelegen hat.

    Leider endet meine Liebe schon mit THE LOVE SONGS, für mich persönlich der absolute Höhepunkt an Energie und fokussiertem Songwriting von Howe Gelb. Das Album ist schlicht der Wahnsinn und explodiert dann in LOVE LIKE A TRAIN, einem der genialsten Wah-Wah-Songs ever.


    Danach wurde er, ihr schreibt "erratisch", ich nenne es wurschtig, wir meinen wohl das Gleiche, zogen daraus aber unterschiedliche Konsequenzen. Ich hab ihn noch jahrelang verfolgt, aber ein-zwei gute Songs rechtfertigten irgendwann nicht mehr den Kauf eines ganzen Albums.


    Ich freu mich auch nicht wirklich über die Neuauflagen der LPs auf Vinyl. Cleaner Klang, artsy nichtssagende Cover und das Hinzufügen von Bonustiteln taten nicht gut. Gerade THE LOVE SONGS leidet furchtbar darunter, dass das originale Sequencing erweitert wurde. Nicht mehr der Trip, der es mal war.


    Und nun die Neueinspielungen der alten Klassiker... ach, Howe...


    Dann lieber nochmal das... schön laut bitte:



    LG Tobias

  • Die 20 beziehen sich nur auf Giant Sand, von Howe Gelb Solo habe ich auch noch Einiges, incl. OP8.

    Die Erfassung fängt ja jetztm it der Ersten an.


    Wolle

    Klasse, Wolle!. Bin echt gespannt wie deine Auswahl aus dem großen Katalog aussieht.


    Eine kurze Vorschau deiner Favoriten von Gelb und GS, würde meine Wartezeit überbrücken. ;-)

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  • Tja, der gute Krautathaus, dessen Name ich immer noch nicht kenne, hat nach Wilco noch eine Band ausgegraben, die mir mal sehr am Herzen gelegen hat.

    Leider endet meine Liebe schon mit THE LOVE SONGS, für mich persönlich der absolute Höhepunkt an Energie und fokussiertem Songwriting von Howe Gelb. Das Album ist schlicht der Wahnsinn und explodiert dann in LOVE LIKE A TRAIN, einem der genialsten Wah-Wah-Songs ever.

    LG Tobias

    Tobias, du hast mich sogar in PNs mit Thomas angesprochen. Von daher..


    "The Love Songs" ist mein erstes perfektes GS Album. Zur Zeit danach:wenn "Chore of Enchantment" kein fokussiertes Songwriting bietet, dann weiß ich auch nicht weiter.


    Ich kannte lange Jahre nur die erweiterte Fassung von "The Love Songs", mir kam dann später die gekürzte Vinylfassung komisch vor. Da fehlten Titel.


    Mein Lieblingstrack aus "The Love Songs" ist allerdings


    "Yeah, well, that's just, like, your opinion, man."

  • Teil 4 Companion - Howe Gelb alle over the map – 2000 bis heute


    Das erste Soloalbum nach der Jahrtausendwende und die Abkapselung von Joey & John, war “Confluence”. Es atmet noch ein bischen den Geist von “Chore of enchantment” und hat eines der schönsten Stücke zu bieten, das Howe bis dato geschrieben hat und für zukünftige Alben in immer anderen Arrangements eingespielt hat.



    Zwei Jahre später erschien dann “The Listener”, das seine Liebe zum Jazz und südamerikanischen Rhythmen zum Ausdruck bringt. Der Titel “Felonious” ist natürlich Thelonious Monk gewidmet. “Cowboy Boots” wird dann etwas später in einer Fassung mit den spanischen Flamencogitarristen erscheinen. Hier die erste Version. Man merkt schon, wie sich dieser Song den Gypsies anbietet.



    2006 war es dann soweit. Howe’s Besuch in 2003 in Ottawa, Kanada führte ihn in eine Kirche. Er war derart hin und weg von dem Gospelchor “Voices of praise”,dass er den Chordirektor eine Zusammenarbeit anbot:


    “Now to quote the director of the First Baptist Church there in Ottawa during the 2003 Blues Fest, when I asked if he thought it could be possible to combine the dizzying surge of gospel choir zing with the sonic muck I might make: “Sure, if you keep it positive.”"


