Open Baffle, Vor/Nachteile, Grundsätzliches, Links und Bilder

  • Moin,


    es soll hier vorwiegend um Schallwandler ohne Gehäuse gehen. Beginnen möchte ich mit 2 Links zu Theorieseiten


    https://linkwitzlab.com/

    http://www.dipolplus.de/


    Damit wäre eigentlich schon Alles Wichtige geschrieben.


    Meine aktuelle teilaktive 4 Wege-OpenBaffle, mit Entstehungsgeschichte habe ich hier schon beschrieben.


    Openbaffle im Garten 2020

    open baffle funktioniert auch im Freien!


    Die PowerTrio habe ich auch schon gehört. Leider war die Vorführung von BPA, bei den Norddeutschen HifiTagen 2020 nicht sehr überzeugend. Den Schallwandler habe ich in einer privaten Vorführung, bei den Hörerlebnistagen in Rendsburg, besser erlebt. Was ich in Rendsburg auch für meine openbaffle herausgefunden hatte, Open Baffle funktioniert an einer Längswand besser und der Abstand vor der Wand muss nicht sehr groß sein. Meine eingewinkelten "Bretter" stehen 66/86cm vor der Wand.


    Einen großen Vorteil sehe ich im Bassbereich. Ja, tatsächlich können Lautsprecher ohne Gehäuse auch Bassfrequenzen wiedergeben. Membranfläche macht es möglich. Der Basstreiber sollte einen recht hohen QTS aufweisen, ab 0,7 macht es Sinn.


    Wo andere Konzepte gerne Raummoden extrem anregen und es ein matschiges Gedröhne werden kann, spielen OpenBaffle-Bässe souverän auf. Bass da, Bass weg - Bass ist weg - Gedröhne Fehlanzeige, vorausgesetzt die Schallwand ist optimal positioniert. Natürlich werden auch Raummoden angeregt. In meinem Fall ist das sogar ganz praktisch, meine stärkste Raummode liegt optimal unterhalb des Bafflestep..


    Meine erste openbaffle habe ich bei Uwe Lynn gehört und war völlig angetan. je 4 grüne 18cm Saba plus Hochtöner in 2x2Meter Schallwand, sweetspot in ca.7 Meter.


    Schallwand_2mx1_2m


    Daraufhin baute ich meine erste OB und der Wahnsinn nahm seinen Lauf.


    Bis vor 2 Jahren war ich noch Breitbandverseucht und mit der Mär verseucht, es gibt keinen Bass, der schnell genug ist, um mit alten Radiochassis mithalten zu können. - Das stimmt einfach nicht. Es funktioniert und sogar sehr gut.


    ovale Blaupunktchassis mit Blaupunkt HT plus 2 Kenford HW1206 auf OB, teilaktiv


    Meine größte Verbesserung war (und das hier im Analogforum/bitte nicht erschießen) die Teilaktivierung, der openbaffle. Die Trennung der Basschassis zu dem was darüber spielt, mit dem miniDSP 2x4 HD. Diese kleine digitale Aktivweiche, mit Filterfunktionen eröffnet eine Menge Möglichkeiten. Die PowerTrio würde wahrscheinlich auch gewinnen, da die Trennfrequenz besser angepasst werden kann. Passiv finde ich die Trennung doch sehr hoch.


    Gefalltete Dipolbässe habe ich versucht, bin aber nicht von überzeugt. Der Bauaufwand ist höher, als der Tiefbassgewinn, der sich genauso gut und einfacher mit einem DSP generieren lässt. Zusätzlich ist der Nutzbereich zu höheren Frequenzen eingeschränkt und eine Frequenztrennung ist aufwendiger.


    Würde mich freuen, wenn Ihr Eure OpenBaffle - Erfahrungen schreibt und gerne Bilder!


