Bisher gar nicht thematisiert wurde, welche Ausgaben den genannten Einspielungen zugrunde lag.
Beethovens Sinfonien gehören seit ihrer Entstehung zum unverrückbaren Kanon der sinfonischen Literatur. Seine Werke wurden noch vor der Drucklegung kopiert und aufgeführt, Beethoven hat auch nach Erscheinen seiner Werke noch Revisionen vorgenommen, Fehlerlisten zusammengestellt, briefliche Anweisungen an seine Verleger gegeben. In den Jahrzehnten danach wurden die Partituren mannigfach kopiert und editiert. Insgesamt führte die Gemengelage dazu, dass eine Fülle von Quellenmaterial nebeneinander existiert so dass z. B. zur 9. Sinfonie rund zwanzig verschiedene Quellen bekannt sind, die an neun verschiedenen Orten in Europa liegen.
Jonathan Del Mar hat über zehn Jahre die Quellen zu Beethovens Symphonien gesichtet, untersucht, miteinander verglichen und auf dieser Grundlage eine wissenschaftlich-kritische Neuedition sämtlicher neun Symphonien vorbereitet. Die Notenausgaben erschienen von 1996 bis 2000 im Bärenreiter-Verlag und wurden schnell zum Standard, auf den die meisten renommierten Dirigenten nicht mehr verzichten wollen.
Das bedeutet nichts weiter, als dass es keine analoge Aufnahme der Sinfonien nach dem aktuell authentischsten Notentext gibt.
