Guten Abend liebe "Gemeinde"
Ich habe mir vor einiger Zeit das "digitale Teufelszeug" von Fosi eingetreten (die V3 Monos) und war begeistert, was mich dann zur "Fosi Audio Box X5"( in einer Amazon Aktion um knapp unter € 100,-, heute € 125,-) brachte, einem kleinen, hochmodernen Phono-Vorverstärker.
Ich hatte keine besonders hohen Erwartungen, zumal ich mit den Aikidos, meiner großen Moth 30, der ProJect Röhrenbox und so manch anderem schon einiges durch habe und inzwischen auch kein so gutes Gehör mehr habe, so dass ich eigentlich mit den Aikidos mein Auslangen finde.
Was mich an dem Fosi so interessiert hatte, waren die vier Verstärkungsgrade von 38,48,56 und 66 dB.
Über die technischen Details, wie die Wertigkeit der verwendeten OPs in der Schaltung, gibt es schon die eine oder andere Abhandlung, darauf möchte ich nicht näher eingehen. Ich möchte dazu nur sagen, die Befürchtungen der OPA1612 wäre nicht MM tauglich, bewahrheiten sich natürlich nicht. Ganz so viel Headroom, wie Fosi bewirbt, dürfte der Amp nicht haben (ich habe ihn zum Übersteuern gebracht, aber unter "extremen Bedingungen"), aber für einen "normalen" Einsatz ist er sehr gut brauchar.
Grundsätzliches:
Das Gehäuse ist ebenso robust wie die Anschlüsse, der Drehschalter für die Verstärkungsstufen ist etwas billig, aber sonst ist das Gerät spitzenmäßig verarbeitet und kommt mit einem guten, potenten Steckernetzteil (16V AC(!) das nicht zu hören ist, also gute Arbeit!).
Es gibt zwar keinen SubSonic Filter, was dem einen oder anderen ein Kritikpunkt sein mag, aber sonst gibt es, bis auf fehlende Infos nichts zu bemängeln. Ich könnte nicht sagen, was der MM/MC Umschalter alles genau tut, da ja die Vorverstärkung extra geregelt wird. Handbuch lag bei mir keines bei, aber das online verfügbare sagt, was naheliegend ist, dass der Eingangswiderstand von 47kOhm auf 100 Ohm angepasst wird.
Die Eckdaten:
Verstärkung: 38/48/56/66 dB
Impedanz: 47kOhm / 100Ohm
Rauschabstand: 92dB(!)
Klirrfaktor: 0,009%(!)
Frequenzgang: 20-20000 (+/- 0,015dB)
Stromversorgung: 16V AC, also Wechselrichter intern.
"Vergleichsumgebung":
Ich habe den kleinen "artgerecht" ausgangsseitig einmal an einen Fosi V3 und einmal an eine Luxman C383 / 2x Rotel 980XB Kombination angeschlossen und kann sagen: was beim einen ankommt, kommt auch beim anderen an. Also ausgangsseitig absolut unproblematisch.
Eingangsseitig habe ich zwei Dreher "zur Hand" gehabt und mit verschiedensten Systemen getestet:
-Technics SP10 MKII mit Jelco SA750L
MCs: Hana SL, Ortofon MC Rondo blue, Denon DL103, Denon DL-110, AT OC9ML2
MMs: Technics EPC 205(L) Mk2, Elac STS444-12, Osawa OS 301, Ortofon 540mkII, AT12Sa, AT440MLb
-Technics SL-J2 (Tangential)
MC Technics EPC310
MM Technics EPC202 mit Jico SAS/b u. EPS24 "LineContact", sowie OMP"Nightclub-E"/20
Die Endlautstärke wurde mit Handymessung auf +/- 1/4 dB genau auf 70dB (Peak erster Track) vor den Endstufen eingestellt, so dass die Vorverstärkung keinen Einfluss auf die Endlaustärke hat.
Am "großen" wurde schnell dargeboten, dass der Pre nichts für die gehobenen MCs wie das Rondo sei. Da ich mich nicht zufrieden gab damit (und meine Systeme ja gut kenne), bekam das Rondo kurzerhand die Sony 1:10 Übertragen angesteckt und die Verstärkung auf 56dB eingestellt und siehe da: Auch hier geht doch die Sonne auf.
Ohne weiteres funktionieren Hana SL, DL-103, EPC310 und OC9 wunderbar mit dem Amp. Alle Systeme kommen gut mit den 100Ohm zurecht, es gibt kein Rauschen, auch nicht bei 66dB (was für alle MCs hier erste Wahl war). Beim Ortofon, das ich sonst mit 20 Ohm betreibe, hier mit 10 Ohm, war ich besonders von der Rauscharmut beeindruckt. Bisher hatte ich die große Moth mit 1:12 Übertrager u. Parallelwiderständen verwendet, mich aber am (sehr geringen) Grundrauschen gestört. Das gibt es hier nicht mehr. Echt gut!