    Grüße, Hartmut

  • Hallo Hartmut,


    die offene Schallwand war für mich letztendlich nur der Umweg hin zum Flächen-Dipol. Das was Du zu den Bässen schreibst kann ich nur unterstreichen. Dipol Lautsprecher regen die Raummoden anders/weniger an wie "herkömmliche" Lautsprecher. Allerdings sollte man auch nicht verschweigen das die Basswiedergabe eine andere ist. Die Bässe "drücken" weniger sondern stehen im Raum. Das ist für viele, die solche Lautsprecher zur Probe hören, ein gewaltiger Unterschied. Positiv ist vor allem das von Dir beschriebene Ausschwingverhalten. Die Bässe schwingen nicht nach sondern kommen, bei entsprechenden Aufnahmen, kurz und trocken. Das gilt auch für den Mitteltonbereich. Insbesondere die Drums klingen über Dipole, meiner bescheidenen Meinung nach, sehr natürlich. Dennoch - auch die "normalen" Lautsprecherkonzepte können genauso Spass machen - wofür hat man seine Zweitanlage ...

    Viele Grüße
    Dieter


    AAA Mitglied

    Hat zu viele Pläne und zu wenig Zeit zum Basteln 8)

  • Moin,

    betreibe auch ein teilaktives Open Baffle System bestehend aus einen umgebauten Hawthorne 15" Coax mit B&C 250de Hochtontreiber.

    Diesen habe ich hinten geöffnet somit spielt das ganze System als Dipol läuft im Fullrange Modus.

    Um im Bass bis 35 Hz zu arbeiten addiere ich noch 15" Bass dazu, Trennung erfolgt bei 80Hz/ 24db mit Hilfe einer umgebauten internen Weiche einer P 3500s Yamaha Endstufe.

    War ein langer Weg zum Glück Seitenwande habe ich erst aus Schrankrückwände zu recht geschnitten, dann Frequenzgang gemessen waren 11 Versuche nötig bis zum finalen Bau

    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/112822/

    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/112821/


    Gruß Stephan


    P.S Qts Coax 0.9 , Bass 1.2

    "Liebe deine Ecken und Kanten.Denn nur eine Null hat Keine."

    Edited 2 times, last by DasguteOhr ().

  • Guten Abend zusammen,


    nachdem Hartmut den Thread Open Baffle nun eröffnet hat, möchte ich dazu auch ein wenig beitragen. Auch mich hat das Open Baffle-Fieber erwischt - und zwar genau auf der HighEnd 2016 am Stand von Wolf von Langa. Ich saß da im (viel zu kleinen, heissen) Hörraum und dachte...Wahnsinn, sowas will ich auch! Mir hat auf Anhieb die unglaubliche Dynamik und die Raumauflösung gefallen..und das ist bis heute so geblieben.


    OB auf HighEnd 2016.JPG

    HighEnd 2016


    Wieder zuhause begann aber der Frust. Ich experimentierte mit dem was da war (BB's, Schrankteile, Bretter..), dann mit Greencones (toll), auch mit zusätzlichem 30er Basschassis von Pioneer in einer extra "Kiste". Die beiden Fundamental-Links von Hatti zu dem Thema kenne ich sehr gut und hatte öfter mit Rudolf Finke Kontakt. Aber der Bass war nicht da. Die GC's hatten eine tolle Auflösung und Staffelung nach hinten, aber... Da musste mehr Bassfläche her. Also 2 Stück 15-Zoll Emminence gekauft und mal "richtiges" Holz (breiter) zuschneiden lassen. Es wurde besser, der Bass war nicht abgrundtief, dafür aber sehr trocken und schnell. Es folgte auch ein Versuch mit Fostex 206 und Alpha15A...aber alles nicht zufriedenstellend.


    K1600_IMG_20160407_184047.JPG

    Erster Versuch


    analog-forum.de/wbboard/cms/index.php?attachment/134262/

    2.Versuch mit mehr Bass


    Dann entschloss ich mich, das ganze aktiv und mit noch mehr Bassfläche zu probieren, kaufte mir 2 Tang Band 1772 und noch 2 Alpha 15A und baute die Power Trio 1772 nach. Ich suchte mir einen miniDSP und als Endstufen nahm ich wieder, was ich da hatte: für die Bässe eine Luxman M02, für die BB's einen Pioneer Verstärker. Es dauerte recht lange, bis ich die Einstellungen für den miniDSP hatte. Gemessen habe ich nie, aber sehr viel gehört. Was soll ich sagen - es klang schon ansatzweise so wie ich das aus München noch im Kopf hatte. Aber ich "spielte" immer an den DSP-Einstellungen und am Lautstärkeregler des Pioneers herum. Das war aber nicht ganz sauber. Auch die Endstufen waren sicher nicht optimal. Der Bass war für mich aber immer noch nicht zufriedenstellend, ohne das ich ein Bassliebhaber bin. Die Wiedergabe machte aber mit den Tang Band 1772 und dem Alpha15A schon viel Spaß. Eine 2.Endstufe musste also auch noch her (Bausatz bei AudioCreativ, Sanken S4). Da erlebte ich aber auch so meine Überraschungen (ganz andere Geschichte)...


