Vergleich Rike Natalja mit Digna

  • Oh, ein anderer Faden .

    Wundersame Welt der Matrix 😂


    Dirk

    Jimmy war fair. Wenn ich ihm zehn Trips brachte, nahm er sieben und gab mir drei.

    Lemmy :saint:

    Im übrigen bin ich der Meinung das jeder eine DIGNA haben sollte

  • Getriggert von dem Wirbel um diese Geräte, hat es mich persönlich interessiert, was dahinter steckt, hinter der großen Aufregung. Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber der versprochene Vergleich konnte stattfinden: Mr. Nixie Digna (Prototyp, weitestgehend Version 2 mit angepasster Schaltung an OP Burson V6, lineares Netzteil) mit Rike Nataljia 3 Standard. Als Referenz lief eine sehr hochwertige Phono (Röhre) außer Konkurrenz mit. Preisliche Unterschiede zwischen den dreien war ungefähr das Dreifache – Digna – Rike – Referenz.

    Um eine Vergleichbarkeit zu erhalten waren alle Phonos auf 100Ohm Impedanz am MC-Eingang eingestellt. Die Phonos waren alle mit gleichen Kabeln (NF und, soweit möglich, Netz) angeschlossen. Auf externe Übertrager wurde verzichtet, weil das Ergebnis zu stark verwässert (alle drei haben intern ÜTs). Die Standfläche war allen gleich – gleiche Voraussetzungen also für alle Teilnehmer. Alle Phonos wurden erst nach mindestes einer Stunde Warmlauf ernsthaft verglichen.

    Es wurde hauptsächlich mit einem leicht modifizierten Denon DL103R gehört. Das Generatorsystem des Denon findet sich in vielen und sehr teuren Tonabnehmern wieder. Der Nadelschliff erlaubt eine gute Abtastung. Das System war eingespielt.

    Das restliche Setup bleibt bewusst ungenannt. Es geht um den Vergleich der Phonos und dazu sind die absoluten Komponenten nicht von Belang. Es sei aber versichert, dass es sich um sehr hochwertige Komponenten handelt, die in der Lage sind feine Nuancen deutlich zu machen.

    Software: Cecile McLorin Salvent – Woman Child (Stimme, dynamisch aufgenommen, perkussive Elemente), Harry Belafonte – At Carnegie Hall (Stimme, Live, Orchester, räumliche Live-Atmosphäre), Eminem – Soundtrack 8 Mile (elektronische Beats), Respighi – The Chicago Symphony Orchestra, Fritz Reiner – Pines Of Rome / Fountains Of Rome (Chesky Records, komplexere Musik, hochwertige Aufnahme, Dynamik). Es waren einige mehr, die aber nicht wirklich zum strengen Hörvergleich gedient haben.

    Ich habe mir die Mühe gemacht ein und denselben Track in wechselnder Reihenfolge mit allen dreien mehrfach hintereinander anzuhören, um die Nuancen zu ergründen. Die Kriterien waren: Dynamik, Rhythmus, Authentizität, Stimmenwiedergabe, räumliche Darstellung. Das war anstrengend und ermüdend. Deswegen habe ich immer abwechselnd Plattenseiten, oder Platten komplett durchgehört und anschließend wieder einzelne Titel wiederholt.

    Optisch ist die Rike sauber gestaltet – ein schlichtes Design ohne Auffälligkeiten. Haptisch ist das Gerät sehr wertig. Die Alu Teile fassen sich samtig an. Die Oberfläche hat KEINE gebürstete Textur, was ich angenehm empfinde. Man sieht sich einfach satt daran. Allein aus Designgründen würde ich mir die Digna nicht ins Rack stellen. Aber das ist bekanntlich Geschmackssache. Starre Kabel haben leichtes Spiel mit dem 500g-Leichtgewicht.

