Video Tonabnehmerjustage mit Schön-Schablone II

  • Habe mit meinen Versuchen noch nicht weiter gemacht. Passiert höchstwahrscheinlich wieder am Sonntag Abend...


    Meine Diva ist ein Grado Reference Reference1. Hatte es früher auf meinem Rega RP6 und da lief es mit der Rega-Schablone eingestellt anfangs ganz ordentlich (entspannt und schön räumlich). Gezischelt hat es da auch, aber irgendwie auf viel weniger Platten als jetzt - oder es hat mich damals nicht so gestört.
    Nun soll es aber an einem Perpetuum Ebner PE1000 zum Laufen gebracht werden. Der ist leider nicht so „gutmütig“ wie der Rega, spielt präziser/analytischer und will es da scheinbar noch etwas genauer haben.


    Gruß.
    Peter

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  • Vielen Dank nochmal für eure Hilfe!


    Nach vielen vielen Stunden und gefühlt über 100 teils extrem verwinkelten Irrtümern, habe ich den 9.1"-Arm meines PE jetzt auf die vom Hersteller des Arms und von Kurt empfohlenen 17,86mm Überhang und eine leichte Minusdrehung der Kröpfung um 0,5 Grad eingestellt. Das ist der für meine Ohren beste Kompromiss aus Zischelminimierung und Klang und bleibt jetzt so. Jürgens "Vermessung" war ein Volltreffer. Danke Jungs! Die Punkte habe ich gleich mal auf der Schön-Schablone markiert.

    Der VTA ist im Normwert ideal, der Azimut wieder ganz leicht nach außen gedreht, Antiskating auf Minimum gesetzt, gerade so dass die Nadel sicher aufsetzt, und die Auflagekraft habe ich 0,2 Gramm höher eingestellt als gewohnt. Letzteres liegt jetzt genau in der Mitte der Herstellerangabe. Bin da aber noch am Probieren, ebenso bei der Plattentellerauflage.


    Ja mit dem Restzischeln werde ich wohl leben müssen wenn ich weiter mit meiner Diva hören möchte. Und das möchte ich. Zwischen dem Zischeln, das jetzt wieder viel seltener und bei Weitem nicht auf jeder Platte vorkommt, tönt sie einfach umwerfend.

    Möglicherweise sind ja auch meine Tonarme nicht feinfühlig oder leichtgängig genug. Vielleicht leiste ich mir irgendwann einmal so einen richtig guten, am besten mit Wechsel-Shell. Mal schauen. Werde jetzt erstmal den Houdini von Funk Firm ausprobieren.


    Gruß.

    Peter

  • Erfahrungsgemäß sollte man, insbesondere am Anfang die Auflagekraft eher am oberen Ende der Empfehlung fahren. Das tut der Abtastsicherheit sehr gut.

    --- Ich höre hiermit und zwar das.

    Es gilt wie immer: das ist meine Meinung. Sie muss deshalb weder für andere passen noch erhebt sie Anspruch absolute Wahrheit zu sein.

  • Falls der Fehler in allen Bereichen der Platte auftaucht, dürfte eine andere Justage nichts bewirken; denn bei jeder Justage gibt es ja die zwei Bereiche um die Nullpunkte herum, wo die Spurwinkelfehler minimalst, und Abtastung somit ziemlich ideal wäre.

    Nur wenn der Fehler immer nur ganz innen oder nur ganz außen ...

    Hallo Jürgen, bei normalen Kröpfungseinstellungen treten die Fehler überwiegend im mittleren und inneren Bereich der Platte auf und kommen entweder mittig und/oder aus dem rechten Kanal.

    Am besten hat dabei wie gesagt eine leichte Drehung gegen den Uhrzeigersinn geholfen.


    Gruß. Peter

  • Erfahrungsgemäß sollte man, insbesondere am Anfang die Auflagekraft eher am oberen Ende der Empfehlung fahren. Das tut der Abtastsicherheit sehr gut.

    Danke für Deinen Tip! Was die Abtastsicherheit angeht, habe ich das auch so festgestellt, aber der Sound verändert sich dadurch auch und der ist für meinen Geschmack am unteren Ende einfach schöner. Die Mitte ist da erstmal der Kompromiss.