    K1600_DSC_0284.JPG

    Power Trio Nachbau


    Jetzt hatte ich aber genug. Zu guter letzt kaufte ich mir bei BPA die passende Frequenzweiche, baute mir einen SymAsym als Endstufe auf, baute die Power Trio um (BB nach oben.. ich hatte immer das Gefühl in einer Empore zu sitzen) und nutze diese Kombi seither, bin sehr damit zufrieden und wie alle Open Baffle Fan's möchte ich nichts anderes haben.


    DIY Power Trio.JPG

    "Endlösung"


    Ich hoffe ich habe Euch mit meiner Geschichte nicht gelangweilt. Es ist mitunter ein langer Weg zum Ziel, aber das ist es ja was Spaß macht...


    Stefan: die Lösung mit dem eingebauten Horn finde ich gut, da so der Schall aus einem Punkt kommt und keine Laufzeitunterschiede entstehen.


    Hartmut: Deine "Bauten" sind ja gewaltig - Hut ab! Du bist ja auch ein echter Baffle Fan und Deine Geschichte ist sich er noch nicht z Ende...


    Schönen Abend,

    Franz

  • Dennoch - auch die "normalen" Lautsprecherkonzepte können genauso Spass machen - wofür hat man seine Zweitanlage ...

    ja stimmt, heute hatte ich Besuch und Mayk durfte, unter meiner Anleitung, meiner MiniMemorial 2 Weichen (2 verschiedene Hochtonhornaufsätze) mit miniDSP 2x4 einstellen. Das ist erstaunlich gut geworden.

    Hallo Stefan, sehr schönes Projekt mit spannendem Chassisumbau!

    Den teilweise vorhanden U-frame sehe ich auch positiv für den Grundtonbereich und oben würde er störende Resonanzen bringen. Genial umgesetzt.


    Hallo Franz,


    schön dass Du dabeigeblieben bist und nun zufrieden Musik hören kannst.

    Der Weg ist nicht immer einfach. Ich habe viel "Mist" gebaut und genau wie Du eine Menge gelernt.


    Meine verschiedenen openbaffle hatten in den letzten 2 Jahren kurze Lebenszeiten. Die aktuelle Zusammenstellung spielt schon seit ca. Juni 2020. Das ist "lange" :)


    Was ich noch probieren möchte: den KEF Koax mit meiner Modulschallwand zu kombinieren, aber eigentlich bin ich gerade ganz glücklich wie es gerade funktioniert.


    Ich habe noch eine klare Empfehlung für eine Kauflösung, wenn es die monetäre Lage zulässt: Den Eternal Arts Dipol habe ich im Frühjahr bei den Norddeutschen Hifitagen 2020 erleben dürfen und ich möchte den hier gerne erwähnen. Ich habe einen Nachbau des Bassbereichs versucht und verneige mich mit Respekt vor der Ingenieurskunst, das brauchbar mit passiver Weiche umzusetzen.


    Schönes Wochenende, Hartmut

  • Moin,


    ich hatte den KEF-Koax ausprobiert und nach anfänglicher Euphorie wieder verkauft. Was mir jedoch sehr zusagt ist die Bass-Unterkonstruktion im Stil der Eternal Arts, als Doppel S Bass Dipole. In meinem Fall mit etwas kleineren 25cm Chassis Kenford HW1006 umgesetzt und mit MiniDSP 4x10HD, gegen den Bafflestep entzerrt. in meinem Eröffnungspost war ich von gefalteten Bassdipolen nicht überzeugt, da mein erster Versuchsaufbau nicht gut umgesetzt war.


    es gibt 4 gute Grundlagenvideos zu modernen openbaffle-Konstruktionen von GR-Research

    Teil 1

    Teil 2

    Teil 3

    Teil 4


    Ich habe die beschriebene Schallwandgeometrie anteilig umgesetzt und an meine Blaupunkt Chassis angepasst.


