Chet Baker oder Miles Davis?

  • Kommerzes? Am Ende der modalen Phase, die zumindest ich als zugänglich empfinde, war Davis 42 Jahre alt. Während dem ersten Quintett ca. 30 Jahre jung/alt.

    Ich finde das gegen Ende die Person Miles Davis im Vordergrund stand, meist mit sehr schrillen fast poppigen Outfits. Da ging’s meiner Meinung nach weniger ums gespielte.


    Wie gesagt meiner Meinung nach....

  • Das war im Jazz/Pop/Blues/Soul etc. der 50/60er Jahre schon eher der Normalzustand, daß Interpreten Fremdkompositionen aufnehmen. Da sind z.B. im Chicacgo der 50er heftige Kämpfe entstanden, wer denn nun den neuen Song von Willie Dixon aufnehmen durfte.

    Da muss ich mal dazwischen grätschen, Willie Dixon hat sich seine Dienste als Produzent oft und gerne als "Songwriter" entlohnen lassen. Sein Songwriter Output war bei weitem nicht so groß und umfassend wie es viele annehmen.


    Zum Thema: hat eigentlich jemand jemals Frank Sinatra, Peggy Lee oder Ella Fitzgerald vorgeworfen, dass sie keine eigenen Songs geschrieben haben?

  • Da muss ich mal dazwischen grätschen, Willie Dixon hat sich seine Dienste als Produzent oft und gerne als "Songwriter" entlohnen lassen. Sein Songwriter Output war bei weitem nicht so groß und umfassend wie es viele annehmen.


    Zum Thema: hat eigentlich jemand jemals Frank Sinatra, Peggy Lee oder Ella Fitzgerald vorgeworfen, dass sie keine eigenen Songs geschrieben haben?

    ElvisJunkie : Kannst du das mal näher erläutern? Würde mich interessieren.


    Ich kann halt nur nach den entsprechenden Credits gehehen. Und natürlich haben die bekanntesten Blues Interpreten wie z.B. Waters / McKinley und Howlin Wolf auch eine Menge toller Songs geschrieben.


    Wie du auch richtig nachfragst, war es vor den 70ern durchaus ein Privileg, tolle Kompostionen zu interpretieren, aber der Hauptgewinn wohl, wenn man als erster exklusiv einen Song von einem nahmhaften Songwriter angeboten bekam.


    Zu Peggy Lee (meine weiße Lieblingssängerin dieser Äre, die schwarze ist Nina Simone) kommt noch dazu, daß sie es regelmäßig geschafft hat Capitol von ihrer eigenen Version zu überzeugen.

    So hat Sie ihr bekanntestes Stück "Fever" nicht nur textlich verändert, sondern ein komplett neues Arrangement einegspielt, das mit seienm fingerschnippsen und dem mit den fingern gespielten Drums überhaupt nicht mehr an Little Willie Johns erster Einspielung erinnert. Ihre Version wurde dann so ikonisch, daß viele Künstler ihr Arrangement übernommen haben.

    Peggy Lee war eh' eine total faszinierende Frau, die ich sehr bewunder.

    "Yeah, well, that's just, like, your opinion, man."

    The post was edited 2 times, last by Krautathaus ().

  • Krautathaus Das kann man in diversen Biografien (Muddy Waters, Little Walter, Howlin Wolf, Bo Diddley) nachlesen. Dixon produzierte eine Session und sicherte sich dafür von den Musikern (freiwillig oder unfreiwillig) die Songwriter Credits, obwohl der Song nicht von ihm stammte. Eine damals weit verbreitete Vorgehensweise in der Musikbranche. Das die Chess Brüder ihre Künstler massiv abgezockt haben ist ja hinlänglich bekannt, Dixon hat dieses Spiel mitgemacht damit er selbst überleben konnte.


    Zu Peggy Lee: volle Zustimmung, tolle Sängerin.


    Zur Ausgangsfrage: Dizzy Gillespie. ;-)

  • Das Thema könnte man man vielleicht mit einem Buch umfassend und angemessen beurteilen. Grundsätzlich kann es keinen Zweifel geben, das Miles der weitaus einflussreichere Musiker war. Er hat verschiedene Äras geprägt und war alles andere als ein einfacher Mensch, konnte aber vielen Musikern ganz entscheidende Impulse geben. Dazu lohnt es sich zum Beispiel, Herbie Hancocks Autobiografie "Possibilities" zu lesen. Chet Baker war viel zu sehr mit sich selbst und seinen Dämonen beschäftigt, um diese Kreativkraft aufbringen zu können - ein komplett anderer Charakter. Aber: in den guten Momenten bringt er einen Schmerz, eine Zerbrechlichkeit und Schönheit sowohl in sein Trompetenspiel, als auch in seinen Gesang, der ziemlich einmalig ist und herzzerreißend sein kann.

    Grüße

    Chris

  • Krautathaus Das kann man in diversen Biografien (Muddy Waters, Little Walter, Howlin Wolf, Bo Diddley) nachlesen. Dixon produzierte eine Session und sicherte sich dafür von den Musikern (freiwillig oder unfreiwillig) die Songwriter Credits, obwohl der Song nicht von ihm stammte. Eine damals weit verbreitete Vorgehensweise in der Musikbranche.

    Ah, ok danke...da muß ich beim nächsten Mal besser aufpassen. Hab zwar die Waters Bio von Robert Gordon gelesen, aber das ist jetzt schon 10 Jahre her und ich kann mich an diese Vorgehensweise im Detail nicht mehr erinnern.


    Peggy Lee's Autobiographie "Miss Peggy Lee" wirst du wahrscheinlich schon gelesen haben...für den unwahrscheinlichen Fall, dass du die nicht kennst: dicke Empfehlung! Ihre Vita ist schon ziemlich einmalig. Als Mißhandlungsopfer, aus armen Verhältnissen, mit diesen lebenslangen gesundheitliche Problemen, zu solch einem unerschütterlich positiven und kreativen Menschen zu werden, schaffen wohl die wenigsten. Schade daß ihr erster Mann David Barbour dem Alkohol nicht abschwören konnte, die beiden waren ein tolles musikalisches Team.

    "Yeah, well, that's just, like, your opinion, man."

  • Zur Ausgangsfrage: Dizzy Gillespie. ;-)

    Jep, der ist schon verdammt gut. Mien meisteghörtestes Jazzalbum aus den 70s ist "The gifted ones" mit

    Wahnsinnig gut aufgenommen, und Mickey Roker am Schlagzeug ist schon das Album alleine wert.

    "Yeah, well, that's just, like, your opinion, man."

  • Quote

    Aber: in den guten Momenten bringt er einen Schmerz, eine Zerbrechlichkeit und Schönheit sowohl in sein Trompetenspiel, als auch in seinen Gesang, der ziemlich einmalig ist und herzzerreißend sein kann.

    So isses.

    Siehe "I get along without you very well", "My Funny Valentine", " There will never be another you", "The thrill has gone " auf "Chet Baker sings" 2.Seite

    Oder die unglaubliche letzte Aufnahme des Konzerts "My favorite songs", als er schon vom Tod gezeichnet war.

    Da verdrückt man sich schon mal ne Träne....

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  • statistische Lebenserwartung 2020 BRD

    Männer 78,9

    Frauen 83,6


    "Irgendwann kneift jeder den Arsch zusammen" (Hauptmann v. Köpenick)

    Und die Heroen unserer Jugend in den 6oern und 70ern sind nun mal dran.

    Als nächste sind wir dran, harharhar:D

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  • Die Statistik trifft für uns hier nicht zu.

    Um OT zu bleiben: Chet natürlich.

    Rainer


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