Kenwood's legendäre 'Supreme' (Voll-)Verstärker-Reihe - wie gut waren, oder sind sie?

  • Da man im Harbeth, Spendor @ Co. - Thread auf die oben genannte Verstärker-Reihe zu sprechen kam und darum gebeten wurde, dafür einen eigenen Thread zu eröffnen, komme ich diesem Wunsch hiermit gerne nach.


    Kenwood verband mit dieser Verstärker-Reihe damals, Ende der 70er Jahre, ja einen hohen Anspruch, wie man z. B. auch hier sehr schön sehen kann: http://www.thevintageknob.org/kenwood-Model_600.html - es gab auch noch das etwas kleinere Modell Supreme-500: http://www.thevintageknob.org/kenwood-Model_500.html


    Ja - wie schlagen sich diese Vintage Top-Verstärker unter heutigen Gesichtspunkten, bzw. gemessen an heutigen Maßstäben?


    Und - um auch noch meine Frage aus oben gen. Thread hier mit-einzufügen:

    In welche klangliche Richtung sind (oder waren) die Supreme's generell abgestimmt?

    Geht es eher in eine brilliantere, frische Richtung, oder besitzen sie auch klangl. Wärme, Schmelz und schöne Klangfarben?

    Denn meist sind ja die eine Generation älteren Geräte noch etwas wärmer abgestimmt, als die nachfolgenden - der auch vielfach bekannte Nachfolger der Supreme's, der KA-907, wird vermutlich noch etwas brillianter klingen / abgestimmt sein(?)


    Käme ein solcher Vollverstärker (ggf. nach einer fachkundigen Generalüberholung) auch für einen Spendor-, Harbeth-, Rögers- oder Graham-Besitzers etc. (auch unter Klanggesichtspunkten!) als ernsthafte Verstärker-Option in Betracht - womöglich sogar präferentiell - vor einem Neugeräte-Erwerb der einschlägigen/bekannten Marken? (natürlich Transitor, nicht Röhre)


    Oder wäre es doch mehr eine schön anzuschauende 'Vintage-Spielerei', die man sich als Zweitgerät neben einem Neuen noch dazu stellt (ich weiß, wieviel 'Sprengkraft / Konfliktpotential' diese letzte Frage beeinhaltet - daher bitte: Wohlüberlegt und mit kühlem Kopfe darauf antworten: "Seven virgins and a mule, keep it cool, keep it cool." - Zitat aus Emerson, Lake and Palmer's 'Brain Salad Surgery'-Album aus 'Welcome back my friends.....' ;-) ).


    Ich bin gespannt auf Eure Antworten und (ggf. als Besitzer eines solchen Amp-Klassikers), Hör-Erfahrungen.


    Beste Grüße

    Bernhard

  • Um mal ein knackiges Statement zur Diskussion zu stellen.. ich glaube, dass die Entwicklung des Transistorverstärkers Ende der 70er/Anfang der 80er klanglich abgeschlossen war und die damaligen TOTL-Geräte (wenn generalüberholt) locker mit heutigen "High-End"-Verstärkern mithalten können.


    ... und um noch etwas Öl ins Feuer zu giessen.. ich glaube an Verstärkerklang, aber da die Unterscheidung im Blindtest regelmässig mislingt, dürften die Unterschiede eher marginal sein, so dass man NATÜRLICH mit einer "alten Kiste", wie der Kenwood Supreme-Reihe an Harbeth Lautsprechern glücklich werden kann..


    Ring frei! ;)

  • Try before you buy gilt m.E. auch für solche Schlachtrösser, ist aber schwer umzusetzen.


    Ich bin seit über 20 Jahren zufrieden mit einer Sony Vorstufe aus Anfang der 80er. TAE86B. Mir gefiel die besser als die große 88er, weil sie agiler spielt. Daran hängt eine XTZ Endstufe mit icePower Modulen. Also eine Kombi aus alt und neu.


    Es ist alles sehr sehr von deinem eigenen Klanggeschmack abhängig. Deshalb sind Empfehlungen sehr mit Vorsicht zu genießen. Wenn derjenige der es empfiehlt einen ähnlichen Geschmack hast wie du, dann hilft eine Empfehlung schon. Wenn du seinen Geschmack nicht kennst, dann nicht.

    Alleine die Tatsache, dass es hier quasi keine 2 Leute gibt, die mit der gleichen Anlage hören, sagt m.E. viel über unterschiedlichen Klanggeschmack aus.


    Hilft dir jetzt konkret nicht sehr viel, aber vielleicht bzgl. der Herangehensweise.

    Entspanntes Hören, Frank


    ] Vorhandensein von Musik - Zuhandensein von Klang [

  • Es ist alles sehr sehr von deinem eigenen Klanggeschmack abhängig. Deshalb sind Empfehlungen sehr mit Vorsicht zu genießen.

