Hallo Röhrenfreunde,
ein Bekannter hat sich einen EL12n Amp von BTB besorgt, und wollte damit seinen ersten Röhrenverstärker bauen. Mangels Erfahrung hat er sich Beratung und Hilfe gesucht, jeder fängt ja mal an. Besagter Amp wurde auch schon in der Klang und Ton besprochen.
https://btb-elektronik.de/wp-content/uploads/2023/01/KlangTon_6_2022_TH_20230116.pdf
Im Schaltplan fällt sofort die ungewöhnliche Beschaltung der EL12 auf. Zum Zwecke der Rückkopplung ist die Sekundärseite des AÜ in den Kathodenzweig geschaltet, habe ich so noch nicht gesehen, scheint aber gut zu funktionieren, denn klanglich ist der Amp richtig gut (an M1 gehört).
Nach dem Zusammenbau fand die erste Inbetriebnahme statt und die war sehr enttäuschend, aufgrund starken Brummens und Nebengeräuschen. Umbauten u.a. Masseführung brachten keinen Erfolg. So fand ein Ortstermin statt (wir wohnen etwas weiter auseinander). Ich brachte einen Regeltrenntrafo mit um ein konventionelles Netzteil aufbauen zu können, denn ich hatte die verwendeten Schaltnetzteile im Verdacht. Meiner Meinung nach haben Schaltnetzteile in Audioschaltungen nichts zu suchen. Die Nebengeräusche waren dann auch tatsächlich weg, das Brummen war auch geringer geworden aber immer noch da.
Allgemeines Schulterzucken, hier muss man wohl mit diverser Messtechnik anrücken. Noch einmal am Amp geschaut und an den Röhren gewackelt und plötzlich war Ruhe. Hä....
Die Ruhe hielt nicht lange an, nach einiger Zeit setzte das Brummen wieder ein. Erneutes wackeln an der ECL84 stellte die Ruhe wieder her.
Die ECL84 ist eine Verbundröhre mit Trioden- und Penthodensystem in einem Glaskolben. Diese Röhren machen von Zeit zu Zeit aber Probleme, sie werden recht heiß und neigen zum Schwingen. Sie wurden in Kofferplattenspielern und tragbaren Tonbandgeräten verwendet um Platz zu sparen. Als P-Röhren wurden sie auch in TV-Geräten verwendet, gerne auch als Regelröhren in Netzteilen.
Eine solche Röhre als Vorröhre zu verwenden finde ich schon merkwürdig, gut man kann alles machen. Der Bausatz wird von BTB ja nicht erst seit gestern Vertrieben, vielleicht lag es auch an einer schlechten Serie.
Die Fassung war eine gute Keramikfassung, daran konnte es nicht liegen. Möglicherweise hat da auch etwas geschwungen, das habe ich nicht weiter untersucht.
Die Entscheidung viel dann recht schnell, eine andere Vorstufe muss her. Da es zwei Monoblöcke werden sollten konnte es keine Doppeltriode werden. Mein Vorschlag eine EF12 zu nehmen stieß wegen dem Design auf gewisse Gegenwehr, ok so eine kleine Stahlröhre muss man mögen. ![]()
Die Wahl viel nun auf die EC92. Also im Schaltplan die Vorstufe weg genommen und eine neue mit EC92 dazu gemalt. Da die Berechnung schon einmal irgend jemand gemacht hat, brauchte man im Netz nicht lange zu suchen.
Das Resultat ist ein Röhrenverstärker, der richtig gut klingt.
Die Leistungsmessung mit 8Ω Lastwiderständen ergaben 8,5W, das ist schon recht ordentlich. Da ich kein Klirrmessgerät habe, haben wir uns bei der Messung darauf beschränkt bis kurz vor Clipping zu gehen. Bis 8,5W mit der M1 aufdrehen geht sowieso nicht, dann bluten einem die Ohren. Wenn man den Amp bis 4W aufdreht, ist das viel, Headroom ist da genug vorhanden.
Es ist natürlich möglich noch andere Vorröhren zu verwenden, ECC81, ECC83, EF12, EF9 usw.
Hier nun die Schaltung mit EC92.
Edit: Wir haben die EL12n durch eine El12 aus den 40ern ersetzt, was klanglich eine gut hörbare Verbesserung ergab. Die EL12n klingt schon gut, aber die alten funktionieren noch besser. Ob der Unterschied den höheren Preis der alten Röhren rechtfertigt, muss jeder für sich entscheiden.
