Vintage Plattenspieler mit vermurkster Tonarm-Geometrie - was tun?

  • Moin Moin,

    ich benutze zum Einstellen einen Winkelmesser. Den habe ich per Hand gezeichnet und einlaminiert.

    So wird gemessen: Die Nadel auf einen Beliebigen Kreisbogen aufsetzen und dann den Teller soweit verdrehen bis das System parallel zu den Linien steht. Dort wo die Nadel steht kann dann der Spurfehlerwinkel abgelesen werden. Optimal ist 0°.

    So kann ich jeden Arm auf verschiedene Nulldurchgänge einstellen.


    Grüße Detlef


    analog-forum.de/wbboard/gallery/index.php?image/42140/

  • Hallo und ganz herzlichen Dank für Eure Beiträge und Hinweise. Die Angabe zur Kröpfung aus der Hifi-Wiki kannte ich gar nicht, in Anleitung und Prospekten habe ich nichts gefunden.


    Ich habe eben nochmals ein Photo mit etwas höherer Auflösung als das von der Vinyl Engine gemacht, ein paar Linien eingezeichnet, nachgemessen und komme auf ungefähr 23,8°.


    Hitachip33.jpg


    Der weiße Punkt auf dem Headshell markiert die Position der Nadel bei einem Überhang von 15 mm. Liegt deutlich hinter dem Hitachi-Schriftzug. Montiert ist das originale Hitachi VFS-260, baugleich Audio Technica AT-11.


    Muß jetzt erstmal arbeiten, schönen Tag! Brent

    Gewerblicher Teilnehmer

  • Hallo Brent,


    den Tonabnehmer um ein paar Millimeter nach hinten verschieben und einen Einbauabstand von 222 erreichen. Dann auf ca. 64 und 130 justieren. das ergibt eine brauchbare bis gute Geometrie mit nur geringem effektiven Fehlwinkel.

  • Bei 240mm Leff sollten es knapp 22° sein. Bei 222mm sind es knapp 24°.

    Korrekt. Da müßte ich wohl dann die Säge und Bohrer aus dem Keller holen. Oder die Tonarmbiegezange.

    Ich würde den Angaben von Hitachi und den japanischen Ingenieuren mehr vertrauen als Winkelmessungen über ein Photo.

    Ich habe den Plattenspieler ja hier und auch direkt gemessen.

    Passt denn die Länge Armlager<->Nadel?

    Effektive Länge bei den angegebenen 15 mm Überhang sind knapp 240 mm, eher so 239,8. Kann aber auch an meiner Messungenauigkeit liegen, zudem federt die Nadel noch etwas ein. Montageabstand des Tonarms sind wie versprochen genau 225 mm.


    Grüße und Danke, Brent

    Gewerblicher Teilnehmer

  • Tag,


    der Arm kommt auch auf dem HT-840 vor. In der BDA gibt es die Anweisung den Tonabnehmer so zu montieren, dass die effektive Montagelänge 50,5 mm beträgt, und zwar einschließlich Zwischengummi (typisch 0,5 mm). Der Kröpfungwinkel ist nicht genannt.

    Rechnet man/d.h. lässt man bei Vinylengine Tools rechnen, mit 240,5 mm effektiver Länge, Überhang 15,5 mm (leicht durch ein Gummi zu erreichen, wenn schon 50,0 gegeben sind) sowie Achsabstand 225 mm, dann resultieren die Nullpunkte 60,07/120,12 mm, mit maximaler Fehlstellung 1.97°, max. Klirr% 0,8 und durchschn. Klirr% 0,51. Wenn man das hinbekäme!?


    Nebenbei: Der Kröpfungswinkel ist auch nicht genannt beim STAX UA 7/UA 7 cf, die beide mehrfach mit dem Arm des HT-840 in Verbindung gebracht werden (es sind allerdings wohl Einpunktler). Die STAX effektive Länge ist 240 mm, der Überhang 13 mm.


    Warum machten die ein solches Geheimnis aus dem Winkel?


    Freundlich

    Albus

  • japanische Ingenieurkunst ...

    Hi,


    Ingenieur bedeutet ja soviel wie Entwerfer.


    Das Wort "Ingenieurkunst" suggeriert sowas wie kreativer Design aber das trifft nicht zu. Denn der Beruf basiert auf angewandte wissenschaftliche Erkenntnisse. Rein wissenschaftlich ist er allerdings nicht ausgeprächt.


