Tonarm macht Musik...

  • Hallo zusammen,


    ich habe mal eine Frage, die ich durch Forumssuche nicht beantwortet bekommen habe. Ich hoffe, ihr könnt mir meine Frage nachsehen... Mein Phänomen ist, dass ich die Musik von der LP über den Tonarm hören kann. Aber der Reihe nach.


    Ich betreibe einen TD125 Mk2 mit SME 3009/Serie II mit einem angefertigten größeren Gegengewicht. Dort habe u.a. ein SPU Classic GM Mk2 montiert. Nun habe ich mir einen Lenco L75 umgebaut und darauf einen Ortofon AS212 Tonarm montiert. Auch hierfür wurde ein Zusatzgewicht angefertigt. Dieser Lenco gefällt mir richtig gut. Aber gestern ist mir aufgefallen, dass ich die Musik OHNE Verstärker über den Tonarm hören kann. Das war mir am SME nie aufgefallen. Da "schwingt" was...!


    Nun habe ich mal für alle meine Systeme die Resonanzfrequenz (damit muss es ja was zu tun haben) berechnet und in ein Diagramm eingetragen. Und siehe da, die System/Tonarm-Kombinationen liegen sehr weit auseinander!


    Was ich nun mangels Erfahrung gar nicht einschätzen kann ist - kann es bei einer "Fehlanpassung" zu solchen Effekten kommen? Oder passt was anderes nicht? Der TA und der Arm sind sauber ausgerichtet. Wer kennt so einen Effekt?


    Grüße,

    Franz

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  • Hallo Franz.


    Ich kenne das auch und finde es normal.

    Zumindest eine Schallabstrahlung vorne im Bereich des Nadelträgers kann man fast immer beobachten.

    Ob das Tonarmrohr dann mit resoniert, ist mE eine Frage der Eigendämpfung des Rohrmaterials bzw einer zusätzlich eingebrachten Bedämpfung wie zB Schaumstoff oder Balsaholz.


    Gruß,

    Dieter.

    "Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen... ", Colonel Kilgore alias Robert Duvall, aus "Apocalypse Now", Francis Ford Coppola, USA 1979.


    Da LiTe is out 4ever - please stand by! ;)F.A.T. BESTELLTHREAD

  • Hallo Franz,


    kein Grund zur Beunruhigung. Die Musik kommt aus dem SPU, mehrheitlich aus der Tondose. Diese ist nunmal ein hübscher Resonanzkörper. In Verbindung mit dem straff aufgehängten Nadelträger des SPU spielt da schon die Musik. ;)

    Inwiefern Dein Tonarm dazu beiträgt, kann ich nicht beurteilen. Ich selbst habe meinem FR-64S einen kleinen O-Ring spendiert, welchen ich etwa mittig auf dem Tonarmrohr platziere. Auch einige SME-Nutzer handhaben das ebenso.


    Mit der Resonanzfrequenz, welche sich aus Compliance des Tonabnehmers und der Tonnarmmasse ergibt, hat das eher nichts zu tun. Zumal, sofern Dein Diagramm korrekt ist, eine recht optimale fRes für SPU + AS-212 vorliegt.


    Gruß,

    Marc

  • Hallo Franz, da das SPU am SME dieses Phänomen nicht zeigt, wird's wohl an der Kombi mit oder an dem Ortofontonarm liegen. Die Verschraubungen hast du sicherlich geprüft, eventuell müssen vielleicht die Lager justiert werden.

  • Ich hatte das Phänomen sehr stark bei einem Wilson Benesch ACT 0.5 aus Carbon. Konnte die Musik in 3 m Abstand noch hören. Das lag definitiv am Arm! Vielleicht zu wenig Dämpfung am Headshell bzw. am ganzen Arm?

    Jeder Mensch ist ein Abgrund; es schwindelt einem, wenn man hinabsieht.