    Ich war diese Wochen bei einem Freund Musik hören. Ein "alter Hase", der grundsätzlich, da bin ich mir sicher, weiß was er macht. Er hört mit zwei ambitionierten Ketten, bestehend u.a. aus ear-Komponenten, also pro Kette ohne Ls ist der fünfstellige Bereich erreicht.

    Er hat auch mit Verbindungsstrippen, und da kennt er sich gut aus, d.h. seine Empfehlungen waren immer zutreffend, sein Klangbild kreirt, und will das so.

    Ich hingegen würde so nicht hören wollen und meine, dass ich es besser hinbekommen habe, aufgepasst, für mich. Die groben Unterschiede: es fehlt mir die Griffigkeit der Künstler, der Interpretation, schon fein, aber irgendwie schwebend das Klangbild im allgemeinen.

    Ich habe es entschlackt, griffig, ehrlich. D.h. in der Komposition der Komponenten liegt das Geheimnis und auch mit den alten Komponenten oder vermeintlich billigen Komponenten kann der Erfahrene zu einem beachtlichen Ergebnis kommen. Wenn man "Schluss" machen will geht es auch mit dem Supreme 600, dem kenni KR :) 9600, dem kr 7400. bevorzugt höre ich nicht mit diesen, eher Pass oder Röhren (IA).

    Leider gibt es wenig gute 92dB+ LS (ausgenommen Hörner). Einen habe ich gefunden :):) . Will sagen die eben genannten Vintage-Geräte können mit dem Wirkungsgrad/Impedanzverläufen der heutigen LS-Kontruktionen Schwierigkeiten bekommen. Harbeth gehört wie viele LS dazu. TAD auch. Warum klingt eine JBL 4311 bei Rock so geil, so dass selbst die TAD das so frech nicht kann? Mein aktuell bevorzugter LS ist das aber nicht, ist ein anderer (Nichthorn).

    Gruss an alle und schönes WE

  • Moin,


    hatte für 2 Jahre einen Supreme 600 zur besten Zufriedenheit, bis er im

    Rahmen einer Revision abgeraucht ist.

    Würde jederzeit wieder einen kaufen, wenn es einen gäbe, der vorzeigbar

    wäre.

    Die Kondensatoren sind idR nicht mehr brauchbar, sodaß in jedem Fall

    eine Revision ansteht, die wiederum nicht unter 500 Euro zu bekommen

    ist.

    Der Sound liegt wie bei allen Kennies leicht im warmen Bereich, so wie

    ich es mag.


    Gruß

    Frank

  • Huch,

    was haste da gemacht? Bei mir alles Original, der rockt gut, aber ganz sauber spielt der nicht. Viele Einstellmöglichkeiten. Aber ist schon so, dass er was hat. Vintage zu einer JBL 4311/4312 , mit Rock schöön.

  • Ich kann zwar nichts zu einem 600 schreiben, wohl aber zur Kombi Vintage TOTL Amp, mit modernen Lautsprechern.

    Betreibe an meinen Harbeth SHL5+ einen Sansui 9500 Amp, aus Anfang der 70er Jahre.

    Der Sansui hat die Harbeth absolut unter Kontrolle, ich vermisse nichts an Klang/Räumlichkeit/ Bass, Auflösung etc.

    Sämtliche Klangregelung und Loudness sind abgeschaltet. Ich wüsste nicht, was da ein neuer moderner Amp besser könnte, hab es aber auch noch nicht ausprobiert ;)

  • Ja leider hat der Revisor damals Mist gebaut, angeblich war das Teil vorgeschädigt. Sei‘s drum!

    Auch die alten Sansuis wie auch Pioneers

    Können im entsprechenden Zustand auch heute noch bestehen. Aber offtopic.

    Nach mbM stehen die Kennies Supreme

    ganz weit oben, vielleicht ever

  • Wieso "hoher Wirkungsgrad"? Der 600 bringt 150W an 4 Ohm.. das sollte selbst bei Wirkungsgraden im niedrigen 80er Bereich ausreichend sein. Probleme könnte ich mir bei sehr alpinen Impedanzverläufen vorstellen, aber das betrifft neue Verstärker genauso..

  • Das war mal meiner

    Handy 149.jpg

    Damals mit der JBL 100t der ersten Serie gehört. Das klang ganz gut, mehr aber auch nicht. Die Geräte sind Wunderschön, daß wird es sein das sie so begehrt sind. Im Allgemeinen sind die Geräte zu teuer, ein kleiner Lector ist da nicht schlechter. Defekt war das Gerät auch noch, Kriechstrom am Gehäuse. Beim Stromprüfer brannte das Lämpchen. Aus Sicherheitsgründen verkauft. Der Käufer wusste davon, sein Kumpel fand das Problem. Eine Schraube vom Gehäuse ging durch das Stromkabel. Da war alles noch Original.

    Ich gönne jedem seinen Spaß mit diesen Geräten, beim Kauf ist Vorsicht geboten

  • Dann bedanke ich mich für Euer Feedback - und ja: Ein gesundes und realistisches Maß an Vorsicht bei so einem Verstärker-Klassiker-Kauf ist allemal besser, als hinterher damit auf die Nase zu fallen.