    Gruß.

    Peter

  • An der Entfernung zu den Boxen liegt es nicht, das habe ich schon ausschließen können. Verstärker, Vorverstärker, Lautsprecher, alles schon testhalber mal ausgetauscht. Das andere Grado-System, welches ich noch zu liegen habe (ein RS mit Shibata-Alu-Retip), hat bei mir auch eine Zischelneigung. Weitere Tonabnehmer habe ich leider nicht. Tonarm(e) könnte also sein, wäre aber sehr schade. Ein neuer richtig guter ist in diesem Jahr nicht mehr im Budget. Am Rega-Arm lief das System auch nie zischelfrei, ganz ähnlich wie jetzt am PE, auch nicht an einem Dual CS550 (dazu detailärmer und irgendwie "eckig") oder an einem alten Elac 900 (klang gar nicht gut). Kann das leider nirgends sonst testen. Vielleicht ist es aber auch wirklich der möglicherweise verdrehte Diamant. Vielleicht bin ich auch unfähig. Wäre also auch mal zu überlegen, dass ich mich mal für ein/zwei Stunden ins Auto setze und zu einem Fachmann fahre, falls der Lockdown mal irgendwann vorbei ist. Aber erstmal sehen, was der Entkoppler bringt.

  • Dann könnte eine Justage mit weiter innen liegenden Nullpunkten Sinn machen. Also z.B. statt IEC-, die DIN- oder Schön-Geometrie.

    Hatte ich auch versucht. Auch hier war das Gesamtergebnis mit einer 0,3 bis 0,6 Grad-Drehung gegen den Urzeiger besser als die Standardkröpfung. Aber mit dem größeren Überhang war es gerade in der Mitte noch besser.


    Eine Frage hätte ich noch:

    PE gibt für seinen 9,1“-Arm einen Überhang von 17,8mm an und Rega für seinen 9“-Arm 15mm. Ist das Physik oder Geschmacksache?

    Und vielleicht noch zu meinem Verständnis: Wenn man den Überhang bei ein und dem selben Arm verkleinert, verlegt das die Nullpunkte damit weiter nach innen oder weiter auseinander? Und was bewirkt dann eine Änderung der Kröpfung?

  • Hi Peter,

    Überhang und Kröpfung bestimmen die Lage der Nulldurchgänge und die „unbeugsame“ Physik zwingt uns zu Kompromissen um das „Zischeln“ gering zu halten.


    In den 50/60iger Jahren waren zwei Maßnahmen gegen das „Zischeln“ üblich. Die Toningenieure haben über den höchsten Tönen der Picolo-Flöte (8 kHz) zurückgeregelt. Für diesen Höhen-Cut wurden sogar spezielle Equalizer entwickelt. Und in den Rundfunkanstalten wurden Tonabnehmer mit runden Nadeln bevorzugt, die auch bei großen Spurfehlerwinkel weniger verzerren. Man ist mit diesen zwei Maßnahmen den Problemen der Höhenwidergabe aus dem Weg gegangen.


    Doch ohne Höhen wird die Musik auf eine „geschmacklose“ Konserve zusammengepresst. Gourmet-Techniker haben immer feinere Nadelschliffe entwickelt, die mehr Höhen wiedergeben, aber damit auch immer spurfehlerempfindlicher werden. Je kleiner der Rillenradius, umso schärfer wirken sich Spurfehler aus. Schön ist diesem Problem mit einem Kompromiss des weit innen liegenden Nullduchganges entgegengetreten. Vorführplatten der Plattenspielerhersteller verzichten auf eine Ausnutzung bis zur letzten Rille und enden meist, bevor ein Rillenradius von 70 mm unterschritten wird. Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker würde locker auf zwei LPs passen, wird aber auf 3 LPs geliefert um einen Rillenradius von 70 mm nicht zu unterschreiten. Viele High-end Schallplatten gehen so der Verzerrung gegen Plattenende aus dem Weg. Ich gehöre auch zur Gemeinde, die lieber auf die letzten Rillen verzichten und bevorzuge im Gegensatz zu Schön einen inneren Nulldurchgang zwischen 62 und 70 mm.