Also für MCs ist es ein gangbarer Weg. Modern, hochintegriert, aber durchaus gangbar. Ich kann bei keinem der MCs wirklich was kritisieren. Klar geht wohl alles bis auf den Rauschabstand, ja vielleicht sogar der, nochmal einen Hauch besser. Aber im Vergleich zum MC-Eingang meiner Luxman C383 ist er auf jeden Fall besser. Nur das Technics 310MC bringt dort, wie fast überall herausragend gute Leistungen.
Beim DL110, dem HO-MC, das ja für seine "ausgewogene Langeweile" an MM-Eingängen und das Übersteuern an MC Eingängen bekannt ist, war ich besonders gespannt, da ich ihm zuletzt ungeahnte Dynamik mit 100 Ohm und +50dB entlockt hatte, ehe ich es wieder weggeräumt hatte. Mit der kleinsten Lautstärkestufe und Einstellung MM war sie sofort wieder zu erkennen: die berühmte Langeweile. Also auf 48dB. Spritzig, vielleicht etwas nervig, wenig Auflösung. Also auf MC/100Ohm und siehe da: Das System klingt ganz anders. Nicht nur einfach lauter. Nein, auf einmal negiert sich der Unterschied zum 103. Das 110 löst besser auf, es ist noch dynamischer, lebendiger. Notiz an mich: DL103 mit mal mit >70dB bzw. Übertrager probieren (dann sehen, welcher Pre da nicht übersteuert)!
Ich wollte dann aber nicht zu viel mit den MCs experimentieren, da die ja ihre gewohnten Umgebungen haben.
Bei der Entwicklung dürften die Chinesen ein Hana SL zur Referenz gehabt haben. Noch nirgends hat das Hana so frei und dynamisch geklungen, wie hier.
Also zu dem MMs, bei denen die Erwartungen, speziell in Bezug auf die Einstellung +56dB recht hoch sind.
Kurz gefasst: Die Erwartungen wurden fast zur Gänze erfüllt. Alle MMs liefern wie erwartet ein sehr gutes Ergebnis bei 48dB ab.
Bei 38 wirkten alle erwartungsgemäß etwas lahm.
Nur mit dem OMP am SL-J2 habe ich es geschafft schon bei 48dB den "Headroom" des Vorverstärkes auszureizen. Ich hatte vergessen, dass die Nightclub-E keine 5er ist, sondern deutlich lauter, bei 8mV am Eingang übersteuert eine der Verstärkerstufen. Mit 38dB tut sie was sie soll. Für die 20er Nadel sind 48dB wieder das Maß der Dinge.
die leiseren STS444-12, EPC205II-L und EPC202/sas freuten sich sogar über 56dB (da wäre ggf. ein 100kOhm Option auch was feines). Ganz besonders das 202 mit der SAS Nadel, wäre da nicht das Problem mit der Knack-Empfindlichkeit in der Einlaufrille. Da ist der SAS Schliff äusserst empfindlich und bei +56dB ohne Subsonic wird aus einem "kleinen Knack" schnell ein kräftiges "KLONCKK!!!" dass einem durch Mark und Bein geht.
Fazit:
Um unter € 150,- wird man derzeit kaum einen neutraleren, dynamischeren und flexibleren Phono-Pre finden.
In 92dB rauschfreiem Dynamikumfang kann man Phonosignale schon gut "herumschieben", was zu verblüffenden Ergebnissen, speziell bei den feineren, leiseren Systemen führt.
Technisch einwandfrei spielt er neutral und bietet äusserst gute Eckdaten. Es gibt für viele System-Kombinationen spezifisch bessere Phono-Pres. Es gibt auch bessere Universelle Entzerrer-Vorverstärker. Aber keine in der Preisklasse. Den ProJect Boxen ist er meiner Meinung nach bis zur DS3 (Transe oder Röhre) überlegen.
Der Otto Aikido Phono 1+ bleibt mir vom "Klang" (oder eben Nichtklang?) lieber, kostet aber auch schon in der Basisversion knapp das dreifache.
Also wer nicht scheut, Geld nach China zu transferieren oder jemanden an der Hand hat, der das Ding hier nachbaut, dem sei der "Fosi Audio Box X5" zu empfehlen.
Pros:
-Neutralität
-Dynamik
-Verstärkungsfaktoren
-Rauscharmut
-praktische, einfache Flexibilität (trotz fehlender Kapazitäts- und Impedanzanpassung)
-einfache Handhabung
-Preis
Contra:
-fehlender Subsonic Filter
-keine Kapazitätsanpassung
-keine weiteren Impedanzanpassungen
- ggf. Ursprungsland
Nutzung:
Da er zu gut ist, um ihn zurück zu geben, würde er kurzerhand mit einem V3 (2x300W Stereo Class D Endstufe aus gleichem Haus), einem Yamaha Streamer (Vorstufe mit DSP ähnlich Wiim Ultra), dem SL-J2 und einem Paar Dali Oberon 1 zu einer "2x300W Mikro-Anlage" mit herausragendem Vinyl/Analogzweig verarbeitet.