    Die Rike fällt klanglich auf, das steht fest. Auf Anhieb unterscheidet sie sich von der Digna und von der Referenz, die zu Kontrollzwecken herangezogen wurde. Es ist ein gewisser Glanz, der ihr anhaftet. Dadurch erscheint das Klangbild detailreich und räumlich weit. Es fällt leicht auch komplexen musikalischen Inhalten zu folgen und die Einzelheiten zu identifizieren. Mit zunehmender Dauer entpuppt sich dies leider als Effekt, den man sich mit dem Verlust am anderen Ende des Frequenzspektrums erkauft. Der Gesamteindruck ist „hell“, zu hell für meinen Geschmack. In der Disziplin der Details kann sie im Wortsinn glänzen. Führt bei mir aber dazu, dass ich auf Dauer ausmachen möchte, weil mich das Klangbild anstrengt. Der Druck im Grundton fehlt und dynamisch kann ich, im Vergleich, ebenfalls Defizite verbuchen. Man könnte die Rike vielleicht für eine Kette empfehlen, die insgesamt zu dunkel abgestimmt ist, oder deren Lautsprecher vielleicht keine Auflösungswunder sind. Positiv aufgefallen ist mir die Stimmwiedergabe. Da vermag die Rike zu bezaubern. Insgesamt wäre mir das ein bisschen zu wenig.

    Die Digna hat mehr Fleisch auf dem Knochen. Das heißt, der Grundton und tiefer, ist ordentlich bestückt und kommt mit entsprechend Druck. Der Mitteltonbereich schließt nahtlos an und dehnt sich in die Höhen gleichmäßig aus. Tonal also von der Abstimmung recht neutral, für meinen Geschmack, ausgewogener als die Natalija, weil die Frequenzbereiche nicht überbetont sind. Insgesamt ist die Auflösung und die räumliche Darstellung genauso detailliert oder weit wie bei der Rike, nur weniger aufgesetzt. Das führt in der Folge dazu, dass die Langzeittauglichkeit gegeben ist, die mir an der Rike fehlt. Nett bei der Digna ist das Feature die Röhrentypen tauschen zu können und diese per Wahlschalter auch elektrisch anzupassen.

    Beide Geräte haben umfangreiche Möglichkeiten Anpassungen an den Tonabnehmer vorzunehmen. Im Vergleich ist die Bedienung an der Digna für mich intuitiver. Die Grundeinstellungen werden hinten vorgenommen und die Einstellung der Impedanz kann bequem und stufenlos von vorne erfolgen. Etwas unkomfortabler ist das bei der Natalija gelöst. Um die Einstellung zu ändern muss man das Gerät drehen, wenn die Kabel lang genug sind. In engen Verhältnissen muss das Gerät raus aus dem Rack.

    Ich hatte an die Rike, ob ihres Lobes, recht hohe Erwartungen. Diese wurden nicht erfüllt. Ich würde bestenfalls auf ein Unentschieden gehen. Wer zu dem dreifachen Preis ein sehr hochwertig verarbeitetes Gehäuse bevorzugt, der kann zur Rike greifen. Wer auf Performance wert legt, der mag mit der Digna mehr Perspektiven haben. Die unterschiedlichen Röhrentypen und die Möglichkeit den OP zu tauschen, bieten sicher die Möglichkeit die klangliche Ausrichtung in einem weiten Bereich anzupassen. Die Rike muss gefallen.

    Die Ampearl ist leider noch nicht eingetroffen und konnte sich dem Vergleich nicht stellen.

    Beste Grüße,

    Max

  • Die Digna hat mehr Fleisch auf dem Knochen. Das heißt, der Grundton und tiefer, ist ordentlich bestückt und kommt mit entsprechend Druck. Der Mitteltonbereich schließt nahtlos an und dehnt sich in die Höhen gleichmäßig aus.

    Hallo Max,

    vielen Dank für deinen detaillierten Bericht. Dazu möchte ich aber noch kurz Stellung nehmen ( ...auch ohne Steine... ;) )


    Das die Natalija 3 schöne Stimmen hat, steht ausser Frage und wurde bei deinem und meinem Hörtest bestätigt.


