Plattenspieler Diskussion - alt (zB Thorens/Technics/Dual) oder neu (zB. VPI/Feickert/REGA)

  • Hi,


    man darf die allgemeine Teuerung und die Herstellung vorgegeben durch die Stückzahlen nicht außer Acht lassen.


    Der aktuelle Analog-Hype hin oder her. Das ist im Vergleich zu den 1970er und 1980er Jahren, je laufender aktueller Serie, die jetzt komplett gefertigt wird, eher die Anlaufstückzahl in der Hochzeit der Plattenspielerherstellung.


    Alleine eine Teuerung von 3% über 35 Jahre macht bei einem Plattenspieler für damals 800DM jetzt eben 1300€.


    Das nach unten Abrunden funktioniert eben auch nicht mehr so einfach bei den geringen Stückzahlen.


    Wenn jetzt also Brettchenspieler für 350€ verkauft werden, dann wären das vor 35 Jahren 250 DM gewesen. Was gab es denn damals dafür? Genau, nichts, da gab es quasi nichts. Und wenn es etwas gab, findet und kennt man diese Modelle dann heute noch?


    Ein Dual CS 504 hat so meine ich etwas um 500 DM gekostet. Das wären nur über die Teuerung 700€.


    In der Richtung wurde die Final Edition auch veräußert und etwas mehr wäre dann auch korrekt, denn die Stückzahl hat je eine erheblichen Einfluss unabhängig der deutlich abgeschriebenen Betriebsmittel, aber die Wartung derselben ist ja auch zu berücksichtigen.


    Rechnet man ein wenig hin und her ist die Welt anders geworden, aber in Bezug auf Plattenspieler im Preis doch relativ stabil. Und im Vergleich sind die heutigen Plattenspieler nur anders.


    Was tatsächlich noch fehlt sind aktuell bezahlbare Plattenspieler mit Tangential- Tonarmen.


    Das Problem der Hersteller aktuell ist ja nur, das es noch so viele alte und auch Richtung gute gebrauchte Plattenspieler gibt, die eben relativ günstig und auf ähnlichem Niveau funktionieren, da ist ist man dann geneigt mit diesen Preisen zu vergleichen. Das trägt aber so meine ich nur relativ.


    Der andere Elektroschrott ist günstiger und dabei fast immer besser geworden, sofern er im Mainstream liegt. Vollverstärker allerdings mit einer guten, einstellbaren Phonosektion sind und waren es auch noch nie eben keine Schnäppchen - sind aber auch eben nicht mehr Mainstream.


    Wobei ich ja auch nur schreiben kann, dass LPs über einen AVR mittels einer separaten Phonosektion auch richtig klasse klingen können und eine moderne Raumeinmessung ist ein nicht zu verachtendes Feature.


    Im Prinzip bin ich froh, dass ich immer noch gute Tonabnehmer finde und hoffe nur, dass der Markt für Plattenspieler auf diesem Niveau bestehen bleibt, damit ich auch in Zukunft mit meinen Gerätschaften weiter die vorhandene Information so schonend als irgend möglich aus der Rille kratzen kann.

  • Hallo hpk69,

    ich möchte Dir gar nicht widersprechen, überhaupt nicht.

    Aber das Thema ist ja: Platenspieler alt oder neu ?

    Und da bin ich persönlich eben der Auffassung,

    gerade wie Du es ja eben selber gesagt hast, dass noch viel gute ALTE unterwegs sind die zudem auch noch gut funktionieren,

    lieber einen ALTEN anzuschaffen für einen Bruchteil des Preises was vergleichbare Qualität heute kostet.

    Mit dem auf- oder abzinzen kann man sich durchaus beschäftigen, sich darüber Gedanken machen und in Relation mit alten und aktuellen Preisen setzen, aber bringen tut es in der Realität nicht viel, jedenfalls in meiner.

    Wenn ich heute z.B. einen guten Thorens TD 160 S MK-V für 500 € bekommen kann, brauche ich mir keine Gedanken machen, ob ich mir einen Thorens TD 1600 (ohne System) für rd. 2.800 € zulege: Da ist das Thema bei mir schnell durch.

    Ebenso die ELACs: Warum einen neuen ELAC Miracord 70 H mit billigem AT-95E System, wenn die alten 22H, 50H und der 770H auch ganz tolle Spieler sind und man die heute quasi hintergeschmissen bekommt, weil kaum einer weiß, was da eigentlich für eine Technik trotz Reibradantrieb drin steckt und mit einem Arm ausgestattet, unter den man quasi jedes System dranschrauben kann.

    Außerdem meine ich, mit alter und einwandfrei funktionierender Elektronik hören sich zumindest die alten Platten irgendwie besser an.

    Ich denke hierbei z.B. an die Yamahas: C4/M4 oder an einen A-1020 oder eine C-70-Vorstufe oder den Receiver R-2000 mit vielerlei Phono-Einstellmöglichkeiten, mit mindestens 2 Phonoeingängen.

