Sphärenklänge

  • Hier soll es um die Erfahrungen mit Tonabnehmern gehen die mit einem sphärisch geschliffenen Diamanten Musik abtasten.

    Meine Tonabnehmer sind/waren:

    - Denon DL103 (mehrere Exemplare)

    - Nagaoka MP100 (einziges MI-SYstem …bisher).

    - Shure V15/4 mit VN4G (Original); M75MG Type2 mit N75G (Nachbau)

    - Ortofon SPU #1

    - Sony VL37G

    - Audio-Technica VM-750 mit VMN10CB

    - Rega RB100


    Da die Tonabnehmer zu unterschiedlicher Zeit (alle in den letzten 3Jahren) u. an unterschiedlichen Anlagen gehört wurden ist mir erst einmal nicht gewahr geworden, das diese (klanglich) einige Gemeinsamkeiten haben …eine Zeitlang hatte ich genau danach auch nicht gesucht.


    Im Laufe der Jahre und im Spiel mit dem Klang der Systeme wurde alsbald deutlich, das billige Abtaster klanglich im Vergleich nicht schlechter abschneiden wollten wie die aufwendigeren, schöner und filigraner gemachten Zellen …einschließlich der MC-Systeme. Auch einfache MM‘s sind im wesentlichen nur anders (in ihrer HiFi-Ausprägung) und eben nicht schlechter (musikalisch ohnehin nicht).


    MM vs. MC ist nur scheinbar schnell aufgezeigt …greift zudem zu kurz.


    Mit der Zeit zeigte sich eine gewisse Affinität zu Tonabnehmern mit einer eher „ruhigen“, weniger quirligen Wiedergabe - woher das kam, was dahinter steckte war nicht deutlich …eher ein vages Gefühl.


    Dann fiel mir eine gewisse Ähnlichkeit beim DL103 und dem MP100 auf. Der Weg für das Denon war von Umwegen geprägt (bis ich dann verstanden hatte was zu tuen ist), der des MP100 war eine steilere Lernkurve.


    Beide Systeme sind ausgezeichnet darin den roten Faden in der Musik aufzuzeigen, brillieren weniger hinsichtlich einer MT/HT-Auflösung, zeigen mit einem gewissen runden Sound eher auf die oberen Bässe und den Stimmenbereich.

    Das SPU war hier fast schon extrem tendiert …scheint nicht gar so universell einsetzbar zu sein und geriet somit aus meinem Blickfeld.


    Weitere Systeme (MP150 u. V15/4HE u. JT-80BK) wurden verglichen und sind eine Zierde ihrer Hersteller und einer gelassenen Gangart ohne auch nur im mindesten langweilig zu sein …dennoch schien hier immer noch etwas zu fehlen.


    Entscheidend war dann der direkte, unzweifelhafte Vergleich des Shure V15/4 einmal mit dem scharfen u. dem sphärischen Schliff …außer dem jeweiligen Nadeleinschub war die gesamte Anlage die selbe!


    Die Über-Alles-Tonale Balance war gleich, aber es tut sich etwas recht deutlich im Bereich der Stimmen, Gitarren, Xylophone, Saxophone, Violinen usw.. Das TIMBRE für diesen Frequenzbereich ändert sich. Die Wirkung ist - einmal gehört u. verstanden - frappierend. Sämtliche Einzelaspekte treten förmlich in den Hintergrund, es wird vielmehr die musikalische Aussage verstärkt und der Fokus liegt eher im Gesamtbild/Wirkung.

    Im einzelnen: die Stimme Paul McCartney‘s bekommt das offensichtlich britische Timbre …und ist deutlich zu unterscheiden von den Stimmen der anderen. Eine Basedrum steht „realistisch“ da - glaubwürdiger als zuvor. Die Raumtiefe durch einen zugemischten Hall gewinnt an Perspektive. Eine Trompete erhält ihren sanften Glanz, kommt runder und farbiger daher und gewinnt sogar an Dynamik. Fingerschnippen hier u. Händeklatschen dort - die räumliche Zuordnung zum ursprünglichen Geschehen geschieht leicht(-er). Das Shure legt hier eine Sanftmut an den Tag das sich mit einem beeindruckend glaubwürdigen Punch paart. Schaut man nach den HiFi-Aspekten so findet man sie alle …diese Einzelaspekte sind da, etwas anders, ja, aber sie verlieren ihre Relevanz. Das Gesamtbild wird erkennbar - so als träte ich zwei Schritt von einem Bild zurück, welches bis dahin etwas zu groß wirkte. Ruhe tritt ein.