    Das o.g. Zitat " Digna hat mehr Fleisch auf dem Knochen." zeigt mal wieder, wie unterschiedlich die Wahrnehmung sein kann, oder wie unterschiedlich andere Faktoren (die ich in eurerm Test set Up nicht kenne) ausschlaggebend sein können.


    Ich hatte damals, wie ich die Digna II bei mir getestet hatte, noch eine Dynavector Phono "ausser Konkurrenz" mitlaufen. Dabei fiel auf, dass die Dynavector P75 im Vergleich zur Digna II ( bei mir) mehr Fleisch am Knochen hatte. Ich wollte den Vergleich aber nicht komplizierter darstellen, als nötig. Nach dem Wechsel von der Dynavector auf die Natalija ging es noch ein wenig mehr in Richtung Druck, Volumen, Punch und schönere Stimmen. Ein Vergleich mit einer hochwertigen ASR Phono belegte das damals auch. Auch eine ASR Mini Basis spielt nicht nicht schlank und hell.


    Wie auch immer, es war Euer Set Up und Eure Ohren. Ich kann nicht sagen, was ihr gehört, oder nicht gehört habt.


    Noch ein paar Bemerkungen:

    - die passende Impedanz der N3 sollte in Ruhe herausgefunden werden

    - das Gerät benötigt leider viel Einspielzeit

    - War das Gerät eine Teststellung vom Händler ... wie viele Stunden?


    Auf jeden Fall waren die ausgewählten Musiktitel und Genres sehr weit gefächert und für mich aussagefähig. :thumbup:

    Ob ein modifiziertes DL103R der Weisheit letzter Schluss ist, um Hochton-Auflösung zu beurteilen, wage ich zu bezweifeln. :/


    Und jetzt könnt ihr Eure frischen Steine holen.. ^^

    LG


    Horst

    Edited once, last by Horst_t ().

  • danke für die eindrücke,


    vielleicht heilt sich meine hybrid-allergie über den sommer.


    bei der digna hat sich ohrscheinlich was getan, nun liegen allerdings mehrere versionen auf dem tisch, alle haben richtig...

  • Ob ein modifiziertes DL103R der Weisheit letzter Schluss ist, um Hochton-Auflösung zu beurteilen, wage ich zu bezweifeln. :/

    Wenn die Natalija damit schon als zu hell wahrgenommen wurde wird es mit einem hochauflösenderen System sicher nicht besser. Das Defizit wurde auch im Grundtonbereich / Bassbereich wahrgenommen und nicht im Hochtonbereich.


    Grüße Chris

  • Wenn die Natalija damit schon als zu hell wahrgenommen wurde wird es mit einem hochauflösenderen System sicher nicht besser. Das Defizit wurde auch im Grundtonbereich / Bassbereich wahrgenommen und nicht im Hochtonbereich.

    ich kenne das von der Natty 2 nicht. Vielleicht wollte man mit der 3 doch zuviel?

    Grüße

    Knut



    "Pokal oder Spital"

  • Wenn die Natalija damit schon als zu hell wahrgenommen wurde wird es mit einem hochauflösenderen System sicher nicht besser. Das Defizit wurde auch im Grundtonbereich / Bassbereich wahrgenommen und nicht im Hochtonbereich.


    Grüße Chris

    Das habe ich schon verstanden, ist aber bei mir nicht der Fall. Der Grundton ist voll mit richtig Fleisch 🥩 am Knochen.

    Auch mit Systemen die besser auflösen.

    Eigenartiger Weise habe ich mir die Natalija extra gekauft, damit ich in einem neutralen Set Up etwas mehr Grundton habe.

    So unterschiedlich ist die Wahrnehmung. :/

    Ein System mit guter Auflösung muss nicht hell und schlank klingen z.B. Benz LP.