    Als nächstes baue ich Kenford HW1206 in Doppel S Bass Dipole. Als Topteile passen dann auch 20cm Chassis plus AMT. Ich überlege noch wie ich den 100Grad Winkel in die Bass-Dipole einfließen lasse. Eventuell als Parallelogramm.


    Grüße, Hartmut

  • Moin,


    ich habe neue Topteile für meine Doppel-S-Bassdipole (2x10"Kenford HW1006) gebaut und besonders auf die Abstrahlcharakteristik geachtet. Ich habe die Schallwandgeometrie der DXT-Mon182 von Alexander Heißmann in diese Topteile übernommen und die asymetrischen Flügel von GR-Research (ohne 100Grad-Winkel)


    Weiteres Detail, die Bassmitteltöner (es sind CarAudioChassis SinusLive EXMOD SL-16) haben einen asymetrischen Stern im Membran, der die Hauptmembranresonanz in viele kleine unbedeutende Resonanzen aufteilt, und kleine leichte kräftige Neodym-Frontmagnete. Durch die Frontmagnete in Verbindung mit dem Kalottenhochtöner Westra XDT-25-974 liegen die Schallentstehungszentren nahezu auf gleicher Ebene, was eine passive Weiche sehr vereinfacht.


    Die Trennungen sind zunächst, per MiniDSP 4x10HD, bei 2200Hz/12dB BW beim Tiefmitteltöner und 2800/12dB BW beim Kalottenhochtöner.


    Winkelmessung DXT Klon


    Die Winkelmessungen zeigen den absolut sauberen Übergang und die optimierte Abstrahlcharakteristik durch die Fasen.


    Testaufbau optimierte Schallwandgeometrie


    Das sind Test-Rohbauten und da die nächsten Ideen (Doppel-S-Dipole mit 2x12" HW1206 und 8"Breitbänder plus GRS-PT2522 C-4) verwirklicht werden wollen, schaffen die es erst mal nicht "hübscher" aufgebaut zu werden.


    Schönes Wochenende, Hartmut

  • Moin,


    wie angekündigt habe ich etwas größer gebaut. mit dem gleichen Prinzip.


    Open Baffle Dipole mit DXT bzw XDT-Höchtöner


    Im Hochton breit abstrahlende SEAS DXT Kalottenhochtöner, unterstützt durch die seitlichen Fasen. (Vorbild ist der DXTMonitor von Alexander Heissmann)

    Der Mittenbereich wird durch einen modifizierten (Hochtonschwirrkonus entfernt) Sica abgedeckt. Beide Chassis sitzen in einer asymetrischen openbaffle (Vorbild GR-Research/siehe Videolinks in Post 7).

    Im Bass arbeiten 2 preisgünstige Kenford HW1206 gegenphasig in S-N-Form-Dipolen. (Vorbild ist die Eternal Arts)


    Weiche per miniDSP4x10HD für 2x30cm Bässe, Breitbandchassis und Seas DXT Hochtöner


    Trennungen sind jetzt, per miniDSP4x10HD:
    Doppeldipolbass 200Hz/18dB BW
    kastrierter Sica 150Hz-1100Hz/18dB BW
    DXT 1800Hz/18db BW

    Filter:
    Dipolbassentzerrung:
    Lowshelf 47Hz/+6,4dB/Q0,6
    Peak 150Hz/-10dB/Q1,3

    Sica:
    Gesammtpegel -7dB
    Lowshelf 946Hz/-4,5dB/Q0,6
    Peak 420Hz/-2dB/Q2,4
    Peak 918Hz/-3dB/Q15,8

    DXT:
    Gesammtpegel -5dB
    Peak 1800Hz/-5dB/Q0,6
    Peak 3800Hz/-5dB/Q0,6
    Highshelf 11800Hz/+2dB/Q1,1

    und in 50cm Raummessung: Winkel 0 15 30 45 60 Grad
    Winkelmessungen Seas DXT und modifizierter Sica in asymetrischer openbaffle mit Fasen

    Sehr von Vorteil ist die breite Abstrahlung im Hochtonbereich, nahezu von 0 bis 30 Grad gleich! Das macht schon Spaß,


    aber ehrlich gesagt sind die Kleinen für mein 20qm Zimmer völlig ausreichend.


    Schönen Abend, Hartmut