    Das es Abtaster gibt die besser auflösend sind, ja, ok.. Geschenkt! Einen musikalischen Zugewinn kann ich hier kaum entnehmen …eher den verstörenden Aspekt ob der oft blutleeren/feenhaften Wiedergabe durch diese filigranen Intarsien-Arbeiten.


    Musik liegt in den (unteren) Mitten, im Timbre …nicht in der Flut des Oberwellen-Pitch.


    Es freute mich falls es hier jemanden gibt der das schon selbst in Erfahrung gebracht hat und davon zu berichten weiss. Gerne auch die Benennung eines Tonabnehmers mit sphärischen Schliff und den genannten Eigenheiten.

    Wahrheiten gibt es nicht, aber Tendenzen in der Wirklichkeit.

    Einmal editiert, zuletzt von PeterPan ()

  • Das Shure M44 hatte ja ab Werk - egal mit welchem Nadeleinschub - auch stets sphärische Schliffe. Gleichwohl hat dieses Uralt-System heute noch einen legendär guten Ruf. So gut, dass es Jico sogar wieder nachbaut.


    (Den elliptischen Nadeleinschub hatte übrigens das M55).


    LG

    Manuel

  • Ich glaube nicht, dass mir durch scharfe Nadeln der Weg zum musikalischen Ganzen versperrt wird. Meine jüngeren Erfahrungen mit sphärischen Schliffen habe ich als nicht so gut in Erinnerung. Mir hat da einfach etwas in der Musik gefehlt, aber vielleicht höre ich auch anders. Als blutleer, verstörend oder sonst irgendwie irritierend habe ich das noch nicht erlebt.

    Viele Grüße


    Jörg


    Ich höre damit und meine kleine Plattensammlung seht ihr bei DISCOGS.



  • Als blutleer, verstörend oder sonst irgendwie irritierend habe ich das noch nicht erlebt.

    Hallo Jörg,


    ich betreibe einen schärferen Schliff (SLC = special line contact), das Thorens TAS 1600. Ich hatte vor kurzem einen Ausflug hin zum SPU.


    Das SPU stellte sehr angenehm dar, aber mir fehlte da was. Das TAS geht ganz anders zur Sache, stellt anders in den Raum. Es ist erlebnisreicher.


    Ich kann dem sphärischen Charme nichts abgewinnen.

    Mein Phonozweig besteht aus: Thorens, Lundahl und MK Analogue.

  • Um meine zwei Cents dazuzugeben:


    Ich hoere sehr oft mit Spielern, die entweder mit dem klassischen DL-103 (immer sauber justiert auf geeignetem Tonarm und 2,5 Pond Auflagekraft) oder der EMT TSD15 mit Rundnadel ausgestattet sind.


    In beiden Faellen kommt bei nicht zu sehr abgerittenem Vinyl eine angenehme und "plausible" Wiedergabe der Musik heraus - es scheint nichts Wesentliches zu fehlen.


    Ich habe aber auch einige gute Systeme mit 'schärferen' Schliffen im Einsatz - z. B. EMT TSD15 mit SFL-Nadel,EMT HSD 006, Ortofon 2M Black/Quintet Black/Cadenza Black vdH oder Lyra Delos. Jedes dieser System bringt auf eigene Weise 'mehr' Information aus den Platten, und gibt namentlich bei abgerittenem Vinylbesser anhoerbar besser Ergebnisse.


    Selbst bei gutem Vinyl gibt es oft auch einen regelrechten "Wow"-Effekt ueber das Mehr an Details - im zeitnahen Vergleich.


    Andererseits, wie vorher gesagt, wenn man nicht direkt vergleicht, ist die Wiedergabe mit Rundnadel sehr gut und "ganzheitlich" anhoerbar. Namentlich das DL-103 zeigt dabei - auch mit den in letzter Zeit deutlich gestiegenen Preisen - ein sehr gutes Preis/Leistungs-Verhaeltnis.


    Man kann mit dieser Wiedergabequalität sehr gut leben, finde ich.


    Gruesse


    Micha

    =->

  • Man kann mit dieser Wiedergabequalität sehr gut leben, finde ich.

