Nadelnachgiebigkeit / Compliance statisch - dynamisch

  • Hallo liebe Vinylgemeinde!

    Habe den Eindruck, dass bei vielen Unklarheit über die Bedeutung der technischen Angabe der Nadelnachgiebigkeit bzw. Compliance in den Datenblättern von Tonabnehmern besteht. Deshalb möchte ich hier mal meine Kentnisse darüber posten.


    1. Statische Nadelnachgiebigkeit:

    Diese Angabe ist die Nachgiebigkeit oder auch Federrate der Aufhängung des Nadelträgers im ruhenden System. Der angegebene Wert gibt an, um welchen Weg die Nadelspitze die Nadel bei der statischen Aufbringung einer definierten Kraft nach oben (Richtung Tonabnehmergehäuse) bewegt wird. Hier wird ausschliesslich eine kleine Gewichtskraft aufgebracht und das "Einsinken" der Nadel gemessen. Die beiden Werte Gewichtskraft und "Einsinkweg" werden ins Verhältnis gesetzt und fertig.

    Der Wert wird nur durch die Federwirkung der Aufhängung beeinflusst, weder die Masse noch die Dämpfung der beteiligten Bauteile hat einen Einfluss auf das Ergebis. Ist zu dem Wert der Nadelnachgiebigkeit eine Frequenz angegeben, handelt es sich nicht um die Statische!

    Meiner Meinung nach hat dieser Wert auschliesslich einen statistischen Wert und gibt keinerlei Grundlage zur Einschätzung der geeigneten Verwendung.


    2. Dynamische Nadelnachgiebigkeit:

    Diese Angabe ist die Nachgiebigkeit oder auch Federrate der Aufhängung des Nadelträgers im schwingenden System. Der angegebene Wert gibt an, um welchen Weg die Nadelspitze die Nadel bei der schwingenden Aufbringung (Die Frequenz beträgt in den meisten Fällen 10 oder 100Hz) einer definierten Kraft bewegt wird. Dies wird teilweise in der horizontalen und der vertikalen Achse ausgeführt und angegeben. Die Ermittlung dieser Werte ist natürlich weitaus komplexer und Bedarf recht aufwendiger Messtechnik für exakte Ergebnisse.

    Der ermittelten Werte werden hier nicht nur durch die Federwirkung der Aufhängung beeinflusst, sondern ebenfalls durch die Masse (bzw. deren Trägheit) und die Dämpfung (da diese geschwindigkeitsabhängig ist) der beteiligten Bauteile.

    Meiner Meinung nach hat dieser Wert eine sehr viel größere Relevanz für den Vergleich verschiedener Tonabnehmer und deren Eignung für bestimmte Systeme.


    In jedem Fall sollte man aber die Resonanz des bestehenden System nach der Montage mit einer Testschallplatte checken, wenn einem dieser Wert wichtig ist. Mit einer Rechnung anhand der technischen Daten kann man keine keine exakten Ergebnisse erwarten.


    Beste Grüße


    Dirk

  • ... zumal bei japanischen Systemen die dyn. Compliance gerne bei 100 Hz angegeben wird, was zur Beurteilung des Resonanzverhaltens nahezu sinnfrei ist. Leider gibt es keine eindeutige Beziehung zwischen den Compliancen bei 10 Hz (dem relevanten Wert) und 100 Hz. Eine grobe Abschätzung liefert der gern genommene Faktor von 1,8. Aber die technischen Werte (die zudem noch altersabhängig variieren können) sind nur für den Anfangsverdacht einer groben Fehlanpassung zu gebrauchen, manch praktisch erprobte "unpassende" Kombination liefert in weiten Bereichen zufriedenstellende Ergebnisse, vor allem wenn sie nach oben, also in Richtung "zu hart", vom Ideal abweicht. In Richtung "zu weich" haut es schon mal die Nadel aus der Rille und man merkt, dass man den Bogen überspannt hat ;-)