Wer der ARD den AAC-Codec eingehaucht hat, würde mich mal interessieren.
Fürs DVB-Radio? Das IRT (also leider zu spät abgewickelt). Das Empfehlungsschreiben liegt mir seit Herbst 2020 (!) vor. Die Formulierungen legen nahe, dass es offenbar keine Marktkenntnis und keine Kenntnis der Haushaltsausstattung hinsichtlich AAC-tauglicher Hardware gab und man sich auch keine Mühe machte, selbige zu erlangen.
Ob dem Schreiben eine Anfrage der ARD vorausging, in der man sich schon auf AAC eingeschossen hatte, man sich also nur noch eine Bestätigung ("grünes Licht") holen wollte beim IRT, entzieht sich meiner Kenntnis.
Es gab meines Wissens nach zwei "treibende" Anstalten und auch mindestens eine warnende Anstalt. Und ich habe auch mal aufgeschnappt, dass ein weiterer ehemaliger IRT-Mitarbeiter eindringlich vor AAC gewarnt habe - wegen der Inkompatibilität mit vielen Endgeräten.
Schließlich verwenden sie das ja auch beim Fernsehton über DVB-T2 exklusiv. Oder gibt es noch eine andere Sendeanstalt, die das so macht? Mir ist keine bekannt!
In Skandinavien ist AAC weit verbreitet. Als im September 2007 - 4 Jahre nach DVB-T in Deutschland - in Norwegen DVB-T startete, waren H.264 und AAC verfügbar und man setzte es als Pionier ein, so wie Deutschland dann 2016 bei DVB-T2 erstmals H.265 einsetzte. Man hatte da auch anfangs das Problem fehlender Endgeräte - aber bei einem neuen System mit deutlich höherem Gebrauchswert, nicht bei der Fortführung eines vorhandenen Systems. Die Fernseher mit integriertem DVB-T-Empfänger waren dann die ersten Geräte, die AAC unterstützten. Diese Funktionalität war dann halt auch später bei Fernsehern mit integriertem DVB-C und DVB-S2 verfügbar.
Da die TV-Chassis oft europaweit verwendet werden, haben auch in Deutschland verkaufte Fernseher teils seit 2008 AAC drin gehabt und können es heute für den ARD-Hörfunk nutzen - zumindest bei Stereoprogrammen, teils mit Störungen (Knacken, Pegelfehler), aber es kommt irgendwie meist Ton raus. Ganz anders bei den vorrangig für den deutschsprachigen Markt entwickelten "Premium-Receivern". Die waren teils noch 2014 ohne AAC.
Die EBU hat für HDTV-Receiver und integrierte Empfangsteile im März 2009 ein "Set of Requirements" erlassen, das in Regionen gelten, soll, in denen es keine direkte Plattformanforderung gibt. AAC ist da dabei, inkl. Surround-Transcoding nach AC-3. Es fällt recht unmotiviert "vom Himmel", die Formulierung, mit der AAC eingeführt wird, ist reichlich seltsam.
https://tech.ebu.ch/files/live/sit…ch/tech3333.pdf
Das Dokument kam erstens mindestens ein Jahr zu spät, um die erste Generation Premium-HDTV-Receiver von z.B. TechniSat zu erreichen (Digicorder HD-S2, HD-K2, Digit HD8-S, Digit HD8-C). Zweitens wirkt ein Dokument, in dem es heißt
"Media industries developing stand-alone receiver (set-top boxes - STB or integrated receiver decoders - IRDs) or receivers with integrated digital televisions (iDTVs) are encouraged to comply with this set of requirements in order to allow interoperability between EBU Members’ broadcasts and the receiver device."
nicht wie verpflichtend. Wenn ich "are encouraged" lese, habe ich keine Verpflichtung, sondern eine Bitte vor mir. Und würde die Geräteindustrie dieses Paper ernst nehmen, müssten heute noch alle Receiver zwei SCART-Buchsen haben mit VCR-Durchleitung.
Außerdem gilt das Dokument für HDTV, nicht für Radio. DVB-Kabelradios sind damit also gar nicht adressiert, ebenso nicht UKW-Kopfstellenumsetzer.
Für deutsches DVB-T2 gibt es eine separate Anforderungsliste:
https://tv-plattform.de/wp-content/upl…-T2_Germany.zip
Auch da steht AAC drin.
In Österreich wird seitens ORS AAC für Satellit komplett ignoriert:
https://www.ors.at/fileadmin/user…AUSTRIA_V41.pdf
und bei DVB-T2 wird nicht verlangt, sondern nur empfohlen, AAC drin zu haben (sonst geht der grenznahe Empfang zu Deutschland halt nicht):
https://www.ors.at/fileadmin/user…n_2.1_final.pdf
Für die nordeuropäischen Länder wird die Verwendung von AAC in der NorDig geregelt.
Und so strickt sich jedes Land / jede Region was eigenes - oder eben auch nicht. Aus der Industrie weiß ich, dass die Hersteller von DVB-Radios eiskalt überrascht wurden von der ARD. Adrianus Elschot von Restek hat das ja sogar öffentlich gemacht:
https://www.facebook.com/restekhifi/
Norwegisches öffentlich-rechtliches TV und Radio auf 0,8° West:
https://www.digitalbitrate.com/dtv.php?mux=10…live=79&lang=en
Sat-TV mit AAC-Spur in Diktiergerätequalität (64 kBit/s HE-AAC), aber es ist auch eine satte 448er AC-3-Spur dabei, zumindest bei den Hauptprogrammen. Die Regionalisierungen haben aber nur diese Klingeltonqualität, ebenso der Hörfunk. Der hatte vorher zumindest bei den Hauptprogrammen 192 kBit/s MP2. Als das 2016 (?) auf AAC umgestellt wurde, habe ich mal in NRK Klassisk und NRK mp3 (Kiddie-Popwelle) reingehört, indem ich einen Transportstrom mitgeschnitten und daraus das AAC am PC extrahiert habe. Unglaublich lausig, kann man sich nicht anhören. Aussage eines NRK-Technikers (eine Koryphäe): Radio wird sowieso fast nur online gehört. Dort hatte man anständige 192 kBit/s MP3 und zumindest dieser Techniker schrieb mir vor einigen Jahren, man denke darüber nach, den Hörfunk auch in FLAC zu streamen und dann auf jegliches Processing zu verzichten. Ist offenbar nichts draus geworden.