    Grundsätzlich bin ich aber vollkommen bei Euch:

    Man kann mit einem solchen, resp. vergleichbaren Top-Gerät aus dieser Zeit (wie etwa Markus berechtigt über seinen AU-9500 schrieb), klanglich vollumfänglich zufrieden sein - ggf. sollte man aber eine fachkundige Generalüberholung immer mit einkalkulieren.


    Bei mir ist es schon länger (neben einem Marantz 2270), ein McIntosh MA-6200 (beide in Regensburg top-überholt), der bzw. die mich in Punkto Vintage-Verstärker-Klang voll überzeugen können - oftmals mehr, als es ein Neugerät vermag (wie gesagt, immer auf Transistor-Amps bezogen), da bei Letzteren das auf maximale Durchhörbarkeit und Detailwiedergabe hin ausgelegte Klangbild, oftmals auf Kosten eines entspannten Hör-Genusses geht.


    Was etlichen Neuen fehlt, ist diese Mellowness und Relaxtheit der Wiedergabe, die dagegen die damaligen klassischen Komponenten (insbes. der Top-Kategorie), seien es nun Sansuis, Kenwoods, Marantz' oder McIntoshs (etc.) noch vollumfänglich zu bieten hatten.


    Eben deshalb, lohnen sich bei gut erhaltenen Exemplaren (sofern man es nicht selbst durchführen kann, was allerdings Know How und entspr. Equipment voraussetzt - einige hier im Forum, besitzen das ja!), auch aufwendigere und kostspieligere Überholungen.

    Trozdem bleibt man, unter'm Strich gerechnet (für Gestehung und Überholung eines guten Klassikers), in den meisten Fällen unterhalb des Neupreises eines Top-Geräts aktueller Produktion.


    Beste Grüße

    Bernhard

  • Ende 70er war die Konkurrenz stark, fast alle namhaften Hersteller aus Japan hatten in der TOTL einen "Boliden" als Topamp. Hier ist es schon fast eher eine Geschmacksfrage. Die technischen Unterschiede findet man eher im Detail, die Optik ist individuell interpretierbar.

    Sansui, Yamaha, Pioneer, Kenwood, Technics, Sony, Onkyo, sie alle hatten Vollverstärker mit 100-140W bei 8 Ohm, einiges an Ausstattung. Allerdings schwächelten alle bei MC. Denn hier wurde mit einem Schalter nur der Gain der MM-Stufe auf 20dB erhöht, was man sich eben auch mit einer Rauschanhebung um 20dB erkaufen musste. Nur wenige Amps wie der Yamaha A-1 hatten für MC einen eigenen Headamp an Board und wenn, war der meist einfacher aufgebaut, als in den höherklassigen Vorverstärkern. Nimmt man dagegen einen separaten Headamp oder Übertrager, bekommt man bei allen Ampklassikern jedoch eine gute Phonostufe, denn bis Mitte 80er gehörte eine gute Phonostufe zum sprichwörtlich guten Ton.
    Ich empfehle allerdings auch bei solchen Amps heute eine Revision. Recapping und auch Kontaktpflege, dann spielen sie meistens wieder wie neu. Ein schön gereinigtes Gehäuse schmeichelt dann auch dem Auge...

  • d'accord:

    "Ich empfehle allerdings auch bei solchen Amps heute eine Revision. Recapping und auch Kontaktpflege, dann spielen sie meistens wieder wie neu. Ein schön gereinigtes Gehäuse schmeichelt dann auch dem Auge."

    Da sollte man m.E. nicht sparen.

  • Um mal ein knackiges Statement zur Diskussion zu stellen.. ich glaube, dass die Entwicklung des Transistorverstärkers Ende der 70er/Anfang der 80er klanglich abgeschlossen war und die damaligen TOTL-Geräte (wenn generalüberholt) locker mit heutigen "High-End"-Verstärkern mithalten können.


    ... und um noch etwas Öl ins Feuer zu giessen.. ich glaube an Verstärkerklang, aber da die Unterscheidung im Blindtest regelmässig mislingt, dürften die Unterschiede eher marginal sein, so dass man NATÜRLICH mit einer "alten Kiste", wie der Kenwood Supreme-Reihe an Harbeth Lautsprechern glücklich werden kann..


    Ring frei! ;)

    Ein Provokateur wieder mal????

  • Kenwood kann auch anders.
    Hab mal beim Richard eine komplett Revidierte L-07C II gehört, und war richtig von den Socken. Da kannst du Phono MC ganz aufdrehen und es Rauscht nichts. Und damit meine ich überhaupt nichts! Ist allerdings ein Gerät aus der "High Speed" Serie von Kenwood.

    Gruß

    Max

    Die ‚sollen‘, v.a. die Endstufen, massenhaft abgeraucht sein.