    Positive Thinking war eh’ Howe’s DNA, und besonders Rainer Ptacek’s Songs hatten schon von jeher einen spirituellen Charakter. “’Sno Angel Like You” war geboren (welch tolles Wortspiel). Die Aufnahmen der 2 Touren mit dem jewieligen 9köpfigen und 6köpfigen Gospelchor wurde auf dem Film und Livealbum “"SNO ANGEL WINGING IT" veröffentlicht. Ich krieg hier jedesmal Gänsehaut:



    Übrigens ein Album, dass auch denen gefällt, die mit Gelb's Musik sonst nichts anfangen können.

    Ich war jedenfalls nach dem Frankfurter Konzert euphorisiert, hab aber bestimmt ein paar Liter Schweiß vergossen.


    2010 dann das Baby aus Gelb' s Reisen v. 2007 und 2009 nach Cordoba, Spanien: “Alegrias” mit den spanischen Gypsies, benannt nach dem Gemälde “Alegrias” des spanischen Künstlers Julio Romero de Torres, das als Cover dient.

    https://es.wikipedia.org/wiki/…ulio_Romero_de_Torres.jpg

    Wie versprochen die Falmenco Version von “Cowboy Boots (on cobblestones)” aus “The Listener”:



    und “4 door maverick” ursrpünglich aus “Hisser”

    https://www.youtube.com/watch?v=Y_KJWMXOyA8

    Die folgenden Alben von 2010 bis heute zeugen klar Howe’s Rückbesinnung auf jazzige Pianostücke, das Piano, das nach der großen Flut von 1972 in Scranton in seinem Haus absoff und Gelb durch den Wegzug seines Vaters nach Tucson AZ in seine nun angestammte Heimat brachte. Hier schön zum nachlesen, auch wie Howe dort seinen Freund Rainer Ptacek den Tschechen aus Ostberlin kennen lernte. Ptachek heißt übersetzt “kleines Vögelchen”. Er war so eingeschüchtert von Rainers Gutiarskills, daß er sich erst gar nicht traute selbst Gitarre zu spielen.


    https://inklupedia.de/wiki/Howe_Gelb


    Dust Bowl” “The Coincidentalist” “Future Standards” “Further Standards” und das zuletzt erschienene “Gathered” brauch ich wohl nicht vorstellen, die dürften noch relativ frisch im Gedächtnis sein. Alle sehr gut, alle führen den Weg zurück zu den Anfängen dem Piano, mit dessem Unglück Howe Gelb aus Tucson AZ zu dem wurde, der mich als Musiker und Mensch so ungemein fasziniert. Eigentlich kaum zu fassen.


    Nun wo bleiben denn OP8, AAAA, Howe’s Pianoalben, Howes OBS Reihe etc etc….? Download only, 7” die Giantsandworms Eps?


    Vielleicht mal später.


    Mir wäre es lieber wenn auch andere darüber (oder über die bereits erwähnten Alben/Konzerte) schreiben.


    Die beste Übersicht über den Backkatalog ist hier:

    http://www.sa-wa-ro.com/GiantSand.htm


    The End

    "Yeah, well, that's just, like, your opinion, man."

  • Danke kurgan!


    Falls man sich wundert: ich hasse es Texte zu schreiben. Ich kann gut reden, aber leider schlecht schreiben. Oft muß ich die paar Zeilen mehrmals durchlesen, bis ich den letzten Rechtschreibfehler eliminieren kann. Daß die Forensoftware das ruckzuck nicht mehr zuläßt, ist besonders blöd.


    Nichtsdestotrotz macht aber das erstellen der Texte, das nachrecherchieren und das nachhören dafür umso mehr Spaß. So erlebe ich diese Zeiten, in denen ich z.B. Howe Gelb mal für 3 Konzerte auf der Solotour 2002 am 29/30/31. Januar gefolgt bin, wieder neu. Ich könnte diese Zusammenfassung locker auf das 4-5 fache ausdehnen, finde das aber für einen Außenstehenden dann zu unübersichtlich. Es soll auch nur ein Abriß der Karriere inkl. ein paar Anregungen sein.

    "Yeah, well, that's just, like, your opinion, man."