    Wesshalb schreibe ich das hier?


    Nun, Ingenieurkunst gibt es nicht. Nur sorgfaltige Arbeit.

    Viele Grüße, Tony

    ______________________________________________________

    the neon light of the "Open all Night" was just in time replaced by the magic appearance of a new day ....

  • Ein wirklich sehr schöner Dreher.

    Der Lift vorn erinnert mich an einige meiner Sonys die ich mal hatte,

    sehr praktisch….


    Wünsche dir viel Freude damit!


    Grüße

    bob 8)

  • Das Problem hatte ich mit einem Kenwood Player auch. Ich hab mir ein anderes Headshell besorgt mit längeren Schlitzen und dan nach Bearwald (oder wie der heißt) ausgerichtet.


    Den original TA in der original Kenwood Shell hab ich nach Kenwood Angaben ausgrichtet .

    und Ehrlich, ich konnte nix negatives hören mit der Rundnadel.

    Trotzdem immerwieder fazinierend wie einige Mitglieder das direkt berechnen können.

    Mein Hut ab für z.B. Mitglied Albus :merci:

  • Das heißt, du könntest kein SPU oder ein System das nicht einstellbar ist verwenden.

    Hmmm ???? ob das so gewollt ist kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe mir jetzt das Denon DL 110 gekauft, da ist auch nichts zum verstellen dran.

    Gruß

    Roland

  • Tag,


    in einer Zirkel-und-Lineal-Zeichnung mit den nominellen Daten resultiert eine effektive Länge von 240,5 mm, das ist gehörig genau für die Zeichnung als Bestätigung der nominellen Vorgaben.


    Verwendet: Achsabstand 225 mm, Armrohrlänge 194 mm, effektive Montagelänge 50,0 mm (EIAJ-Standard ist 2 Zoll/50,8 mm, Stylus Point auf Japan-HS mal bei 50,0 mm, mal bei 50,8 mm genau, z.B. STAX-HS), Kröpfungswinkel 22°.

    Enge Möglichkeiten sind Abweichungen/Toleranzen/nah beieinanderliegende Alternativen von 15,0-15,8 mm Überhang, entsprechend Montagelänge 50,0-50,8 mm. Alternativ Geometrie nach Stevenson mit 15,23 mm/21.71°.

    Werden die daraus resultierenden Nullpunkt-Kombinationen nicht erreicht bzw. deutlich verfehlt, dann stimmt die Kröpfung nicht.

    Möglichkeiten:

    1. 50,0 mm mit 56,62/123,19 mm

    2. 50,5 mm mit 60,07/120.12 mm

    3. 50,8 mm mit 62,32/118,09 mm

    4. 50,23 mm mit 60,33/117,42 mm (Stevenson)


    Die 50,5 mm für das Modell HT-840 sind im Service Manual illustriert, nicht in der BDA (hatte ich oben falsch geschrieben).


    Freundlich

    Albus

  • Moin Moin und Danke nochmals,


    nur kurz zum Abschluss: derzeit läuft der Hitachi jetzt mit einem grob nach Stevenson justierten System. Wenn ich Zeit und Lust habe, versuche ich es nochmals mit einer optimierten Justage mit Hilfe des Excel-Sheets von Theo Gartmann.


    Auffällige Verzerrungen sind nicht hörbar, aber der Dreher braucht einen neuen Riemen, das ist schon das nächste Hindernis - Flachriemen in der benötigten Stärke und Länge sind offenbar derzeit nirgendwo zu bekommen. SRA war auch ein Drama, da die Tonarmhöhe nicht justierbar ist. Mit dem derzeitigen Abtaster passt das ideal, aber mit vielen moderneren Systemen wird es schwierig. Ach, ja und die Antiskatingskala hat keinen Bezug zur Realität, die wirkende Kraft ist zu gering.


    Alles in allem ein etwas problematisches Teil, ähnliche Erfahrungen habe ich aber bereits mit etlichen Japan-Drehern aus den späten 1960ern und frühen 1970ern gemacht - Sansui, alte Micros oder Kenwoods besitzen auch ein paar konstruktive Macken. Bei alten Sonys oder Technicsen hatte ich nie solchen Trouble.


    Aber ich haben den Hitachi vor allem wegen der schlichten Optik gekauft - und klanglich passt er überraschenderweise auch ganz gut.


    tachi.jpg


    Grüße von der Küste, Brent

    Gewerblicher Teilnehmer