  • Guten Abend ihr Lieben,


    zunächst mal vielen Dank für Eure schnellen und kompetenten Antworten. Ich wusste doch, dass es in dem Forum alles schonmal gab :)


    @Jörg: Ich möchte auf die Montage der Tonarmbasis kommen. Da täuscht das Bild durch die S-Form. In Wirklichkeit passt das schon (s.Fotos). Der Arm ist mittels Adapter (aus einem 3D-Drucker 8|) in die originale Lenco-Aufnahme montiert. Ich weiß - da stimmt der Abstand Plattentellermitte zur TonarmBasis-Mitte um 2mm nicht. Aber ich denke, das höre ich nicht (68 Jahre) mehr so genau und ich denke nicht, dass es daran liegen könnte. Die Verschraubungen am Arm sind alle ok (ist ganz neu) und wieso das am SME nicht auffällt - vielleicht mach ich nochmals einen Test... Eine Nachfrage noch zu dem O-Ring am Tonarm..das verstehe ich nicht.


    Was das Schwingen angeht, habe ich am AS212 folgende Kombinationen getestet:

    1. ADC 220X - Compiance 25um/mN, Auflagektaft 2.5g - ganz leise Musk zu vernehmen

    2. AT-540ML - Compiance 10um/mN, Auflagektaft 2g - fast nichts zu hören

    3. SPU Classic GM - Compliance 8um/mN, Auflagektaft 4g - deutlich Musk zu vernehmen

    4. SPU Classic GM - Compliance 8um/mN, Auflagektaft 2g - fast so wie bei 3.


    Noch eine Anmerkung zum Diagramm. Durch einen Rechenfehler mit der falschen Compliance (stat. anstatt dyn.) von 40 lag das AT-System weit außerhalb der "guten" fRes-Zone. Jetzt (Compliaance 10) liegt es fast neben dem SPU.


    Es zeigt sich auch (3.+4.), dass es an der Auflagekraft von 4g nicht liegen kann. Das hatte mir nämlich jemand von meinen HiFi-Freunden gesagt. Ich glaube eher dass Marc recht hat. Die Tondose schwingt da sicherlich mit und ich kann mir das jetzt gut vorstellen. Bei einer sehr niederen Compliance "zieht" die Nadel schon das Headshell mit und bringt da etwas ins Schwingen. Deshalb soll ja ein System mit einer niederen Comliance an einen schweren Arm montiert werden. Das ADC 220X mit 25um/mN ist da viel "weicher", d.h. die Nadel schwingt eher für sich und überträgt die Schwingungen nicht aufs Headshell und damit auf den Arm. Ich habe auch nochmal versucht die "Schallquelle" zu orten und denke auch es kommt aus dem System.


    Viele Grüße,

    Franz

  • Quote

    AT-540ML - Compiance 10um/mN, Auflagektaft 2g - fast nichts zu hören

    Hallo Franz, das ist AT-typisch bei 100Hz angegeben. Bei 10Hz dürfte der Wert bei ca. 17-20mü liegen.

  • Vielleicht zu wenig Dämpfung am Headshell bzw. am ganzen Arm?

    Vergleich's doch mal mit einem Hardtailrahmen aus Carbon, der reicht auch alles an deinen Allerwertesten weiter. Ein Carbon Arm dämpft doch auch so gut wie garnicht. Es sei denn, das Carbon wird extern gut bedämpft.

    vriendelijke groeten aan de fatbike rijder :)

  • Kommt am Ende auf die Faser an, die verarbeitet wurde, da gibt es heute alles von super stabil bis super flexibel. Bei einem Scalpel hat das Ausfallende ja schon lange nicht mal mehr ein Lager.


    Ich wollte ja auch nur ein Beispiel für das beschriebene Verhalten geben, wo es definitiv am Arm liegt.

    Jeder Mensch ist ein Abgrund; es schwindelt einem, wenn man hinabsieht.

  • Sorry, aber Carbonrohre dämpfen Schwingungen stärker als Metallrohre.

    Ich denke dass sich erstens die Frequenzbereiche da unterscheiden und zweitens spielt's ja auch noch 'ne Rolle ob das Carbonrohr mit viel Kunstharz wie bei ProJect aus Resten der Flugzeugindustrie zusammengebacken wurde oder ob da einer wirklich das ganze Rohr aus einem Stück laminiert hat.

    vriendelijke groeten aan de fatbike rijder :)

  • Eine Nachfrage noch zu dem O-Ring am Tonarm..das verstehe ich nicht.