    Diese Teile bekommt man heute i.d.R. weit unter 1.000 €.

    Für einen neuen aktuellen Vorverstärker ähnlicher Qualität, falls sowas heute überhaupt noch gebaut wird ... was glaubst Du müßte man da heute hinlegen ?

    Grüße

  • Hi,


    es war die Frage alt gegen neu.


    Und aus meiner Warte ist es eben 1:1. das ist die kurze Version.


    Jetzt wird es länger:


    Was dann persönlich die Entscheidungen zum Erwerb sind, muss jeder mit sich selbst ausmachen.


    Die Höhe der Investition in Bezug zu den verfügbaren Mitteln ist da bestimmt ein Ansatzpunkt.


    Ein anderer, günstiger wird es eben auch kaum, wenn man den Eigenanteil mit berücksichtigt.


    Meinen gebraucht erworbenen TD 320 mußte ich prinzipiell, wie schon geschrieben, nur mit einem neuen Antriebsriemen ausstatten. Technisch habe ich dann nichts weiter machen müssen. Aber es gibt ja dann den eigenen Anspruch. Wenn so ein gebrauchtes Gerät in das Wohnzimmer soll: Haube muss auf klar poliert werden, der Teller auf eher seidenglatt poliert, Zarge hübsch mit ein wenig Holzpolitur aufgearbeitet. Da sind 10 Stunden mal schnell investiert. Klar ist das mein Hobby, aber ich hätte ja auch Platten mit einem neu erworbenen Gerät hören können und nach parallel Geld verdienen, was auch immer. Um es einfach zu machen, rechne ich, was ich für eine Stunde-Service bezahlen müsste, das ist hier in der Gegend ca. 100€.


    Also:


    500€ Erwerb

    1000€ Eigenanteil

    500 € Tonabnehmer


    Da fehlt also nicht so viel zu einem Neuerwerb.


    Zu der Elektronik.


    Meine Meinung, die heutigen externen Phonovorstufen sind oft in Bezug auf den aufgerufenen Preis deutlich leistungsfähiger und günstiger als alte gebrauchte Ware. Da meine ich insbesondere die heute doch deutlich rauschärmeren Halbleiter. Die Optionen der unterschiedlichen Entzerrkennlinien sind heute zumindest bei einigen Phonovorstufen einstellbar und konfigurierbar, ob wirklich erreichbar bezahlbar steht da auf einem anderen Blatt -> dem Kontoauszug.


    Aber das gab es früher nicht für Geld und gute Worte.


    Insgesamt ist das Niveau, nee, das Spielfeld der Anpassbarkeit heute deutlich größer.


    Gerade bei den alten Yamaha und fast allen 45 Jahre alten Vor- Endstufen, da gilt es erst einmal eine Revision und Wartung zu machen. Für welches Ergebnis?

    Okay zwei eben nicht wirklich komplett und auch nur nach RIAA anpassbare Phonoeingänge und ein Verstärkersystem, das jeder 500€ AVR mit zwei separaten Phonoverstärkern locker erreicht. Eine anpassbare Phonosektion muss in meinen Augen in der Verstärkung, Impedanz und Kapazität einstellbar sein.


    Emotionslos betrachtet, ist selbst bei dem analogen Audiopfad neu gegen alt nicht eindeutig entscheidbar mit der Tendenz neu ist zumindest etwas weiter variabel.


    Das Neue hat eben nicht den Charme der alten Gerätschaften, aber kommt es darauf an? Ich schreibe, ob der der frühen Stunde einmal: jein …


    Aber es kommt auf die individuellen Vorlieben, Fertigkeiten und den Füllstand des Kontos und den Willen an, was man wofür einsetzen möchte.


    Meine mehr als fünf Worte dazu.

  • Volle Zustimmung, Frank. Und wer noch einen oder gar mehrere gute Vintage Plattenspieler zu einem noch nicht überhöhten Preis ergattert hat, darf sich freuen. Jedenfalls geht es mir so. Servicekosten sind bisher nicht angefallen, allenfalls eigene Bastelarbeit. Mehrere tausend Euro für ein ohne Zweifel superbes Neugerät wie die Feickert Dreher würde ich im Leben nicht ausgeben, selbst wenn ich Millionär wäre. Was die hiesige Diskussion angeht, sehe ich nicht, dass sie zu einem griffigen Ergebnis führen könnte. Erst recht nicht, wenn man sie über Dreher hinaus ausweitet auf Vor- und Endstufen usw. BG Konrad

  • Für mich gibt es nichts schöneres, ein Vintagegerät in schlechtem Zustand günstig zu ergattern und es mit Engagement und etwas Know How wieder in ein voll funktionierendes Schmuckstück zu verwandeln. Meistens gehört da gar nicht mal soviel dazu. Ein Neugerät für wenig oder viele Teuros würde mich im Leben nicht reizen. Auch ein Besuch bei einem Händler, der mir irgendwelchen Quatsch erzählt, um sein modernes Geraffel zu verkaufen, wäre für mich verschwendete Zeit. Ein guter und technisch einwandfreier Plattenspieler Klassiker spielt für mich so gut, daß ich nichts vermisse.