    LG


    Horst

  • Eine Überbetonung des Hochtonbereichs oder eine fehlende Langzeitttauglichkeit kann ich für meine Natalija 2 auch nicht bestätigen - im Gegenteil:

    Sie spielt seit mehreren Jahren in meiner Kette ohne vordergründige Effekthascherei sehr ausgewogen.

    Wie schon richtig gesagt wurde: Die Einspielzeit ist ein wesentlicher Faktor und man muss für die Anpassung an das jeweilige Tonabnehmersystem ebenfalls genügend Zeit einkalkulieren.

    Meines Wissens sind die Veränderungen von der Version 2 auf 3 nicht dergestalt, dass sie den Grundcharakter des Geräts maßgeblich beeinflussen, sondern eher der Modellpflege geschuldet.


    Gruß Sensei

  • Was nach meiner Erfahrung nicht unbedingt passen muss, ist der gleiche Abschluss an den Pres. Natürlich noch aufwendiger, aber eigentlich müsste das für jeden Pre ausprobiert werden was am besten passt. Wobei 100 Ohm an einem 103R recht nieder ist, bei mir läuft das z.B. an der Paradise mit 600 Ohm.


    Grüße Chris

  • Noch ein Kommentar zur Auflösung. Die wird fälschlicher Weise immer dem Hochton zugeschrieben. Wie auch von CL.

    Hört Euch mal eine Live Platte an und achtet auf das Klatschen, Rufen und Pfeifen vom Publikum. Eine gute Referenz ist da Paolo Conte, live in Caracalla.

    Einfach mal mit einem DL103/ DL 103R gegen z.B. einem Benz LP anhören. Selbst ein SPU Synergy holt da wesentlich mehr an Details aus der Rille.

    Mit 600 Ohm spielt das DL103R nur tonal anders. Ich hatte lange Zeit dieses System.

    Wie gesagt kein Glöckchen aus der 7. Reihe, sondern lediglich das Klatschen im Publikum.

    LG


    Horst

    Edited once, last by Horst_t ().

  • V8 bitte nur mit Flatplane, sonst will er nicht drehen ;)

    Unrundes Geblubber brauche ich nicht.

    Eigentlich mag ich ohnehin nur das volle Dutzend ^^


    VG

    Dieter

    LW mit luftgelagerter Tellerachse sowie Teller mit Outer Ring und VTA- Lifter, diy

    Dr. Fuss Steuerung

    Kabelkonfektion diy

  • Noch ein Kommentar zur Auflösung. Die wird fälschlicher Weise immer dem Hochton zugeschrieben. Wie auch von CL.

    Hört Euch mal eine Live Platte an und achtet auf das Klatschen, Rufen und Pfeifen vom Publikum. Eine gute Referenz ist da Paolo Conte, live in Caracalla.

    Einfach mal mit einem DL103/ DL 103R gegen z.B. einem Benz LP anhören. Selbst ein SPU Synergy holt da wesentlich mehr an Details aus der Rille.

    Mit 600 Ohm spielt das DL103R nur tonal anders. Ich hatte lange Zeit dieses System.

    Wie gesagt kein Glöckchen aus der 7. Reihe, sondern lediglich das Klatschen im Publikum.

    Du schriebst in deinem ersten Beitrag dazu nicht Auflösung, sondern Hochtonauflösung. Das ist durchaus ein Unterschied und ich bezog mich darauf, wenn ein System im Hochton auffällig auflöst und weise nichts fälschlicherweise zu.


    Systeme die durch eine spezielle Hochtonauflösung auffallen haben recht oft eine schlankere Wiedergabe. So wurde ich z.B. weder mit einem Audio Technica, noch mit einem Benz Glider glücklich, ich bezeichne das als Gezirpe. Nun spielt neben dem DL 103R noch ein Hana SL, das zeigt auch mehr Details mit besserer Raumabbildung ohne im Hochtonbereich aufzufallen.


    Grüße Chris