    Moin Micha,


    da sprichst du ein wahres Wort gelassen aus.


    Nur weil wir SME - Wechselshells haben, beginnen wir uns von der Musik zu entfernen, um uns eher in technischen Details zu verlieren.


    Ich habe mich ganz bewußt von dem SPU getrennt, ich habe da meine Entscheidung getroffen.


    Letztlich führt jeder Wechsel in der Technik zu einer neuen Sichweise (Hörweise) seines vorhandenen Plattenmaterials.


    Auch ein "ich kann jetzt mehr abtasten" kann dazu führen, das man Dinge besser hört, auf die man hätte verzichten können.


    Ich war früher mit meinem Shure M91, später M95, keineswegs unzufrieden.


    Dummerweise hörte ich dann ein EMT im TMC Plastikarm (das gab es damals bei Thorens) mit dem Album "In the Court of the Crimson King". Das war so um 1970, ist also lange her. Das hat mich angesteckt.


    Danke Peter.

    Mein Phonozweig besteht aus: Thorens, Lundahl und MK Analogue.

  • Ich glaube nicht, dass mir durch scharfe Nadeln der Weg zum musikalischen Ganzen versperrt wird. Meine jüngeren Erfahrungen mit sphärischen Schliffen habe ich als nicht so gut in Erinnerung. Mir hat da einfach etwas in der Musik gefehlt, aber vielleicht höre ich auch anders. Als blutleer, verstörend oder sonst irgendwie irritierend habe ich das noch nicht erlebt.

    Moin Moin.

    Nichts für ungut bitte - eine überdeutliche Formulierung soll veranschaulichen.

    Wahrheiten gibt es nicht, aber Tendenzen in der Wirklichkeit.

  • Hallo an Alle,

    daß Rundnadeln von der Charakteristik anders "klingen" als "schärfere" Nadelschliffe, liegt hauptsächlich an den komplett unterschiedlichen Spurverzerrungen welche produziert werden.

    Bei einer abtastenden Kugel sind diese Spurverzerrungen relativ simpel darzustellen und auch zu berechnen (hauptsächlich k2 und k3 vertikal sowie k3 horizontal).

    Bei den anderen Schliffen sind diese Spurverzerrungen nicht mehr so einfach darzustellen, bzw. viel zu komplex, jedoch sind sie bei gut justierten Systemen in der Summe etwas weniger.

    Daraus ergibt sich der unterschiedliche Klangeindruck.


    Viele Grüße

    Marcus

    Zu viel Zeug...G301,SME3010,SPU,TD124,SME3009,XV-15,LP12,Ekos,Benz Glider,1009,1019,M44,TD150,MC20,ELAC 10H,STS322,50HII,STS355,770H,STS444,DL103,PE-33s,M44,Quad 22,II,ESL57,T-1,T-20,McC22,Mc30,KlipschBelle,A78,M20gold,AC2-AD1,VTL DeLuxe,VTL 50-50...

  • Es freute mich falls es hier jemanden gibt der das schon selbst in Erfahrung gebracht hat und davon zu berichten weiss. Gerne auch die Benennung eines Tonabnehmers mit sphärischen Schliff und den genannten Eigenheiten.

    Hier spricht mir jemand aus der Seele!


    Meine "runden Freunde", aktuell in Benutzung (ich hab noch ein paar in der Schublade):


    DENON DL-103

    Audio Technica AT-33 mono

    Audio Technica AT-VM95C

    Shure M44-7

    Shure SC35C


    Eine Gemeinsamkeit haben die hier genannten außer dem M44-7. Sie brauchen einen schweren Arm bzw. ein schweres Headshell. Dann blühen sie richtig auf!

    Eine große Überraschung ist hier das VM95C. Das klingt und macht richtig Spaß an einer schweren Headshell. Mehr braucht man eigentlich nicht.


    Die Rundnadel überträgt alles, sie betont nur nicht Höhen und Transienten und läßt die Musik fließen.

    Alles was ich schreibe ist meine persönliche Meinung und erhebt keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit. :!:

  • Moin Moin und Danke für die Erinnerung.

    In der Tat hatte auch ich schon Kontakt mit dem AT-VM95 (in meiner früheren Entdeckungsphase) - die damit gehörten Anlagen waren samt und sonders beeindruckend in der „körperhaften, glaubwürdigen“ Darstellung.