    Gruß

    Andreas

    AAA Member mit Unmengen an altem Geraffel

  • ......Und wer noch einen oder gar mehrere gute Vintage Plattenspieler zu einem noch nicht überhöhten Preis ergattert hat, darf sich freuen. Jedenfalls geht es mir so. Servicekosten sind bisher nicht angefallen, allenfalls eigene Bastelarbeit. Mehrere tausend Euro für ein ohne Zweifel superbes Neugerät wie die Feickert Dreher würde ich im Leben nicht ausgeben, selbst wenn ich Millionär wäre.....

    Naja, das kann auch zu keinem Ergebnis führen - Vintage ist Vintage und Neu ist Neu.

    Es gibt für beide Seiten Für und Wider und für beide Seiten Fans.

    Darüber sollte man auch nicht Streiten, sind verschiedene Wege.


    Wenn ich Geld und Platz hätte würde ich mir schon einen neuen Feickert neben meinem 30 Jahre alten Thorens stellen :D

    Wobei ich den "alten Kisten" schon immer mehr abgewinnen konnte als z.B. einem Brett oder Acryl-Dreher


    Im Keller wartet ja immer noch ein Thorens darauf das ich ihm neues Leben einhauche :)

    Music is magick, a religious phenomena, that short circuits control through human response. Let's go out of control. Experience without dogma... A morality of anti-cult. The ritus of youth. Our alchemical human heritage...(Genesis P-Orridge)

  • :meld: Ballistol :sorry: Andreas konnte ich mir nicht verkeneifen :D

    Die Erwähnung von Ballistol wollte ich tatsächlich in diesem Thread mal vermeiden ;)


    Aber oftmals gehören nur wenige und günstige Mittel dazu, einem alten Plattenspieler wieder Leben einzuhauchen. Neben B. nutze ich Gabelöl für Motorräder zum Schmieren der Tellerlager, Spiritus zum Reinigen von Reibrädern (Vorsicht, manche Reibräder vertragen das nicht.... Aber die sind dann sowieso meist Fratze), Küchenreinigungsspray zum Reinigen der Gehäuse und Abdeckhauben sowie ein mildes Poliermittel zum Polieren der Hauben. Ein guter Lötkolben und hochwertige Zangen, Schraubendreher etc. sollten eh in jedem Haushalt vorhanden sein. Und dann kanns losgehen...


    Gruß

    Andreas

    AAA Member mit Unmengen an altem Geraffel

  • Man könnte natürlich auch fragen, was diese Diskussion angesichts einer veralteten Wiedergabetechnik überhaupt bringt? Ich hatte schon alles da, von Vintage bis frisch vom Entwickler. Und immer war das Problem das Vinyl und nie der Dreher.

  • Absolut, da gebe ich Dir Recht. Ein gut konstruierter und einwandfrei funktionierender Dreher, egal ob Vintage oder neu, wird die Platte immer präziser drehen, als Ihre Fertigungsqualität das benötigt. Die Technik der mechanischen Abtastung selbst ist halt vintage und letztendlich längst vom technologischen Fortschritt überholt. Die Qualität der Aufnahme und der Pressung machen IMHO den Klang eines Spielers. Und das im Alter übrig gebliebene Hörvermögen des Rezipienten.


    Gruß

    Andreas

    AAA Member mit Unmengen an altem Geraffel

  • Absolut, da gebe ich Dir Recht. Ein gut konstruierter und einwandfrei funktionierender Dreher, egal ob Vintage oder neu, wird die Platte immer präziser drehen, als Ihre Fertigungsqualität das benötigt. Die Technik der mechanischen Abtastung selbst ist halt vintage und letztendlich längst vom technologischen Fortschritt überholt. Die Qualität der Aufnahme und der Pressung machen IMHO den Klang eines Spielers. Und das im Alter übrig gebliebene Hörvermögen des Rezipienten.


    Gruß

    Andreas

    Vollkommen deiner Meinung!


    Mein Senf noch dazu:

    Die breite Masse die jetzt wieder Vinyl hört, weil es Kult ist, leistet sich keinen Dr. Feickert oder ähnliche k€ Player. Die kaufen einen Pro-Ject oder Lenco, vielleicht einen neuartigen Dual USB?

    Hab schon solche Plattenspieler zur Reparatur gehabt, da kommt einem das Grausen, teilweise nicht einmal eine automatische Abschaltung, meist ein billiges Steckernetzgerät.

    Dann lieber doch einen Vintage...

  • Neu ist ein Dreher allenfalls bis zur ersten Benutzung. Aber er wird dadurch nicht sofort zum Vintage Gerät. Sondern da müssen schon ein paar Jahrzehnte ins Land gehen, bis er sich diesen Ehrentitel verdient hat. BG Konrad