    Alle, die sich Richtung high-end vortasten, machen die Erfahrung, dass ohne exakten Tonarm alle hochwertigen Tonabnehmer kaum einen Fortschritt bringen. Bevor man sich einen Spitzentonabnehmer zu einem Preis über 5.000 Euro kauft, sollte man dieses Geld in einen präzise gefertigten Tonarm investieren. Deshalb rate ich, gib kein Geld für eine Houdini-Abkoppelung aus und spare auf einen guten Tonarm. Andere Experten aus dem Forum können sicher alte Tonarme (vor dem Verfall der Fertigung in Europa) nennen, die erschwinglicher sind als ein guter neuer Japaner (ab 7.000 Euro). Für alle, die bereits gespart haben, ein Tipp, Shakti hat noch immer den japanischen Glanz MH-124s, 12", im Angebot.


    Und zum Abschluss noch einige Rechenergebnisse. Die gegenüber Baerwald veränderten Werte habe ich gelb markiert. Die Klassifizierung des Ergebnisses ist davon abhängig, welcher Gemeinde man angehört. Ich gehöre zur Baerwaldgemeinde und daher habe ich beim inneren Nulldurchgang alle Werte außerhalb von 62-70 mm und beim äußeren Nulldurchgang alle Werte außerhalb von 119-130 rot markiert.


    Peter.jpg


    Grüße aus Österreich

    Kurt

    PS: Soweit ich mich erinnern kann, hat Ulrich und nicht Jürgen vermessen. Ehre, wem Ehre gebührt.

  • Hallo Ulrich,


    das ist mir jetzt aber peinlich. Natürlich, die Vermessung und damit der richtunggebende Hinweis war von Dir.

    Bitte vielmals um Entschuldigung und besten Dank!!!

    Gruß.
    Peter



    ... und danke Kurt für den Hinweis!


  • Hallo Kurt,


    eine interessante Tabelle. Wenn ich die richtig interpretiere, habe ich mit der Minus-Änderung der Kröpfung beide Nullpunkte mehr zur Mitte geschoben. Und einen ähnlichen Effekt hätte auch eine Vergrößerung des Überhangs ergeben, nur mit geringeren Auswirkungen auf den äusseren Nulldurchgang. Wirklich sehr interessant! Danke! Die werde ich mir gleich mal ausdrucken.


    Für einen neuen Tonarm werde ich in der Tat noch etwas sparen müssen. In die 5000€-Region werde ich da mit Sicherheit nicht vorstoßen. Erst recht nicht beim Tonabnehmer, bei dem es sich dann ja auch noch um ein Verschleißteil handelt. Bisher habe ich mich mit dem Thema Tonarm noch nicht wirklich näher beschäftigt und habe daher auch noch keine konkreten Vorstellungen. Außerdem hoffe ich auch noch, dass ich mit dem, was Ich jetzt habe, eine ganze Weile glücklich werden kann.

    Der Entkoppler ist schon gekauft. Sollte der nichts bringen, kann ich ihn auch wieder verkaufen.

    Dann steht noch die Entscheidung an, welchen Plattenspieler ich behalten werde, den neuen, schicken und sehr detailreich spielenden PE oder den alten schmeichelnden Rega. Haben beides was aber das ist ein ganz anderes Thema...


    Auf jeden Fall habe ich die letzten Tage hier einiges dazu lernen können.


    Besten Dank nochmal!

    Gruß.
    Peter

  • Hallo Peter,

    Ich bin leider kein Experte bezüglich alter Tonarme. Im Forum finden sich dazu sicher einige lesenswerte Threads. Gerüstet mit Wissen ist bei ebay sicher ein guter Tonarm im Preisbereich über 1.000 und deutlich unter 5.000 Euro zu finden. Halte die Augen offen. Vor dem Kauf jedenfalls bei einem Experten im Forum querchecken.

    lg Kurt

  • Wenn man den Überhang bei ein und dem selben Arm verkleinert,

    Man verkleinert nicht den Überhang. Das ist ja nur die rechnerische Differenz aus Montageabstand und effektiver Länge.

    Es ist im Übrigen sinnlos, diese Werte isoliert zu betrachten oder zu verstellen. WENN, dann ändert man die komplette Geometrie, und die setzt sich zusammen aus effektiver Länge, Montageabstand und Kröpfung.