    Dem Hinweis gehe ich gerne nach.


    Was gäbe es zum Shure SC35 noch zu sagen?

    Wahrheiten gibt es nicht, aber Tendenzen in der Wirklichkeit.

  • Bei mir kommt es ziemlich auf die Pressung an, welcher Arm mit welchem System besser spielt. Die SPU #1s funktioniert oft prima mit Scheiben aus den 60ern und 70ern. Auch aktuelle weniger gut gepresste Scheiben, bei denen tief unten in der Rille die Pressung eher mies ist, laufen darauf oft gut. Ich hatte aber auch schon Pressungen, da lief der scharfe Schliff ganz unten in der Rille sauber, während die SPU einfach einen Bereich abgetastet hat, der nicht gut gepresst war. Für mich klingt es neben dem modernen System recht angenehm.

  • Moin Moin und Danke für die Verdeutlichung.

    Wahrheiten gibt es nicht, aber Tendenzen in der Wirklichkeit.

  • Ich find das Shure SC35 langweilig. Klingt eigentlich ziemlich eingeschlafen.

    Moin Moin.

    Könnte es sein, das der Magnet „schlapp“ gemacht hat? Shure-Systeme kenne ich eher balanciert und mit gutem Punch.

    Wahrheiten gibt es nicht, aber Tendenzen in der Wirklichkeit.

  • Was gäbe es zum Shure SC35 noch zu sagen?


    Ich find das Shure SC35 langweilig. Klingt eigentlich ziemlich eingeschlafen.

    Das SC35C war ein Rundfunksystem (ich glaube BBC). Es braucht Gewicht. Ich fahre es an einer 16 Gramm Headshell. "langweilig/eingeschlafen" wären die letzten Eigenschaften, die mir dazu einfiele.

    Das Ding grooved, zumindest in meiner Kette.

    Alles was ich schreibe ist meine persönliche Meinung und erhebt keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit. :!:

  • Vielleicht stimmt mein Schluss nicht und es liegt an etwas anderem.

    Das ist ein prinzipielles Problem. In meiner Kette macht es richtig Spaß, in deiner nicht.

    OK, so ist es halt.

    Alles was ich schreibe ist meine persönliche Meinung und erhebt keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit. :!:

  • Hängt sicherlich auch mit der grundsätzlichen tonalen Ausrichtung der Anlage zusammen, den Klang an sich kann man ja nicht fassen wie einen Messwert.


    Einen Abtaster tonal richtig einzuschätzen ist nicht so einfach, also das die gehörten Eigenschaften auf jeder anderen Anlage ähnlich oder gleich empfunden werden.

    Unabhängig von der Auflösung hat aber jedes System eine immer wiederkehrende grundsätzliche tonale Ausrichtung, das entscheidende spielt sich dabei nach meiner meinung immer im mittleren Frequenzbereich ab, wenn ein Tonabnehmer es nicht schafft einen flüssigen, ausgewogenen Mitteltonbereich hinzukriegen nützt auch die beste Auflösung nichts.


    gruß

    volkmar



    ps..hier noch was gefunden RE: elliptisch oder sphärisch?

    AAA Mitglied

    ..die zeit wartet auf niemand (Ulla Meinecke 1991)

    Einmal editiert, zuletzt von volkmar II ()

  • Hallo,

    das SC35C braucht einen stabilen, schweren Arm, eine Auflagekraft zwischen 4-5 Gramm (kein Scherz !) und eine aberwitzig hohe Eingangskapazität um den elektrischen Frequenzgangabfall auszugleichen. Mit den üblichen 175pF gewinnt man hier keinen Blumentopf, das dreifache ist eher angebracht (auch kein Scherz)

    Erst dann erwacht es zum Leben und kann viel Spaß machen.


    Viele Grüße

    Marcus

    Zu viel Zeug...G301,SME3010,SPU,TD124,SME3009,XV-15,LP12,Ekos,Benz Glider,1009,1019,M44,TD150,MC20,ELAC 10H,STS322,50HII,STS355,770H,STS444,DL103,PE-33s,M44,Quad 22,II,ESL57,T-1,T-20,McC22,Mc30,KlipschBelle,A78,M20gold,AC2-AD1,VTL DeLuxe,VTL 50-50...

    Einmal editiert, zuletzt von Marcus67 ()