    Hallo Franz,


    hier mal ein Bild zur Veranschaulichung. Ein dünner O-Ring wird auf das Tonarmrohr gezogen und kann dort für zusätzliche Dämpfung sorgen. Aber wie schon geschrieben, meiner Auffassung nach liegt das von Dir Beschriebene an der Tondose und ist nicht weiter schlimm. Mein "Classic MkI" resoniert sogar mehr als das "#1S"; klingt aber trotzdem in Summe besser - so what... ;)



    Gruß,

    Marc

  • Hallo Marc,

    sieht echt toll aus! Ich hab mir schon überlegt noch mal einen Lenco herzurichten. Mir gefällt der und seine einfache Technik. Noch ein guter Arm... mehr braucht’s eigentlich nicht. Dein Tonarm FR-64S ist ja von der schweren Sorte. Ich hatte mir auch überlegt, ob der Ortofon mit SPU und dem Lenco gut zusammenarbeiten. Nach dem Resonanzproblem war ich mir deshalb nicht sicher. Das scheint ja aber unproblematisch zu sein...

    Du hast am Lenco ja einiges verändert. Es fehlt der Lift samt Hebel und auch die Aufnahme-Basis ist nicht mehr da. Die Zarge ist sicher sehr massiv. Ich lese oft, dass so ein L75 es nicht massiv genug haben kann. Ist da was dran? Die Originalzarge ist ja auch eher Schrott...

    Grüße, Franz

  • Die Zarge ist sicher sehr massiv. Ich lese oft, dass so ein L75 es nicht massiv genug haben kann. Ist da was dran? Die Originalzarge ist ja auch eher Schrott...

    Hallo Franz,


    der komplette Plattenspieler wiegt 20,2kg. Die Zarge ist massiv und besteht aus stabverleimtem Buchenholz, Makassar furniert.

    Masse schadet beim L75 nicht, jedoch sollte man es nicht unbedingt übertreiben. Wichtiger erscheint mir die Materialauswahl und eine gute Entkopplung von der Stellfläche. So bin ich z.B. absolut kein Freund von MDF sowie Multiplex und der Tonarm gehört meines Erachtens nach nicht auf das Chassis (sorry... ;) )

    So muß nun mal jeder seinen Weg, sein "Lieblingsrezept" mit dem Lenco finden. Viele Wege führen zum Wohlklang.


    Die originale Zarge ist brauchbar, wenn man den Lenco möglichst original halten möchte - mehr auch nicht. Gleiches gilt für den originalen Tonarm.


    Gruß,

    Marc

  • Der SME steht ja auf einem separaten Tonarmbrett, außerdem ist die SME Basis in der Regel entkoppelt mit vier Gummitüllen.

    Der 212 steht, sowie ich das sehe, direkt auf dem Blech des Lenco. Vielleicht könnte eine Entkoppelung der Tonarmbasis mittels Gummipuffern oder O-Ringe da was bewirken?


    Grüsse, Markus

  • Guten Tag Markus,

    danke für die Überlegung. Ja, das Tonarmbrett ist sicher besser gedämpft. Aber die "Schwingungen" kommen gefühlt aus der Tondose/Tonarm. Genauer lokalisieren lassen sie sich nicht, aber nicht vom Blech. Ich habe auch einen Adapter verwendet, der Schwinfgungen sicher auch etwas dämpft und nicht auf das Gehäuse überträgt. Er stammt aus einen 3D-Drucker und ist aus Kunststoff - sollte also kein Problem sein. Aber natürlich - die Schrauben der Höhenverstellung gehen bis zum Arm durch und würden wieder was übertragen :(. Ich denke, ich lebe einfach mit dem Zustand, zumal mir einige Mitglieder bestätigt haben, dass es bei ihnen auch so ist oder war. Der tolle Klang stimmt ja!


    Grüße, Franz